Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1919)
- Date
- 1919-10-08
- Page
- Seite 460 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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460 dör jüdischen Delegationen" in Paris am 19. und 21. September einen ergreifenden Bericht über die jüdische Katastrophe in der Ukraine. Das „Komitee der jüdischen Delegationen", das während der letzten Monate der Lage des jüdischen Volkes in der Ukraine besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat, beschloß, die Vorschläge Goldsteins in Erwägung zu ziehen; Goldstein seinerseits erklärte, daß er sowohl in Europa wie in Amerika nur gemäß den Beschlüssen des „Komitees der jüdischen Delegationen" arbeiten werde, in welchem er und die ukrainischen Juden die einzige allgemein-jüdische offizielle Vertretung erblicken. — Der litauische Minister für jüdische Angelegenheiten, Solov e i t s ch i k , ist in Paris eingetroffen und nimmt an der Arbeit des „Komitees der jüdischen Delegationen" teil. * Der Papst nwd di-e Pogrome. „Manchester Guardian" bringt folgenden Brief des Rabbiners von Manchester: „Polen ist zum größten Teil katholisch, und das Gerichtswesen müßte das logische Korrelat b£§ Katholizismus sein. Ich erinnere mich eines Brieses des Kardinals Vaughan, in dem er erklärt, daß seit Innozenz III. alle Privilegien und Schutzbullen den Anhängern der Kirche einschärfen, die Juden nicht zu belästigen, ihre Güter nicht einzuziehen und ihrer Freiheit in der Ausübung ihrer Religion und in der Mer ihrer Riten keine Einschrünkungen aufzuerlegen. Diese heiligen Versprechungen, sind sie noch in Kraft? Könnte nicht der Papst einen Hirtenbrief veröffentlichen, in dem er der Geistlichkeit empfehlen würde, aus der Kanzel den Schutz der Juden zu predigen und so die alte Tradition wrtzusetzen, die die Juden der katholischen Länder unter -den Schutz der Kirche stellen?" — Rach einer Rom-Meldung der Pariser ,,Croix" hat der Papst nur den an ihn gerichteten Appell der Jerusalemer Juden, gegen die Pogrome im Osten Europas in ähnlichen! Sinne geantwortet um' seinerzeit an die Juden der Vereinigten Staaten. Er versichert darin seine Fürsorge für die Juden in Polen, Litauen und der Ukraine. Z. P. Z. * Tic Forderungen des Jüdischen Nntiorralrats Ostgaliziens betreffs Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge. Dein Jüdischen Preßbureau in Stockholm wird gemeldet: Eine Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien intervenierte am 16./17. September bei den Gesandtschaften und kompetenten Faktoren in Sachen der Masfenausweisung der Flüchtlinge und ersuchte dieselben, der dentsclpsterreichischen Regierung folgende Forderungen des Nationalrates zu überreichen und Schritte für ihre Erfüllung zu unternehmen: 1. Ten Ausiveisungstermin für jene Flüchtlinge, die nach ihrer Heimat zu rückkehren können, angesichts der herannahenden jüdischen Feiertage bis Ende Oktober 1919 zu Verschieben. 2. Den in chre Heimat zurückkehrenden Flüchtlingen die Mitnahme ihres gesamten beweglichen Hab und Gutes zu ermöglichen und sicherzustellen. 9. Allen Flüchtlingen die Mitnahme ihres Vermögens an Geld, Wertpapieren und anderen Effekten zuzusichern. 4. Den Flüchtlingen ans Ostgalizien, wo die meisten Wohnorte infolge des Krieges ganz zerstört oder nur noch dem Namen nach existieren, das Weiterverbleiben in Teutschösterreich bis zum Frühling 1929 zu gestatten. 5. Maßnahmen zu treffen, die die Flüchtlinge gegen Schikane seitens der Behörden schützen. Die Vertreter der Gesandtschaften erklärten, daß' ihre Gesandtschaften den vorgebrachten Wünschen des Nationalrates entgegenkominen werden und bei den maßgebenden Faktoren der deutschösterreichischen Regierung die nötigen Schritte zu unternehmen bereif seien. * Die Iirdenfrage in Rumänien. Die Liga der Menschenrechte veranstaltete am 18. September in P a r i s ein großes Meeting über die Frage der Rechte für die Minoritäten in Rumänien. Unter den Rednern des Abends befanden sich der Abgeordnete loutct und der Abgeordnete de Monzie, früherer Unterstaatssekretär. der in seinör Rede aussührte, daß der Weltkrieg letzten Endes in der Frage der nationalen Minoritäten seine Ursache habe. Es wurde