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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-14 · Heft 46 (14.11.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 46 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Aufgabe gestellt, eine breite jüdische Literatur zu schaffen. Zu. diesem Zwecke sind dort fünf große Verlage gegründet worden, welche in jüdischer Sprache die Werke der Koryphäen der Weltliteratur sowie jüdische Uebersetzungen der bedeutendsten Werke der hebräischen Sprache herausgeben. Zum Zwecke der Pflege der jüdischen Literatur wird ein ganzes Netz jüdischer Schulen geschaffen werden, für die jüdische Lehrbücher herausgegeben werden. Mit der jüdischen Sprache begnügen sich die amerikanischen Juden nicht, und es ist eine große Renaissance in der hebräischen Literatur zu bemerken. Es werden folgende hebräische Wochenschriften herausgegeben: Hathoren, Haiwri, Hamiktat (der schönen Literatur gewidmet), Dibbur , Haiwri, welcher täglich mehr Verbreitung iindet. Es sind viele moderne hebräische Schulen und vier hebräische Lehrerseminare gegründet worden. Ueberhaupt ist das amerikanische Judentum in den letzten Jahren sehr erstarkt und befindet sich im ständigen Wachstum. Und das wird auf das ganze Judentum ebenso in der Diaspora wie in Palästina von Einfluß sein. — Im amerikanischen Judentum ist neuerdings der Plan eines Kongresses der aus der Ukraiue stammenden Juden aufgetaucht, dessen Zweck ist, Hilfe den leidenden Landsleuten in Rußland zu bringen. Die amerikanische Regierung hat die Unterstützung dieses Planes bereits in Aussicht gestellt. '! Von Sah und Fern. In der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November ist in die Synagoge Lützowstraße ein Einbruch verübt worden. Die Einbrecher haben sämtliche Teppiche gestohlen und nach einem benachbarten Grundstück geschafft. Bei ihrer Rückkehr in die Synagoge sind sie durch den Wächter gestört worden und mußten fliehen, ohne ihre Beute mitnehmen zu können. Auch die Teppiche wurden am nächsten Morgen auf einem benachbarten Grundstück aufgefunden, so daß die Synagoge keinen Schaden erlitten hat. — Universitätsprofessor Dr. Ludwig Stein beging am 12. d. M. seinen 60. Geburtstag. — Der Direktor der Hirsch-Kupfer- und Mefsingwerke Benno S e e g a l l ist zum stellvertretenden Handelsrichter ernannt worden. -- Der hauptamtliche Dozent Dr. Robert Glücksiiiditn ist als Professor der Privatwirtschaftslehre an die Hochschule für Verkehrswesen in Düsseldorf berufen worden. - Geheimer Medizinnlrat Dr. Rubensohn, früher in Grätz, jetzt in Eharlottenburg, beging mit seiner Gattin das schöne Fest der goldenen Hochzeit. - Der Abgeordnete H u g o Hanse, aus den vier kurzem ein Geisteskranker aus persönlicher Rache ein Revolveratteinat verübt hat, ist am 7. d. M. nach 'langer Oual seinen schweren Verletzungen erlegen. Sein tragisches Ende wird auch in den Kreisen, die seinen politischen Radikalismus verurteilen, aufrichtig bedauert. — Aus Posen wird uns geschrieben: Auf Einladung des Vorstandes hielt am 1. d. M. Herr Rabbiner Dr. Gottschalk aus Kunitz in der Synagoge des Israelitischen Brüdervereins eine Gastpredigt. — Volkstümlichw issenschaftliche Vorlesungen hielten hierselbst die Herren Dr. Jolvwicz und Dr. Kassel. — In der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft sprach Herr Sanitätsrat Dr. Landsberg über: „Richtungen und Strömungen in der medizinischen Wissenschaft." ~~ Oberbürgermeister Pohlni a n n in Kattowitz ist in den Ausschuß des Vereins zur Bekämpfung des Antisemitismus eingetreten. — In Ratibor ist der Kultusbeamte Herr Wilhelm Schwa r z e r gestorben. Vorstand und Repräsentanten widmen ihm folgenden ehrenden Nachruf: Seit 33 Jahren bei uns im Amte, hat der Verstorbene in Treue und mit Eifer für unsere Glaubensgemeinschaft gewirkt und sich die Hochschätzung aller Gemeindemitglieder erworben. Wir werden ihm stets eine ehrende und dankbare Erinnerung bewahren. — Professor Wohlauer, Mitglied der Breslauer Stadtverordnetenversammlung und Vorsteher der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde, feierte das Fest der silbernen Hochzeit. — Unter den Hamburger Akademikern hat sich ein Komitee gebildet, das einen Zyklus von öffentlichen Vorlesungen über ivisfeuschaftliche Fragen vont Standpunkte des Judentums aus veranstalten will. Es werden unter anderen Vorlesungen halten: Rabbiner Dr. Silbe rberg (Posen), der Assyriologe Rabbiner Dr. Jampel (Schwedt), Oberrabbiner Dr. S. Spitzer, Oberrabbiner Tr. Lerner (Altona) und Dr. L. Lichtig. — In Bamberg wurden neulich zwei Banklehrlinge und ein Bildhauer beim Anschlägen von antisemitischen Plakaten verhaftet. - Der Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen