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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-14 · Heft 46 (14.11.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 46 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 14. November 1919 83. Jabrgsng. Nr. 46 Der Gemetndevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung ließ Zudentumß" korrrspondkNNN und Machrichtkn. LrutschlanL. £2 Berlin, 11. November. Zur Aufklärung über das Wesen der Sparprämienanleihe ist im Haufe Berlin W 9, Budapester Straße 5, eine amtliche Auskunstsstelle errichtet worden, die unentgeltlich über alle Einzelheiten dieser Anleihe Aufschluß und Belehrung erteilt. Dadurch daß bei der Zeichnung der Sparprämienanleihe die Hälfte des Betrages in Kriegsanleihe, die augenblicklich ungefähr 80 vom Hundert notiert, zum vollen Wert, also zu 100 angenommen -wird, erwerben die zukünftigen Besitzer dieser Sparprämienanleihe sie nicht zum Paripreise, sondern zu ungefähr 90 Mark, d. h. sie zahlen 500 Mark bar und 500 Mark Kriegsanleihe zu 80 Mark - 400 Mark, zusammen also ungefähr 900 Mark. Bei der Tilgung erhalten sie jedoch für jedes Stück 1000 M-ark plus 50 Mark einfache Zinsen für jedes verflossene Jahr. Neben diesem Vorteil kommt noch die automatisch einsetzende Kurssteigerung, so daß es sich um eine äußerst günstige.Kapitalsanlage handelt. Bei der Sparprämienanleihe werden die Zinsen nicht jährlich ausgezahlt, sondern sie werden aufgespart und kommen bei 'der-Rückgabe des eingezahlten Betrages zur Auszahlung. Da die Zinsen 5 Prozent betragen, so bringt jedes Stück von 1000 Mark jährlich 50 Mark Zinsen, die ohne jeden Abzug ausgezahlt werden. Sie unterliegen im Gegensatz zu den jährlich aus gezahlten Zinsen anderer Anleihen weder der Einkommensteuer noch der Kapitalertragssteuer. Diese Steuerbegünstigungen bleiben bis zur vollständigen Tilgung der Anleihe bestehen und können nicht aufgehoben werden. Bon der Sparprämienanleihe finden jährlich zwei Verlosungen statt. In jeder Ziehung kommen 2500 Gewinne zur Entscheidung, und zwar 5 Gewinne zu je einer Million Mark, 5 zu 500 000 Mark, 5 zu 300 000 Mark, 5 zu 200 000 Mark, 10 zu 150 000 Mark, 20 zu 100 000 Mark, 50 zu 50 000 Mark und weitere 2400 Gewinne. Selbst wer in der ersten Ziehung mit einem reichen Treffer bedacht wird, nimmt so 'lange au den Vorteilen der weiteren Verlosung teil, bis die Nummer in der Rückzahlungsauslosung erscheint und die Auszahlung des Stückes mit den ausgelaufenen Zinsen erfolgt. — Die Auskunstsstelle, die auch schriftliche Anfragen erledigt, ist werktäglich von 10 bis 1 und 4 bis 7 Uhr geöffnet. VS Berlin, 11. November. Der Deut s ch. - I s r a e l i t i s ch e G e m e i n d e b u n d erläßt an alle Gemeinden einen Aufruf, in dem er sich bereit erklärt, den Gemeinden, die die Absicht haben, in ihrem Gotteshause eine Gedenktafel für die gefallenen Krieger oder Ehrendenkmale auf ihren Friedhöfen zu errichten, mit Rat zur Seite zu stehen. Zu diesem Zweck ist ein Komitee gebildet worden, das vermittelnd zwischen den Gemeinden und Künstlern wirken und denen, die aus Mangel an Sachkenntnis oder an geeigneten Kräften nicht in der Lage sind, sich ihren Wünschen gemäße Entwürfe und Ausführungen zu beschaffen, zu künstlerisch wertvollen Werken verhelfen soll. Es wird mit allen in Betracht kommenden Bildhauern und Architekten in Verbindung treten und lädt alle künstlerischen Kräfte ein, es durch Einsendung von Zeichnungen und Entwürfen zu unterstützen und zu fördern. Es ist zu hoffen, daß durch dieses Zusammenwirken aller berufenen Faktoren eine kulturelle Aufgabe von größter Wichtigkeit, die sicherlich allenthalben freudig aufgearifsen werden wird, erfüllt werde und daß die zu schaffenden Gedenkzeichen als Dokumente einer ihrer Opfer würdigen T-ankesbezeugung sortbestehen und wirken werden. Den: Aufruf ist ein Fragebogen beigelegt. B. T. Berlin, 11 November. In Berlin.hat sich eine „Jüdisch e E m i g r a t i o n s o r g a n i s a t i o n" gebildet, um der regellosen Auswanderung jüdischer Familien aus dem Osten entgegenzuwirken bzw. in geordnete Bahnen zu lenken. Durch Aufklärung und vor allem durch Schaffung geeigneter Existenzbedingungen soll die Auswanderung nach Möglichkeit einzuschränken versucht werden. Sofern sich eine Auswanderung als unvermeidlich erweist, soll geprüft werden, welche Länder für eine stärkere jüdische Einwanderung vornehmlich in Betracht kommen und unter welchen Bedingungen