Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-24 · Heft 43 (24.10.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 43 (24.10.1919)
Date
1919-10-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229392-3229433--75273-3287771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

nach -dem- Bar-Kochba-Krieg, 2 Stundem 2. lLeschichtliches im Talmud, 4 Stauden. 3. Historische Uebungen, 2 Stund.u. Herr Professor Tr. Gutt m a n u wird lesen: 1. Geschichte der jüdischen Rkligiousphilosophie des Mittelalters, II. Teil, 2 Stunden. 2. Die Religionsphilosophie des 19. Jahrhunderts, 2 Stunden. 3. Uebungen zur Neltgionsphilosophie der Gegenwart, 2 Stunden. 4. Fortsetzung der Lektüre des Kusari, 2 Stunden. 5. Wesen und Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft, 1 Stunde, öffentlich Herr Dr. Torczhner wird lesen: 1. Historische Grammatik der hebräischen Sprache, 2 Stunden. 2. Hiob, 2 Stunden: 3. Richter, 2 Stunden. 4. Biblische Uebungen, 1 Stunde. 5. Hebräische Bibelkommentare, 2 Stunden. Herr Tr. Hochfeld wird lesen: Tie biblische Geschichte im Unterricht (Schluß), 2 Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: Tie gegenwärtige Recht st ellung der Juden in Preußen und die Frage der Schaffung einer Gesamtorganisation, 2 Stunden (Abeudvorlesung-). In der Präparandie werden wie bisher Kurse über Bibel und Kommentare, hdbräische Grammatik, Mischna und das Gebetbuch gehalten werden. Näheres wird durch Anschlag am schwarzen Brett bekanntgemacht werden. Die Festsetzung, der Stunden wird bet der Eröffnung des Wintersemesters erfolgen. Alle Vorlesungen und Uebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung -des Wintersemesters erfolgt Montag, den 27. Oktober, 11 Uhr voran t tags. Als Zuhörer^für dw^Borlesungen sind in erster Linie rite immatrikulierte Studierende der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät -- in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung, an den Vorlesungen teilnehmen. Tie Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Dr. Baeck, am 41tontag, den 2 7. Oktober, und Dienstag, den 28. Oktober, 10 bis 11 Uhr, im Sprechzimmer der' Lehranstalt. Außerdem ist Herr Tr. Baeck stets in den Pausen zwischen seinen Vorlesungen zn sprechen. ### Berlin, 21. Oktober. Nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges werdenvon den „nationalen" Parteien in schamloser Hetze die entfesselten Volksleideuschaften auf uns Juden abgelenkt. In diesem uns aufgedruugenen Kampfe finden wir Trost und Aufklärung, Ermutigung und Widerstandskraft in der Kenntnis unserer Geschichte. Aus ihr lernen wir, was unsere Vorfahren geleistet und gelitten, was unser Stamm von der Welt empfangen, und was er ihr gegeben hat. Der Verbreitung dieser Kenntnis in weitesten Kreisen durch belehrende Vorträge und wertvolle Schriften dient der De r e i n fü r jüdische G e s ch i ch t e und Liter a t u r. Sein diesjähriges Programm bringt neben Vorträgen von aktuellem Interesse als Neuerung zwei sachwisseiischastliche Abende mit anschließender Aussprache. Zu allen seinen Veranstaltungen erhä/t jedes Mitglied eine Eintrittskarte, für zwei Personen gültig. Zugleich mit seinem Programm versendet der Verein den vorjährigen Vortrag des Herrn Professor Tr. Ludwig Stein: „Die Juden in der neuen Philosophie". Fortan soll seinen Mitgliedern alljährlich neben dem Jahrbuch ein solcher Vortrag unentgeltlich zuaehen. Der Verein lädt auch zur Teilnahme an den Vorlesungen, der Freienjüdischen Volksschule ein, an deren Begründung und Bestehen er sich beteiligt hat. Ter Verein für jüdische Geschichte und Literatur gewährt demnach seinen Mitgliedern für den geringen Mindestbeitrag von 10 M-ark jährlich viele Vorteile. Der Vorstand ist aber nur dann zu allen diesen Aufwendungen imstande, wenn z a h l r e i ch e A n m e l d u ngen von n e u e n M i t g l i e d e r n erfolgen. Für den Winter 1919/20 ist folgendes Programm., vorbehaltlich etwaiger Aendernngen, die vorher in den Tageszeitungen bekanntgegeben werden, ausgestellt. Im Oberlichtsaal der Philharmonie, Beruvnrger Straße 22/23: Donnerstag, 30. Oktober 1919: Tr. Phil. Karl S ch w a r z-(Berlin): TieHagada-Jllustrationen (mitLichtbildern); Donnerstag, 13. November 1919: Rabbiner Tr. A. L i e b e r m a n n (Berlin): „Tie Moralbegriffe des Talmud und desSchulchan-Aruch": Donnerstag, 27. November 1919: Rabbiner Tr. Emil C ohn (Bonn): „Jehuda Halevi, sein Leben und sein Schaffen"; Donnerstag, 11. Dezember 1919: Schriftsteller Alerander Moszkowski (Berlin): „Aus Höhen und Tiefen der Sprache": Donnerstag-, 8. Januar 1920: Dozent Dr. Eugen T ä übler (Berlin): „Geschichte der Juden in Berlin"; Donnerstag, 29. Januar 1920; Dr. theol. u. Phil. Alfred Jeremias, Pfarrer und Universitäts-Dozent (Leipzig): „Die Religion Israels im Rahmen der allgemeinen Religionsgeschichte": Donnerstag, 