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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-07 · Heft 45 (7.11.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 45 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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belohnte den Vortragenden für seine interessanten und anregenden Ausführungen. Daran schloß sich eine Aussprache und. ein gemütliches Beisammensein, zu dem die.Bibliothek des Vereins und Spiele aller Art den Unterhaltungsstofs boten. Es ist geplant, derartige regelmäßige zwanglose Zusammenkünfte nunmehr wöchentlich stattfinden zu lassen, und wird dabei von berufener Seite die Belehrung der Jugend stets in den Vordergrund gerückt bleiben. Halbevstadt, 31. Oktober. Der Verein I s r a e l i t i - s ch e s Hei m „9t e w e h M e n u ch o h" versendet Len Bericht für die Zeit vom 1. Juki 1918 bis zum 30. Juni 1919. Es wird darin mit Genugtuung hervorge'hobeu, daß die alten Freunde dem Verein und dem Heim treu geblieben sind und daß zu den alten Gönnern neue Freunde hinzugetreten, sowohl an Mitgliedern und Spendern wie an Stiftern. Allen diesen Freunden spricht der Bericht den herzlichsten Tank der Verwaltung aus und fährt dann fort: „Die Zustände, in die unser Volk durch die Veränderung der Verhältnisse in unserem Vaterlande geraten, greifen auch in unser stilles Heim. Besonders ist es die Kohlennot, die überall herrscht und die die Veranlassung gibt, daß bis jetzt, gleich der Mehrzahl der hiesigen -Haushaltungen, der Winterbedarf noch nicht geliefert ist. Es ist auch sehr zweifelhaft, ob er geliefert werden kann. Zudem kommt, daß der hierorts zum Kochen verwandte Grudekoks nur in kleinen Mengen geliefert wird. Gaseiurichtuna ist nickt zu erhalten, da auch hier eine Lieferungseinstelluug in Aussicht steht. Infolgedessen mußten wir Holz anschasfen, das aber selbst an den Grenzen des Harzes nur zu sehr teuren Preisen zu haben war mtb noch im Preise steigen wird. Hoffentlich tritt die Lichtnot (wir haben elektrisches Licht) nicht hinzu. Auch in materieller Beziehung haben wir durch die Erhöhung aller Unkosten große Einbuße. Da wir sehr häufig angefragt werden/ so teilen wir an dieser Stelle nochmals mit. daß gemäß 8 12 der Verein gegen eine Stiftung bk Verpflichtung zum Andenken an Verstorbene übernimmt: 1. wahrend des Trauerjahres oder an Jahrzeitstaaen ein Licht im Ve rsmnmlunoszinuner des Heines zu brennend 2. am Todestage das Kaddischgebet verrichten zu lassen. Mögen recht bald bessere Zustände in nuferem durch die politischen Ereignisse sehr bedrückten Vaterlande eintreten, damit auch wir Weiterarbeiten können für die, die nach des Lebens Mühe und Arbeit ihre Ruhe in unserem Heime suchen." Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Julius Metzer, Mar Baer, Mo r ist Joseph, Rabbiner Tr. Auerbach, Dr. med. Aluerbach, Egon G o l d s ch m i d t, Ludwig R e i ch enba d\ P. S. Dessau, 31. Oktober. Herr Stantsrat Dr. Hermann E v h n in Dessau vollendete am 28. d. M. sein 50. Lebensjahr. Dr. Cohn ist der langjähr'ae Verfechter freiheitlicher Ideen im ehemaligen Herzogtum, jetzigen Freistaat Anhalt, der auf eine an Erfolgen. aber anck an Arbeit reiche Vergangenheit zurückblicken kann. Die Geschichte des entschiedenen Liberalismus in Anhalt ist durch Hermann Eohn maßgebend beeinflußt worden. Wir wünschen dem tatkräftigen Verseckster des liberalen Gedankens für seinen ferneren Lebensweg das Beste. T/D Gelsenkirchen, 31. Oktober. Am 1. d. M. blickte Herr Lehrer K atz auf eine außerordentlich segensreiche 25jährige Tätigkeit in Gelsenkirchen zurück, nachdem er sieben Jahre in Hattingen in gleicher Weise gewirkt hatte. Die Gemeinde Gelsenkirchen bereitete dem selten beliebten Jubilar, einen besonders würdigen Ehrentag. Am 1. Oktober fand zunächst eine Schulfeier statt. Eingeleitet wurde dieselbe durch Gesang der Schüler, dem ein Prolog, gedichtet von Frau Hanptlehrer Kaufmann, vorgetragen von der Lehrerin Fräulein Erna Katz . folgte. Alsdann wurden noch einige Gedichte vorgetragen und ein Reigen aufgeführt. Herr Hauptlehrer Kaufmann sprach den Dank des Lehrerkollegiums und der Schule ans, Herr Rabbiner Dr. G a l l i n e r den Dank der Gemeinde. Der Schulrat brachte dem Jubilar seine persönlichen Glückwünsche entgegen, während der Schuldezernent ein Glückwunschschreiben des Oberbürgerlneisters überreichte. Ergriffen von der innigen, stimmungsvollen Feier dankte der Jubilar in Poesiedurchwirkten Worten allen für die erwiesenen Ehrungen. Am 1. Tag. Sukkoth wurde dann in der Synagoge ein Festgottesdienst abgehalten, und nach demselben erschienen im Hause des Jubilars die Deputationen der verschiedenen Vereine, in denen der Gefeierte seine idealen Bestrebungen in des Wortes schönster Bedeutung stets zu verwirklichen wußte. In den Ansprachen wurde dem Jubilar heißer Dank, Verehrung und Anerkennung, Freundschaft und Liebe zum Ausdruck gebracht. Ehemalige und jetzige Schüler, Freunde und Bekannte überschütteten den Jubilar mit kostbaren Geschenken. Rührend war es, daß selbst seine ehemalige Gemeinde Hattingen ein wertvolles Geschenk übersandte. