Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1919)
- Date
- 1919-11-07
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 sichern. Tie Bestattung fand vorigen Montag unter überaus zahlreicher Beteiligung aus beut Israelitischen Friedhof statt. Frankfurt <*♦ M., 31. Oktober. Bei der diesjährigen Ski P e n d i e n v e r t e i l u u g der „Tirettor-Tr.-Adler-Stistung für die berufliche Ausbildung von Töchternjüdischer Lehrer und Gemeindebeamten" wurden elf Stipendien in der Höhe von 150 bis 300 Mark bewilligt, und zwar vier zur Ausbildung -als Kindergärtnerin, Zwei zur Erlernung der Zahntechnik und je eines für das Studium der Neuphilologie und der Medizin, für Ausbildung im Putz- und im Handelsfach und zur Direktrice in der Damenschneiderei. Sieben der Petenten sind Töchter von Lehrern und Kantoren, vier solche von Kultusbeamten. Die Stipendiaten verteilen sich auf alle Gegenden unseres Vaterlandes. Da eine Zahl von Gesuchen aus Mangel' an Mitteln abgelehnt werden mußte, dürfte es ein gutes Werk sein, diese segensreiche Stiftung dttrch Zttwendung von Spenden zu vergrößern. Von Sah und Fern. Ende August d. I. bildete sich eine „Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus", die in Berlin angeblich zur Verhinderung des Pogroms eifrig Geld sammelte. Diese Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus setzt setzt die Sammeltätigkeit unter dem Namen „Verwaltungsstelle für Logenangelegenheiten" fort. Der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" erklärt, daß er mit dieser Organisation nichts zu tun hat. Ebenso hat das neue Unlernohmen zu den in dein Unabhängigen Orden Bne Brith vereinigten Logen keine Beziehungen. — Die Lichtbildervorträge, welche Dr. Fei st über: Tie Jüdische Rasse und Tr. Co h n- Wi en er über: Die Jüdische Kunst der Makkäbäifch-<Herodianischen Zeit in der Freien Jüdischen Volkshochschule halten, werden statt in der Kaiser-Friedrich- Schnle vom 5. November an sregennaßig Mittwoch, abends 7 bzw. 8 Uhr) tut Logen Haus, Kleiststraße 10, stattfinden, wo auch Dr. Bandler über Palästina und Dr. Alexander über Antisemitismus (beide Mittwochs von 6-7 Uhr) ihre Vorträge halten. -- Vom Kuratorium -der Z u u z - S t i s t u ng ist die Herausgabe einer ztveiten Auflage von Zunz' „Die synagogale Poesie der Juden" veranlaßt, die demnächst im Verlage von I. Kaufsmann (Frankfurt a. M.) erscheinen wird. Tie Neuauflage, die nach dem Handeremplar des Verfassers berichtigt und durch Quellennachweis und Register vermehrt ist, wird im Aufträge der Zunz-Stiftung von Professor Tr. A. Fr ei mann in Frankfurt a. M. herausgegeben. Dieses Buch des Altmeisters der Wissenschaft des Judentums, das feit violett Jahren ans dem Büchermärkte fehlte, tvird sicher von weiten Kreisen der Wissenschaft und des gebildeten jüdischen Laienpublikums aufs freudigste begrüßt werden. — Der „Verband der Ostjuden in Deutschland" hat den Beschttlß gefaßt, zu Weihnachten eine ostjüdische Konferenz nach Berlin einzüberufen. Die Konferenz soll ans gewählten Delegierten von detn Verband angeschlossenen oder sich noch anschließenden ostjüdischen Ortsgruppen und Vereinen atts ganz Deutschland zusammengesetzt sein. Die Tagesordnung der Konferenz wird noch betänntgegeben werden. — Tie feierliche Eröffnung der Jüdischen Volkshochschule in Breslau findet atu Sonntag, den 9. November, vortn i tta g s 1 1 U h r, dttrch einen Festakt int großen Lessing-Saal, statt. Der Ehrensriedhof der Breslauer Synagogengemeinde auf dem Begräbnisplatz zu Cosel, über dessen Anlegung wir seinerzeit ausführlich berichteten, sielst nunmehr seiner Fertigstettnttg entgegen. Zur Deckung der Kosten ist eine Reichsbeihilfe von rund 41 000 Mark in Aussicht gestellt worden. - Der Insasse der Altersversorgungsftiftung in Breslau, Herr G v t s h e i m. feierte am 15. Oktober feinen 90. Geburtstag. Er ist geistig und körperlich noch sehr rüstig trnd hat am Bers'vhnungstnge noch ganz gefastet. - Wie ans München gemeldet wird, hat Ministerpräsident Hofftnann -eine Gedenktafel für K it r t E i s n e r in Auftrag gegeben und für die Errichtung dieser Tafel ans detn Disposittonsfvttds des Staatstttintsteriums des Innern eine Summe vott 2500 Mark angewiesen. - - Jttt Verein für jüdische Geschichte ttnd Literatur zu Wipen-hausen sprach Herr Lehrer M. S t e i tt h ardt (Vlagdeb-ura) über die Golem - Sage. — Ans Aurich (Ostfriesland) wird berichtet: Herr Synagogeuvorsteher A. van T h k hat tittter detn Namen einer Abraham-und-Mathildevan-Dyk-Stiftttng mit einer größeren Summe den Grundstein ztl einem Talmud-Thvra-Berein gelegt. Herr Landrabbiner Dr. Hoffmann aus Emden tvahnte der Gründung