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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-31 · Heft 44 (31.10.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 44 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Holzversorguug. Bei der lieber nah nie des Zoologischen Garteils durch die Stadt mürbe er zum Borsttz.end.en des Vereins Zoologischer Garten gewählt und hat sich als solcher ,um das Gedeihen des Stadtrat Jaeckelschen Vermächtnisses große Verdienste erworben. Außerdem war er Vorsitzender des Verwaltungsausschusses des Rohrscheu Krankem und Siechenhauses und Vorsteher der Jüdischen Brüdergemeinde. Von seinen beiden Söhnen ist einer Rechtsanwalt, der andere Angestellter der Dresdner Bank in Berlin. Nahezu drei Jahrzehnte hindurch hat der Heimgegangene als Mitglied des Gemeindevorstandes, seit 1910 als dessen stellvertretender Vorsitzender, seine ungewöhnliche Schaffenskraft und Schaffensfreude, seine hervorragenden Fähigkeiten und seinen bewährten Rat ehrenamtlich in den Dienst'der Posener Gemeinde gestellt Mit warmein Herzen hat er allezeit an den Aufgaben der Gemeinde mitgearbeitet, und viele ihrer Institutionen verdanken vornehmlich seiner aufopferungsvollen innigen Hingabe und seiner Sachkenntnis die gedeihliche Förderung und Entwicklung. Aber auch allen anderen Zweigen des Gemeindelcbens ist sein Blick, seine reiche Lebenserfahrung zugute getonuneu. Stadtrat Elkeles war ein Eharakter von peinlichster, beinahe ängstlicher Gewissenhaftigkeit, -dabei von großer persönlicher Liebenswürdigkeit. Sein Schaffen sichert ihm ein treues Gedenken bei allen, die ihn kannten. H. G. Myslowitz lO.-Schl.), 24. Oktober. Am 8. November begeht Herr Dr. med. Breit, hier, fein goldenes Doktorjubilä u m. Am 6. Februar 1840 in Kätscher i. O.-S. geboren, besuchte er das Gymnasium in Ratibor und bezog Ostern 1865 die Universität Breslau. Am 8. November 1869 promenierte er dort zum Dr. med. et cliir. 1870/71 Kriegsteilnehmer und Militärarzt. 1906 zum Oberstabsarzt im Kriegsfälle vorgesehen. Seit November 1871 als praktischer Arzt in M Pskow itz tätig, fungiert er hi er selbst bis heute als Stadt-, Polizei- und Gefängnisarzt. Seit 1874 dis heute wirkt er als Stadtverordneter. Viele Jahre hindurch tvur Dr. Breit im Synagogcnvorstand der Gemeinde Mpstowitz tätig. - Gleiwitz, 24. Oktober. D i e U n t ä t i g feit d e r E u - tente gegenüber den Judenmetzeleien in Rußland gibt dem hiesigen „Oberschlesischen Wanderer" Anlaß zu folgenden bemerkenswerten Ausführungen: „Wobleiben angesichts der immer größer und.grauenhafter werdenden Judenverfolgungen Sitte, Kultur und religiöse Duldung. für deren Schutz die Ententestaaten einzutreten vorgeben. Wenn aus Unvorsichtigkeit in Berlin ein Franzose erschossen wird, dann schreien Frankreich und England nach Rache und fordern eine Million als Sühne; wenn am Rhein einem englischen oder französischen Soldaten auch nur ein Haar gekrümmt wird, dann tritt der feindliche Staatsgerichtshof in Aktion; wenn aber im Osten die jüdische Bevölkerung von Fanatikern entsetzlich orangsaliert, verfolgt und hingemetzelt wird, dann verhallen die noch jo lauten Hilferufe ungehvrt! Gibt es in unserem Zeitalter denn wirklich keine Kulturmacht, welche diesen immer wiedertehrenden Judenverfolgungen ein Ende macht? Sind schließlich nicht alle Staaten Europas und der Welt dazu verpflichtet?" - - Es wäre wirklich wünschenswert, wenn die das Gewissen der Kulturmenschheit verkörpernde Entente endlich aus dem bequemen Stadium ihrer platonischen Judenfreundschaft heraustreten und sich zn Taten ausraffen würde. — (shemnitz, 24. Oktober. Im alldeutschen Blätterwalde tobte ein Sturm, weil der Vertreter der Entente in Wien die Regierung vor Pogromen gewarnt hat. Die hiesige „Bolksstinnne" knüpft an diese Tatsache einige bemerkenswerte Ausführungen: „Es scheint der Mühe leert, einmal festzustellen, wie so ein amerikanischer Staatsmann zu einem deutschen Staatslenker kommen muß, um ihn auf die einfachsten Forderungen der Menschlichkeit aufmerksam zu machen. Es muß ausfallen, daß sich New Jork mit seiner Million jüdischer Einwohner, die sich zum großen Teile ihre, Eigenart sogar in recht sichtbarer Weise bewahrt haben, daß sich ebenso England, Kanada. Australien von stärker in Erscheinung tretendem Antisemitismus rein gehalten haben; daß anderen Völkern, vor allen aber, den Franzosen, Italienern und trotz aller äußeren Erscheinungen selbst den Russen voran, die Deutschen es in dieser Hinsicht zu recht erheblichen Leistungen gebracht haben. Wer sich die Gesellschaft der Rasten- und Geschäftsäntisemiten, der Pogromisten und Scheinchristen vor dem prüfenden Auge vorüberziehen läßt, wird