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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-11-07 · Heft 45 (7.11.1919) · p. Seite 510

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 45 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
Seite 510 (sequence 6)
Language
German
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510 Jassy gemacht habe, ist ausgeführt worden. Das ist geschehen durch die Gesetzesdekrete vorn Januar 1918 und Mai 1919. Das erste Gesetz, welches gewisse technische Schwierigkeiten für die Juden enthält, ist durch das zweite geändert worden, welches jetzt in Kraft tritt. Laut diesem letzteren Gesetz können alle Juden, welche es wünschen, Bürger werden. Sollte es sich Herausstellen, das; auch dieses zweite Gesetz bei seiner Ausführung den Inden gegenüber Einschränkungen macht, so wird man gewiß weitere Aenderungen vornehmen." Diesem Schreiben lag ein offizieller Brief bei, in dem gesagt wurde, daß das Interview nur in der amerikanischen Presse, nicht aber in den rumänischen Zeitungen abgedruckt werden darf, d. h. die äußere Welt mag wohl erfahren, was der König über die Juden sagt, nicht aber -die Rumänen in Rumänien selbst. (K. f. d. £.). Ol Verkehr und Handel in Palästina. Nach einem Bericht der „Neuen Züricher Zeitung" sind die bis zum 1. September in Kraft gewesenen Berkehrsbeschränkungen m den von den Alliierten besetzten Gebieten nunmehr gänzlich aufgehoben. Bon diesem Datum an ist das Reisen innerhalb Palästinas ohne besondere Erlaubnis gestattet. Zwischen Jerusalem und Jaffa. Sichem, Hebron und Jericho verkehrt ein täglich zweimal zur Aus fahrt gelangender Automobilomnibns. Vom 6. September ab wurde ein einmaliger Dienst zwischen Jaffa und Beirut errichtet, der diese Strecke in acht Stunden bewältigt, während man vor dem Kriege per Schiff 15 und per Wagen 48 Stunden für diese Reise brauchte. Der Eisenbahndienst ist in den letzten Wochen ebenfalls stark europäisiert worden. Zwischen Kairo—Alexandrien und Jerusalem—Jaffa—Haifa verkehrt ein täglicher Expreßzug mit Schlaf-, Salon- und Speisewagen und einer Geschwindigkeit von über 60 Kilometer die Stunde. Die Personen- und Frachttarife für Züge und Autouwbilverkehr sind, in Anbetracht der starken Konkurrenz durch den Kamelverkehr, bedeutend ermäßigt. Auch die Küstenfchisfahrt ist bedeutend erweitert und beschleunigt worden. Es gibt bereits vier europäische Linien, die Palästina berühren, und wertere sind im Ausbau begriffen. Der Zustrom von Reisenden ist groß. Nach einer Meldung der' „Schweizer Export-Revue" haben sich fünfzehn amerikanische , Handelsgesellschaften unter dem Namen „American Foreign Trade Corporation" mit einem Grundkapital von 20 Millionen Dollar zwecks Ausdehnung des Handels nach dem nahen Osten zusammengeschloffen. Die Zentrale dieser Gesellschaft wird in Konstantinopel sein. Filialen werden tu Smyrna, Syrienund Palästina eingerichtet. Die Zionistische Palästinakommission hat von der Wirtschaftlichen Abteilung der britischen Militärverwaltung in Palästina die Mitteilung erhalten, daß alle Waren, die von Europa nach Palästina via Aegypten gesandt werden, den Vermerk „In Transit Palcstine" tragen müssen, da sie sonst vom Kriegshandelsdepartement in Aegypten aufgehalten werden. Die vor einiger Zeit in Kopenhagen ins Leben gerufene Palästina- Aktiengesellschaft „Ehiram" hat ihre Arbeit nunmehr ausgenommen. Die Leitung der Geschäfte liegt in Europa in den Händen des Herrn William Perl i s (Kopenhagen). Die Zweigniederlassung in Palästina steht unter der Leitung des Herrn Josef Salz m a n n. Von dem Aktienkapital der Kopenhagener Gesellschaft sind 500 000 dänische Kronen eingezahlt. In kurzem wird eine Niederlassung in L o n d o n eröffnet werden. Die Gesellschaft hat größere Mengen derjenigen Waren, die Palästina zurzeit am meisten entbehrt, eingekauft: Baumaterialien aller Art, insbesondere Schnittholz in großen Mengen, Dachdecknngtzmaterialien, Orangenkisten, Maschinen. Einrichtungs-, Haushaltungs¬ und Gebrauchsgegenstände. Die Gesellsckzaft beabsichtigt, auch den privaten Güterverkehr nach Palästina in weitem Maße zu fördern, und ist bereit, Stückgüter mit ihren Sendungen zu expedieren. Der erste Transport im Umfange von über 2000 Kubikmeter ging am 25. Oktober ab, ein zweiter folgt vorailssichtlich im Dezember.; (Anfragen sind zu richten an: