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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-31 · Heft 44 (31.10.1919) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 44 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 498 (sequence 6)
Language
German
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498 -uacwL atQ. tzvq 'jqnujö a,Z -qiuj uaqiiocu usöuvöaq aßaia.^ xuaq heit vor einer schweren Katastrophe steht, -wenn es nicht im letzten Augenblick gelingt, den Wandersturm so zu organisieren, daß ein zielloses Umherirven vermieden wird. Er glaubt ferner, daß Palästina die Menge derer, die dort eine Heimat suchen, nicht wird aufnehmen können und daß eine andersartige Regulierung der Emigration wird stattfinden müssen. Er schlägt ein Volksamt für Emigration vor, das sehr bald in Tätigkeit treten müßte. „Denn der Sturm naht. Im näch^- sten Augenblick schon kann er losbrechen, und wehe uns, wenn wir bis dahin unseren unglücklichen Brüdern keine Rettungs-- wege gebahnt, unsere Glaubens- und Volksgemeinschaft nicht vor schwerster Erschütterung bewahrt haben!" Die Ausführungen Birnbaums erfordern zweifellos, daß sie in den maßgebenden Kreisen näher beachtet werden, denn man kann sich der Erwägung nicht verschließen, daß viel mehr werden wandern wollen, als in Palästina werden Platz finden können. Das Schicksal Ahasvers geht seinen Gang. Mit ungeahnter Gewalt schweißt sich das Schicksal der Judenheit der ganzen Welt zusammen. Wann wird Israel Ruhe finden und ohne den Haß der Mitwelt leben könnend Dr. Willy Cohn. Israelitische Gartenbauschult flhlem. ie Israelitische Erziehungsanstalt, nunmehr Israelitische Gartenbauschule Ahlem, begründet von Konsul A. M. Simon (Hannover), konnte vor kurzem auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Sie wurde begründet, um der einseitigen Berufswahl der jüdischen Jugend entgegenzuwirken und die dringend notwendige Berufsumschichtung zugunsten von Gartenbau und Handwerk in die Wege zu leiten. In rastloser, schwerer Arbeit hat die Anstalt in den verflossenen Dezennien versucht, ihre Aufgabe zu lösen. Ihre Tätigkeit war keine leichte.' Handelte es sich doch darum, Eltern und Schüler von der Zweckmäßigkeit dieses Beginnens zu überzeugen und den Beweis dafür zu erbringen, daß die genannten Berufsaattungen eine gesunde und gesicherte Eristenz bieten. Als höchstes und erstrebenswertestes Ziel betrachtet die Anstalt die Seßhaftmachung ihrer ehemaligen Schüler auf eigener Scholle. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß die Anstalt bis zum Ausbruch des Krieges auf dem besten Wege hierzu war. Die bis dahin geleistete Arbeit hatte das Ergebnis, daß ca. 70% der in Ahlem ausgebildeten jungen Leute - - von im ganzen ca. 250 — ihrem Berufe treu blieben und etwa 30% sich in selbständigen Stellungen befanden, ja zum Teil seßhaft waren. Im Mädchenhause haben ca. 120 junge Mädchen eine gründliche Hauswirtschastliche Ausbildung erhalten, die auch den Anforderungen ländlichen Lebens entspricht. Mit Beendigung des Krieges konnte die Arbeit irt vollem Umfange wieder ausgenommen werden. Das Mädchenhaus, das während des Krieges als Lazarett vielen Hunderten von Kriegern Erholung und Genesung geboten hat, ist seit Ostern dieses Jahres seiner eigentlichen Bestimmung wiedergegeben. Die Zahl der Zöglinge wird zu Beginn des Oktobertermines wieder ca. 125 betragen. Bislang bestanden in der Anstalt folgende 4 Abteilungen: 1. Landheimschule für schulpflichtige Knaben und Mädchen; 2. Gartenbauschule für männliche Lehrlinge von 14 bis '16 Jahren; 