Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1919)
- Date
- 1919-11-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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o ftatt. ferner lieft vom 5. November ab Herr Professor Dr. Est bogen Mittwoch, nachmittags von 6 bis 8 Uhr, über „Geschichte der Inden nach dem Bar-Kochba-Krieg" und vom 12'. November ab Herr Dr. Freund über „Die gegenwärtige Rechtsstellung der Juden in Preußen und die Frage der Schafsung einer Gesamtorganisativn" Mittwoch, abends von 8 bis 9 Uhr. — Die Vorlesungen sind unentgeltlich. Anmeldungen werden im Sekretariat der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, zwischen 12 und 1 Uhr entgegengenommen. &&& Berlin, 4. November. Der Hilfsausschuß des L e h r e r v e r b a n d e s ist bemüht, den aus den vertorengegangenen Gebieten geflüchteten jüdischen Lehrern und Kultusbeamten neue Stellen bei Behörden und Gemeinden zu beschaffen. Die jüdischen G e m e i n d e v o r ft ä n d e werden g e b e t e n, diese in schwerer Schicksalslage befindlichen jüdischen Beamten bei Besetzung von Lehrer- und Kultnsbeamteustellen, eventuell auch nur zu vorübergehender Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Schul¬ oder Bureaudienst, in erster Reibe zu berücksichtigen. Meldungen sind au den Leiter dos B e r b a n d s st e l l e n n a ch - )u e i f i' v, Herr Prediger -v a l f e u st e i n lLandeshut i. Schl.) zu ruckten. Für die n a ch B e r l i u g e f l ü ch t e t e n jüdischen Beamten ist eine besondere F ü r s o r g e st e l l e unter Leitung des Herrn Lehrer Becker (Schöneberg. Gosiowstraße 2, II Treppen) eingerichtet worden, wohin alle sich in Berlin aufhaltenden, geflüchteten jüdisck».'n Beamten sich wenden mögen M. Berlin, 4. November. Im groben Saale des ,,Brüdervereins" veranstaltete der ,,B e r b a n d j ü d i s cb e r I u g e n d - Vereine" eine Kundaebung gegen den Antisemitismus. Rechts- Anwalt Dr. Apfel (Berlin) begann seine Eröffnungsrede init dem Bekenntnis der Bereitnnll'akeit zur Mitarbeit am neuen Deutschland. Immer wieder bube dw jüdische Jugend d'esen Willen zu vaterländischer Arbeit bekundet, nicht um das patriotische Phrasenmeer um eine neue Welle zu bereichern, sondern um die weiteste Oefwntlichkeit ans die Bersündigiwa am Vaterlande hinzuweisen, die es bedeutet, wenn diese beige Sehnsucht der deutschen Juden mit antisemitischen Hexereien beantwortet wird. W'r haben in schlverer Zeit unsere Pflichten voll erfüllt. Tausende deutscher Juden decken den Raten im Feindestnnde. Wir haben also begründete Ursache, uns die infamen Anwüne unserer Geauer zu verbitten. Wir sind nicht mehr gewillt, das Andenken unserer Toten und unsere eigene Ehre besudeln zu lassen! Die jüdische Jugend wird sich geaeu alle Angriffe, auch tätlicher Art. mannhaft zu wehren, wissen. Bisher ist es noch aelnnaen, die jüdische Jugend gegenüber der Poaromverheßnng zurückznhalten. Wenn aber uidt sofort ein Wandel eintritt und die Negierung, die führenden Parteien und die anständigen Elemente des Landes demonstrativ von diesen Treibereien abrücken und zu energischen Geaenmanuabmen schreiten werden, vermögen nur für die Folgen nickt weiter einzirsteben. Ein Teil unserer jüdischen Jugend in Teutsckftmd sehnt sich