Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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o künstlerisch geschlossene Werk ist eine Neubelebung der jüdischen Buch»- kunst; ein Symbol dafür, daß das uralte Volksbuch auch unserer G-egenwart noch künstlerischer Besitz ist. Das zahlreich erschienene Publikum spendete den interessanten, von Lichtbildern umrahmten Ausführungen des Redners lebhaften wohlverdienten Beifall. •fr # Berlin, 11. November. Die Arbeitsgemeinschaft der Angestellten der Jüdischen Gemeinde hielt eine gut besuchte Generalversammlung ab, in der über die Wahlen zu den Angestelltenvertretungen berichtet wurde. Die bisherige Tätigkeit des Vorstandes wurde eingehend erörtert und beschlossen, die innere Verbandsarbeit auszu bauen. Auf Antrag des Vorstandes erklärte sich die Versammlung mit der Bildung einer Bildungs- und Unterhaltungskommission, einer Propagandakommisston und einer Kommission zur Durchberatung der Statuten einverstanden. Es wurde ferner die Errichtung von Redner k urfen genehmigt» durch die in der Hauptsache die Heranbildung rednerisch gewandter Kräfte erfolgen soll. Auch eine Gesangsabteilung soll begründet werden, die auch die Geselligkeit Pflegen soll. Ueber die Beteiligung der Arbeitsgemeinschaft an den Wahlen zur R e p r ä s e n t a n t e n v e r s a m m l u n g fand eine Aussprache statt, in der beschlossen wurde, in Gemeinschaft einer jüdischen Partei eine Beamtenkandidatur aufzustellen. — Die Neuregelung der Gehaltssätze soll unverzüglich angestrebt und eine Gleichstellung der Bezüge der Hilfskräfte mit den festangestellten Beamten vorgeschlagen werden. er. Königsberg, 7. November. Einem seit langem gefühlten Bedürfnis entsprechend, ist hier kürzlich eine Volks- und Mittelstandsküche eröffnet worden. In einem Hofgebäude des Hauses Klapperwiese 11 sind aus alten unwirtlichen Räumen neue,, freundliche geschaffen worden, die es ermöglichen, etwa 60 bis 70 Personen zur Speisung aufzunehmen. Bankdirektor Marx betonte in seiner Eröffnungsrede, daß der Gründer dieser gemeinnützigen Einrichtung der Verein H a ch n a s s a t h O r ch i m sei, der seit vierzig Jahren schon Gutes gewirkt habe. Nabbiner Tr. Vogel stein brachte die Wünsche der Gemeinde, Nabbiner Tr. Jakobowitz und Herr M i l n a k o w s k i wünschten dein Unternehmen gutes Gedeihen. Zur Mittagsstunde stellten sich die ersten Gäste ein, die für den Preis von 3 Mark in der Mittelstandsküche, für 1,25 Mark in der Volksküche ein vorzügliches Essen verabreicht bekommen. Sg. Thorn, 7. November. Am 19. v. M. hat sich auf einer Tagung in Thorn die „I ü d i s ch e B e r e i n i g u n g" gebildet, welche sich die Aufgabe stellt, die Juden in den bisher preußischen Landesteilen des polnischen Staates ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zusammenzuschließen zur Wahrung der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Juden und zur Pflege treuer Anhänglichkeit an die jüdische Religion. Die Vereinigung will auch die Schaffung einer Gesamtvertretung der Juden ihres Bezirks vorbereiten. Den politischen und religiösen Parteien gegenüber ist sie neutral. Zur Förderung ihrer Ziele sind Zunächst drei Ausschüsse gebildet: 1. für staatsbürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung! der Juden (Rechtsschutz); 2. für soziale und Wohltätigkeitsangelegenheiten; 3. für geistige und religiöse Interessen. Dem Vorstände gehören Vertreter aller politischen und religiösen Richtungen an. Vorsitzender ist Sanitätsrat Tr. W o l p e (Thorn), stellvertretender Vorsitzender Justizrat Baerwald (Bromberg), Mitglied der Nationalversammlung. Das Bureau befindet sich in Thorn, Schillerstraße 10. Zur Tagung waven etwa 30 Delegierte der verschiedenen Gemeinden der noch unbesetzten Gebiete erschienen. 22 Hindenburg, 7. November. Der Verband der N a b - b i n e r O b e r s ch l e s i e n s hielt am 10. v. M. irn Logensaal zu H i n d e n bürg eine Versammlung ab. Der Vorsitzende, Kaatz (Hindenburg), eröfsnete die Sitzung, die sechzigste seit ^Bestehen des Verbandes, mit Worten des Gedenkens an die verstorbenen Verbandsmitglieder und widmete dein vor kurzem Heimgegangenen Vorsitzenden des Deutschen Räbbinerverbandes, Prof. Dr. Jakob G u t t - m a n n , einen herzlichen Nachruf. Er legte dann die besonderen Aufgaben dar, die der Verband in der Gegenwart zu erfüllen habe. Darauf wurde in die eigentliche Tagesordnung, welche einen wissenschaftlichen und einen geschäftlichen Teil umfaßte, eingetreten. Das talmudische Referat nmtzte wegen Erkrankung des Referenten Ochs (Gleiwitz) allsfallen. Es wurden zunächst homiletische Vorträge