Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-03 · Heft 40 (3.10.1919) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229392-3229430--75224-3287719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Wortung zu ziehen', ähnlich wie es bei den Axmemierverfolgungen der Fall war. Die Dersarnrrrlung stellt fest, das; der jüdische Selbstschutz nicht imstande war, die Juden b-ei den Pogromen in der Ukraine zu schützen, weil er organisierte militärische Abteil ringen vor sich hatte. Deswegen fordert die Versammln,ng das Korrrikee der jüdischen Delegation bei der Friedenskonsercnz auf, unter dem Schutz des Völkerbundes eine jüdische Miliz zu organisieren, welche gegen alle Banden und Horden kämpfen könne, die die rurschuldigerr Juden in der Ukraine angreifen. Die Versammlung protestiert energisch dagegen, daß man das ganze jüdische Volk für irgendeine Partei oder politische Richtung verantwortlich macht. Das jüdische Volk als solches hat nichts mit einzelnen Parteien.gemeinsam, die den freien Willen und die freie Ueberzeugung eines jeder; darstellen. Die Versammlung fordert das polnische Judentum auf, Geldmittel für die unglücklichen Brüder in der Ukraine zu sammeln, die bei den erwähnten Verfolgungen ihr ganzes Vermögen verloren haben und Mt Hrrnger und Not leiden. Das ganze polnische Judentum und das jüdische Volk muß das große Unglück mittragen helfen, das der; ukrainischen Juden zu gestoßen ist. Von Mh unü Mn. — Der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Jrrdcn am 30. November, die voraussichtlich im Plenarsaal des Preußischen Ministeriums für Voltswohlfahrt in Berlin, Leipziger Straße 3, tagen wird,, soll eine den Forderungen und Ausgaben der Gegenwart entsprechende Blenderung der Organisation des Verbandes zur Beschlußfassung vorgelegt werden. — Professor Tr. Heinrich Loewe, Bibliothekar an der Berliner Universität, .ist zum Direktor der Jüdischen Nationalbi'bliothek in Jerrrsalem, um die er sich von jeher große Verdienste erworben hat, ausersehen worden. — Der bekannte Berliner Zahnarzt Professor Dr. Wilhelm Sachs beging am 23. September seinen 70. Geburtstag. -- Der dirigierende Arzt der zweiten inneren Abteilung des Airguste-Viktoria-Krantenhailses in Schöneberg, Dr. Felix Glaser, ist zrirrr Pro.sessor ernannt werden. — Während der Beerdigung ihres Mannes ist die Witwe des Oberkantors der Jüdischen Gemeinde Stabinski in der Prenzlauer Allee 40 schwer bestohlen worden. Tie Verbrecher müssen beobachtet haben, daß sich die Angehörigen zur Bestattung nach dem Friedhof begeben und die Wohnung, ohne Aufsicht gelassen hatten. Sie drangen mit Nachschlüsseln ein, erbrachen das Büfett, einen Schrank und andere Behältnisse und stahlen daraus für über 100 000 Mark Schmucksachen. — Herr Hermann S ch iss, Kantor und Prediger der Synagogengemeinde Nauen bei Berlin, beging cnu 1. Oktober das Jubiläum seiner 25jährigen Amtstätigtett. die er zur Hälfte in der Gemeinde Nauen vollbracht hat. — Wie uns mitgeteitt wird, hat Herr Erich Schm oller (Heilsberg, Ostpreußen, Durchgangslager) sich erboten, tltachsorschuirgen nach Gefangenen und Vermißten aus Rußland zrr übernehmen. Anfragen (Name, letzter Truppenteil und letzter bekannter Ausenthal!s0'.'l) sind direkt an ihn zu richten. —- Herr Rabbiner Tr. Hat p er sohn iu Myslowitz ist znm Bezirtsrabbiner in Offenburg gewühlt worden. - Aus Breslau kommt die betrübende Nachricht, daß Rabbiner Prof. Tr. Jakob Guttmann, Vorsitzender des Deutschen Rabbinerverbandes und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, am 29. September im Alter von 74 Jahren plötzlich verschieden ist. — Aus Posen wird uns geschrieben: Im Gorkasee bei Moschin badete der zehnjährige Schüler Joses Cz., der in eine tiefe Stelle geriet und Gefahr lies zu ertrinken. Einige 9luAfbügl-er bemühten sich vergeblich, ihm mittels einer langen Stange Hilfe zn bringen, sie konnten, ihr; jedoch nicht erreichen, da er immer mehr vom Ufer abtrieb. Aus die Hilferufe kam in vollem Laufe der Obersekundaner vom Friedrich-Wilhelm-Gyrnnasium Fritz B e r n h a r d , Sohn des Weinhändlers Bernhard aus Posen, herbei, der sich