Palästina Aktieselskabet Ehiralll. Kopenhagen, Frederiksberggade 27. Telegrammadresse: Ehiram Kopenhagen.) (Z. D. K.) * Die Wahrheit über den Zionismus. Dr. D. Pasmanik, früher Privatdozent in Genf, in letzter Zeit Mitglied der Krimer Regierung, -der jetzt an den Arbeiten des Komitees der Jüdischen Delegationen in Paris regen Anteil nnnnu, veröffentlicht unter bbigeur Titel einen Artikel in den Londoner „^ewish Times", dein weitere Artikel unter der allgemeinen Ueberschri'sit „Zionistische Probleme" folgen sollen. In diesem ersten Artikel heißt es: „Wjen-n man einerseits von großeil Siegen des Zionismus spricht, der schon quasi verwirklicht oder lvenigstens der Verwirklichung sehr nahe steht, so behauptet man anderseits, daß man die Massen irregesührt habe, amb daß die jetzigen zionistischen Führer an den Idealen unseres unvergeßlitzen Führers Herzl Verrat geübt hätten. Zangwill selbst, der schon seit langem vorn Zionismus abgefallen ist und sogar chon aufgehört hat, Geographie zll studieren, uru irgendein Territorium für unser Volk zu finden, hat dies öffentlich erklärt. Weshalb haben sich die zionistischen Führer begnügt mit dem .un-besti.m-m.ten „jüdischen nationalen Heim" und feinen jüdischen Staat gefordert? Darauf könnte man ganz einfach an:- worken: Wer hat denn Zangwill .und alle, die mit ihm einverstanden sind, gestört, als Helden anszu treten und einen jüdischen Staat zu fordern? Weshalb haben alle unsere großen Politiker, die in allen Ländern zerstreut sind, nicht zu fordern versucht, daß ein Staat international anerkannt werde? Man kann all diese Fragen stellen, aber den Widerspruch werden sie nicht losen. Ich weiß nicht, was unsere unzufriedenen Politiker erreicht hätten, aber eines kann mail bestimmt sagen: wenn wir auch die formale Anerkennung unserer weitestgehenden Forderungen erreicht hätten, sagen wir: einen jüdischen Staat mit allen 'formellen Attributen, wäre der Zionismus doch in derselben Situation geblieben wie jetzt. Es hätte sich nichts geändert. Das jüdische Volk hat in den langen Galnth-Iahren seine tätige Energie verloren und hat bloß die Möglichsteu passiven Widerstandes. Und wenn es auch schon etwas zu schassen beschlossen hat, so liegt dies auf der Linie deskleinsten Widerstandes. Was ist Zionismus? Ein jüdischer Staat, den man von einer oder vielen Großmächten erhält, und Schluß. So denkt die Masse und so denken bedauerlicherweise alle großen und kleinen „Träumer aus dem Getto". Ties allesist aber nicht richtig. Wenn man den Zionismus auf den einfachsten Ausdruck bringen will, so ist er zu allererst kein politischer Erfolg, -nur. eine Aufgabe für eine Organisation für die ökonomischen Kräfte des jüdischen Volkes. Die Berwirtlichung des Zionismus hängt nur davon ab, was unser Volk allein mit seinen eigenen Kräften schaffen wird. IG mehr ökonomische Kräfte der Zionismus haben wird, desto schneller wird erpolitische Erfolge erzielen können. Der Zionismus ist praktisch zu allererst ein Problem der Massenansiedelung von Juden in Palästina, ein sehr schweres Problemund ein Unternehmen, zu dem man Hunderte von Millionen Pfund Sterling benötigt, überhaupt, wenn man von einer Emigration nicht nach Nerv Jork oder London, in schon sernge ökonomische Zentren, spricht, sondern nach Palästina, wo man alles erst von Grund auf schaffen mutz. Es handelt sich nicht um eine Immigration von städtischen Arbeitern und Kaufleuten, sonv-ern um eine solche, die eine -ng-rikulturelle Bevölkerung schaffen soll. Dies sind alles Fragen nicht einer, gelungenen Politik, sondern einer systematischen Organisierung unserer ökonomischen Kräfte. Bestenfalls kann die Politik für uns bloß Bedingungen für die A'wett schaffen, aber nicht die Tatsachen, die Wirklichkeit. Seien wir offen; in unserer Epoche von politischer Sentimentalität kann man nicht nach einem jüdischen Staat rufen-, wo die Inden vorderhand nureine Minderheit im Land bilden. Bloß Dichter können die Phrase wiederholen: „Gebet ein Land ohne Volt dem Volk ohne Land." Es ist wohl war, daß die Inden ein Volt ohne Land find, aber nicht wahr ist es-, daß Palästina ein Land ohne Volk ist. In Wirklichkeit ist Palästina nur ein Land, das vei hoher Kultur weitere vier Millionen Menschen ernähren kann. Darauf stützt sich der Zionismus. Man darf, aber nicht vergessen,

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