Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-15 · Heft 42 (15.10.1919) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 42 (15.10.1919)
Date
1919-10-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3229392-3229432--75257-3287754
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nflögafc Feier it'tfifjoiR'tit half. Am Abend vereinte eine' gemütliche fteier, bei der Ansprachen, Gedicht- und Liedervorträge sowie kleine theatralische Darbietungen abwechselten und die ein fröhlicher Tanz beschloß, die ehemaligen Schüler des Herrn Andorn in einend de Nachtbar ten Gafthofe. Der Anteil der hiesigen Bürgerschaft an dem In belfeste unseres hier allgenrein beliebten nnd hochangesehenen Lehrers fand in zahlreichen Blumenspenden, Telegrammen und Anschristen beredten Ausdruck, und wenn der letzteren eine lautete: „Möchte die Stadt Hattingen noch recht viele Jahre auf ihren Bürger Andorn stolz sein dürfen!", so liegt darin zugleich eine Ehrung mchertt Gemeinde und des jüdischen Lehrerstctndes sowie eine wahrer K'iddnsch haschem. Zum Schluß nröge noch erwähnt sein, daß rmsdre Geureindevertreturrg einstimmig beschlossen hat, das KuAnsHchalt des Herrn Andorn vom t. Oktober ab wesentlich zu erhöhen. 8. P. Frankfurt M., 8. Oktober. Die Aguda-s-Jisroel- Jngendgruppe Frankfurt a. M. beschloß ihre Sommertätigkeit am 21. September'' mit einer Mitgliederversammlung. Zunächst erstattete Herr Zahnarzt S. Ehrmann Bericht über die Halberstädter Tagung der 'Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Herr Dr. med. W. H o f m a n n über die des Deutschen Gruppenverbandes der Agudas Jisroel sowie Herr Hugo W e i n g a r t e n über die Sommertätigkeit der Jngendgruppe. Aus diesem ist erwähnenswert, daß die bestehenden Schiurim und Kurse weitergesührt, sowie einige neue .eingerichtet wurden. Die. Sammlung für Pogromhilfe ergab 50 141,28 Mark, für die Ja ko b-Rosen- Heim-Kolonie Mirk 2519 Mark. An den. Bericht schloß sich eine sehr rege Aussprache an. Dann berichtete Herr Zahnarzt S. Ehrmann über die Verhandlung, der Jugendgruppe mit den Vereinen „Mekor Chajim" und „Tiseres Bachuri m" zwecks Schaffung einer Arbeitsgemeinschast, um eine weitere Zersplitterung der Kräfte der gesetzestreuen Jugend Frankfurts zu vermeiden. Die Verhandlungen sind zu einem befriedigenden Abschluß gekommen. Die neue Arbeitsgemeinschaft wird bereits im Wintersemester in Erscheinung treten. Zum Schlüsse skizzierte Herr Dr. med. W. Hofmann noch den Winterlehrplan. Die bereits bestehenden Einrichtungen werden weitergesührt. Neu geplant ist die Einrichtung von Heimabenden für Herren wie für Damen sowie von Ausspracheabenden über jüdische Weltanschauung. Eine Resolution, in der die baldige Einberufung eines Delegiertentages der A.-J.-Jugendorganisation gefordert wird, fand einstimmige Annahme. L. Mainz, 8. Oktober. Mittelalterliche Engherzigkeit wies die Mainzer Juden im Jahre 1662 in ein Getto, aber die Stürme, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts vom Westen heranbrausten, trugen das Losungswort „Freiheit und Gleichheit" auch in die dunklen Judengassen. Was man jahrhundertelang den Juden versagt, brachten wenige Tage. Mainz kam damals an Frankreich, und damit war das Schicksal der Judengässe beschlossen.' Stadtrat Bam'berger, ein Israelit, erwirkte nachstehendes Dekret: „Französische Republik. Departement Donnersberg, Kanton Atainz. Freiheit, Gleichheit. Beratung der Munizipalverwaltung der Gemeinde Mainz. Sitzung vom 26. Fructidor im sechsten Jahre der einen und unteilbaren französischen Republik. 12. 'September 1798. Laut Bericht des Bürgers Dittmeyer, Polizeikömmissär, beabsichtigen die Einwohner dieser Stadt, die der mosaischen Religion angehören, die Tore, die sich am Eingang der von ihnen belohnten Straße befinden-, auf feierliche Weise niederreißen zulassen. Wir beschließen in Anbetracht dessen, daß es gerecht ist, daß diese Tore vernichtet werden, durch welche diese Bürger während der früheren Herrschaft von der Gesellschaft ihrer anderen Mitbürger getrennt und in einer despotischen lind empörenden Art von jeder Verbindung mit denselben ausgeschlossen waren, also deren Fortbestehen ein schmerzliches Andenken an ihre frühere Sklaverei sein müßte, und sie nur Mzulange die Opfer der Tyrannei und des Fanatismus gewesen sind. Nachdem der Kommissär des Exekutivdirektoriums seine Meinung abgegeben hat, verordnet die Munizipialverwaltung: Es ist den Vorstehern der Einwohner, die der mosaischen Religion angehören-, gestattet, die Tore, die am Eingang tzer Straße, die die Judengässe genannt wird, sich