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre so zum Segen der Schule und Gemeinde sowie für die Ideale des Judentums, für die er stets ein mutiger geistiger Kämpfer war und ist, in dieser Weise weiter wirken zu können. — Düsseldorf, 31. Oktober. In einer . hiesigen deutschvölkischen Versammlung sprach Rechtsanwalt Wiegerhuns (Elberfeld) in der üblichen antisemitischen Weise über den „Anteil der Juden am Zusannneübruch Deutschlands". In der Diskussion ereignete sich ein Vorfall, der, wie die „Düsseldorfer Lokal-Zeitung" schreibt, die ganze fanatische Ge sin nu na s.- und Gefühlsroheit eines Teiles der Versammlung in erschreckendem Lickte zeigte, fo daß man sich ihres Gebarens als Eh-rist und als Deutscher schämen muß. Der Neckstsanwalt Paul Löwe erbat* das Wort. Vorsitzender Hoppe: Ich bemerke, daß nur Deutsche von Geburt zu 'dieser Versammlung geladen sind unb das Wort erhalten. Löwe: Ich bin 30 Kilometer vom Eornelinsplatz geboren. (Heiterkeit.) Das Argument mußte wohl wirken, denn das Wort wurde ihm erteilt. Rechtsanwalt Löwe, Kriegsbeschädigter, einarmig, dem der leere Rockärmel ein stummer mtb beredter Zeuge ist, daß man ihn früher wohl als Deutschen in Anspruch genommen hat, wollte ausführen, daß „hier so viel Lüaen und Verleumdungen gegen die Juden vorgebracht seien"... Weiter kam er nicht. „Jude, Jude - - raus! Raus, du Dreckskerl! Jude! Spartacist, Spartacist! Raus, raus!" So brüllte es wahrhaft teutonisch durch den Saal. Mehrere Fanatiker springen auf und drängen drohend nach Vi7rn. Vorsitzender: Ich entziehe Ihnen das Wort. (!) Löwe verließ daraus das Podium unter fortwährenden Beschimpfungen; einige Augenblicke hatte es den Anschein, als ob etliche der Erhitztesten gegen den wehrlosen Kriegskrüppel handgreiflich Vorgehen wollten. Er tat darum das Klügste, was er tun konnte, und verließ den Saal. — Frankfurt a. M., 31. Oktober. Geheimer Justizral Tr. B e r t h o l d G e i g e r , der älteste Sohn A b r a h a m G c i g e r s. ist hier nach langem Leiden im 72. Lebensjahr gestorben. Sein Hinscheiden hat in weiten Kreisen tiefe Trauer um diesen hervorragenden Sohn unserer Stadt erweckt. Geheimrat Geiger wirkte seit mehr als zwei Jahrzehnten als Stadtverordneter, Vorsitzender der Anwaltsk.annn.er und Mitglied des Proviuziallaudtages. Der Verstorbene war ein glänzender Jurist und besonders in Strafsachen als Verteidiger sehr gesucht. Mit großer Hingabe widmete sich der Verstorbene allen jüdischen Angelegenheiten. Die liberale Sache verliert in ibm einen eifrigen und entschiedenen Vorkämpfer. Gemeinsam mit Julius Plotke begründete er den Liberalen V e r e i n für die A n g e l e g e n h e i t o n der I ü d i s ch e n G e in c i n d e, inn die liberalen Gemeinde.mitglieder zur Gemeindearbeit beranzuzieben. Der Verband der Deut s ch e n I n d'e n ist zum Teil durch seine Mitarbeit entstanden; unter Berthold Geigers Vorsitz fand die Gründnngsversammlung des Verbandes statt, lieber vier Jahrzehnte leitete er die Geschäfte der Verso r g u n g s a n st a l t für I s r a e l i t e n und förderte zahlreiche andere jüdische Wohlfahrtseinrichtungen. Er war eine Kämpfernatur, ob es sich um die Standes- und Berufsangelegenheiten handelte, um die Reform des Judentums, um die Durchsetzung freiheitlicher Ideell oder um die Wohlfahrt Frankfurts: immer und überall stand er in vorderster Linie und arbeitete mit einer großzügigen Hingabe, für die ihm besonders die heutige Anwaltschaft zu Dank verpflichtet ist. Die Bedelltung Geigers auf komunnurlpolitischem Gebiet zeigte sich besonders, nachdem ihn die Sozialdemokraten aus der Stadtverordnetenversammlung hinausgewählt hatten. Er hinterließ eine Lücke, die sich nicht mehr schloß, und mit seinem Ausscheiden sank das Niveau des städtischen Parlaments erheblich. Bis in die Gegenwart gehörte Justizrat Geiger dann noch dem Bahn- und Elektrizitütsamt an. Ein Leben, reich an Arbeit und Bürden, erfüllt von -einem starken Gefühl der Gemeinnützigkeit, aber auch reichen Erfolgen ging zu Ende, ein Leben, das der aufrechte Mann immer ein wenig aus dem spöttischen Gesichtswinkel eines überlegenen Philosophen betrachtet hatte. Unvergessen lvird vor allen: -aber sein Wirken für die Frankfurter Bürgerschaft fein, denn tun Frankfurt hat sich Geheim rat Geiger Verdienste erworben, die ein dauerndes Gedenken in Dankbarkeit

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