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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-31 · Heft 44 (31.10.1919) · p. Seite 500

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 44 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 500 (sequence 8)
Language
German
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m stattfinden formte, so wird man der beabsichtigten Veröffentlichung desselben weit über den Kreis der Konferenz hinaus mit Spannung entgegensetzen. Bon dem Plane des Herrn Spiro, in dem vielbesuchten Bad Oeynhausen ein jüdisches Kurheim mit Synagoge zu gründen, nahm die Konferenz mit hohem Interesse Kenntnis. Lur Apologetik im Neligionsunterncht). Bon Bezirksrabbin-er Tr. M a r B c c r m a n n (Heilbronn). er Btagns des Nordens hat das treffliche Wort gesprochen- „Jede biblische Geschichte ist eine Weissagung, die dilrch alle Jahrhunderte in der Geschichte jedes Menschen sich erfüllt." Tiefen Ewigkeitsgehalt soll nun die wiederholende Betrachtung auf der Oberstufe heben. Zugleich aber soll der Weg der Offenbarung von Abraham bis zu den Schrift- Propheten aufgezeigt werden. Ta auf diesen! Gebiete ebensowenig wie auf dem des Bibellesens methodische Vorarbeiten vorhanden sind, ist es notig, ausführlich das Kedankemnaterial 'herauszustellen, das bei der Wiederholung der biblischen Geschichte auf der Oberstufe didaktisch verwertet werden soll. In knapper Darstellung gebe ich zunächst die Grundideen der Urgeschichte. Man wird hierbei sehen, wie die prophylaktische und apologetische Seite unbeirrt im Auge gehalten wird. Die didaktische Form der Darlegung wird das freie Lehrgespräch sein. Ich gebe hier aus Raumersparnis lediglich die Gedanken, deren rechte didaktische Gestaltung der Lehrer unschwer finden wird. Da kein Hilfsbuch nach der Richtung, in der sich folgende Auseinandersetzungen bewegen, mir genügend brauchbar für die Vorbereitung des Lehrers erscheint, so will ich meine diesbezüglichen Versuche hier anfügen. 1. Die Schöpf u n g. An der Pforte der Thora grüßt uns das Lehrbild der Weltschöpfung: a) Die Welt eine Schöpfung Gottes, kein Werk des Zufalls, sondern hervorgebracht und verwaltet durch die Weisheit und Liebe Gottes, der ein allumfassender Geist ist -- Theism u s. (Angebliche Beweise für das Dasein Gottes. Grenzen unserer Erkenntnis.) b) Er hat das All zur Verwirklichung seiner Zwecke ins Dasein gerufen und die Welt so eingerichtet, wie es für die Erreichung des großen Endzieles, den T r i u m P h des Sittlichen, am besten ist — L P t i m i s m u s. c) Dieses Sittliche soll sich schließlich in der Menschenmelt durchsetzen. Ter Mensch ist^als sittliches Wesen durch sein Gewissen gottverwandt, er trägt die Züge des Allvaters, dessen Kind er ist. Ist er auch mit dem Leibe erdentstammt und vergänglich, in seinem Geiste trügt er einen Kern und Keim der Ewigkeit -ethische r I d e a l i s m u s (vor reifen Schülern: Willensfreiheit, Unsterblichkeit!). To ist als Erdensohn des Menschen Los Leid und Not und Tod; aber als Himmelssproß ist er zugleich mit der Kraft begnadet, Sterben und Verderben zu ü'berlvmden: Daß wir Menschen nur sind, der Gedanke beuge das Haupt dir, Doch daß Menschen wir sind, richte dich freudig empor! d) Von diesem einen Menschen, der an der Schwelle der Geschichte steht, entstammt die Menschheit. Sie ist berufen zmn Dienste Gottes. Wer so schrieb, hat nicht bloß Israel, ') Diese Arbeit ist ein Teil eines größeren Werkes, dessen Verbftentlichuug geplant ist. sondern alle Nationen