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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-31 · Heft 44 (31.10.1919) · p. Seite 499

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 44 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 499 (sequence 7)
Language
German
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%Z^£W D o s gl e i ch e, d i r ek t e und geheime Wahlrecht f o 11 allen Gemein d e a n geh origen (o h n e R ü cks i ch t a u f S t a a t s z u g e h ö r i g k e i t u nd Ges ch l e ch t) erteilt w.erden." Bei der Neubildung des Vorstands, zu dem der Kassenbericht von Dr. Scheftelowitz (Köln) vorliegt, werden Dr. E o h n zum Vorsitzenden, Dr. K r o n h e i m (Bielefeld) zum stellvertretenden Vorsitzenden, Dr. S a m it e l zum Schriftführer für das Jahr 1919/20 bestimmt. Nach gemeinsamem Mittagsmahl und einer liebenswürdig gastlichen Aufnahme im Hause der Frau Dr. Samuel fand man sich alsdann zur Fortsetzung der Verhandlungen, an denen gastweise auch die anwesenden Damen der Kollegen teilnahmen, im Sitzungssaale ein. Zur Verlesung gelangt ein Schreiben des Lehrers M. A b r a - Ham als Antwort auf eine Einladung, die der Verband an ihn und die Essener jüdische Lehrerschaft behufs Teilnahme an den Referaten der Konferenz hatte ergehen lassen. Herr Lehrer Abraham, Vorsitzender des Vereins jüdischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens, hält die schwebenden Differenzen zwischen Rabbinern und Lehrern noch für ungeklärt und wünscht eine grundsätzliche Stellungnahme als Voraussetzung freundnachbarlicher Beziehungen der Verbände. Der Vorsitzende Dr. Cohn sowie Dr. Samuel wollen die Angelegenheit weiter im Auge behalten. In der Reihe der Referenten spricht Herr Rnabenhaus der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem. Im den- Dr. Norden zuerst über Jüdische S e r u a l e t h i k. Anschluß an einen von ihm veröffentlichen Aufsatz über selben Gegenstand geht er des näheren auf die Schriften „Sittenrein- * heit" von Dr. S. Carlebach (Verlag „Hausfreund", Berlin N 24, 1919) und „Sexualethik der jüdischen Wiedergeburt" von Hans Goslar (Berlin, Jüdischer Verlag, 1919) ein. Beider Schriften erscheinen ihm, ungeachtet wertvoller Winke und Anregungen, der Größe des Problems nicht vollauf gerecht zu werden, auch nicht frei von Einseitigkeit. Die Sittenstrenge .unserer Jugendlichen und die Reinheit unserer Ehen sollten nicht vom Parteistandpunkt, sondern von beit Grundsätzen der Bibel und der Tradition aus gefordert werden. Hierin liegt eine der wichtigsten Aufgaben unserer sozialen Arbeit vor, insbesondere in den Jugend'vereinen, in denen die Idee der gleich hohen Moral für beide Geschlechter, der Früh ehe, der Verwerfung der Mischehe usw. sorgsam gepflegt und verbreitet werden müsse. Nützlich erscheinen dem Redner auch Merkblätter in gemeinfaßlicher Sprache, woran es das bisher einzige des Jüdischen Frauenbundes noch fehlen läßt. Den folgenden Vortrag hält Dr. S a m u e l: W a s k a n n zur Belebung des Religionsunterrichts an den höher e n S ch u l e n g es ch e h en? Mehr als je ist der Religionsunterricht heutzutage darauf angewiesen, durch seine inneren Kräfte anzuziehen und freiwillige, ja begeisterte Die Gartenbauschüler in der Baumschule. Teilnahme zu erwecken. Ein wichtiges Mittel dazu erscheint dem Redner der Uebergang zu den Grundsätzen der A r b e i t ss ch u k e. Gerade auf den höheren Stufen können Erfolge erzielt werden, wenn die Zöglinge zur Mitarbeit herangezogen werden, durch Vorträge über freigewählte Themata, durch kleine' Ausarbeitungen, durch schriftliche Antworten auf Wiederholungsfragen. Wohl vervielfältigt sich dadurch die Arbeit des Lehrers, aber dieser darf keine Mühe scheuen, und die Ergebnisse werden ihn belohnen. Neue Versuche mögen außerdem gemacht werden mit der Bildung eines S ch ü l e r b u n d e s , bestehend aus Zöglingen der verschiedenen Lehranstalten, zur Pflege jüdischen Lebens und der Geselligkeit: endlich sollte die Beratung von Unterrichtsfragen in Elternversammlungen mit an erster Stelle ausgenommen werden. In der Aussprache wird von Tr. L e v i (Krefeld) die Forderung eines neuen Lehrbuchs der na ch - biblische n Geschichte erneut erhoben; mehrere Kollegen sollen demnächst die modernen Grundsätze dafür ausarbeiten. Den letzten Vortrag hielt Dr. E s ch e l b a ch e r (Düsseldorf) über I u d e n t u m und S o z i a l i s m u s. Nicht sozial allein sei die Bibel, sondern in vieler Hinsicht svziallistisch in Gc-genwartsbedeutung. Die mosaische Gesetzgebung ist von einer Umwälzung zugunsten der Befreiung des arbeitenden Standes ausgegangen und nur so zu verstehen. Sie bedeutet keine Zusammenfassung des Vergangenen, sondern gründet euren neuen Rechtszustand. Die Formel „Z u m A nd e n k e n a n d e n A u s z rl g a u s A eavpte n" ist eine stete Bezugnahme auf eine soziale Revolirtiou. Diese hatte zum Führer einen Mose, d. h. einen Vornehmen, der seinen Weg zu irnterdrückten Arbeitern gefunden hat. Die gleiche Erscheinung zeigt sich von Mose bis zu den Gracchen, ja bis zu Ferd. Lassalle. Ter Priester-Prophet Jeremia (um 590) knüpft unmittelbar an Mose an, wo es die Befreiung der Sklaven gilt. Das religiöse Prinzip der Bibel (d i e g a n z e W e l t e i g n e t Gott a 1 l c i n) begründet milch das Verhältnis des Menschrm zum Besitz. Privateigentum wird nicht allfgehoben, aber veredelt. Der Israelit gehört Gott au, er kann daher nicht Sklave werden (d e n n in e i n e K n e ch t e sind die Kinder Israel usw., Levit. 25, 55). Von hier aus ist ein gerader Weg zu der .Verallgemeinerung, daß wer sich Gott unterordnet (-und das soll jeder Mensch), dadurch Freiheit und Gleichheit erlangt: der Weg zur Anbahnung jeder Versklavung, in welcher Form immer, ist gebahnt. Daraus beruht weiter das gesamte Arbeiterrecht des Talmuds. Die schönste, positive Ergänzung dieser Ideen und zugleich das größte Geschenk an die Menschheit ist der Sabbat. Freiheit muß sich in freier Zeit äußern, und diese erteilt der 7. Tag in erster Linie dem Arbeiter und dem Dienenden. Da wegen vorgerückter Stunde eine Aussprache über diesen mit lebhaftestem Beifall ausgenommen en Bortrag nicht mehr

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