bereits nach Palästina hin, wo die siegreichen Ententeländer. die eine fht-cv' Politik betreiben, den Juden, die sich daheim nicht wohl fühlen, eine Heimstätte schaffen. Die jüdische Jugendbewegung bemüht sich, eine derartige Stimmuna nicht auitommen zu lassen. Sie lvi-tt d'-e antisenntische Beweguna. welche Deutschlands Ansehen schändet, ans vaterlüudisckem Pslichtgefühl auf heimatlichem Boden bekämpfen. Es muh aber bei der gegemvärtigen Stimmung der jüdischen Jugend damit gerechnet werden, das; sie fortan in der Bekämpfung des Antisemitismus jede Rücksicht fallen lassen wird. - - Nach Dr. Apfel nahmen die aus allen Teilen Deutschlands gekommenen Führer der neutralen Jugendbewegung das Wort. Als ehemaliger Feldrabbiner schilderte Rabbiner Dr. Lazarus (Wiesbaden) das Wirken der ehemaligen „Aufklärungsoffiziere", die heute vielfach die größten Hetzapostel des Antisemitismus sind. Geaenüber den Lüaen von einer indischen Geheimlehre weisen nur aus Gotteslieche und Gottesgesetz, die Grundpfeiler des Judentums, hin. Dr. Löffler (Frankfurt a. M.) mahnte die Jugend zur strengen Unterordnung unter das Sittengesetz und die geschlechtliche Moral, deren Wahrung Israel auf seiner Wanderung durch die Jahrtausend? erhielt. Dr. Alexander (Berlin) charakterisierte den Antisemitismus durch den Hinweis auf die Vergeblichen Versuche seiner Anbäuger, ihre Bewegung logisch zu begründen. Der Antisemitismus führt keinen politischen, sondern einen letzten Endes verbrecherischen und egoistischen Kampf. Justizrat B r o d n i tz (Berlin) bezeichncte den Antisemitismus als Verrat am Baterlande. Wer heute hilfreiche Hände lähmen will, versteht die Zeit nickst und hat kein Herz für die Not des Vaterlandes. Dem Empsmdew der jüdischen Kriegsteilnehmer gaben Lehrer Arnold Stein und Rechtsanwalt S am o j e (Berlin) Ausdruck. Die doppelte Not des Juden, der die antisemitische Flut steigen sieht, und die Not des Deutschen, dem dies Elend des Vaterlandes zu Herzen geht, schilderte Fräulein Dr. B e r - liner. Aus diesem ' doppelten Leiden sollen unsere Jugend auch die doppelten Kräfte wachsen. S'e muß rastlos an sich selbst arbeiten undin tiefer Frömmigkeit im Vertrauen auf den endlichen Sieg des Wahren und des Guten den Kamps aufnehmen. Die Ideale, welche die jüdische Iirgend im Herzen trägt, tei-lt sie mit den Besten der nicbtiüdischen Jugend- Deutschlands. Mit ihnen wird sie sich in gemeinsamer Arbeit am Aufbau des Vaterlandes treffen. Aus dieser ae irr ein sauren Arbeit werden Verständnis -und- Frieden -erwachsen. — Nach einer energischen Absage an die jüdischen Antisemiten zeichnete Tr. Apfel in seinem S -ch l u ß w o r t die Richtlinien für die Arbeit der jüdischen Jugend gegen den- Antisemitismus: Tie jüdische Juoend iutU einen neuen Geist in diesen Karnvf tragen; sie fordert -eine stolze und selbstbewußte Haltung, positives Aufbauen, Stärkung aller jüdisckerr Werte rrnd nicht neoative Abwehr. Tie jüdische Jugend fordert von d"r älteren Generation die Vereiuiguna aller jüdischen Parteien zrrr geschloffenen Einheitsfront gegen den Antisemitismus. Fr. Berlin - Weißerrsee. 