zu Erben des Gottesreiches gemacht. Herodot und Thukydides suchten den Rühm der Hellenen, Livius und Tacitus die Ehre des römischen Imperiums. Die Thora dient nicht dem Nationälstolze Israels. Ihr Geist ist allumspannender — Universalismus. Es ist darum in ihrem Sinne gedacht, wenn Herder in den „Briefen zur Beförderung der Humanität" schreibt: „Das Menschengeschlecht ist ein Ganges, wir arbeiten und dulden, säen und ernten füreinander!" e) Dieses Ideal der Humanität erblickt die Menschheitsaufgnbe im Einklänge mit dem Schöpfungsbericht in der Beherrschung der Natur durch den Menschengeist — Kultura r b e i t - und in der immer kraftvolleren Ausprägung der sittlichen Werte - m oralis ch e Vervollkommnung. An diese sittliche Weihe geimahnt uns d e r S a b b a t, der Tag der Sammlung, da die Seele aus den Banden der Sorge sich löst und die Vereinigung mit ihrem göttlichen Ursprung sucht. Der Sabbat ist zugleich ein ewiges Symbol des letzten großen Zieles, das der Menschheit gesteckt ist, die Herrschaft des göttlichen Friedensgeistes auf Erden anzubalhnen. S o e r i n n e r t der Sabbat an den W e l ten sa 'bb a t, an das Gvttesreich der Sittlichkeit auf Erden. f) Wir sehen, nicht Naturgeschichte, sondern sittlichreligiöse Ideen will die Schöpfungsgeschichte lehren: Ein Gott, eine Menschheit, wie es Alfred Meißners stimmungsvolle Verse in warmen Tönen singen: Eins ist die Menschheit, ein Herz! lieber Meere hin den Riesenpulsschlag schleudernd!. Ein Geist! In Millionen Geistern Ringend zur Kraft! In Millionen Nervenfasern Fühlend Unrecht und Gerechtigkeit. Ein Mensch ist die Menschheit! g‘) Ein Gott, eine Menschheit Predigt die Thora 500 Jahre vor dem größten Weltweisen aus Hellas. Ihm, dem Herrenvolk der Griechen, stehen die von Natur zum Dienen bestimmten Barbaren gegenüber, und Aristoteles bemüht sich, die Sklaverei durch den Unterschied der Rassen als naturgewollt zu begründen lvql. Eichhorn, ßspßapo; quid signifieaverint und Wendland : „Die hellenistisch-römische Kultur", S. 14). Der Stagirite rät seinem königlichen Zögling Alexander, über den Barbaren Despotie, über die Griechen Hegemonie zu üben, für diese als Freunde und Verwandte zu sorgen, jene wie Tiere oder Pflanzen zu nutzen. h) Demgegenüver lehrt Gen. I: a) Altr u ismu s: Dienst am Nebenmenschen, der gleich dir Kind Gottes Ist, zu welchem Volke er auch gehöre (vielleicht hier ein paar Bemerkungen gegen Nietzsche!). b) M e s s i a n i s m u s: Glaube an den endlichen Sieg des Guten. Diesen Sieg gewährleistet der allmächtige und allweise Gott, der die Welt nach seinen: Willen werden ließ. j) Neper diesen köstlichen Inhalt wollen wir die herrliche Form der Darstellung nicht übersehen. Schon Herder hat gezeigt, wie die Naturpredigt unseres Kapitels dem Menschen an jedem Tage vom Erwachen an entgegeiwtritt: erst das Licht, die Morgenröte, nachher die strahlende Sonne. Erst das Licht, das die Umrisse der Dinge zwar noch nicht klar scheidet, das den Menschen aber doch das Wasser von der Erde als abgegrenzt sehen und die Bäume sich schon vom Dunkel äbheben läßt. Dann die voll aufgegangene Sonne, die in Helles Licht das muntere Treiben der Tierwelt und der Menschen taucht. Die beste Auslegung hierzu gibt Psalm 104, das lyrische Echo unserer Stelle: „Es geht der Mensch an sein Werk und an seinen Dienst bis zum Abend." Aber auch an Einzelzügen bietet die Schrift hier wunderbare ästhetische Feinheiten. Wir wollen nur aus die Parallel-

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