eine Resolution angenommen, worin für die jüdische. Bevölkerung und die übrigen nationalen Minderheiten in Rumänien Minoritätenrechte gefordert werden, die unter der Garantie.des Völkerbundes stehen sollen. * Eine allgemeine HWfskonferenz. Das „Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz in Paris" richtet an alle Gesellschaften und Komitees, die sich mit der Hilfeleistung für die vom Kriege betroffene jüdische Bevölkerung beschäftigen, die Aufforderung, zu einer jüdischen Hilsskonferenz zusammenzutreten, die im November oder Dezember dieses Jahres in Paris oder einer anderen europäischen Stadt abgehalten werden soll. Diese Aufforderung ergeht gleichzeitig an die jüdischen Gesellschaften, die sich mit den ökonomischen jüdischen Problemen beschäftigen, sowie an alle jüdischen Zen tralorganisati onen. Nach 25 Ländern in Europa, Asien und Afrika sind Einladungen gesandt worden. Der Zweck der Konferenz soll nicht nur die Zusammenfassung aller Kräfte für den ökonomischen und sozialen Wiederaufbau sein, sondern auch die Ausarbeitung eines Programms dieser Arbeit auf der Basis nationaler Selbsthilfe. Das „Komitee der jüdischen Delegationen" hofft, daß nicht nur die europäischen Gesellschaften und Komitees,, sondern daß vor allem auch die amerikanischen Hillssorganisationen an der geplanten Konferenz teilnehmen werden. Das „Komitee der jüdischen Delegationen" ergreift nur die Initiative zur Konferenz, während, wie die Einladung betont, die Arbeit selbst vollständig der Konferenz überlassen ist. * Die „£ime3" zur Palästinafrage. Die „Times" veröffentlichen einen Artikel ihres Jerusalemer Korrespondenten über die zionistischen Palästinaforderungen. Der Artikel betont, daß die zionistischen Forderungen durchaus mäßig gehalten sind. Es wird nicht die Forderung auf Einsetzung eines jüdischen Oberkommissars unter Englands Mandat erhoben, noch wird ein unbilliges Uebergewicht von jüdischen Beamten in der Landesverwaltung beansprucht. Was die Zionisten erwarten, ist, daß man die technischen Stellen, wie z. B. die Posten bei den öffentlichen Arbeiten, mit dazu qualifizierten Juden besetzen werde. Ter Oberkommisfar werde vermutlich einen aus den leitenden Häuptern der ■ verschiedenen Regierungsdepartements zusammengesetzten Rat (Council) bilden, und die Zionisten verlangen natürlich einen jüdischen Beamten in diesem Council für die Frage der jüdischen Erziehung. . Die Zionisten verlangen die offizielle Anerkennung des Hebräischen — ' gleichberechtigt mit dein Arabischen — im Gebrauch der Negierung. ’ Zurzeit ist diese Forderung bewilligt, aber das ist kostspielig und erfordert eine große Zahl von jüdischen Beamten und Uebersetzern j in den Regierungsbureaus. Sonst gibt es keinen Einwand dagegen, und der zionistische Council wird vermutlich zugestehen, daß diese Mehrkosten nicht ausschließlich aus den allgemeinen Steuern gedeckt werden sollten. Die zionistische Forderung auf lokale Autonomie für die Kolonien und für kleinere rein jüdische Bezirke bilde keine unüberwindliche Schwierigkeit. Angesichts des Verlangens von Hunderttausenden von unterdrückten Juden, nach Palästina zu kommen, helst der Korrespondent die Notwendigkeit hervor, Vorsichtsmaßregeln bei der Auswahl zu treffen. Ein „Jüdischer nationaler Rat" sollte ermächtigt werden, Land und insbesondere unkultiviertes Land sowie den Besitz; der türkischen Negierung in Palästina zum Verkauf zu erwerben. Das Land könnte durch die Ausführung öffentlicher Arbeiten derartig; verbessert werden, daß es imstande - wäre, eine viermal so große - Bevölkerung als die gegenwärtige bei einem höheren Standard of life; zu erhalten. Bei stufenweise fortschreitender Entwicklung kann . Palästina die nationale Heimstätte für die Juden werden. Der Korre^- : spöndent der „Times" ermahnt die Zionisten, Mäßigung in ihren : Forderungen zu bekunden, und die christlichen und mohammedanischen; Fanatiker, zu hören und zu verstehen. Dies sei der einzige. Weg ' zum Heil. K. Z. B. * j Die Regelung im Osten. In ihrem „Die Regelung im Osten" überschriebenen Leitartikel, i der die englisch-französischen Verhandlungen wegen Syriens und ' Arabiens behandelt, schreibt die englische Zeitschrift „Palestine" u. a.: