Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1919)
- Date
- 1919-10-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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aitöere noch jetzt täglich um ihr B^nkorbestfhvn wii tschkstliG M kämpfen haben. Tiefer Zustand ist um so bedauerlicher, als daneben u n l au t e r e U n t e r neh m u n g e n, die nur vorgeben, der Wohlfahrt unseres Volkes Zu dienen, in voller Blüte stehen. Diesen unkontrollierbaren Sammlungen fließen in reichem Maße die Spenden der sonst gar so zurückhaltenden Geber zu und füllen die Kassen der betriebsamen Gründer mit M i l l i o n e n, d i e - e r notwendigen Wohlfahrtspflege entzogen werden. So ist die Lage der eingearbeiteten und wirklich f ö r d e r n s w e r t e n Wohlfahrtspflege zurzeit sehr traurig. Sie muß sich behaupten einerseits gegen die Gebeunlust, die sich infolge der Radikalisierung des Politischen und wirtschaftlichen Lebens gerade in den besitzenden Kreisen noch verstärkt hat, und anderseits gegen die Politisch begründete grundsätzliche Ablehnung der freien Liebestätigkeit seitens der Kreise, die nur noch Rechtsansprüche des einzelnen an den Staat anerkennen. Dazu kommt der wirtschaftliche Druck, der sich seit dem Herbst 1918 zunächst nur verstärkt hat und jetzt in veränderter Form noch auf lange Jahre hinaus auf unserem Volk lasten wird. Dieser Druck, der sich bis vor kurzenr in einer kaum zu überbietenden W a oe n k na PP h e i t äußerte und schon dadurch die Vereine vor große Schwierigkeiten stellte, wird durch die immer weiter finkende Kaufkraft des Geldes noch verschärft. In Zukunft wird aber auch weder der Staat noch der einzelne in der Lage sein, mehr als einen Bruchteil der bisher dafür verwendeten Summen für Wohlfahrtspflege frei zu machen. Deshalb ist für die Organisationen der Wohlfahrtspflege selbst ü b e r l e g t e st e Ausnutzung aller Möglichkeiten, straffste Zusammenfassung sowohl in der Arbeitsorganisation wie in der Geldbeschaffung und -Verwendung unbedingt notwendig. Für die innere und äußere Gesundung unseres Volkes ist die Erhaltung der freien Wohlfahrtspflege jedenfalls unter allen Umständen dringend erforderlich. Wir brauchen sie für befruchtende Anregung der st a a t l i ch e n Fürsorge durch Erschließung und Bearbeitung neuer Gebiete des Fürsorgewesens, brauchen sie zur Ausfüllung der unvermeidlichen Lücken gesetzlicher Maßnahmen durch e r g ä n z e n d e u n d i n d i v ib uelleFürsorge, brauchen sie schließlich für die Weckung und Erhaltung des Be w u ß t s e i n s , daß nicht nur die Gesamtheit für den einzelnen, sondern auch der einzelne für die Gesamtst ei t werantwortlich ist. Tie Auswirkung dieses Bewußtseins wird mit entscheidend sein für die Zukunft unseres Volkes. Vor allen Dingen aber müssen auch d i e G e b e r s e l b st aus solche energische Zusammenfassung und Ausnutzung der Geldmittel, die für Wohlfahrtspslege zur Verfügung stehen, bedacht sein. Das ist nur möglich dadurch, daß zwar das soziale B e r a n t w o r t l i chke i t s g e sü h l wachgehalten und gestärkt wird, daß ihm aber eine unsentimentale Klarheit des Urteils die Wage hält. Die Möglichkeit einer sicheren Entscheidung über die Gemeinnützigkeit und Förderungswürdigkeit von Wohlfahrtseinrichtungen und Sammlungen ist für die kaufmännischen Kreise Groß-Berlins gegeben durch die Beratungstätigkeit, die von der W 0 hltätigkeitszentral eder Berliner Kaufmannschaft ausgeübt wird: Es sind im Geschäftsjahr 1918 insgesamt 1987 Gesuche bearbeitet worden gegen 1171 im Jahre 1917. Die Steigerung ist zurückzuführen auf die gutachtliche Bearbeitung umfangreicher Listen der von den einzelnen Mitgliedern mit regelmäßigen Jahresbeiträgen bedachten Vereine im Hinblick auf den derzeitigen Wert ihrer Arbeit und ihre finanzielle Lage. Von den 107 Neuprüfungen bisher unbekannter Organisationen bezogen sich 58 auf Gründungen, die mit den Kri egs - Notständen in Zusammenhang standen. Berücksichtigt wurden seitens der Mitglieder 81 Prozent der bearbeiteten Gesuche (68,5 Prozent im Vorjahre), was zum großen Teil auf die günstige Wirkung der Bundesratsverordnung zur Regelung der Wohlfahrtspflege zurückzuführen ist. Auch im Geschäftsjahr 1918 war ein sehr erfreulicher Mitgliederzuwachs zu verzeichnen. Drucksachen, aus denen Näheres ersichtlich ist, werden von der G e s ch ä f t s st e 11 c, w 35, g l o 11 to e 11 ft X a § e 41, auf Wunsch Zur Verfügung gestellt. 22 Breslau, 8. Oktober. Im Breslauer Jüdisch-theologischen Seminar werden im Wintersemester 1919/20 folgende Vorlesungen gehalten: I. Hebräische Grammatik: (Schwaches Verbum. Syntax.) Für die Vorbereitungs- und die Unterabteilung. 