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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-24 · Heft 43 (24.10.1919) · p. Seite 485

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 43 (24.10.1919)
Date
1919-10-24
Page
Seite 485 (sequence 5)
Language
German
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485 halben Jahrhunderts seiner Wirksamkeit die Kraft finden, nicht nur im kleinen, sondern auch im großen den kleinen Gemeinden zu Helsen! * Antisemitische Propaganda in Wien. In einer'. Versammlung besprach Abgeordneter Kunschak die Judenfrage und bestritt, daß die Forderung nach Ausweisung der Ostjuden eine antisemitische sei. Er hielt sodann eine längere Rede voll heftiger Ausfälle gegen die Juden, und stellte folgende Forderungen, die von der Versammlung! genehmigt wurden: 1. Sofortige Abschiebung.aller seit August 1914 eingewanderten Juden; insoweit zwingende Gründe diese Abschiebung verhindern, allgemeine Internierung in Flüchtlingslagern. 2. Ungültigkeitserklärung aller bisher von jüdischen Flüchtlingen abgegebenen Staatsbürgerschaftserklärnngen und aller auf Grund derselben verliehenen Heimatsberechtigungen. 3. Erklärung der Inden als eigene Nation; Austritt aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft hebt für den Ausgetretenen sowie dessen Frau und Kinder die Zugehörigkeit zur jüdischen Nation nicht auf. 4. Anlegung eines Judenkatasters und Schaffung einer eigenen Judenkurie für alle Wahlen in die staatlichen und autonomen Vertretungskörper. 5. Ausschluß der Juden von der Bekleidung eines Amtes als Mitglied der Staats- oder Landesregierung, Schaffung eines jüdischen Staatsamtes (Landsmannministerium); Zulassung der Juden zum Staats-, Landes- oder Gemeindedienst nur nach dem Verhältnis ihrer Volkszahl. 6. Ausschließung der Juden vom Lehramte an allen deutschen Volks-, Bürger- und Mittelschulen sowie Lehrerbildungsanstalten; Erri.chtung eigener jüdischer Volks-, Bürger- und- Mittelschulen- sowie Lehrerbildungsanstalten; Zulassung der Juden als Lehrer und Hörer an allen höheren Lehranstalten nur im Verhältnis zu ihrer Volkszahl. Abgeordneter Kunschak schloß: Diese Forderungen, in gesetzliche Formen gebracht, werden eine Basis schassen, auf der an ein ruhiges Zusammenleben mit den Juden gedacht werdenkann; sie werden uns die Gewähr dafür bieten, daß aus dem jungen, Staate Oesterreich eine Volksrepublik und nicht ein Judenstaat werde. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht gar so traurig wäre. * Ueber ha%. antisemitische Rogi-rne in Ungarn wird der „Frankfurter Zeitung" aus Budapest, .9. Oktober, geschrieben: Der Ministerpräsident Friedrich (den Garami in einem Interview beschuldigt, einer der radikalsten Revolutionäre gewesen zu sein. D. Red.) erklärte in der konstituierenden Versammlung der nationalen Unabhängigkeitspartei, er wolle sich weder mit den Sozialisten und Radikalen verständigen, noch sei er zu einer Kooperation mit den liberalen Parteien bereit. Ratschläge nehme er bloß,von dem bis zu 95 Prozent christlichen ungarischen Volke an. Er verteidige das Land gegen den Bolschewismus und die Juden gegen Pogrome (?). In einer Versammlung der Sozialen Mssiionsgesellschaft wurde beschlossen^ als Symbol des christlichen Ungarn die Anbringung eines Kreuzes ans dem Parlamentsgebäude zu fordern. Der Ernährungminister Erkeli erklärte in einer Versammlung, er werde die Christen ausfordern, das Geld aus den jüdischen Banken herauszuziehen. Einer Versammlung der republikanischen Partei wurde heute nachmittag von den „erwachenden Magyaren" gestört, wobei es zu Schlägereien kam, denen durch die Rumänen ein Ende bereitet wurde. Soweit unser Budapester Korrespondent. Wir fügen nach Berichten der Wiener Blätter hinzu, daß die Budapester Handelshochschule auf vierzehn Tage geschlossen werden mußte, weil die christlichen Hörer erklärten, vor einer ^Zentrale" die Verpflichtung eingegangen zu sein, mit jüdischen Kollegen nicht mehr in den Vorlesungen zusammenzusttzen, und es einem Teil der Professoren, der vermitteln wollte, noch nicht gelungen sei, eine Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Hörern, die an der Budapester Handelshochschule gewiß die Hälfte ausmachen, zu erzielen. Eine Rede, die der Ministerpräsident Friedrich in Keszthely gehalten, schlug in der Identifizierung von Kommunisten und Juden