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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-31 · Heft 44 (31.10.1919) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 44 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 496 (sequence 4)
Language
German
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4W scharfen Blick des anti sein irischen Anatomen entgangen! - Mutz die antisemitischen Parteigänger nicht ein Grauen packen, wenn sie ihre eigenen Führer so schwer kompromittiert" sehend Das genannte antisemitische Buch trägt an der Spitze den bekannten Goeth eschen Bors: „Es ist e i n j e g l i ch e r i. n d e i n e m g a n z e n L.a 11 d Auf ein tind arrdre Art mit Israel verwandt." Es wäre interessant, zu erfahren, wie die Herren Antisemiten bei diesem erfreulichen Grad der Selbsterkenntnis und Setbsteinschütznng den Kampf noch weiterzuführen gedenken!" Wenn also die Deutschnativnalen nun wirklich die Blutsprobe vornehmen wollen, werden sie gerade unter ihren Führern fürchterliche Musterung halten müssen. Wir glauben aber, daß sie sich dazu nicht verstehen und sich lieber auf die Theorie als auf die Praxis einigen werden. * Die Deutsche demokratische Partei und die Reaktion. Der Vorstand der Deutschen demokratischen Partei Hamburg beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der verwerflichen Art -und Weise, wie rechtsstehende Parteien versuchen, reaktionäre Ziele zu erreichet!, und nahm folgende Entschließung einstimmig an: Der Vorstand fordert seine Mitglieder ans, das Treiben der politischen Rückschrittler in Deutschland scharf im Auge zu behalten und zu bekämpfen. Mit der Agitation für die Wiedererneuerung der Monarchie, die nicht ohne blutigen Bürgerkrieg zu erreichen wäre, verbinden sie die Bestrebu-ngen, die unselige .Klassenherrschaft des.Konservativismus aufs neue zu beleben, obwohl wir jenem angematzten Regimente den Riederbruch des Reiches in allererster Linie zu verdauten haben. Rücksichtslose antisemitische Agitation dient namentlich der Deutschnationalen Bolkspartei für ihre Zwecke, die politische Herrschaft znrückzugenünnen. Unredlichkeit und Schiebertnrn werden von unserer Partei mit der gebührenden Rücksichtslosigkeit verurteilt und bekämpft. Leider sind sie eine Zeitkrankheit geworden, deren Ueberwindung noch viele Blühe kosten wird. Unzulässig aber ist es, diese Unredlichkeit verallgemeinernd unseren jüdischen Mitbürgern zur Last zu legen. Die Absicht dieser unwahren, die Gegensätze vertiefenden und das Ansehen des Vaterlandes schädigenden Hetze ist für jeden klar, der die Geschichte des deutschen Antisemitismus feimt. Er har immer noch da gestanden, wo die politische und wirtschaftliche Reaktion ihr Haupt erhoben hat. Wie einstens ist es auch jetzt wieder: Der Antisemitismus soll dazu dienen, die politischen Geschäfte jener Kreise zu fördern, die es noch im Jahre 1918 ablehnten, in Preußen politische Reformen dnrchzuführen, und die mit ihrer Rückständigkeit so viel zinn Elend der heutigen Zustände beigetragen haben. * (Triftentum und Antisemitismus. Im „Kasseler Tageblatt" vom 16. Oktober schreibt Amtsgerichtsrat Tr. G ö r i n g lHofgeismar): „Als überzeugter evangelischer Christ muß ich es aussprechen, daß ein ernster Christ nicht Antisemit sein kann. Jesus Christus war selbst Jude, seine Lehre ist die reine Bruderliebe aller Menschen. Tie christliche Lehre ist frei von allem Glaubens¬ oder Rassenhaß. Alles, was gegen die brüderliche Liebe ver-. stößt, ist Sünde gegen den Geist Des Christentums. Gegen Unrecht und Schlechtigkeit soll und wird der Christ auftreten, und wo wäre Unrecht nicht unter uns Menschen! Aber jemanden als minderwertig oder verächtlich anzusehen, nur weil er einer bestimmten Religionsober Rassengemeinschaft angehört, ist nicht nur ein Vorteil, es ist, an der christlichen Sittenlehre gemessen, unsittlich. Ich verstehe das Christentum so, daß es die Menschen von Haß und Leidenschaft befreien, daß es ein Reich des Friedens und des gegenseitigen Vertrauens aufrichten, daß es wahre Menschlichkeit fördern und selbstlose Liebe zum obersten Grundsätze des Tentens und