Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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sein wollten, wurden die lästigen Besucher kurzerhand mit Gewalt nit3. dem Saal hinausbefördert, wobei einer dieser jungen Leute -- ein schwer Kriegsbeschädigter - mit btutictem Kopse draußen an kam. Diese Heldentaten würden .auch von einem Teil der Versammlungsbesucher in der rechten Weise gewürdigt, denn ein großer Teil derselben verließ nach diesem so „mutigen" Vorgehen gleichfalls den Saal. er. Bielefeld, 24. Oktober. T a s ä l te st e M i t g l i e d der x'> ii d t s ch e n G e m e i n d e Biel e s e l d s , Fräulein Pau l in? Sachs, beging ihren 90. Geburtstag. Die alte Dame erfreut sich notf) einer ungewöhnlichen körperlichen und geistigen Frische, trotzdem sie von mancherlei Krankheiten heimgesucht worden ist. Sie macht noch regelmäßig im Kreise ihrer Bekannten Besuche und weiß Plauderstündchen durch ihre frische Art zu beleben. Sehr belesen, bringt die Jubilarin noch jetzt allem literarischen Schaffen reges Interesse entgegen. Und das ihr das Leben den Humor nicht hat nehmen können, beweist die alte Dame, wenn sie auf die Frage nach ihrem Wohlbefinden die muntere Antwort gibt: „Jungen Mädchen geht es immer gut." Die hiesige Synagogengemeinde hat der greisen Jubilarin ihre Glückwünsche dargebracht. Unsere gesamte Gemeind? hat an der seltenen Feier Anteil genommen. D/D .Hanau. 24. Oktober. Im verflossenen Somrner hat unsere Agudas-Jisroel-Gruppe wiederholt eifrig gearbeitet. Die Schiurim, die wir eingerichtet hatten, erfreuten sich regen Besuches. Bon größeren Verträgen sind zu erwähnen: Herr Rabbiner Dr. Bamberger: Die Herstellung und Einrichtung des Heiligtnmes an Hand eines von der Frankfurter Realschule überlassenen Modells. Herr Alfred Stern: Der Prophet Amos. Herr Studienreferendar Leo Rothschild (Frankfurt a. M.): Die Bedeutung der Ideen des Judentums in der modernen Kultur. Für den kommenden Winker haben mx ein reichhaltiges Programm aufgestellt und hoffen, daß unsere 'l'eranstaltungen recht großes Interesse finden mögen. tzollmb. 2/D Den Haag, im Oktober. Im Monat September 1919 sind für -den Jü-d-i-s'chLN Nationatfonds 230 848 Francs an Spenden euigegangen, die sich ans folgende Länder verteilen: England 1533.15.5 Psd. Sterl., Bulgarien 244 252 Levas, Deutschland 102 957 Mark, Rumänien 62 000 Lei, Nordamerika 2546 Dollar, Palästina 285 705 ägypt. Psd. Sterl., Holland 260 Gulden, Belgien 5000 Francs und 346 Gulden, Ostgalizien 43 202 Gulden, Westgalizien 33 534 Kronen, Deutsch-Oesterreich 31 653 Kronen, Frankreich 3312 Francs, Norwegen 1864 Kronen, Niederl.-Indien 1152 Gulden, Schweiz 2337 Franken, Kanada 3 53 Gulden, Aegypten 56.8.77 Psd. Stert., Schweden 781 Kronen, Kurland 8 72 Mark, Litauen 232 Mark, Griechenland 5905 Drachmen, Tunis 20 Francs. Die vor kurzem leingeleitete Aktion zur Ausbringung eines;] c h n m illionen s o n d s für die Errichtung einer Nord a u - Gartenstadt in Palästina hat in weiten Kreisen lebhaften Antlang gefunden. Eine zunächst unter den führenden Zionisten eingelcitete Sammlung größerer Beträge hat bisher folgende Summen ergeben: A. Baindas (Antwerpen) 2500 Francs, Jean Fischer (Antwerpen 5000 Francs, Oscar Fischer (Antwerpen) 5000 Francs, Boris Goldberg (London) 3000 Francs, Jsaac Goldberg (London) 200 Psd. Sterl., I. H. Kann (Haag) 5000 Francs, M. Levin (Antiverpen) 5000 Francs, A. Naiditsch (Paris) 5000 Francs, I. Rososs (London) 50 Psd. Sterl., Julius' Simon (Londc-n) 50 Psd. Sterl., Samy Tolkowsty (London) 100 Psd. Sterl., Tr. Ehajm Weizmann (London) 100 Psd. Sterl. Zur 'Propagierung der Idee der Gartenstadt ..Nordau" ist eine schön ausgestattete Schrift in Vorbereitung, die Gleichzeitig in mehreren Sprachen erscheiwen soll. Sie wird neben einer Würdigung, Nordaus Aussätze über die nationalökonomische und architektonische Bedeutung von Gartenstädten in Palästina von hervorragenden Autoren enthalten. Ter Gedanke der Errichtung von Gartenstädten in Erez-Jsrael hat in jüngster Zeit im Lande selbst Wurzel ge saht, - und von verschiedenen Gruppen gelangen an die Berwaltung des Jüdischen Nationalsonds 9( nsuchen um Ueberlassung von Erbpachkboden zwecks Errichtung von Gartenstadtsiedlungen. Die große Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds für den Aufbau Palästinas wird nirgends so stark empfunden wie in Erezösrael. selbst. Führende Persönlichkeiten fast sämtlicher Parteien i'.n.d Richtungen der dortigen Judenheit haben einen Ausruf an die jüdische