Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1919)
- Date
- 1919-10-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 ofvncl" auf, die tim Sonntag, den 26. Oktober, mittags nm 12 Uhr, ' im groben Hörsaal ber Lehranstalt stattfindcn ivird. — Dr. P a u l N-osen stein, lebender Arzt der chirurgischen Klinik am Jüdischen Krankeichause zu Berlin, wurde zum Professor ernannt. Er hat sich besonders durch zahlreiche Veröffentlichungen aus urologischchirurgischem Gebiet sowie durch seine Arbeiten über die Bekämpfung septischer Erkrankungen b e kann tge in acht. — Dr. Max W e r th a n e r, der sich kürzlich mit einer Antrittsvorlesung über Schlußprozesse im produktiven Denken an der Berliner Universität habilitierte, hält bereits seit 1916 hier Vorlesungen und Uebungen auf dem Gebiete der Psychologie; früher war er Privatdozent in Frankfurt a. M. — Der Berliner Chirurg Tr. Ernst Unger ist zum Professor ernannt worden. —- Der Weltbund zur Bekämpfung der antisomit: s d) cn Propaga d a bittet sestzustellen, daß er' durchaus nicht Unterstützungsfonds sammelt, sondern daß die von ihm ausgesandten Prospekte lediglich den Zweck haben, Mitglieder zu werben. Die Gründer des Bundes fassen ihre Tätigkeit als eine rein ehrenanrtliche auf. Es sind auch bereits Zweigstellen in der Schweiz, Deutsch-Oesterreich, Ungarn, Kongreßpolen und der Tschechoslowakei gegründet. Ter Weltbund ist mit den großen jüdischen Organisationen deshalb nicht in Verbindung getreten, weil er sich zum großen Teil auch auf christliche Mitglieder stützt. — Professor D r. Leo A r o n s, der bekannte Berliner Physiker, ist im Alter von 52 Zähren an einem Herzleiden verstorben. — Eine Trauer sei er für das verstorbene Mitglied der Aeltesten der Kaufmannschaft Joses Bras ch fand im Krematorium in der Gerichtstraße statt. Zugegen waren Deputationen der Aeltesten der Kaufmannschaft, der Handelskammer, der Reichsgelreidestelle, der Berliner städtischen Ver waltu na sowie vieler privater Unternehmungen und Gesellschaften. Oberkantor Davidson hielt die Trauerandacht. --- Mittwoch, den 1. Oktober, verschied in Berlin im Alter von 70 Jahren der einer. Kantor und R-elig-i.onslohrer Harr Wolf Karo. Er hat länger a ls ein Manschen - alter in Allenstein als Kultusbeamter gewirkt und sich durch vorbildliche Gewissenhaftigkeit und eifrigste Pflichterfüllung die Liebe und Berehruug aller Gemeindemitglieder im höchsten Grade erworben. Bor einem Jahre wegen Kränklichkeit hi den Ruhestand versetzt, war es ihm leider nur allzu kurze Zeit vergönnt, die wohlverdiente Ruhe zu genießen. Tie Gemeinde Allenstein und ein großer Kreis von Freunden betrauern sein Hinscheiden aufs schmerzlichste. — Herr Rabbiner Tr. Fried mann in Lublinitz begeht am 24. d. M. seinen 70. Geburtstag. Am 4. Juli vorigen Jahres feierte der Jubilar sein 40jührig,es Amtssubiläum, aus welchem Anlaß wir in den Nummern 26 und 30 des vorigen Jahrganges eine Lebensbeschreibung und das Bild des gelehrten Mannes veröffentlichten. Mögen ihm noch viele frohe Jahre beschieden sein. — Im Nahmen der in Breslau stattfindenden Ausstellung „Arbeit und Kultur in Oberschlesien" werden auf Einladung des Breslauer Volksrates auch einige der in Oberschlesien geborenen Dichter, wie Arnold Zweig und Arthur Silbergleit, Vortragsabende veranstalten, bei denen ihre Werke