Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1919)
- Date
- 1919-10-24
- Page
- Seite 492 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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wie der Hügel-Rabbi bei der dritten Sabbat-Mahlzeit? Ja, warum tut sie so geheimnisvoll? sragte sich Benjamin immer wieder. Daß die Liebe mit der Kabale Hand in Hand geht, das freilich wußte er von Schiller, aber daß auch in der Liebe Geheimnisse sind gleich wie in der Kabbala, davon hatte er keine Ahnung. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Der Prager Golem von seiner „Geburt" bis zu sein e m „T o d". Nach einer alten Handschrift bearbeitet von Chajim Bloch. Wien 1919, Verlag „Dr. Blochs Wochenschrift". 152 Seiten. Wer sich für kabbalistische Erzählungen interessiert, der lese das Heftchen, und er wird Behagen dabei empfinden und Anregung davontragen. Alan kennt die Sage von dem künstlichen Menschen, den der Prager Nabbi Löw im 16. Jahrhundert aus Lehm geschaffen haben soll, und den er mit dem „Namen Gottes" zu einem selbständigen, aber doch von ihm abhängigen Leben erweckt habe. In dem Buche werden nun novellistisch allerhand Taten berichtet, die der Golem verübt, Aufgaben, die er gelöst. Tiefe Erzählungen haben insofern einen kulturgeschichtlichen und religionsgeschichtlichen Wert, als in ihnen ein Grundgedanke der jüdischen Mystik deutlich sich widerspiegelt. Es ist ein wesentliches Charakteristikum der jüdischen Mystik, daß ihre Meister nicht wie sonst die mittelalterlichen Mystiker der ihnen eigenen geheimnisvollen Macht sich bedienen, um Herrschaft über die Welt Zu erringen, sondern um Erlösung herbeizusühren und Israel aus Not und Bedrängnis zu retten. So bedient sich auch Nabbi Löw seines Homunkulus, des Golems, nicht um selbstsüchtig sich allerhand Vorteile zu verschaffen, sondern um mit seiner Hilfe Anschuldigungen zu zerstreuen, denen Israel ausgesetzt wird, insbesondere um in Füllen der Blutbeschuldigung und ähnlichen drohenden Verhängnissen den wahren Missetäter ausfindig zu machen, oder um sonst Jrrtümer auszuklären, die in den einzelnen Familien seiner Seelsorge oder in den Gemeinden Israels verhängnisvolle Folgen zeitigen könnten. — Ansprechend ist die Schilderung der Unterredung Rabbi Löws mit der Prager Geistlichkeit. — Die Darstellung ist im ganzen geschickt und interessierend. Diene mann (Ratibor.) Sprrchsaal. Verachtet nicht die Arbeit, sie ehrt ihren Meister! Als vor fünf Jahren der gewaltige Krieg ausbrach und die Flammen der Begeisterung alle mit sich'fortrissen, hat wohl niemand an ein solches Ende gedacht. Biele glaubten, ein ungeahnter Aufschwung würde nach dem Kriege für uns an brechen, Handel und Industrie würden sich zu voller Blüte, zum. Segen des -deutschen Vaterlandes cnt-micfeln, und ein jeder werde im ehrlichen Ringen aus dem Felde der Arbeit sein tägliches Brot verdienen. Ein mißliches Geschick hat es anders gewollt. Voll Sorge blicken wir in die Z u k u n st, b e s. anders de r H a n fr w e rk e r , unter ihnen vor allem ber Hand w erke r j ü d i s che n Gl a u - b e n s. Nur Z u s a m m e n s ch l lt ß , einheitliche, st r a f f e Organisation, die dem einzelnen den Rücken steift, ihn mit berechtigter Zuversicht, erfüllt, kann uns helfen. T tiniin wenden w i r u n*s i n. ern st e r S t u n d e a n die j n d i -s. ch e n K o l - legen, welche unserem Verbände noch nicht angehören, und fordern sie ans, im eigensten Interesse und im Interesse der Gesamtheit sich uns anzus'chlicßen .und unsere Ziele und Bestrebungen zu unterstützen. S ch w eres st e h t u n s b e vor, und n u r d u r ch e n g st e n Z u s a m m e n sch l u ß wird es uns möglich sein, den Stürmen, welche uns drohen, die Stirn zu bieten. Darum i ch l t e ß t euch an, die i h r b i s h er ab s e i. t s g e st and e n habt. Glaubt nicht, daß es aus den einzelnen nicht ankommt, nur im Zusammenschluß aller Kräfte sind die Schwachen stark. A b e r auch an die Ges >a, m t he i t unserer Glaubensgenossen wenden wir uns mit dem Ersuchen: U n t e r st ü tz t und sörder t d e n