Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1919)
- Date
- 1919-11-07
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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SS. Jahrgang. Nr. 45 Berlin, 7. November 1919 Der Gemeindebote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung des AudentumK". korrrspondm?en und Aachrichtrn. Lrutschlsnd. L. R. Berlin, 2. November. In der heutigen Sitzung der Reprüsentantenver sammlnng gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung der Vorsitzende Herr Geheimrat Dr. Mi nden mit herzlichen Worten des hundertjährigen Geburtstages Salomon Neu manns und teilte mit, daß aus diesem Anlaß am Grabe eine Feier stattgefunden halbe, bei der Herr Rabbiner Dr. Kellermann die Gedenkrede hielt. — Die jüdische Religionslehrerschaft Berlins hat in einer kleinen Schrift ihre Wünsche formuliert. Di>es,e werden im Schulvorstand zur Sprache kommen. — Herr Professor Türk beantragt, die öffentliche Sitzung zu schließen und die geheime beginnen zu lassen, m welcher wichtige und eilme Dinge zu erledigen wären. Nach Wiederherstellung der Oesfentlichkeit richtete Herr Gemeindevorsteher B a d t herzliche Worte an den aus dem Amte scheidenden Svndikus Herrn Justizrat Lilient h a l. Er habe der Gemeinde unschätzbare Dienste geleistet, ein Ersatz für ihn werde nicht leicht zu finden fein. Erfreulich sei es aber, daß Herr Lilienthäl sich bereit erklärt habe, der^ Gemeinde als Ratgeber in den Sitzungen bei schwierigen Anlässen zu dienen. Auch Herr Gebei mrat Dr. Minden widmete Herrn Lilientbal freundliche Worte. Tief ergriffen dankte Herr Lilienthäl für die Worte der Anerkennung. Soweit es sein Gesundheitszustand erlaube, wolle er auch! weiter für das Wohll der Gemeindewirken. — Die Versammlung beschloß hieraus die Annahme folgender Zuwendungen-. Von Frau Dr. Gersche l- 30 000 Mark. Von Dr. jur. G e r s ck e l 30 000 Mark. Von Frau Alfred Bäh m 5000 Mark. Von Frau Julie Löwen ba ck geb. Stern 6882,24 Mark. Von Sanitätrat Dr. H i r s ch e l 6000 Mark. Bon Herrn Jo^ Löwenstein 15 0 0 0 Mark. — In die Waisenkommission sind gewählt worden: Frau Dr. Elise Baum, Frau Professor Margarete Schäfer, Frau Dr. Jenny Friedländer, Frau Kommerzienrat Rosa Mandelbaum, Frau Marie Jaffe, Frau Sanitätsrat Clara Mühsam, Frau Charlotte Reihenbaum, Frau Rosa Sachs, Frau Rosa Lew inst'brr. Frau Dr. Bleickroeder. In die Arnrenkommission: Frau Prozessor Regina Hesse, Frau Else Feilch-en^etd, Frau Emma Freuden khal, Frau Julie Lewin. Frau Tbere'e Bock, Frau Prozessor Johanna Dessau, Frau Johanna' Loewenbera, Frau Paula Gott-heil, Frau Henriette Mielziuer, Frau Clara Birnbaum, Frau Mathilde Bock, Frau Zer.tine Becker, Frau Rost Hirstb. Frau Sanitätsrat Seligsohn, Frau Siegmunda Warschauer. In die Fürsorgekommisision: Frau Hamburger, Frau Tr.' Coblenz, Frau Professor Johanna Dessau, Frau Mathilde Ollendorf, Frau Lilli Manes, Frl. Dorothea Wornrann, Emma Freudentbal, Frau Fanny Lewy, Frau Sanitätsrat Saurier, Fr. Martba Bud, Frau Tr. Jacobsobn, Frau Justizrat Helene Meyer. -An Ausgaben wurden bewilligt: 1500 Mark für Ankauf einer Tlwrarolle mit Silber schmuck, 860 Mark zum Ankauf von zwei Türflügeln für die Synagoge am Kottbuser User, 3500 Mark zur Einrichtung des Z.uflucktsheims für jüdische Mädchen, 3760 Mark zur Anschaffung von Vorhängen und Decken für fünf Betsüile, nachträglich 4200 Mark zur Anschaffung und Reparatur für die Heizungskessel. im Krankenhause, 5000 Mark zur Anschaffung von Bestecken und Porzellan aus den Beständen der in AusMung begriffenen Volksküchen, 25 000 Mark zur Ergänzung des Wäschebestandes, 560 Mark zur Einrichtung von jüdischem Religionsunterricht am Klockow scheu Lyzeum in Charlottenburg. — Ein Antrag des Gemeindevorstandes, in den Orgelsynagogen den Frühaottesdienst an den Sabbaten wieder auszuheben, wurde abgelehnt. Ter Referent Herr Emil Pi neu § betonte, daß diese Einrichtung seit zehn Jahren besteht und sich sehr bewährt. Das Publikum , erscheint pünktlich. Jetzt, wo alles darauf hinzielt, den Gottesdienst zu veredeln, würde die Aushebung nur die alte Unruhe wieder Herstellen. Dein Referenten schließt sich Herr Benas Levy an. Die Aenderung fei mit Zustimmung des Rabbinats -eingeführt, sie habe sich sthr gut