zu Gehör kommen. - Ans Posen wird uns geschrieben: Die hier neu gegründete Jüdische Gesellschaft unter Leitung des Herrn B r z e z i n s k i gewinnt immer mehr an Schülerzahl. In das Lehrerkollegium neu eingetr.etcn ist Herr Lehrer Albert N e u f e l d. Nächste Ostern wird die Schule sechsklassig. — Aus Neustettin wird uns geschrieben: Boi den am 5. d. M. stattgefundenen Neuwahlen zum Magistrate wurde der Lehrer und Prediger unserer Synagcgengemeinde Herr Boß zum Magistrats- Mitglied gewählt. Tie orthodoxe israelitische Religionsgesell,schast in München hat am. *28. September einstimmig beschlossen, eine israeliti'che V-olkssthule ins Leben zu rufen. Tor 'langjährige Lehrer und Kantor Heywann in Eamberg, der im. Frühjahr seinen 80. Geburt,-tag beginn, feierte nunmehr am 6. Oktober seine goldene Hochzeit. Er amtierte vierzig Jahre lang in dieser Gemeinde und versieht heute, nachdem er seit 'etwa zehn Jahren pensioniert ist, noch aushilfsweise die Stelle des erkrankten israelitischen Lehrers. — - Ter ordentliche Professor für staatsrechtliche und germanische Fächer an der Universität Freiburg im Breisgau Geheimrat Tr. Heinrich R o s i n wurde seinem Ansuchen entsprechend in den Ruhestand versetzt. Aus Straßburg i. E. wird berichtet: Das jüdische Leben, das seit der französischen Okkupation fast erloschen war, ward langsam wieder reger. So hat sich vor kurzem hier eine Ostgruppe der Mi s r a ch i - O r g a n i s a t i o n gebildet, die rege Anbeit und neben Lehrvorträgen und Schiurim aaidji bereits einige stark besuchte öffentliche Beranstaltungen abgehalten hat. — In Wien steht die Begründung einer jüdischen Volkshochschule unmittelbar bevor. Bekanntlich ist von Wien die erste Anregung zur Verbreitung von Bildung unter den jüdischen Erwachsenen ausgegangen; haben doch auch die heute an so zahlreichen Orten unterhaltenen Toynbeehallen ihren Ursprung in dem von Professor Dr. Leon Kellner im Jahre 1901 begründeten ersten derartigen Institut. Nunmehr hat der jüdische akademische Kulturverein „Jabne" bereits vor längerer Zeit «die Vorarbeiten für die zu errichtende Vclksunioersität eiugeleitet. Es ist gelungen, die maßgebenden Kreise der Stadt für diese Idee zu gewinnen. Auch das Unterriichtsamt des Sü'bh'd;*:n Nalionalrates für Deutsch-Oesterreich fördert diese Bestrebungen, so daß die Schaffung der jüdischen Volksuniversität in Wien baldigst erfolgen dürfte. --- In Budapest wurde zur „kräftigen Abwehr der rüden Judenhetzer" eine Landesorganisativn der ungarischen Juden geschaffen, die auf eine Unterstützung der Rumänen (?) und der Ententemission gegen die Uebergriffe der Po-gromisten hofft. — Nach dem „Temps" sieht dev zwischen Clemencean und Lloyd George in der syrischen Frage abgeschlossene Vertrag vor, daß die britischen Truppen bis November Syrien und Palästina räumen. Ter Distrikt Mofsul dürste gleichfalls von England geräumt werden. Das Schicksal von Damaskus und Aleppo ist unbestimmt, aber. Cilicien dürste von französischen Truppen besetzt werden. — „Daily Mail" erfährt aus Paris,, daß zufolge dort eingetroffener Nachrichten über 100 000 Personen, hauptsächlich Juden, von den Rumänen -aus den Gebieten, über deren Staatszugehörigkeit zwischen Ungarn und Rumänien ein. Streit bestehe, vertrieben werden. Tie Rumänen sind der Ansicht, daß die Juden im