Bevölkerung Palästiinas und Syriens zur Sammlung für den Jüdischen Nakionalsonds erlassen. In Jaffa wurde ein Komitee gegründet, das in mustergültiger Weise die National sondsarbeit in Palästina organisiert und einen genauen Verteilungsplan über die für das lassende Jahr anszubringenden Summen aufgestellt hat. Die S e l b st b e st e u e r u n g soll auf alle Juden des Landes ausgedehnt lverden, und die jüdische Arbeiterschaft Palästinas erklärte sich bereit, den Ertrag eines Arbeitstages dem Jüdischen Nationalsonds zu überlassen. Die Kolonie Melhamie hak auf Anregung der orthodoxen Kolonisten in diesem Jahre das für „Truma" und „Maasser" eingesammelte Getreide zugunsten des Jüdischen Nationalsonds verkauft. ----- Auf den Nationalfondsböden in Emek-Jezreel und in Galilän sind A s s a n i e r U' n g s a r b e i t e n 'größeren Stiles in Angriff genominen worden. In der Umgebung M e r ch a w j a h s werden alle Sümpfe ansgetrocknet, ans den Sumpfstellen Eukalyptus-Haine gepflanzt und die Abflüsse und Wadis, die sich vom Kleinen Hermon in die Emel ergießen, durch ein System von Kanälen reguliert. Durch die Assanierungsarbeiten in K inereth sollen außer den Farmen des Jüdischen Nationalsonds auch die Kolonien K inereth und Bethania fieberfrei gemacht werden. Das ganze User des Kinereth-Sees und Jordans soll ans einer Strecke von mehreren Kilometern reguliert und durch Mauern befestigt werden. Die Ebene zwischen Bethania- und Kinereth wird entwässert und die Jordanbucht zwischen Daganiah und Kinereth zugeschüttet. Das durch Dammeinbruch im Laufe der letzten Jahre angesammelte Iordanwasser soll mittels Windturbinen und Motoren m das Flußbett abgeleitet lverden. Auf den Ueberresten des alten römischen Aequaduktes zwischen Daganiah und Melhamie soll eine Eisenbetonbrücke über den Jordan errichtet werden. Zur Ansiedlung von 100 d c m o bilisier 1 e n L egionäre n hat die Nein?)or-ter A ch u s a h - Z i o n - E o m m o n w e a l t h ein größeres Areal in der Emek-Jezreet gepachtet, darunter auch 1000 Dunain Boden des Jüdischen' Nationalsonds. in Nkerchaiojah, woin kürzester Zeit zementierte Baulichkeiten errichtet lverden sollen. Drutsch-Nksttl reich. z. Wien, 24. Oktober. Bor einiger Zeit rief Anitta Müller das öffentliche Mitleid durch „Lichtbilder aus dein Wiener Kinderelcnd" wach. Wer es aber in seiner nackten Wirklichkeit sehen will, braucht nur in die Borgartenstraße zur Kaiser-Wilhelln-Kasern'? zu gehen, wo die anuerikanische Kindevausspeisung, speziell für rituell jüdische Kinder, stattsindet; dort kann er täglich von neuem das echte Bild jüdischen Kinderelends sehen.. Bor dem Eingang und im Innern der Speiseräume sieht man Schutzmänner — mit Srdnnng unter der Jugend zu halten ----- andere Anfsichtsorgane wären wclst besser am. Platze, die es verstünden, ans ruhige 'Art und nicht durch Stoßen und.Schimpfen die Kinder im Zügel zu halten , die, zu Hunderten vor der Küche angestellt,, mit ihrem Geschirr in der Hand auf die Verabreichung des Essens wartet. Geschieht nun in diesem Gedränge und Geschiebe, daß ein Kind um etwas mehr bittet oder eine Zugabe verlangt, oder der Schutzmann verwechselt ein Kind und meint, es habe bereits sein Essen bekommen, oder ist eines so unglücklich und läßt bei dem Gestoße sein verabreichtes Bißchen fallen, dann wird es von den Schutzleuten derart angebrüllt, daß ihm das Blut erstarrt. Hat es nach all den Qualen des Anstellens und der Angst vor der Wache endlich seine Portion, so ist dieselbe so klein, kaum den Jüngsten genug. Es sind aber auch 14-. bis 15jährige darunter. Kinder anständige:' Familien, die vor dem Kriege bessere Tage gesehen, kommen weinend nach Hanse. Ihrem besseren Em-psinden widerstrebt es, wie einst die Bettler vor den großen Hotelküchen und Klöstern, mit ihren Schalen aus das Essen zu warten und solche Demütigungen zuertragen, wo überdies die verabreichte Al enge so gering und der Weg zur Ausspeisestelle so weit, daß man das teure Schnhwerk zerreißt oder aber' noch Fahrgeld opfern muß. Viele von ihnen fassen abends wohl den festen Vorsatz, lieber nichts zu essen, als wieder zur Ausspeisungsstelle zu gehen, doch der Hunger treibt sie am nächsten Tage wieder dorthin. Ginge es denn nickst, 'daß diese Kinder — wie es in den anständigen Gemeinschaftsküchen üblich — sich sofort an die Tische setzen, wo ihnen dort die spärliche Mahlzeit wenigstens ohne die Strapazen des Anstellens verabreicht wird? Dann würde auch das Amtieren der Schutzwache ganz überflüssig und der große