dieses Vereins am Hoschanah Rabba bei. - - Das Sta-dtverordn-e-tenkolleg-ium in Emden 'erklärte sich damit einverstanden, der Jüdischen Gemeinde vom'1. April 1919 ab einen Zuschuß von jährlich 9500 Mark zu den Schulunterhaltungskosten für 1919, 1920 und 1921 zu zahlen. — In Hannover fand eine Bersammlüng sämtlicher Studierenden der Tierärztlichen Hochschule zu Hannover statt, die insofern bedeutungsvoll war, als der bisher bestehende Studentenverband der Korporationen aufgelöst und eine neue Studentenvertretung auf Grund des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes geschaffen wurde. Eine längere Aussprache führte der Punkt der Satzungen herbei, daß nur Studierende deutscher Abstammung und deutscher Muttersprache wähl berechtigt sein sollen. Die Versammlung vertrat den Standpunkt, daß der Begriff „deutscher Abstammung" enger zu fassen sei. Es wurde vor allein auf die Zustände hingewiesen, die in Deutschland dttrch die Einwanderung zahlloser polnischer und galizischer Judett bevorstättden und die an den deutschösterreichischen Hochschulen bereits zu bedauerlichen Mißständen geführt hätten. Mit überwältigender Stimmenmehrheit wurde beschlossen, daß Juden nicht unter detr Begriff „Studierende deutscher Abstammung" fallen. — Da? „Israelitische Frauenheim" in Bad Nauheim wird attch diesen Winter Herzkranke 'Frauen vom 15. November mt gegen Vergütung der Selbstkosten verpflegen. — Rabbiner Josef Engel aus Krakau, eine der Hervorragendsten Tboragrößen der galizischett Jttdenheik und Mitglied des Rabbinischett Rates der „Agudas Jisroel", ist dieser Tage in Wien verschieden. Die Bestattung fand'unter Teilnahme eitler riesengroßen Volksmenge statt, nachdem in der Schiffschul er- .schütternde Trauerreden vor der heiligen Lade abgehalten worden waren. Die'jüdischen Zeitunaen Londons veröffentlichen einen Aufrus zur Gründung einer jüdischen Handelskammer in London, deren Ausgabe es sein soll, die jüdischen Handelsbeziehungen mit dett anderen Nationen der Welt zu schützen ttnd zu entwickeln. Eine Reihe prominenter jüdischer Kattfleute nimmt an den Gründungsvorbercitmio.cn aktiven Anteil. Eine Wilnaer Zeitung gibt Auskunft über die antisüdisch.en Ausschreitungen in Sibirien, die von einem unlängst von dort zurückoekehrten galizischen Juden stammen. Solange die Engländer und Tschechen sich ir Sibirien befanden, war die Lage . der Juden recht aut. Sofort nach ihrer Abfahrt hat eine starke j Pogromagitation eingesetzt, die besonders im Heere arbeitete. Zwei! Tage vor dem Rückzug der „Weißen" aus Ekäterinenburg hat der! keltschaktstischc General, der den Platz befehligte, Befehl gegeben. > die Juden ztt plündern, wvrattf alle jüdischen Geschäfte geplündert > ttnd acht Juden getötet wurden. In Chabrinsk, Kamislow, Tschelia- I binsk und Jrbit haben ebenfalls Ausschreitungen stattgefmwen. - Im Handelsregister des Warschauer Kreisgerichtes wurde eine Kom- ' tnattditgesellscbaft mit einem Kapital von eitler Million Mark unter > dem Na tuen „Jisroel'" registriert, deren Kapital zur Herausgabe .einer > Tageszeitung „Der Jnd" bestittutrt ist. Auch andere Ausgaben werden in das Gebiet ihrer Tätigkeit fallen. Diese 'Kommanditgesellschaft! tvurde von der „Agudas Havrthodoritn" gegründet. — Die Samara-! taner-Gemeinde in Sichetn berichtet dent „„Waad Hazirim": In letzter Zeit hat die Gemeinde einen Rat unter dem Namen „Rat der Samäritaner in Sichern" gewählt, dessen Zweck es ist, alle Interessen der ' Gemeinde zu vertreten, ihren materiellen und kulturellen Zustand zu verbessern und sie vor einer Ausrottung zu bewahren. Die Gemeinde verlangt von dem „Waad Hazirim", offizielle Beziehungen nur mit diesem Rat nnzttknüpfen. -- Ganz unerwartet erhielt Jaffa vor einigen Wochen den Bentch von 162 marokkanischen Juden. Die Wanderer stammen aus Casablanca, sind jttnge kräftige Leute und wollten gern in Jerusalem Arbeit entnehmen. Alle ihre Versuche. Arbeit zu bekommen, blieben aber erfolglos, ttnd sie mußten von der Unterstützung der Hilsskommifsion leben. Gegenwärtig, werden ihnen vom Komitee Gelder zur Verfügung gestellt, damit sie nach Casablanca znrückkehren können. - Laitt einem Berichte David Schreibers, der unlängst mts Japan ttnd detn fernen Osten nach Amerika zurück-! kehrte, ist der Herausgeber der führenden Tageszeitung in Tokio > ein Jude namens Fleischer. — In Boston starb im Alter von! 94 Jahren Samuel Gompers, der Vater des Präsidenten der! mnerikanischen Arbeiterorganisationen. > Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 5L.! Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlönde r , Reukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moste.