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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-15 · Heft 42 (15.10.1919) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 42 (15.10.1919)
Date
1919-10-15
Page
Seite 478 (sequence 10)
Language
German
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478 AirxanSrr Hnnemalln. lexander Heinemann, am 26. Mai 1873 zu Berlin ge- 4l boren, ist am 16. Oktober 1918 daselbst gestorben. Er erblickte das Licht der Welt in der Roßstrahe 1, im Geburtshause Ludwig Tiecks, gerade hundert Jahre nach der Geburt des bekannten Dichters. Aus diesem Grunde wurde er in das Geburtsregister als Alexander Ludwig Tieck Heinemann eingetragen. Der Knabe besuchte eine Berliner Schule, war von dem Vater zum Kaufmannsstande bestimmt, setzte es aber nach vielen Kämpfen durch, daß er sich zum Musiker ausbilden durfte. Zu diesem Zwecke 4am er zu einem Stadtmusikus in Aschersleben in die Lehre, um sich im Violinspiel, das er in seinen letzten zwei Schuljahren begonnen hatte, auszubilden. Er muhte eine schwere Lehrzeit durchmachen. Er war oft genötigt, in tiesem Schnee über Land zu laufen, um den B a uer n a u fzu sp i elen, u nd mußte dann in grimmigster Kälte zu Fuß nach Hause zurückkehren. Nach beendeter Lehrzeit kam er nach Berlin zurück, um hier weitere Ausbildung zu suchen. Durch einen glücklichen Zufall fand er Gelegenheit, mit seinem früheren verehrten Lehrer, Herrn Chordirektor Friedemann B a r u ch , zu musizieren und ihm auch einmal etwas vorzusingen. Der erfahrene Chormeister war über das junge, frische Organ Alexanders so erstaunt, daß er diesem miss ernstlichste riet, sich zum Säuger ausbilden zu lassen. Gesagt, getan! Die damalige Direktorin des Steruschen Konservatoriums, Fräulein Jenny Meyer, prüfte die Stimme und übernahm sofort deren Ausbildung. Mit vollstem Eifer gab sich der junge Sänger bei der trefflichen Meisterin erfolgreichen Studien hin, als dieselben infolge eines hartnäckigen Gelenkrheumatismus — eine Erinnerung an die Schneewanderungen in Aschersleben! —, dessen große Schmerzen Heinemann drei Jahre lang tragen mußte, unterbrochen wurden. In dieser Zeit starb and) seine Lehrerin, die er stets als Gönnerin hochverehrte, so daß er am selben Konservatorium bei Herrn Adolf Schulze seine Studien beenden mußte. Im Jahre 1897 gab Heinemann sein erstes Berliner Konzert an maßgebender Stelle, in der Singakademie, mit schönem Erfolge, dessen Intensität in dech folgenden Jahren gelegentlich der an demselben vornehmen Orte stattgehabten Konzerte sich immer steigerte. Heinemann wurde die Ehre zuteil, zum Hauptlehrer für Gesang an das Sternsche Konservatorium für Musik berufen zu werden, wo er zirka acht Jahre in erfolgreichster Weise wirkte, und es strömten ihm Schüler ans allen Weltgegenden und aller Herren Länder zu. In letzter Zeit war Heinemann gezwungen, seine Schülerzahl zu beschränken, da seine stark ausgedehnten Konzertreisen im In- und Auslande ihn hinderten, seine Lehrtätigkeit in dem Umfange wie früher auszuüben. .. . Wk :”,. lieber all ervanq er durch den strahlenden Glanz seines Organs, die mächtige Wucht der Stimme, das überaus feine Piano, die große Vortragskunst außerordentliche Erfolge. Seine hohe Begabung als Baritonist zeigte sich besonders durch meisterhaften -Vortrag von Balladen, .daneben Liedern und Oratorien. In seinen Leistungen wählte er wohl auch einige ältere Meister, bevorzugte aber die modernen. Er wurde als erster Balladensänger gefeiert Und mit Karl Loewe auf diegleiche Stufe gestellt. Äußer in Berlin/ wo er 1908 sein zehnjähriges Jubiläum mit großem Glanz feiern konnte, errang er Triumphe in verschiedenen deutschen Städten, ebenso im Auslande, in Schweden, Dänemark, Paris, London, vor allem in Amerika, wo er z. B. in New Aork, Mlwaukee, St. Franziska konzertierte. Noch am 16. Oktober 1916 konnte er eine dankbare Zuhörerschaft mit dem größten Entzücken erfüllen; kurze Zeit darauf erkrankte er und mußte sein künstlerisches Wirken ausgeben. Nach schwerer Krankheit wurde er den Seinen, für die er mrch in rührender Weise sorgte und die mit schwärmerischer Liebe an ihm hingen, und einer großen Zahl von Verehrern und Bewunderern entrissen. (Aus Ludwig Geigers Nachlaß.) ffruillrttm Kammersänger Alexander -^einemann. Lmjamms Lirbeslird. (15. Forts.) Roman von 8 ct m u e l M e i s e I < ^f^eniamin wollte Schlüte aufsuchen, um bei ihm nähere Erkundigungen ejnzuziehen. Durch Jossel hoffte er zu erfahren, aus welche Weise sein Bild und sein Gedicht in unbefugte Hände kamen, und wer der Urheber des unglückseligen Vorfalls in der Betstube war. Er brannte darauf, von Jossel Schlüte als der zuverlässigsten Quelle zu hören, wie Sara-Lea die Nachricht von dem Vorfall in der Betstube aufnahm, welche Folgen dieser Bubenstreich für sie hatte, ob nicht die Eltern sie mit bitteren Vorwürfen gequält, gute Freundinnen und Nachbarsleute mit süßen Trostworten sie gekränkt hatten, und ob sie das Unerquickliche der Situation mit Mul und Entschlossenheit ertrug. Stundenlang schlenderte Benjamin in den Straßen umher, in der Hoffnung, Jossel Schlüte zu begegnen. Am Kai ging Feiwisch Narr trotzig an ihm vorbei, ohne ihn. zu grüßen oder auch nur eines Blickes zu würdigen. Und „Am Tor" traf er mit Menachem Zusammen; dieser warf ihm rasch einen verächtlichen Blick zu, machte behend eine schlängelnde Wendung und war im nächsten Augenblick auf dem anderen Bürgersteig. Der Platz „Am Tor" war voll von Menschen, von Geschäftsleuten, die sich hier eine Mußestunde gönnten, von Müßiggängern, die hier Geschäfte machten. Dieser Platz war das Nachrichtenburean der Stadt; hier wurden politische Fragen

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