Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 528 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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528 Literarische Mitteilungen. — D-eni Verbände der T e.u t s ch e n Juden wurde jüngst in der Presse die Herausgabe eines das gesamte jüdische Schrifttum einbeziehenden apologetischen Werkes als wirksame Waffe gegen die Verunglimpfung des Judentums nahegelegt. Dieser Wunsch wird erfüllt werden. Ter erste Band eines solchen auf der Grundlage der langjährigen Sammelarbeit am A-pologet.ischon Archiv des Verbandes systemöltisch angelegten Werkes ist bereits im Druck und wird unter dem Titel „Tie Lehren des Judentums", I. Teil: „Die G r u ndla g e n d e r j ü d i s ch e n E t h i k" zur Hauptversammlung des Verbandes am 30. November erscheinen. Das Material aus Bibel, Apokryphen, hellenistischem, talmudischem, mittelalterlichem und neuerem Schrifttum ist von Tr. Der n-fe l d unter Mitwirkung von Rabbiner Tr. Leo B aeck, Professor Tr. Jsmar El b o ge n, Rabbiner Tr. Samson Hochfeld, Direktor Dr. Michael Holz man, Rabbiner Tr. Abraham L o ew e n t h a l Zusammengestellt, redaktionell bearbeitet und mit Einleitungen zu den einzelnen Abschnitten versehen worden. Diese lallten: I. Sittlichkeit als Grundforderung des Judentums, II. Grundlegende Sittlichkeitsanschauungen: 1. Tun und Glauben, 2. Sittliche Gesinnung, 3. Reinheit der Seele, 4. Willensfreiheit, 5. Lohn und Strafe, 6. Gleichheit aller Menschen, 7. Wille zlnn Leben: a) Lebensfreude und Askese, b) Mistigkeit, 8. Erkenntnis und Sittlichkeit. Das Buch wird im Berlage von Schwetschke u. Sohn erscheinen und zum Preise von -etwa 4,50 Mark broschiert und etwa 0,50 Mark im Pappband im Buchhandel zu haben sein. Gemeinden und Organisationen werden es bei Abnahmegrößerer Stückzahl durch den Verband zu einem Vorzugspreis erhalten können, und es wäre wünschenswert, wenn sie dein Verbände so bald wie möglich solche Bestellungen mitteilten, weil ihrem Umfange möglicherweise die Höhe der Auslage anzupassen ist. Sprrchlasl. Freie BolksorgarUsatiorr. Eine R o t w e n d i g k c i: s ü r die V o l k s -ab st i m m u n g e n. Tie große organisaioriiche Fähigkeit, die dem deutschen Volke imchgerühmt wird -lind ans die es stolz ist, nluß eine hohe Probe bestehen. Von ihrem Ausfall hängt es^ab, ob dem Reiche Wer:e erhalten bleiben, die zu groß sind, als daß sie sich noch in eine Zahl fassen ließen. Es geht unl Nordschlesrvig, um Oberschlesien, um Teile von Ost¬ und Westprellßen, um Eupen und Malmedy. Um jedes einzelne Land zll verteidigen, harre sich früher das ganze deutsche Volk Mann für Mann erhoben. Jetzt müssen wir nach den Bestimmungen eines niederdrückenden Friedensverlrages mit Papier non- Stimmzetteln darllm kämpfen. Ein Stimmzettelkrieg lvird es, Kampf ohne äußeres Heldentum; und doch ein Muß, eine Pflicht, zwingender als jede andere in der Gegenwart. Das deutsche Volk würde sich sein sittliches Todesurteil sprechen, wollte es diesen Kampf nicht mit aller Zähigkeit, mit aller Glut des Herzens ausfechten. Es ist ein Kampf, zu dom der einzelne durch die Machtmittel des Staates gezwungen wird, einjeder muß sich freiwillig stellen. Ter Kampf fordert von dem einzelnen, wöge ihrn das Opfer an Zeit llnd Bequemlichkeit noch so groß erscheinen, doch nur ein Opfer, das ein Nichts ist «gegenüber denen, die Millionen deutscher Krieger vier harte Jahre lang im Felde gebracht haben. Keine allgowall-ige Staa.i sin acht übt diesmal einen Zwang. Aber auch kein festgefügtes Staatsgebilde, das mit einem reibungslos laufenden Benvaltungsapparat auch den letzten Mann im kleinsten Flecken erfassen könnte, mobilisiert diesmal die Massen zum unblutigen Streite, leitet sie ins Feld, sorgt für Speisung und Unterkunft, für Heim befördern ug. Freie Organisation, vom Volke selbst geschaffen, muß diesen Verwaltungsapparat ersehen. Und das sofort! .Ter „Deutsche Schutzbund für die Grenz- und Ausländsdeutschen", der seinen Sitz in Berlin im Schloß Bellevue hat, ist die Zentralstelle dieses - frei zu schassenden Apparates. Er ist politisch vollkommen parteilos, Glaubens- oder Klassengegensätze haben in ihm keinen Raum. Er ist und will nichts anderes sein, als was sein Name buchstäblich besagt. In ihm sind große Vereine und Verbände nnt