Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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vUuumcr der besser fühlenden Kinder hätte ein Ende. An Dienerschaft mangelt es ja nicht, diese scheint aber nur 'dazuha zu sein, um zu verhindern, das; ans eine oder andere Kind Gc-t-t behüte nicht noch einmal ein wenig Essen verlange. Als mustergültiges Beispiel könnte die arme Talmud-Thora-Schule in 'der Matzgasse dienen, die rvohl nicht über reiche amerikanische Dollar verfügt und sich jede einzelne Krone schwer erbetteln muß. Dort mwb jedem, Kinde täglich Suppe uixb eine zweite nahrhafte Speise verabreicht. In den Wochen, wo rituell koscheres Fleisch erhältlich, bekommen sie eine Fleischspeise und zweimal in der Woche Buchteln — das Festessen der Kleinen alles in genügender Menge. (5s wird den Kindern mie im Eltern Hause gereicht, ohne erst Schutzleute oder sonstige Vorkehrungen zu Hilfe zu rufen. Man soll ja auch mit den Kmdern menschlich iühlen und ihre junge Seele schonen. Bon Mh unv Mn. Tie B e r b i n d u n g i m K. (5. (Kartell - Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) „Sprevia" lBerlin) beging am 22. Oktober ihr 25jähriges Stistungssest. Anläßlich dieses Stiftungsfestes hat die Verbindung Herrn Geheimen Instizrat Eugen Fuchs, den Vorsitzenden des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, in Anerkennung seiner großen Verdienste um das deutsche Judentum zum Ehrenvorsitzenden ci.naunt. Sie hat damit in den 25 Jahren ihres Bestehens zum erstenmal von der Berte ihimg dieser Ehre Gebrauch gemacht. Das Stiftungsfest selbst wird anläßlich des in den Tagen vom 1. bis November in Berlin stattsindendeu K. - E. - Tages durch einen Festkounuers festlich begangen werden. — Die Je u t r n l m ohl - fahrts ft elle der deutschen Juden teilt uns mit, daß sie zu ihrem lebhaften Bedauern sich gezwungen sah, die erste Vlitgliederv.'rsammlung, die, wie in der letzten Nummer von uns an gekündigt, am 27. Oktober stattfinden sollte, aus Sonntag, den 1. Dezember, zu vertagen. — Geheimer Medizinalrat Professor Tr. Ludwig Brieger, der hervorragende Berliner Bakteriologe, ist im Alter von 70 Jahren verschieden. — Am 19. d. M. veranstaltete die Berliner Bezirtsgruppe Ost der A g u d a s - I i s r o e l - I u g e n d - g r u P p e u ihren zweiten Heimabend. Nach der Festrede des Herrn Siegmuud Stein, in der er über die Ausgabe der Agudas-Iisroel- Iugendgruppen sprach, und verschiedenen unterhaltenden Vorführungen dankte Herr Rabbiner Dr. Loewenthal in einer kurzen Ansprache allen, die zur Verschönerung des Festes beigetragen Haien. - In den letzten Wochen hat in Danzig eine scharfe Hetze iT/m die jüdi'che Bevölkerung eingesetzt. Die Inden wurden mit Drohbriefen und Schmutzpostkarten bedacht, Schmähschristen nmrden versandt and all die Häuser angeklebt usw. Eine besonders boshafte Art hat einer dieser Hetzer ausgeklügelt. Er versendet an hiesige Fudeu antisemitische Flugblätter im geschlossenen Briefumschlag und gibl als Absender den Namen eines hiesigen geachteten jüdischen Geschäftsmannes an. -- Aus Bereut (W-estpr.) rvird uns geschrieben: Aach 31jähriger "Amtstätigkeit verläßt Herr Rabbiner Dr. Münz unsere Gemeinde. Während dieser laugen Zeit war er uns ein le..chtendes Vorbild in der Betätigung und Förderung aller guten frommen Werke. Für seine Leistungen als Redner sonne für ferne Tätigkeit als Lehrer haben wir nur Worte der höchsten Anerkennung und des wärmsten Dankes. Herr Dr. Münz hat sich auch durch seine literarischen Arbeiten in weiten Kreisen einen guten Namen erworben. Die Gemeinde wünscht ihrem verehrten Lehrer und Meister, der nach den Festtagen Abschied von ihr nimmt, auch fernerhin das beste Wohlergehen. — Der Talmud - Thora - Verein zu Beuchen (O.-S.) betrauert das Hinscheiden eines seiner ältesten und verdientesten Mitglieder, des Herrn Moritz Wiener. Einer hochangesehenen Familie entsprossen, war er selber mit Erfolg bemüht, die Familientradition auch in seinem Leben und seinem Hause zu pflegen und in tatensrischer Kraft zu erhalten. Bon diesem Geiste, geleitet, -widmete er sich dem Dienste des Talmud - Thora - Vereins, dessen Vorstand er fast volle 40 Jahre angehörte. In dankbarer Anerkennung seiner Verdienste wurde er zum Ehrenmitgliede ernannt. Der Name des Verklärten wird in der Geschichte des Vereins in Ehren fortleben. — Der Antisemitismus in der Bresl a u er S t n d e n t e n s ch a ft wächst andauernd. Neuerdings haben sich sämtliche schlesische Verbindungen rmter demonstrativem Ausschluß der