12. Februar 1920: Rabbiner Dr. M. Wa rscha uer (Berlin): „Das Hans und seine Sitte im biblischen Israel"; Donnerstag, 26. Februar 1930: Professor Dr. Julius Guttmann (Berlin): „Die Entstehung, des modernen Judentums"; Donnerstag, 11. März 1920: Professor Cal Vary (Krossen); „Das jüdische Palästina vor dem Kriege". Fachwissenschaftliche Vorträge mit anschließender Aussprüche im Plenarsaal des Verwaltungsgebäudes, Rosenstraße 2/4; Donnerstag, 15. Januar 1920: Schriststeller Dr. S. Bern sel b (Berlin): „Neue bibelwissenschastliche Literatur"; Donnerstag, 25. Mürz 1920:. Dozent Dr. S. Eppen stein (Berlin): „Neue jüdisch^geschichtliche Literatur". Alle Borträge beginnen pünktlich abends 8 Uhr. E. M. Berlin, 21. Oktober. Die Freie jüdische Volksh o ch s ch u l e eröfsnete ihr drittes Trimester mit einem F e.st a k t im Logenhaus des U. O. B. B. in der Kleiststraße. Die großen jüdischen Organisationen Berlins hatten zu der Veranstaltung ihre Vertreter entsandt. Dr. R u d o l f L e s z h n f f t) eröfsnete als Vertreter des erkrankten Professors Dr. Loewe die Feier mit einer Beg r ü ß -u n gsanspra che. Hierauf hielt Hans Goslar, Referent im preußischen Ministerium, einen sehr informativen Vortrag über die Wandlungen im wirtschaftlichen Leben der deutschen Juden int 19. Jahrhundert. Der Referent führte etwafolgendes ans: Jin Zeitalter der Emanzipation war Deutschland vorzugsweise ein Agrarstaat mit geringer Industrie und ohne Großstädte. Die Juden saßen überwiegend auf dem flachen Lande uyd waren als Händler selbständige Existenzen. Sehr häufig war der jüdische Privatbankier, der damals kein reines Geldgeschäft betrieb, sondern auch WarenkomMissionar für Holz, Zucker, Wolle, Getreide und alle übrigen landwirtschaftlichen Produkte war. Die Masse der Kau f- Icufe arbeitete ohne Kapital, aber mit eisernem Fleiß und unbeugsamer Energie. Die Kinder wurden früh dem Erlverb zugesührt. Tie Juden waren jedoch um die Mitte des 19. Jahrhunderts keineswegs nur Händler, ihre geistige Oberschicht war vielmehr in allerstärkstem Maße an der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands beteiligt, die sie durch Energie und Kapitalkräfte förderten, so daß man die Umwandlung Deutschlands zum Industriestaat zum- Teil als ihr Werk ansprechen darf. In der Zeitspanne von der Emanzipation bis zur Reichsgründung bestanden also viele selbständige Existenzen. Daß heute jedoch die soziale Struktur des deutschen Judentums ein ganz anderes Bild zeigt, ist die Folge teils außerwirt s ch a f t l i ch e r , teils wirtschaftlicher Ursachen. Als a u ß e r w i rt s cha ftli ch e Ursache ist der A n t i fe rn itismus zu bezeichnen, der seit 1870 überall systematisch das, jüdische Element zurückzudrängen versucht. Die geeignetste Angriffsfläche gab die Entwicklung der Aktiengesellschaften, in denen nichtjüdische Persönlichkeiten die Leitung erhielten. Die wirtschaftliche Ursache des Sinkens des wirtschaftlichen Niveaus der deutschen Juden ist die große K o n ze n t r at ionsbewe g u ng o de r Be r t r u st u n g, die in allen Industriezweigen als Vereinigung der Rohstofsgewiuuuug mit der Veredelung und dem Vertrieb der Ware in Erscheinung tritt. Durch diese Entwicklung sind die mittleren und kleinen Betriebe zum Anschluß oder Aufgehen in den Großbetrieben genötigt. Hierdurch sind die deutschen Juden am schwersten betroffen worden. Zahllose Existenzen sind zerstört worden, ebenso wie im Bankgewerbe, wo an die Stelle des jüdischen Privatbankiers der christliche Depositenkassenvorsteher trat. Der Arbeitsmarkt für jüdische Angestellte ist viel enger als der für Nichtjuden, da die chemische Industrie, die Schwerindustrie, die Banken und viele andere Berufszweige die Juden a>usgeschaltet haben. Wir erleben heute den Prozeß der beginnenden Proletarisieruüg der jüdischen Angestellteumasfen, deren Väter noch selbständige Existenzen waren. Die Neuregelung aller Arbeitsverhältnisse hat das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter und Angestellten gebracht,. Dieses Recht involviert für die jüdischen Angestellten eine neue große Gefahr. Es muß befürchtet werden, daß bei der straffen Organisation des radikal-antisemitischeu D e u t j ch nati onale it Hand l it ng s g e h i l f e n v e r b a n d e s und der immer stärker sich bemerkbar machenden, antisemitischen Propaganda auch unter der übrigen Angestelltenschaft ein planmäßiger Boykott jüdischer Stellungfuchender angestrebt wird, die ihre Situation verzweifelt gestalten könnte. Hier erwächst der deutschen Judenhcit eine neue Ausgabe. Es ist eine der dringendsten Pflichten der großen jüdischen Organisationen Deutschlands, jetzt endlich den unerläßlich notwendigen Zusammenschluß zu ei ner Wirtschuft l i chen A r b e itsgen o s s e n s ch a f t zu vollziehen, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.