Falle einer Volksabstimmung jede andere Regierung einer rumänischen Herrscha-ft vorziehen würden, und glauben, auf diese Weise die mißliebige Bevölkerung loswerden zu können. — Dasin Warschau erscheinende Tageblatt „Jüdisches Volk" meldet: Das Departement 'für Kultus beim Ministerium für Kultus und Bildung erhielt durch Vermittelung der polnischen LiquidationskomMission in Paris einen Fonds zur Vergütung der Schäden, die das deutsche, russische und österreichische Militär während des Krieges in den Gebäuden der jüdischen Kultusgemeinde, in den Synagogen sowie Ber- und Lehrhäusern angerichtet hat. — Seit der Okkupation Palästinas durch die englischen Behörden sind fast 3000 Jerusalemer Juden in die Stadt zurückgekehrL. — Aus New Aork wird untern: 5. d. M. geschrieben: „Unter Emanuel Reichers Leitung ist hier das „J.ew.',H -Art Theatre" -entstanden. Zwar ist die Sprache der Jargons aber die Bühne stellt sich höhere Ziele als die gegenwärtig existierenden jiddischen Theater, obgleich diese gegen die landessprachliche Kunst gehalten, immer noch gut abschneiden. Daß in dem neuen Theater etwas Besonderes geboten werden soll, geht aus der Tatsache hervor, daß Herr Reicher dafür einen Beirat gewonnen hat, dem die Mitglieder der Truppe, die Theaterkritiker der jiddischen Blätter und bekannte jüdische Schriftsteller angehören. Es sollen mcht nur für die Jargon-Bühne geschriebene Stücke ausgeführt werden, sondern auch Uebersetzungen. Gleich in der ersten Woche wurde Hauptmanns „Biberpelz" ausgeführt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58, Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moste. Die Kriegsschüden der deutschen Lebensverstcherungsgesellschnften. Rund 100 000 Kriegs sterbefälle mit über 450 M illionen Mark sind «tot der sogenannten Lebensverstcherung bei den deutschen L'eb>ens>versicherungsgesellschasten während des Kri-eges fällig -geworden, eine gewaltigre Summe, durch die mancher Not -gesteuert werden konnte. Einzelheiteu über Anfall der Summen nach Monaten und Staaten enthalten die Berichte der meisten Gesellschaften leider nicht, obgleich derartige Angaben allgemeine Beachtung beanspruchen könnten. Genauere Zahlen stehen uns von der größten europäischen Gegensei tigkeitsgesellschaft, der Stuttgarter Lebensversicherungsbank a. G. (Alte Stukrgarter) zur Verfügung. Diese Bank übernahm alsbald nach Kriegsausbruch für alle bestehenden Versicherungen, auch wo es bei Abschluß nicht beantragt war, das Kriegswagnis in vollem Umfange -ohne Sonder Zuschlag. Während der langen Tauer des Krieges sind nicht weniger als 5420 ihrer Mitglieder mit rund 38 Millionen Mark Versicherungssumme gefallen; auf Preußen allein kommen davon 2267 Kriegssterbefälle mit rund 16,8 Millionen Mark Versicherungssumme. Im Verlauf der Sterbefälle spiegelt sich deutlich das- Wechselvolle der Kämpfe wider: Bewegungskämpfe brachten hohe Verlustzissern, Zeiten der Stellungskämpfe sind durch Rückgang der Sterbefälle gekennzeichnet; die Jahre 1914 nnd 1915 weisen die höchsten, 1916 die niedrigsten Zahlen ans. Dank den vorhandenen, im Frieden vorsorglich angesammelten Rücklagen konnte die Bank sofort nach Beibringung der TodeSin-achwerse die anfallenden 38 Millionen Mark an die Hinterbliebenen ausz-ahlen und ging in ihren Grundfesten uuerschüttert ans dem Kriege hervor.