zur Verlesung gebracht. Darauf folgte ein Referat von Kaatz über Religionschesetz und Frauen Wahlrecht. Der Referent führte aus, daß die Erteilung des Wahlrechts an Frauen dem Minhag widerspreche. Talmud und Dezisoren setzen voraus, daß nur Männer wählen und gewählt werden. Ein ausdrückliches Verbot aber finde sich weder hinsichtlich des aktiven noch des passiven Wahlrechts. Die Institution der Repräsentantenversammlung habe es in alter Zeit überhaupt nicht gegeben, sie fei eine spätere Einrichtung. Wohl finde sich ein Verbot, eine Frau zum „P a r n e s" zu wählen. Aber das Amt des Parnes der talmudischen Zeit sei nicht identisch mit dem des Vorstehers der Gegenwart. Jenes sei ein lebenslängliches und erbliches gewesen und habe eine größere Machtbefugnis besessen. Es bleibe also religionsgesetzlich die Berücksichtigung des dem Frauenwahlrecht widersprechenden Minhag übrig, der ein wichtiges religiöses Moment darstelle und ohne zwingende Notwendigkeit nicht aufgehoben werden dürfe. Ob eine solche Notwendigkeit vorliege, darüber könne von einem einzelnen kein prinzipielles Votum abgegeben werden. Diie. Entwicklung sei abzuwarten. Sollte sie zu einer Erteilung des aktiven und passiven Wahlrechts an Frauen führen, so habe man diese Tatsache ebenso zu respektieren, wie es die Rabbinen des Talmuds in analogen Fällen getan hätten, die z. B. Salome Alexandra, nachdem sie Königin geworden war, ebenso den König Agrippa trotz entgegenstehender hakachischer Bestimmungen anerkannt hätten. An das Reserat schloß sich eine Diskussion. — Jnr geschäftlichen Teil wurde vom Vorsitzenden ein eingehender Bericht erstattet. Im Anschluß daran wurde beschlossen, mehrere Schreiben an den Deutschen Rabbinerverband abzusenden. Es folgte der Bericht des stellvertretenden Vorsitzenden, Diene mann (Ratibor), über die Inspektion des Religionsunterrichts. Daran knüpfte sich eine rege Debatte, an der sich besonders de Haas (Kattowitz) und Baßfreund (Pleß) beteiligten. Dann wurde die durch Ueberstedlüng Dienemanns nach Osfenbach notwendig .gewordene Wahl eines stellvertretenden Vorsitzenden vollzogen. Gewählt wurde Braunschweiger (Oppeln). Den Schluß der Sitzung bildete die Besprechung interner Angelegenheiten. Breslnu, 7. November. Auf Anregung der Lessing-Loge haben sich die jüdischen Korporationen der Breslauer Gemeinde und verschiedene schlesische Gemeinden vereinigt, um eine Jüdische Volksh o ch sch ule zu B r e st au zu begründen. Ihr Zweck ist, durch populär-wissenschaftliche Vortragsfolgen lebendiges Wissen vom Judentum in weite Kreise der Breslauer und schlesischen Bevölkerung zu verbreiten und hierdurch die Liebe zum Judentum zu stärken und zu vertiefen. Die Jüdische Volkshochschule dient keiner Partei: alle religiösen und politischen Richtungen innerhalb des Judentums sollen in ihr Lehrfreiheit haben. Die Vorlesungen umfassen das gesamte Gebiet des jüdischen Lebens, Religion, Geschichte, Literatur, Kunst, wirtschaftliche Verhältnisse und politische Richtungen. Als Vortragende haben sich 'bewährte Kräfte zur Verfügung gestellt. Die Pflege der Jüdischen Volkshochschule ruht iu den Händen eines von den jüdischen. Korporationen gebildeten Kuratoriums und eines Vereins Freie Jüdische Volkshochschule, dessen Vorsitzender Herr Professor Dr. Bran n ist. Die feierliche Eröffnung der Volkshochschule erfolgte Sonntag, den 9. November, vormittags 11 Uhr, im großen Saal der Lesstng^Loge, Agnesstraße 5, der Beginn der Vorlesungen am 10. November 1919. Die Vorlesungen finden stall in den Räumen des Jüdisch-Theologischen Seminars, Wallstraße 14, und der Religionsunterrichtsanstalt I, Wallstraße 9. Nähere Auskunft beim Kartenverkauf. Derselbe findet im Sekretariat der Lesstng-Loge, Agnesstraße 5, und in der Köbnerschen Buchhandlung, Schmiedebrücke 17/18, statt, wo auch Vorlesungsverzeichnisse sowie Listen zur Eintragung «der Mitgliedschaft für den Verein Freie Jüdische Volkshochschule ausliegen. Preis für den Vortragszyklus 5 Mark, bei Teilnahme an mehreren Zyklen 4 Mark. Mitglieder des Vereins Jüdische Volkshochschule und des Vereins für Jüdische Geschichte und Literatur, Studenten, Schüler und Inhaber von Jnvalidenkarten zahlen für den Zyklus 3 Mark. Vorlesungen halten: Professor Dr. Brann: „Die Geschichte der Juden in Schlesien." Dienstag 7 bis 8 Uhr. Dr. Ludwig Cohn: „Der soziale Gedanke bei den Juden in alter und neuer Zeit." Tonners'tag 5 bis 6 Uhr. Dr. Willy Cohn: „Aus der Geschichte der Juden im Mittelalter." Mittwoch 8 bis 9 Uhr. Frau Dr. Fuchs- Hes: „Der Einfluß der Heiligen Schrift auf die neuere deutsche Literatur." Montag 8 bis 9 Uhr. Dozent