noch viel schärfere Töne an. Merkwürdigerwelse hält es auch Graf Julius Andrassh für notwendig, in einem Interview der antisemitischen Strömung iw Lande einige Zugeständnisse zu machen, die den ehedem so liberalen Staatsmann schon recht weit auf der Rutschbahn des prinzipienlosen Opportunimus zeigen. Alles in allem hat man es in diesen Symptomen mit Erscheinungen der habsburgisch-reaktionären Propaganda zu tun, die den Umstand, daß in der bolschewistischen Episode sich unverhältnismäßig viele Juden als Volkskommissare betätigten und dabei das jüdische Bürgertum ebenso ausplünderten wie das christliche, dazu benutzen, mit -antisemitischer Demagogie das ungarische Volk wieder vor den Karren der Habsburger zu spannen. Erfolgversprechend und dem Lande nützlich ist die Methode keineswegs. * Interpellation über vie Judenpogrome in der Schweizer Bundesversammlung. In der Schweizer Nationalversammlung interpellierte Nationalrat Brand vor kurzem den Bundesrat über die Judenmetzeleien in Galizien, indem -er dem Bundesrat nahelegt, gegen diese unerhörten Grausamkeiten die Stimme der Menschlichkeit zu erheben. Der Interpellant betont insbesondere, daß die Behauptung, die Juden in Galizien hätten sich bolschewistischer Umtriebe schuldig gemacht, eine leere Beschuldigung sei, die im Widerspruch zu der ganzen antibolschewistischen Haltung der galizischen jüdischen Presse stehe. Bundesrat Calonder führt in seiner Antwort folgendes aus: Der Bundesrat hat die größte Anteilnahme empfunden für die Opfer der Judenmetzele-ien; aber nicht jedes menschliche Empfinden kann den Bundesrat zu einer politischen Aktion veranlassen. Im Jahre 1918 sind dem Bund-esrat von dem Verband „Pro Causa Judaiea" und vom Zionistischen Verband Eingaben über die galizischen Pogrome zugegangen, die er aus Bitte der Verbände hin den Ententeregierungen weitergab, ohne irgendwie zu den behaupteten Tatsachen Stellung zu nehmen. Der Bundesrat kann sich auf die Angelegenheit selbst auf keinen Fall einlassen, da ihm die Mittel fehlen, die maßgebenden Tatsachen und die Verantwortlichkeiten festzustellen. Wir können uns um so weniger eirmns-chen, als wir keinen Grund haben zu der Annahme, daß durch die Regierung der neuen Republik Polen, mit der wir in freundschaftlichen Beziehungen stehen, diese Ausschreitungen irgendwie begünstigt oder gar veranlaßt worden wären. So sehr wir also die Opfer der Ausschreitungen bedauern, so sehr mutz ich es als Vertreter des Bundesrates ablehnen, einen positiven politischen Schritt zu unternehmen. Der Interpellant erklärte sichvon der erhaltenen Auskunft nicht befriedigt. * Die neue rrrmiirnsche Regierung und die Wahlen. Der rumänische Gewährsmann der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" meldet: Der neue rumänische Ministerpräsident ist nur eine Figur Bratianus und setzt dessen Politik fort. Seine Weigerung, die Minoritätsrechte anzuerkennen und den Vertrag zu unterfertigen, ist im Grunde eine Spekulation darauf, daß die Alliierten, durch größere internationale Schwierigkeiten abgelenkt, bald aushören werden, ihre Aufmerksamkeit dieser Sache zuzuwenden. — In der Bukowina, die jetzt rumänisch ist, haben alle nationalen Minoritäten, die Ukrainer, die Deutschen und die Juden, Wahlenthaltung für die Wahlen zur Konstituante proklamiert. Sie begründen diesen Schritt mit gleichlautenden Proklamationen, in denen sie erklären, daß sie durch die Wahlkreiseinteilung vergewaltigt werden, daß das Proportionalsyftem für die Abstimmung nicht zugelassen wurde, daß die Wahlagitation durch Standrecht, Belagerungszustand und Preßzensur verhindert würde. — In Altrumänien diskutieren alle Oppositionsparteien die Frage der Wahlenthaltung wegen des Belagerungszustandes und der Preßzensur. Die Sozialdemokraten, die Liga poporului und die konservativ-nationale Partei haben bereits Wahlenthaltung proklamiert. # Bericht der amerikanischen Palästinakmnmission. Dem Warschauer ,,Moment" entnehmen wir: Die amerikanische Palästinakommission. unter der Führung! von Cryne hat nach Washington einen Bericht einiges,andt, welcher sich, für die Verein,igun>g von Syrien -und Palästina und gegen den Zi-o-nismu s ausslpricht. Ueberh-aupt ist der ganze Bericht gegen die jüdischen Interessen gehalten. Die amerikanischen R-e gier u n gs kr eise sind

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