3. Haushaltungsschule für Mädchen von 14 bis 16 Jahren; 4. Handwerkliche Lehrwerkstätten. Der neuen Zeit und ihren Forderungen Rechnung tragend, entschloß sich die Anstaltsleibung, die Gartenbauschule Ahlem auch den Frauen zu öffnen, denn Gärtnerei als Frauenberuf bietet in steigendem Maße Aussicht auf Erfolg. Den jungen Mädchen ist Gelegenheit geboten, sich neben Gartenbau auch in Viehhaltung, Geflügel-, Kleintierzucht und Obstverwertung auszubilden. Ein weiterer Ausbau der Ahlemer Bestrebungen ist geplant. Durch eine großherzige Schenkung ihres Vorstandsmitgliedes Herrn Kommerzienrat Berliner wird es.der Ahlemer Anstalt — sobald ib'ie Bautätigkeit wieder einsetzt — möglich fein, umfangreiche Neubauten aufführen zu lassen und ihre Pläne in vollem Umfange in die Wirklichkeit umzufetzen. Der weitsichtige Konsul A. M. Simon war einer der ersten innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft, der die dringende Notwendigkeit erkannt hat, kraftvoll für die Berufsumschichtung der Juden einzntreten. Erst die heutige Zeit hat mit aller Deutlichkeit die Wichtigkeit der Ahlemer Bestrebungen gezeigt. Möge es gelingen, die hohen Aufgaben, die der Gründer der Ahlemer Anstalt gestellt hat, voll und ganz zu erfüllen zum Segen für unsere jüdische Jugend, zum Besten unseres Vaterlandes. konteren? des lkheinilch-weltkälilchrn Lsbbineroerbanbes m Sonntag, den 27. Juli, fand die erste Konferenz nach schwerer Kriegszeit nicht, wie üblich, in Köln, sondern in Essen im Sitzungssaale der Gemeinde statt. Teilnehmer waren die Rabbiner Dr. Auerbach (Elberfeld), Cohn (Bonn), Eschelbacher (Düsseldorf), Gal l in e r (Gelsenkirchen), Klein (Düsseldorf), Kronheim (Bielefeld), Kronhe i m (Dortmund), L a n g e (Essen), L e v i (Krefeld), Norden (Elberfeld), N e u m a r k (Duisburg), Samuel (Essen). Dr. Kronheim (Bieleseid) wies als Vorsitzender auf die Not and das Unglück des Vaterlandes hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das deutsche Volk und die deutsche Judenheit die Kraft zur Wiederaufrichdung finden werden. Bedauerlich sei, daß in so schwerer Zeit nur geringfügige Anregungen vom Zentralausschuß des Rabbinerverbandes in Deutschland ansgegangen seien und auch der Verband der Deutschen Juden noch keine feste Stellung zu den schwebenden Problemen genommen habe. Alle Kraft ist offenbar aus die Abwehr antisemitischer Angriffe verwendet worden, die mit ungeahnter Heftigkeit eingesetzt hätten. Verschiedene Konferenzteilnehmer schildern die Lage in ihren Gemeinden, auch die Vorbereitungen, die für eine Neuorientierung hier und dort getroffen sind. Es herrscht die größte Verschiedenheit der Ansichten über Notwendigkeit und Ausmaß der Forderungen; auch haben sich die Gegensätze zwischen den einzelnen Richtungen noch verschärft. Von' allen Seiten wird betont, daß der Rabbiner auf Mäßigung und Einigung -hinwirken solle. Nach der allgemeinen Aussprache geht die Versammlung an die Erörterung der wichtigsten Einzelfragen heran und gelangt zu folgender Entschließung: „Der Rheinisch-westfälische Rabbin er v erband, zum ersten Male nach der politischen Umwälzung versammelt, hält eine zeitgemäße, freiheitliche und volkstümliche Ausgestaltung der Gemeindeverfasfung für angezeigt und vertritt insbesondere folgende Forderungen: Der Rabbiner (gegebenenfalls der d i e n st ä l t c st e) i st Mitglied des V o r st -a n d s. Aend ern ngen im Kultus und Ritus sollen in Uebereinstimmung zwischen Gemeindevertretung und Rabbiner borgen om men werden. ') Unlieb verspätet.

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