der Zustrom sich am besten dorthin leiten läßt. Zu allen Politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums verhält sich die neue Organisation völlig neutral. Der Verein darf, falls außerhalb des Deutschen Reiches ähnliche Vereine bestehen oder sich bilden, zu diesen in Beziehungen treten und insbesondere Mitglied einer seinen Bestrebungen dienenden internationalen Organisation werden. J>n der Grü'nd'uugsVersammlung wurde zum Vorsitzenden Professor Tr. S i l bergle i t, der Direkto>r des Statistischen' Amts der Stadt Berlin, gewählt. Stellvertretender Vorsitzender ist der Präsident des Deutsch-Jfraeli'tischeu Gemeindebundes, Professor Dr. S. K n - lischer , Schriftführer Dr. Alphons S u ß n i tz k i, Sekretär an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Schatzmeister der ehemalige Minister Bankier Hugo S i m o n. Weiter gehören dem Vorstande u. a. an: Professor Dr. Ernst Cassirer (Hamburg), Chefredakteur Fritz Engel, die Rabbiner Dr. Baeck und Dr. W a r s ch a u e r. T/D Berlin, 11. November. An der Lehranstalt für die Wissenschaft des Jüdentmns zu Berlin soll in der Zeit vom 23. Dezember bis 1. Januar ein F e r i e n k u r s u s abgehalten werden. Zur Teilnahme sind Rabbiner und akademische 31eligionslehrer berechtigt. Folgende Vorlesungen sotten stattfinden: Baeck: Der Midrasch in der vergleichenden Neligionsge'chichte. Ba net h : Einleitung in d-en Talmud. Etbogen: Zur Geschichte der Juden im neunzehnten Jahrhundert. Guttmann: Hauptrichtungen der gegenwärtigen Religionsphilosophie. T o r c z h n e r : Tie Entwicklung der biblischen Wissenschaft in neuer Zeit. Freund: Staat, Kirche, Judentum. Hochseld: Probleme des jüdischen Religionsunterrichts. Daneben sind Führungen durch Museen und Sammlungen in Aussicht genommen. Meldungen von Teilnehmern sind bis zum 1. Dezember an das Sekretariat der Lehranstalt, Berlin N 24, Artilleriestraße 14, zu richten, von dem dann auch weitere Mitteilungen gemacht lverden. E. M. Berlin, 11. November. Im Verein für j ü d i? ch c G e- 1 ch i dj t e und L iteratur sprach am 30. v. M. Herr Tr. Phil. Karl Schwarz (Berlin) über das Thema: Hagada-Jllustrationen. Der Redner führte etwa folgendes aus: Das verbreitetste Buch nach der Bibel ist die Hagada. Bon dem kleinen bescheidenen Buche sind mehr als tausend verschiedene Ausgaben bekannt, von denen etwa 200 mit Abbildungen versehen sind. Neben den gedruckten Ha gada s gibt es noch eine erhebliche Anzahl von Hagadn-Handschristen. Die bekannteste Handschrift ist die Serajewoer Hagada, ein illustriertes Manuskript, das 1894 in Serajewo im Besitze einer spaniolischen Familie entdeckt wurde. Die Handschrift, die aus dem 13. Jahrhundert stammen dürste, enthält 62 Abbildungen. Der Bilderschmuck der Hagada bildet ein interessantes kunstgeschichtliches Kapitel, das bisher noch nicht genügend erforscht ist und erst durch die Vergleichung mit der zeitgenössischen christlichen Kunst aufgeklärt werden kann. Der Bilderschmnck der Serajewoer Handschrift ist unverkennbar von byzantinischen Motiven stark beeinflußt, die Jnitinlornamentik sowohl wie die figürlichen Darstellungen sind den zeitgenössischen christlichen Kunstwerken eng verwandt. Tie Handschrift stammt aus Spanien, wo überhaupt die Heimat der Hagadakunst gewesen sein dürfte. Italienische Handschriften späterer Zeit enthalten wahre Meisterwerke der Miniaturmalereien, während Deutsck> land Bedeutendes auf dem Gebiete der graphischen Künste geleistet hat. In den deutschen Handschriften begegnen wir auch einem vielseitigen Bildermaterial, dessen Borwürfe der jüdischen Legende entnommen sind. Während das Mittelalter seine große Liebe für das kleine Büch durch die prunkvolle Ausstattung bewiesen hat, hat die spätere Zeit nur schwächliche Verballhornungen der alten schönen Bilder geschaffen. Erst die Gegenwart hat ein neues Werk hervorgebracht, das als Kulturdokument angesprochen und als Neubelebung der jüdischen Jllustrationskunst angesehen werden muß. Ter Berliner Maler Josef B u d k o hat eine neue Hagada geschaffen, die, von alten Mustern ausgehend, die alte Tradition bewahrt und doch Geist von neuem Geiste ist. Schon das Titelblatt des neuen Bilderwerkes ist ein Meisterstück der Jllustrationskunst; von hervorragender Schönheit ist die Zeichnung der Weisen von Bneberak, die jüdische Gelehrte beim Thorastudium in Rembrandtscher Vollendung zeigt. Das ganze

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