jüdischen Verbindung im Kar-tellkonvent ,^Thuringia" zu einem „Waffen ring" zrlsammengeschlossen. — Ter Stradtrat in Nüonberg hat einstimmig den Frauenarzt Dr. D. Grünb-aum daselbst zum Leiter des Städtischen Wöchnerinnenheims als beamteten Oberarzt gewählt; derselbe wurde bereits feierlichst installiert. — Aus Landau (Pfalz) wird berichtet: Als Ehrung für unsere jüdischen Kriegsgefallenen stiftete unser Gemeindemitglred Hermance Metzger einen namhaften Be krag zur Errichtung einer Ehrentafel, auf die die Namen, der aus unserer Gemeinde gefallenen jüdischen Mannschaften verzeichnet werden sollen,, die im Weltkriege den Heldentod für das Vaterland starben. Diese Tafel, die 16 Namen verzeichnen wird, soll an der Außenmauer der Synagoge angebracht werden und federn Vorübergehenden eine sichtbare Erinnerung an die Blutopfer sein, die die jüdische Jugend und die jüdischen Eltern im Weltkriege gebracht haben. — Rabbiner Dr. Abraham Micha l skr in Recklinghausen ist als Tistriktisrabbiuer und Direktor der Jüdischen Präparandie nach Burg rep p ach berufen worden. — Aus Saarbrücken wird geschrieben: Im blühenden Alter von 21 Jahren verstarb Rudolf Worms an den Folgen eines tragischen Unglücks falls in Heidelberg, wohin er sich zwecks Aufnahme seiner U-nlversitätsstudien begeben heilte. Mit ihm verliert die jüdische Jugend des Saarlandes ihren Besten. Lange Zeit war der Verstorbene in führender Stellung im Wandervogel, bis auch ihn, wie so viele unserer Besten, die Sehnsucht nach eigener Art und nach jüdischer Gemeinschaft ergriff. Wie kein zweiter wäre dieser junge Edeljude befähigt gewc en, der jüdischen Jugend ein Führer zu werden, hätte ihn nicht ein tragisches Geschick in dem Augenblick zerschmettert, da er begann, seiner Sache zu dienen. — Das Israelitische Oberkonsistorium des Unterelsaß hat den aus Träuheiln im Elsaß gebürtigen Herrn Jsaie S ch io a r tz, der seit sechs Jahren den Sitz des Oherrabbiners in Bordeaux einnimmt, zum Oberrabbiner des Unterelsaß gewählt. Die Bestätigung der Regierung ist ein geholt worden. Der frühere Oberrabbiner von Straßburg, Rabbiner Dr. Emil Levy, jetzt Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Berlin, ist bekanntlich seit dem Einzüge der französischen Truppen von seinem Amte zurückgetreten. — Aus Prag wird berichtet: Leopold Hils ner, der ans dein Ritualmordprozeß von Pot na bekannt ist, weilt seit einigen Tagen in Prag. Er mußte Wien als Ausländer verlassen. Wie es heißt, null er sich eine Audienz beim Präsidenten. Masaryk erwirken, um eine Wiederaufniahme seines Prozesses und damit seine Rehabilitierung zu ermöglichen. Bekanntlich hat Dr. Masaryk zur Zeit der Durchführung des Hilsner - Prozesses den Ritualinordaberglanben heftig bekämpft. — Rach einer Mitteilung der jüdischen Wochenschrift „Egyenlö.szeg" haben sich in der Zeit vom Oktoberumsturz bis zur kommunistischen Herrschaft 265, während der Diktatur Bela Kuns 903 und seit der Aufrichtung des Regimes Friedrich. 1121 Juden taufen lassen. Darunter befinden, sich 32 Aerzke, 77 Advokaten, 102 Ingenieure, 11 Apotheker, 16 Professoren, 121 Fabrikanken, 402 Beamte, 95 Kaufleute, 41 Landwirte, 108 öffentliche Beamte, 12 Militärs, 12 Schriftsteller und 31 Kunstmaler. — Eine italienische Agenturmeldung besagt: Tie Friedenskonferenz hat ihr Einverständnis mit einem italienischen Mandat über die heiligen Orte in Palästina und Syrien erklärt. Das Mandat soft nominell von dem König von Italien ausgeübt werden, der infolge des Titels eines Königs von Jerusalem, den er als Mitglied des Hauses Savoyen führt, den größten Anspruch darauf habe. Die Voraussetzung für diese Lösung ist, daß der Vatikan sich mit dieser Regelung einverstanden erklärt. — Die „Annales Africaines" melden: M. Fridm a n , Oberrabbiner von Algier, hat den Plan gefaßt, in der Hauptstadt dieser Provinz ein monumentales Gebäude zu schaffen, lvo die Verwa'ltungsräulnlichkeiten der J u ge nd gemeinde und auch aller Wohltätigkeitsorganisationen vereinigt sein sollen. Er hat sich deshalb an die reichen Juden von Algier gewendet, welche mit Begeisterung der Anregung Folge leisteten, so daß die Zeichnungsliste bei den ersten 36 Zeichnern bereits einen Betrag von 225 000 Francs nufweist. Wenn es so weiter geht, wird das Palais des algerischen Judentums das des Gouverneurs übertressen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Äatz in Berlin-Pankow, FlorastraHe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlünder, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moste.