Handwerk e r j ü d i s ch e n G I a u b e n s! Wendet ihm Arbeit zu, helft auf dem wichtigen Gebiete der Berufsumschichtung gedeihliche Arbeit leisten; - ihr helft mit zur G c s u n düng «des deutschen I u d e n t u m s und des deutschen Vaterlandes. Hier ist ein Gebiet, da? dem jüdischen IusammeugehSrigkeitsgefühl ein Feld zu dankbarer Betätigung bietet; hier findet jeder einzelne Unter m»S Gelegenheit. praktisch die soziale Frage lösen zu Helsen, an Gründung und Festigung mannigsacher Existenzen sich zu beteiligen. Der Heranwachsenden Jugend können hier neue Berufe erschlossen, unseren Feinden erwünschte Massen entwunden werden. * Oder sollten die Antisemiten recht haben, wenn sie von uns sagen, wir hielten uns seru von körperlicher Arbeit? Mir scheuen sie nicht; aber wir müssen auch die Möglichkeit haben, sie auszuüben, unseren Lebensunterhalt in ihr zu finden. In dieser Zeit schmachvollster Hetze hat der Handwerker jüdischen Glaubens einen besonders schweren Lebenskampf. Fördert d a ,s Han d werk! Fördert es a u ch durch Z u f n h r u n g -eurer Kinder. Seht nicht, mit Geringschätzung auf das Ha.-ndw -e r k und den Hand w e r k e r! Foul mit überleb-ten Vorurteilen! Wir gehen zugrunde, wenn wir unsere Kinder weiter wie bisher den akademischen und kaufmännischen Berufen zuführen. Wir müssen zu einer gesunden Berufsverteilung gelangen. Bedenkt, der tüchtige Handwerker muß heute ein Künstler in seinem Fache sein. In der Kaufmannschaft sind die Aussichten trübe; die Möglichkeit, sich ohne erhebliche Kapitalien selbständig zu machen, werden immer geringer. Noch trauriger sind die Aussichten i n den akademischen Berufen. Von allen Seiten wird die dringende Mahnung erhoben, den Zustrom einzudämmen. Man darf ohne Uebertreibung heute schon von einem „akademischen Proletariat" sprechen. Tausende von Aerzten und Rechtsanwälten leiden buchstäblich Hunger und Not; die anderen Berufe bleiben uns auch unter d-er neuen Negierung nach wievor verschlo-ffen. Das Handwerk hat aber auch heute noch „goldenen Boden". Allerdings nur für den, der es gründlich versteht und es mit Gewissenhaftigkeit ausübt. Für Pfuscher und Nichtstuer, die glauben, b -e q u e m e S ch ätz e s a mm e I ,n> zu kö n neu, ist in unseren Reihen kein Platz. Sie sind auch nicht der Zufluchtsort für Existenzen, die sonst Zusammenbruch litten, oder für junge Menschen nach dem Muster: „Laß den Jungen Handwerker werden, zu anderen Berufen taugt er nichts!" Das Handwerk verlangt klaren Kops, ernsten Willen und fleißige Hände, dann aber nährt es auch seinen Meister. Darum ihr alle, Handwerker und Nichthandwerker, helft uns, ihr helft euch selbst. Berlin, 15. Oktober. Paul Goldmann. * Arrsnrf. Der Auss ch u ß des A l l g e m e i n e n Deutschen Kantorenverbandes wendet sich hiermit an die V e rw alt un gen der jüdischen Gemeinden unseres Vater? landes. Zu der allgemeinen Not Deutschlands tritt nunmehr als Wirkung des unseligen Friedensvertrages die Abtrennung großer Gebiete des Deutschen Reiches. Dadurch werden viele deutsch gesinnte und gebildete Beamte teils gezwungenermaßen, teils freiwillig veranlaßt, ihre Stellungen zu verlassen. Sie haben sich an uns um Rat und Hilfe gewandt, da in kurzer Zeit die Katastrophe droht. Wir sind natürlich nicht in der Lage, unseren Amtsgenossen wirksam zu helfen. Wohl aber können dies die jüdischen Gemeinden und deren Verwaltungen. Wir bitten sie eindringlich, bei Bes e tz u n g e n f r e i. e r S t e l l e n . irgendwelcher Art in erster Reihe die Kantoren, Lehrer und Kultusbeamten zu berücksichtigen, die durch die geschilderte Lage in schwere Bedrängnis geraten sind. Wir sind überzeugt, daß es nur dieses Hi-mvei-ses bedarf, um die Gemeindeverwa-lt-ungen zuveranlassen, solcherweise den altjüdischen Grundsatz zu betätigen: Kol Jifroel a-röwim sch bösch! Der Aussch u ß des A l l gemein en De u tsche n K a n to re nve r ba nd-os : F a b i sch (Göttingen). B e I l a k (Zittau). D a vids oh n (Berlin). Gutt-ma-nn' (Potsdam). Hen-le (Hamburg). Levy (Frankfurt a. M.). Spandau (Myslowitz). Zivi (Elberfeld).