mehreren hundert Einzelvereinen zusam men gefaßt, die ans gleicher Grundlage für das Deutschtum arl>eiten und in deren.Aufträge und mit deren Hilfe er es übernommen hat, die Vorbereilungsarbeiten für die Bolksabstimmungen Zu o-rganisieren und durchzuführeu. Eine gewaltige Arbeit ist, fast unbemerkt, von der großen Äesfentlichkeit, bereits getan. Die größte Arbeitgilt es jetzt zu leisten: die Schoffuing -der Organifattorr, die den staatli!chen Verwaltungsapparat ersetzt. /Es kommen hierfür lediglich die in- Organ ifationsfragen' Wsahrenen und -bewährten Kräfte in. Betracht, die unser ganzes deutsches Vereinsleben fo vielseitig und so stark entwickelt haben, wie es sich heute dalrstellt. Aber aus ihre Hilfe muß und — wir hoffennicht zu irren — darf gerechnet werden. Tie Organisation, die durch die sachkundigen, führenden Persönlichkeiten geschaffen werden soll, die an der Spitze unserer Beieine im ganzen Reiche stehen — mag es sich um große Gebilde wie das Rote Kreuz oder um einen Turnverein oder eine Liedertafel in einem Landstädtchen handeln —, an sie alle richtet sich die dringende Aufforderung, sich sofort in jedem Orte, ob Großstadt! oder Tors, zu einer Arbeits* gemeinschaft zufammenzufchließen, die die Arbeiten für die. Volksabstimmungen in die Hand nimmt. Ist die Arbeitsgemeinschaft da und — arbeitet sie, so ist die Hauptsache getan. Erste Aufgabe der so geschaffenen. Arbeitsgemeinschaften ist es, ihren Zusammentritt und ihre Anschrift dem Deutschen Schutzbund in Berlin NW 52, Schloß Bellevue, mitzuteilen. Der Schutzbund leitet ihnen alsdann unverzüglich alles Mpterial zu, aus dem sie sich über alles Wissenswerte in bezug aus die Volksabstimmungenunterrichten können, unterweist sie über ihre besonderen Aufgaben und gibt Anregungen und macht Vorschläge über deren Durchfuhr uug. In Städten, die Sitz höherer staatlicher Verwaltungsbehörden sind, z. B. in den Kreis- und RegierungsbezirMstädten in Preußen, fällt den Arbeits-gemeinschäften die Ausgabe zu, in ihrem Bereiche (der zur Vermeidung von Jrrtümern mit dem staatlichen Verwaltungsbereich zusammenfallen muß) darauf zu achten, daß sich tatsächlich an allen Orten Arbeitsgemeinschaften bilden. In diesen Städten ist die Organisation daher besonders dringlich. Bisher sind Zweigstellen in Altona, Stettin., Gelsenkirchen, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Leipzig, Stuttgart und München vorhanden. Und nun ungesäumt ans Werk! Großes steht aus dem Spiel. Hinweg mit aller kleinlichen Eifersüchtelei, die hier oder da hemmend der Sache entgegenw'irken könnte. Das Vaterland ist in Not. Am Pflichtbewußtsein des 'deutschen Volkes hängt das Schicksal von Hunderttausenden deutscher Männer und Frauen, hängt die -letzte Entscheidung über große und reiche deutsche Länder. . * Hilferuf. Unter den ostjüdischen Flüchtlingen, die durch die Pogromflut und die Judenverfolgungen aus ihrer Heimat fort-gerissen wurden und in Deutschland Zuflucht suchen, herrscht größte Not. Nach einem leidensschweren Wanderweg sind sie nun hier harten Entbehrungen allsgesetzt. Es ist Pflicht eines jeden Juden, hier helfend einzugreifen und nach Möglich-keit -dazu beizutragen, daß unsere unglücklichen Brüder nicht durch Hunger und Obdachlosigkeit völlig zugrunde gehen. Herbergen, Untertünftsmöglichkeiten, Speisehallen, Heime, Arbeitsstätten und Arbeitsnachweise müssen für sie geschaffen werden. Diese dringend gebotenen Aktionen erfordern in der gegenwärtigen- Teuerungszeit sehr bedeutende finanzielle Mittel. Der „Verband der Ostjuden in Deutschland", der die Organisierung und Durchführung des Hilfswerks für die ostjüdischen Flüchtlinge mit allen Kräften betreibt-, ist daher auf die materielle Opferwürdigkeit ulld die tatkräftige Mitwirkung aller derjenigen angewiesen, die ein warmes Herz für das tragische Los unserer viel-geplagten wandernden Brüder haben. Wir richten an unsere Stammesgenossen den heißesten Appell: Leistet uns euren Beistand zur Durchführung der erforderlichen Hilfsaktion! Denkt daran, daß Zahlreiche Brüder völlig mittel- und obdachlos sind! Helft uns, durch «die Leistung finanzieller Mittel diese Unglücklichsten vor Not und Untergang zuschützen! - Es gilt die Rettung unserer heimatlosen Brüder! Der Verband der Ostjuden in- Deutschland Berlin t^4'5, Gormannstraße 29.