81. Oktober. Am Sonntag, den 26. d. Nb. wurde in der Israelitischen Taubstummenanstalt zu Weißensee ein Erntefest gefe' ert. Während des Krieges war von den Insassen der Anstalt ei;; steiniges Stück Land urbar gemacht und bebaut wor- -deu. Ir diesem J-abre nun batten d'-e aus Feindesland znrückaek-ebrten L.brer bei der Feldarbeit tapfer mitgehvlfen, und die erste Friedens- '"nnte konnte festlich begangen werden. Au Gönner und Freunde der Anstalt, an fri'bere Zöalft;ge und an Freunde ergingen Einladungen, die weit mebr Erfolg batten, als die Festgeber zu hoffen wagten; zur festgesetzten Stunde war die Aula bis auf den letzten Platz gefüllt. Mft einem radi Musik getauften Neigen zeigten.die Kleinen, daß sich a'nb Taubstumme die Grazie des Tanzes zu emen machen können; lebende Bilder und eine Pantomime brachten das ausdrucksvolle Miew'nsvftl der Kinder zur Geltung. Ein dramatisiertes Märchen lnnuü's den überraschten Zuschauern, welche Fälligkeit d'e kleinen l^ebörtosen für Auffassung und Wiedergabe einer Handlung, wieviel Fertigkeit sie im Gebrauch der Sprache besitzen. Nachdem sich die Gäste an einer Verlosung belustigt und au daraeboteneu Erfrischungen gelabt batten, besichtigten sie eine Zusammenstellung der geernteten Feldfrüchte und eine Ausstellung von Zeichnungen, Malereien und verschiedenster Handarbeiten, darunter auch Holzbildhauerarbeiten, .Schnitzereien. Tarse- und Vavvarbeiten. Viele der ausaelegten Gegenstände erregten so viel Freude, daß sie von den Gästen käuflich erworben wurden. Reichen Zuspruch fand vor allem die in großen Lettern prangende Aufforderung: Werdet Mitglieder des Vereins „Freunde der Taubstummen-, Je di de Jlmim"! ££& Tilsit, 31. Oktober. Während des abg-elausenei; Sommerhalbjahres hat der I ü d i sch e I u g e n d v e r e i n zu- Tilsit eine überaus eifrige Tätigkeit -entfaltet, wodurch auch ein erhebliches Anwachsen der Mitaliederzahl erzielt wurde. In den heißen Monaten fanden vorzugsweise Wanderungen mit sportlichen Veranstaltungen statt, die stets eine rege Beteiligung aufwiesen und den allerbesten Verlauf nahmen. Den Abschluß bildete am 12. August ein Sommerfest, das als überaus gelungen zu bezeichnen ist. Alt und jung hatte sich in den Dienst der -guten Sache gestellt. — Im September fanden wiederholt Sitzungen des Vorstandes sowie Ausschußberatungen statt, um das Wint-erprogramm vorzubereiten. — Am Montag, den 13. Oktober, sprach der 1. Vorsitzende des Ber-e-ms, Herr Rechtsanwalt Dr. Hugo Ehrlich, über die Tagung des Verbandes jüdischer Jugendvereine in Berlin und verlas die gefaßten Beschlüsse und Resolutionen. Er verbreitete sich weiter über die Ziele und Ausgaben der jüdischen Jngendbelvegung im allgemeinen und unseres jungen Vereins im besonderen nnd fand zu dem aktuellen Thema der Neutralität die volle und )viders-pruchslos-e Zustimmung der zahlreich erschienenen Mitglieder. Er wies darauf hin, daß nur gemeinsames jüdisches Fühlen nnd Denken, ohne jede Zersplitterung der geistigen Kräfte, Großes zu erreichen vermag. Diese Tendenz scheint sich nunmehr auch zum Allgemeingut der jüdischen Jugendbewegung Deutschlands durchzuringen. Tie Berufsberatung soll im hiesigen Verein besondere Pflege erfahren. — Am Montag, den 20. Oktober, sprach der 1. Schriftführer des Vereins, Herr Selasnitz k i, über „Das religiöse Moment unserer Jugend.". Der Vortrag war gut besucht, und reicher Beifall