2 Stunden. Dr. Hei ne m an n. II. Bibelexegese: A. Auslegung des Pentn- . 1.,Iur hm Vorbereitungs- und die Ünterabteilung: Kurss-rHche büktMkL des Pentateuchs. 2 Stunden. Dr. H e i.n> ein a n> n. 22 Für die OberEeSuvg: ch Pentateuch-Exegese (IV. Buch Mose). 2 Stunden, b) Exegetische RelmMgen. 1 Stunde. Pros. Dr. B r a n n. 6. Pentateuch-Kömmentäre: h Wx die Unterabteilung: Lektüre aus,gewählter Stellen aus Rnschrs PerkL«t«rch^Kommmta< 2' Stunden: 2. Für idie Öberabtnlung: Ihn '.itnfr Nachmanis Kommentar (I. Buch Mose), Fortsetzung.. 2 Stunden. Prof. Dr. B r a n n. C. Auslegung bei Propheten und Hagiographen: 1. Für die Vorbereitu'Ngs- und Unterabteilung: Kursorische Lektüre der Psalmen. 2 Stunden. Dr. Lewkowitz. 2. Für die Oberabteilung: Wissenschaftliche Auslegung des Propheten Jeremias (Fortsetzung). 2 Stunden. Prof. Dr. Br a n n. III. Dalmudstndium: 1. Für die Vorbereitungsabteilung: a) Einführung in das Verständnis der Mischna (Tr. Abcth), 2 Stunden, und der Gemara (Megilla Fortsetzung). 4 Stunde-n. d) Einführung -in das Gebetbuch (Fortsetzung). 2 Stunden. Dr. Lewkowitz. 2. Für die Unterabteilung:, a) ^statarisch Kidduschm (Fortsetzung). 6 Stunden. Dr. Heinemann. b) kursorisch P^sachim. 2 '3htrtben. Dr. Lewkowitz. c) Schillch.au aruch Orach Chajim. 2 Stunden. Pros. Dr. Bronn. 3. Für die Oberabteilung: a) statarisch J^banwt (Fortsetzung). 6 Stunden. b) kursorisch Megilla. 2 Stunden, c) Tur und .Schnlchan aruch/ Jore Dea (e. 71 ff.) 4 Stunden, ck) Einleitung in den Talmud. 1 Stunde. Seminar-Rabbiner Tr. Horovitz. IV. Jüdische Geschichte: Literatllrgeschichte der nordsranzvsischen und deutschen Juden 1040 bis 1250 (Schluß). 2 Stunden. Prof. Tr. Br an n. V. Religir.nsphilosophie: a) Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie, - Teil II (Saadja bis- Bachja), mit Lektüre ausgewählter Stellen. 2 Stunden, b) Privatissime: Lektüre einer Schrift Phi los im Urtext. 1 Stunde. Dr. Heine «mann. e) Religionsphilosophie der Aufklärungszeit. 2 Stunden. 6) Uebungen: Moses Mendels- . sohn (Auswlahl aus seinen Werken). 1 Stunde. Dr. L ewkow itz. VI. Homiletik: Homiletische Hebungen mit Besprechung lvichtiger Fragen aus dem Gebiete der Homiletik. 1 Stunde. Dr. Heinem itt n n. VII. Pädagogik: Mothbdik und Didaktik des jüdischen Religionsunterrichts (Fortsetzung). 2 Stunden. Pros. Dr. Braun. Alle Vorlesungen werden unentgeltlich gehalten. Den Studierenden aller Fakultäten steht frei, an einzelnen Vorlesungen teilzunehmen. Es ist dazu die Anmeldung beim Vorsitzenden des Lehrerikolleginms und die Erlaubnis des betreffenden Dozenten erforderlich. Beginn sämtlicher Vorlesungen: Donnerstag, den 23. Oktober 1919. er. Stettin, 8. Oktober. Der Ce n t r a l v e r e i n d e u t \ d) Staatsbür g'e r jüdischen Glaubens hatte eine ö f f e n t - l i ch e V e r s a m m l u n g nach dem großen Börfensaale einberufen, die von zahlreichen jüdischen Mitbürgern, aber auch anderen Gästen, darunter zahlreichen Indengegne r u, besucht'war. Der Verlaus des Abends war demgemäß ziemlich bewogt, doch traten wesentliche Störungen nicht ein. Insbesondere Uermochte es der Redner des Abends, Herr Rechtsanwalt Dr. Brock, der zwar entschieden in der Sache, aber maßvoll in der Form sprach, auch die Gegner mehr und mehr in seinen Bann zu ziehen, so daß die Veranstaltung, an die man von Einberuferseite nicht ohne gewisse Bedenken gegangen war, nicht ohne Wirkung geblieben sein dürste. crxv Hattingen (Ruhr), 8. Oktober. Zn einer großartigen Kundgebung, liebevoller Verehrung gestaltete sich am 1. Oktober die Feier des Tages, an dem vor 25 Jahren unser Lehrer und Kultusbeamter Herr M. Andorn sein Amt in der hiesigen Gemeinde angetreten hatte. Schon in früher Vormittagsstunde erschienen in der festlich geschmückten Wohnung des Jubilars Vertreter der Synagogeng-emeinde, vieler Vereine und Körperschaften sowie das Lehrerkollegium der evangelischen Volksschule in seiner Gesamtheit, um Glücklvünsche und Ehrengeschenke zu überbringen. Bei einem sich anschließenden Festakte in der Synagoge hielt Herr Lehrer und Prediger Mayer aus Witten> der langjährige Freund des Herrn Andorn/eine Festrede, anknüpfend an Sprüche der Väter IV, 17, die auf sämtliche Zuhörer tiefen Eindruck machte, während das Mitglied des Wittener Synagogenchors Frau Helene Löwen stein durch ergreifende Gesangs- Vorträge, die Herr Rektor Thielmann auf einem eigens für diesen Zweck herbeigeschafften Harmonium meisterhaft begleitete, die syn-