befinden, niederzureißen und damit diejenigen Feierlichkeiten zu verbinden, die. ihnen hierzu am geeignetsten erscheinen, unter Aussicht des Bürgers Dittmeyer, Polizeikommissär. Die Munizipalverwaltung von Mainz gez. Umpfenbach Präsident; Zentner, Cronalrer, Zündt Räte; Retzer Kommissär des Exekutivdirektorinms; Müller Sekretär." Das Dekret fam in gewissem Sinne zu spät. Äerm taK frafabf hatte ein wackerer Mann immens Moses Eahn Mederlegerr des Tores bereits besorgt. Wie sein EMek, Geheimrat Eahn, er zählte, wollte der Wächter eem Judentore verhindern, daß Eahn in die Kkrrastrcche ziehe. Als es darüber zum Streit ksm, rief ihm ein vorübergehender Hauptmann zu: avez parfaitement raison; je vais vous envoyer «ft? secours, demollisez donc cette vieille baraquc.“ („Sie haben völlig recht, ich werde Ihnen Hilfe senden, schlagen Sie doch diese alte Baracke ein!") Bald war das Denknml der Schmach beseitigt. Die Darstellung des letzteren Vorganges ist auch auf einem Pastellgemälde festgehalten, das sich noch heute im Besitz eines hiesigen Kaufmanns befindet. Den französischen Text des oben wiedergegebenen Dekrets kann man in dem interessanten Buche Professor Salselds: „Bilder ans der Vereangenheit der Jüdischen Gemeinde Mainz" Nachlesen. LuglsuÄ. z. London, im Oktober. Der amerikanische Major Robert Davis, der eine Zeitlang bei Denikins Stab in Kuban diente und jetzt nach Europa zurückkehrte, veröffentlicht Berichte über Judenpogrome durch 'Denikins Kosaken. Er sagt, das; die Juden in Südrußland deu schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt seren. Deuikin ist außerstande, dieses Vorgehen zu verhindern, und versucht daher, den Zustand zu verheimlichen. Die Engländer aber erhielten so schlagende Beweise für diese Grausamkeiten, daß sie sich vor fünf Wochen veranlaßt sahen, Deuikin ihre Hilfe zu entziehen. Auch die Ukrainer im Heere Petljuras veranstalteten wiederholt Pogrome. Sre tun dies unter dem Borwand, daß die Juden im Bolschewismus die hervorragendste Rolle spielen. Es wird sogar behauptet, daß von den 479 Führern der Sowjetrepublik nicht weniger als 428 Juden sind. Wahrscheinlich wird es Deuikin gelingen, die Bolschewisten zu vernichten. Es steht aber fest, öaß kaum ein Jude in Südrußland dies überleben wird, trenn die Morde so wie jetzt fortdauern. —Die drei kostbarsten Bibeln der Welt befinden sich in dem British Museum in London, inder Bi-bliotheque Nationale in Paris und in dem Kloster Belem bei Lissabon. Die in London ist ein M-anus-kript, das von Alcuin und seinen Schülern geschrieben und Karl dem Großen an seinem Krönungstage im Jahre 800 überreicht wurde. In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts -gehörte diese Bibel einem Privatier in Basel, der sie der französischen Regierung für 42 000 Francs anbot. Schließlich -wurde sie für denverhältnismäßig geringen Preis von 750 Psd. Sterl. verkauft. In 'seiner, zierlicher Schrift geschrieben, ist die Bibel überreich an prächtigen Vignetten und Arabesken. Tie Kapitelüberschriften sowie manche Namen sind überall mit Goldbuchstaben ausgefü-hr:. Eine 20 Zentimeter hohe Majuskel, von Silber umgeben, zeigt an einer Stelle eine Lampe, die zur Halste mit. heiligem Oel gefüllt ist. An einer anderen Stelle sinddie Figuren M,vs-e und Aaron in der Tracht des 8. Jahrhunderts dargestellt, und mau vermutet, daß Moses Karl den Großen, Aaron Alcuin bedeute. Eine genaue Beschreibung dieser Bibel befindet 'sich in „Gentlemans Magazine", vol. 6, 1836, und in der „Biblioth/eque universelle et Revue suisse", T. 63. Die Pariser Bibel erschien 1527, war auf Befehl des Kardi-näls Fimenez gedruckt und dem Papst Leo X. gewidmet. Eins der dreiauf Velinpa-pier gedruckten Exemplare wurde 1789 einem Engländer für 12 000 Francs verkauft. Dieses Exemplar würde im Jahre 1840 Louis Philipp von Frankreich geschenkt und gelängte später au seine jetzige Stelle. Die dritte: Belemer Bibel, die wahrscheinlich ans dem. 14. Jahrhundert stammt, bestehend aus neun Foliobänden, ist aus Pergament geschrieben. Von Jui^ot 1807 geraubt, kam. sie nach Paris. Madame Junot verlangte/als Portugal die Bibel zurückkaufen wollte, 150 000 Francs. Ludwig XVIII. schenkte sie indessen, nachdem sie mehrere Tage beim portugiesischen Gesandten in Paris ausgestellt war, aivs Gnade der Portugiesischen Regierung zurück. Van MH und Fern. — P r iv a tdozent Dr. Harry Torczyner nimmt seine Lehrtätigkeit als Dozent au Skr Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums mit einer Antrittsvorlesung über die „Die Poesie im alten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.