wählte an Stelle des nach Burgpreppach berufenen Herrn Dr. Michalski Herrn Rabbiner Dr. Hermann Klein aus Eipnstadt zum Vereinsrabbiner. — In Buer-Erle ist Herr E. D. A h r o n gestorben. Der Heimgegangene hat während seiner langjährigen Tätigkeit als Vorstandsmitglied und Repräsentant in segensreicher Weise für die Gemeinde gewirkt und deren Interessen warmherzig vertreten und gefördert, daß ihm ein dauerndes, ehrendes Gedenken in der Gemeinde gesichert ist. — Der bisherige württembergische Kultusminister H e y m a n n , ein Jude, hat das wichtigste Ministerium, dasjenige 'des Innern, 'übernommen, und an seine bisherige Stelle tritt der Demokrat Dr. v. Hieber. Trotz dessen ihnen gegnerischer Parteistellung begrüßen die Organe der Rechten diesen Wechsel, weil ein. jüdischer Kultusminister dadurch beseitigt sei. — In Teplitz ist der Rabbiner Professor Dr. Adolf K u r r e j n im 74. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene, ein hervorragender Kanzelredner, kam vor dreißig Jahren von. Bielitz nach Teplitz. Seit dieser Zeit lebte er hier ununterbrochen als Seelsorger und Religionslehrer. Er war auch schriftstellerisch tätig. — Die britische Mission in Wien lud die Direktion der Jüdischen Palästinareiß- und Transportgesellschaft zu einer Besprechung ein, in deren Verlauf Stabskapitän Baron Marrochetti, der Vertreter der britischen Mission, der Gesellschaft seine Unterstützung versprach. Es sei eine Milderung der Einwanderungsschwierigkeiten zu erhoffen. — Laut „Jüdischer Morgenpost" hat ein Mitglied des Komitees der Jüdischen Delegationen in Paris nach Wien berichtet, daß das Präsidium erwähnten Komitees bei verschiedenen maßgebenden politiMf.cn Faktoren in Paris interveniert hat, damit die in Wien sich aufhaltenden jüdischen Flüchtlinge ohne Schwierigkeiten laut den Bestimmungen des Friedensvertrages in Deutsch-Oesterreich, naturalisiert werden können. Man hofft die deutsch-österreichische Regierung zu bewegen, den jüdischen Flüchtlingen auch weiterhin in Deutsch-Oesterreich ungestört Aufenthalt zu gewähren. — Die Forderung, die Juden aus der Politik auszuschalten, erhebt Schulgin im „Kijewljanin", worin er schreibt: , Die jüdischen Politiker haben uns Russen weit mehr Unglück gebracht als selbst den Juden, aber es ist klar, daß ihnen ein einziger Weg oßen bleibt: der Weg des vollständigen Verzichtes der Juden auf politische Betätigung in Rußland. Für alles, was Juden in Rußland unternommen haben, von Frühmann bis Bronstein, müssen sich alle schämen. Das muß abgerechnet werden. Wir legen den Juden ein? Minimumrechnung vor. Wenn d'e Juden sie nickt honorieren, werden sie später weit mehr zu bezahlen haben." — Der in Rußland erscheinenden Zeitung „Die letzten Nachrichten" entnimmt die „Jstvestija" (Zentralorgan der russischen kommunistischen Partei) die durchaus nicht unwahrscheinliche Meldung, daß der Generalst^-b der Freiwilligen russischen Armee den Befebl gab, alle jüdischen Offiziere zu verabschieden. Betreffs der jüdischen Soldaten ist ein besonderer Erlaß zu erwarten. — Das Londoner Jüdische Ki0.rrespondenz!bureau berichtet aus Warschau, daß Lord S w a y t h l i n g 40 000 Pfund Sterling auf Ersuchen von Sir Stewart S a m u e l nach Warschau sandte, um die schreckliche Not der Juden in der Ukraine zu lindern. — Der Bau der Technischen Hochschule in Haifa wird nun zu Ende geführt und der Bau einer Realschule wurde gleichfalls in Angriff genommen. Die Unterrichtssprgche wird Hebräisch sein. — Etwa 300 Palästinensische Juden, die von'den Türken während des Krieges ausaewiesen wurden und sich nach Griechenland geflüchtet hatten, sind jetzt nach Palästina zurü^gekehrt. Aus Persien haben nach einer äußerst beschwerlichen Reise acht Inden ebenfalls Palästina erreicht. — Der Jerusalemer Korrespondent von „The Jewish Daily News" meldet einige interessante Ziffern über die Zahl der verschiedenen jüdischen Handwerker usw. in dieser Stadt. Nach seinen Informationen find: 400 Schuster, 150 Steinmetze, 30 Anstreicher, 70 Buchdrucker und Setzer, 40 Buchbinder, 10 Photographen, 160 Schreiber, 30 Barbiere, 25 Kürschner, 200 Schneider, 20 Schlosser, 40 Mechaniker, 50 Kupferschmiede, 60 Milchhändler, 63 Lastträger, 40 Müller, 40 Kutscher, 200 Zimmerleute, 40 Schmiede, 30 Uhrmacher, . 225 Goldarbeiter, 30 Spengler, 50 Bäcker, 90 Weber und Spinner, 20 Glaser und 300 Kaufleute. Ungefähr 1300 Knaben und Mädchen arbeiten als Lehrlinge in verschiedenen Werkstätten. Im ganzen leben zirka 4000 jüdische Familien Jerusalems von ihrer Arbeit. Verantwortlicher Redakteur: Albert Äatz in Berlin-Pankow. FlorastraHe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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