Handelns evheben will. Wie verträgt sich mit diesen Sätzen das Gebaren des Antisemitismus? Ich meine, in jetziger Zeit ist nichts für unser Volk, Das schwergeprüfte, gefährlicher als gehässige Betonung der Unterschiede des Glaubens oder Der Rasse der Volksgenossen. Nichts ist wichtiger und bedeutungsvoller, als der Hinweis auf das Gemeinsame und Verbindende. Am besten bindet gemeinsames Unglück, .und das -haben wir reichlich erfahren. Deutsche Männer und Frauen, die Christen sind und Christen sein wollen, müssen ernst erwägen, ob sie eine Bewegung wie Die antisemitische im Staatsleben -unterstützen könnten! Bei ernster Prüfung müssen sie nach meiner Ueberzeugung dazu kommen, diese Bewegung abzulehnen, welcher politischen Partei sie auch angehören!" * Die Jndenfrage in Ungarn. „llj Nemzedet" berichtet von einer Unterredung mit dem Bischof von Stuhlweißenburg, Dr. Ottokar Prochaska, welcher sich dahin äußerte, daß die Jndenfrage heute in Ungarn die brennendste Frage sei, die nicht oberflächlich gelöst werden dürfe. Ter Bischof verwies darauf, daß der Kommunismus von den Inden gemacht worden sei, and sagte, bei der Lösung der Jndenfrage müsse man darauf Bedacht nehmen, daß das Land nur so viel Juden dulden dürfe, als es erträgt, was nicht wilden Antisemitismus bedeute, sondern eine Frage der Selbstverteidigun'g der Ration sei. Die Vertreter der Israelitischen Gemeinde von Budapest und Umgebung veröffentlichen einen Aufruf an die ungarische Nation, worin sie Darauf verweisen, daß Hunderte von jüdischen Soldaten inr Weltkrieg an der Seite ihrer christlichen Kameraden ihr Blut für ihr geliebtes ungarisches Vaterland vergossen haben. Die ungarische Judenschast stehe dem Kommunismus in jeder Beziehung, geistig und materiell, fern. Die jüdische Religion und das jüdische Familienleben schließen jedwede Identifizierung Des Judentums mit dem Kommunismus aus. Die Tatsache, daß viele der Bolschewiken der jüdischen Rasse entstammen, schmerze die Judenschaft aus tiefster Seele, doch seien diese nicht Juden, und die Judenschaft habe keinerlei Gemeinschaft mit ihnen. Der Aufruf verweist schließlich darauf, daß jüdische Kaufleute, Gewerbetreibende und Grundbesitzer genau so unter dem Kommunismus zu leiden hatten wie ihre christlichen Mitbürger. * Der ehemalige jüdische Minister in der Ukraine Rewntzty über die Jnderrpogrome in der Ukraine. .Vor einer großer! Versammlung in Stockholm referierte der ehemalige Minister für jüdische Angelegenheiten irr der Ukraine, Herr Abraham Rewntzky, über die Judenpogrome in -der Ukraine für die Zeit feiner Beteiligung cm der Regierung, über ihre Ursachen and Folgen und über die Maßregeln, die gegenwärtig zu ergreifen sind, um das noch inuner witternde Unheil zu unterbinden. Er schilderte die wirtschaftlichen und militärischen Verhältnisse im Lande, die Desorganisation der militärischen Macht und erblickte die Hauptursachen der Unordnung in dem Zwiespalt, zwischen dem Ministerinm und dein fünfgliedrigen Direktor in m, das sich nicht vonr Ministerrar, der die eigentliche Regierung sein sollte, leiten ließ. Petljnra selbst, führte der Redner aus, habe keine ^Pogrome gemollt, und in den offiziellen Organen der Regierung seien keine Pogromansrufe gewesen. Dagegen kann nicht mit Sicherheit behauptet werden, daß einige der Mitglieder des Direktoriums, insbesondere Herr AnDrejewsky, an der Sache 'unschuldig sind. Zur Wiederherstellung der Sicherheit must im Lande eine feste Macht 'regieren, diedie einzelnen Acilüärabteilungen und ihre Führer zum Gehorsam zwingen könnte. In den Städten muh eine Bürgerwehr gebildet werden, der sich auch die jüdischen jungen Leute anschließen, -Nnd die für die Ruhe und Ordnung zu i sorgen hat. Außerdem müsse sofort eine vorurteilsfreie Kommission! die Pogrome an Ort nnd Stelle untersuchen, die Schuldigen he ran s- ' finden und sie zur gerichtlichen Verantwortung ziehen.! * i Ein Dokument über die Loge der Inden in Bulgarien. j Bulgarien hat Der Friedenskonferenz eine Note überreicht,! in Der es gegen Die Minoritätsklausel protestiert. Um die

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