bewährt. Auch Herr Professor Kali sche r bittet, nichts zu ändern. Selbst am Neujah>rsta>ge sei zu Anfang des Gottesdienstes kaum ein Minjan vorhanden. Die Leute erschienen erst bei Aushebung der Thora. Was nützen die schönsten Gebetstücke des Schacharith, wenn sie nicht gesagt werden? — Hierauf gibt Herr Siegfried Sachs einen Bericht der Revisionskommission über die Revision der Kassen und des Depositoriums, Herr Emil Cohn einen Bericht über die Sammelvornmndschaft und das Waisenhaus, Herr.Eugen Caspary einen solchen, über die Armenkommission, die alle entlastet werden. — Es folgen Subventionen: Israelitischer Sepha-rdischer Verein 2000 Mark, nur für Kultuszwecke. Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Groß-Berlin, 1300 Mark für das Heim in Neu-Isenburg. Israelitisches Kurhospital in Salzbrunn 500 Mack. Religionsverein Friedenau-Steglitz 2250 Mark, Synagogenverein Osten 1500 Mark zur Erhöhung der Beamtengehälter, Religionsgemeinde Groß-Lichterfelde-Lanklvitz 500 Mark, Israelitische Bereinigung Karlshorst 2200 Mark. Die Bewilligung eines Beitrages an die Reformgemeinde ist dem Gemeindevorstand zur nochmaligen Prüfung überwiesen worden. — Die Gebühren für Trauungen außerhalb der Synagoge sind tun 50 Prozent erhöht worden. Für Beerdigungen von auswärts verstorbener Personen, die nicht Gemeindemitglieder sind, wird ein Mindestsatz von 700 Mark erhoben. Das Honorar für die weiblichen Mitglieder 'der Jnterimsch-öre ist von 70 Mark aus 90 Mark festgesetzt worden. Als Vertreter der Gemeinde zur Teilnahme an der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Inden stnd noch nachträglich zu nennen die Herren Emil Pincu-s, Siegfried S a ch s, Tietz und L i p s ch ü tz. E. M. Berlin, 4. November. Die Antrittsvorlesung des neuen Dozenten D r. Harry T o r c z y n e r fand am vorletzten Sonntag im großen Hörsaal der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums statt. Als Vorsitzender des Kuratoriums der Anstalt eröffnete Geheimrat Professor Dr. Albert M o s s e die Veranstaltung mit einer Ansprache, in der er die Verdienste des neuen Dozenten auf dem Gebiete der Bibelforschung hervorhob. Geheimrat M o s s e gab einen Rückblick über die Geschichte der Lehranstalt und gedachte der verstorbenen Mitglieder des Anstaltskuratoriums. Er hob besonders den Heimgang des Rabbiners Professor Dr. Maybaum hervor, in dem die Lehranstalt einen hochbegabten Lehrer und eifrigen Forscher verlor, und erinnerte an Moritz Manheimer, den Begründer des Lehrstuhls, auf den Dr. Torczyner berufen wurde. Geheimrat Dr. M o s s e schloß seine Ausführungen mit dem Appell an die jüdische Oessentlichkeit, die Lehranstalt auch materiell zu fördern und auch die Fonds, die zur Besoldung der Lehrer, deren Alters- und Hmterbliebenenfürsocge bestimmt sind, zu stärken. Hierauf hielt Dozent Dr. Harry Torczyner seine Antrittsvorlesung über die Dichtkunst im alten Israel. Die Dichtung der Bibel ist von ausgesprochener Eigenart. Lie kennt keine Reime, sondern nur Versrhythmen und liebt die Wiederholung der Gedanken in wechselnder Form. Die Dichtungen der Bibel gehören verschiedenen Gattungen an: neben reinen Zweckdicktun gen finden sich rein künstlerische Schöpfungen, dagegen fehlen epische und dramatische Gedichte mit fortlaufenden Handlungen. Den Vorwurf bilden meist einfache Gegenstände, die aber mit Phantasie und Kunst behandelt sind. Dr. Torczyner vertiefte sich besonders in das Buch Hiob, jenes dichterische Phänomen, welches das Ende einer langen dichterischen Entwicklung bezeichnet. Diesem großen Denkmal altjüdischer Poesie wird auch die nächste-wissenschaftliche Arbeit Torczyners gewidmet sein. Der neue Dozent schloß seine Antrittsvorlesung mit dem Gelöbnis, der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und der gesamten jüdischen Wissenschaft besonders auf dem Gebiet der Bibelkritik zu dienen. ' L/D Berlin, 4. November. In der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums hält in diesem Winter Herr Professor Dr. Guttmann eine öffentliche Vorlesung über das Thema „Wesen und Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft". Die Vorlesung findet vom 4. November ab jeden Dienstag, abends von 8l/i bis 9K> Uhr, im großen Hörsaal, Artilleriestraße 14, II,