an ihnen eine gemeinsame Tatsache erkennen: der Antisemitismus marschiert überall mit Leuten, die jedem Fortschritt und jeder freien Weltanschauung abh o l d s i n d. Und alle, deren Blick in die Zukunft gerichtet ist, die irgendwie auf das Neue, auf das Geistige eingestellt sind, bekämpfen oder lehnen doch wenigstens den Judenhaß ab. Die großen Demokratien des Westens haben den Juden stets jede Möglichkeit frei gehalten, sich am Staats- und Kulturleben ihres Wirtschaftsvolkes mit allen ihren hohen Fähigkeiten zu beteiligen, und sind damit gut gefahren, wie mancher hervorragende jüdische Staatsmann, Gelehrte und Künstler der Angelsachsen beweist. In'Deutschland aber, und wo immer eine mit lebenskräftigem Lebenswillen ausgestattete Reaktion am Werke war und ist, sammelt sie alle rückständigen Gewalten unter dem mißfarbenen Banner des Antisemitismus. So viel Lüge, Trug und Verleumdung, so viel Schimpf und Ekel wird nirgends sonst in unseren wahrlich nicht zimperlich geführten öffentlichen .Wuchsen gebraucht wie auf dem Gebiete der Judengegn-erschaft. Schon dadurch allein richtet sie sich vor dem Urteil aller anständig Gebliebenen von selbst; und es erscheint durchaus erklärlich, daß ein Mensch, der sich, wie der amerikanische Vertreter in Wien, eine gewisse politische und sittliche Reinlichkeit bewahrt hat, vor dem Pogromgeist der Antisemiten die Gänsehaut bekommt." er. Friedrichstadt, 24. Oktober. Die hiesige Jüdische Gemeinde ist gleichzeitig mit der im Jahre 1622 erfolgten Begründung unserer Stadt in Leben getreten. Die Inden erhielten früher unter dänischer Herrschaft die Erlaubnis, sich in Rendsburg, Altona, Segeberg und Friedrichstadt niederzulasten. Die Jüdische Gemeinde in Friedrichstadt hatte im Jahre 1850 mit 600 Seelen ihren höchsten Stand. Als nach der Einverleibung der Herzogtümer die Freizügigkeit einsetzte, begann die Abwanderung namentlich nach Hamburg. Infolge der Abnahme ging im Jahre 1885 die israelitische Schule ein. Unsere kleine Gemeinde hält noch einen eigenen Kultusbeamten, der die gottesdienstlichen Handlungen und rituellen Schlachtungen aussührt. Interessant ist der israelitische Friedhof aus dem Treenefelde mit seinen alten Grabsteinen mit hebräischen Inschriften von bedeutendem kulturhistorischen Wert. Die ältesten Steine haben ein Alter von 250 Jahren. Bei der Belagerung der Stadt durch die schleswig-holsteinische Armee im Jahre 1850 dienten die Grabsteine den dänischen Soldaten als Deckung. Halberstadt, 24. Oktober. Auf dem Delegiertentag des Gruppenverbandes der A g lt d a s Jisroel in D e u t s ch l a n d, der kürzlich hier stattfand, wurde folgende Resolutiou angenommen: „Für das Verhältnis der Palästinaarbeit der Agudas Jisroel zu der anderer Organisationen sei Grundsatz: Bei Gegensätzen grundlegender Bedeutung ist organisatorische Vereinigung unmöglich. bei Uebereinftimlm'ung in praktischen Zielen ist Arbeitsgemeinschaft wünschenswert, wenn sie keinerlei Aufgabe von Prinzipien bedingt. Hieraus ergibt sich, baß 1. die Agudas Jisroel prinzipiell bereit sein soll, in wirtschaftlichen und sozialen Fragen mit der zionistischen Organisation zusammenzuarbeiten, soweit diese Bürgschaften gibt, daß auf dem gemeinsamen Arbeitsgebiet das Thoragefetz nicht übertreten wird. 2. Soweit auf kulturellem Gebiet 11 ebereinst im-mung zwischen Misrachi und Agudas Jisroel in betreff der Tendenzen und Arbeitsziele besteht, ist Zusammenarbeit mit dem Misrachi möglich und erwünscht, sofern der Misrachi in Durchführung derselben durch seine Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nicht behindert ist. Vor allem muß das orrhodoxe Erziehungswesen in Palästina völlig unabhängig von der allgemeinen zionistischen Schulkommission (Wand Hachinuch) sein/ — Wolfenbüttel, 24. Oktober. Am letzten Sonnabend hielten die Antisemiten im Gemeindesaal der hiesigen Hauptkirchengem rinde eine Versammlung ab, in der Professor Werner über die Juden frage sprach. Die Versammlung galt als nicht direkt öffentlich, konnte jedoch gegen eine Einlaßkarte im Preise von 50 Pfennig, die von hiesigen bekannten Antisemiten vertrieben wurden, besucht werden. Der Saal war dicht gefüllt. Unter den Besuchern mar allerdings auch eine große Anzahl Gegner der Sache zu verzeichnen. Der Wissenschaft halber hatten sich auch zwei hiesige jüngere jüdische Einwohner zu der Versammlung eingefunden. Sie wurden als durchaus nicht in den Kreis paffend angesehen und dahin verwiesen, woher sie gekommen waren. Sie beriefen sich jedoch auf ihre bezahlten Eintrittskarten und erklärten, den Saal nicht freiwillig verlassen zu wollen. Da die Herrschaften hübsch unter sich

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