mit voller Kleidung sofort ins Wasser stürzte, zu dem bereits schon einmal versunkenen Knaben schw-amnr und ihn glücklich a-ns User brachte, rvo es dann gelang, ihn in kurzer Zeit rote der ins Leben zurückzurusen. — Anläßlich des Todes ihres Ehemannes, des Großkausmanns Rudolf Petersdorsf, hak Frau Petersdorfs aus Breslau Wohltätigkeitsvereinen der Synagogen gern ein de Posen insgesarnt 12 000 Nlark überwiesen. Bei Lebzeiten hat Herr Peters- Oorss särntliche Wohlfahrtsinstitute Posens mit reichlichen Spenden stets 'unterstützt. — Aus Anlaß der -übergroßen Teuern-ng. hat der Vorstand des Grundbesitzevvereins in Gnesen beschlossen, den Armen der Stadt eine Spende von 1000 Mark zu überweisen, wovon 200 Mark dem Gemeinderabbiner Dr. Jacobsohn zur Verfügung gestellt worden sind. — Das greise Ehepaar Gottschalk in Gelsenkirchen beging am 1. September das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Ehegatte ist 93, die Gattin. 87 Jahre alt. Die Gemeinde strömte nach dem Krankenhaus, in. dem das Ehepaar Gottscha.lt auf seine alten Tage untergekommen ist, um zu gra>tulieren. Vorstand, Repräsentanz und Ch-ewva« waren vollzählig erschieneir, und in Gegenwart der Kinder, die alle eine geachtete Stellung cinnehmen, hielt Herr Lehrer Frohmann eine kleine An* spräche an das Jubelpaar und widmete ihm einen herzlichen NUs,Hebe rach. — Herr L. Spier, Lehrer der Jüdischen Gemeinde in Rheda (Westfalen), beging am 1. d. M. sein 2b jähriges Arrtts^ jnbilärrm. — Aus Jchenhausen wird, berichtet: Der Stadtrat befaßte sich wiederholt mit dem hier zur Errichtung gelangenden Aktersheim für Israeliten und genehmigte einen zehnjährigen, unentgeltlichen Wasserbezug aus der städtischen Wasserleitung. Dagegen wurde die Uebernahme der Kosten für Herstellung der Anschlußleitung an die Kanalisation und die Wasserleitung mit Rücksicht auf die finanzielle Lage der Stadt abgelehnt. — Dipl.-Jng. Richard K a u ff m a n n in Kristiania, Sohn des Sensals. Heinrich I. tttaiiif jimum in Frankfurt a. M., erhielt-bei dom Wetkbewerb für den Bebauungsplan der Stadt Bergen zusammen mit dem norwegischen Architekten Hoff den zweiten Preis. — Die Gemeinde Salzburg widmete den gefallenen Kriegern der Kultusigemeinde eine Ehrentafel im Synagogengebände, deren Enthüllung am letzten Sonntag stattsand. Herr Rabbiner Dr. W e i n b e r g hielt eine ergreisende Rede. — Die jüngsten Verordnungen der Regierung der .Slowakei, weiche durch Aushebung aller bisherigen Lizenzen und Trasi krachte Tausende jüdischer Farnilien brotlos machen, wird vom Stove nsky Dennik", der wohl aliShalbamtliches Organ der Preßburger Regierung angesehen werden kann, wie folgt begründet: ,.Durch diese Verordnung, die erst dann ihre volle Bedeutung erlangen kann, wenn sie nach den Intentionen ihrer Urheber bis in ihre letzten Konsequenzen durchgesührt wird, werden alle bisherigen Schankwirte und Trafikanten sich genötigt sehen, nach einem neuen Broterwerb Umschau zu halten. Die-meisten Personen, für die dies gilt, sind Bürger/jüdischen Glaubens." — Der ungarische, Ministerpräsident erklärte einem Mitarbeiter des „Ung. Corr.-Bur.",, er habe mit Bedauern erfahren, daß seine Erklärungen über den christlichen Charakter Ungarns , vielfach .unrichtig, ja ihrem wahren Sinne direkt entgegengesetzt ausgelegt wurden. Seiner Erklärung, daß das feit taufend Jahren, christliche Ungarn auch in Zukunft christlich sein rverde, wurde irrtümlich in antisemitischem Sinne ausgelegt. Der Ministerpräsident fügte hinzu, er verurteile alle Gewalttätigkeiten und habe die strengste Verfolgung aller an den Gewalttätigkeiten Schuldigen angeordnet. Solche Gewalttätigkeiten erschwerten, ja verhinderten geradezu die einheitliche Arbeit zum Wiederailsbau Ungarns. — Oberst Dreyfus in Paris wurde mit Lern Kreriz der Ehrenlegion ausgezeichnet. Die alte Affäre scheint jedoch noch nicht ganz vergessen zu sein, da die französischen. Zeitungen mit Stillschweigen über diese Dekorierung hinw-eggehen. Nur „Matm" bringt sein Bild. — Nach einer Meldung der „Continental Times" beabsichtigen die dem Londoner Jews College nahestehenden englischen Kreise, an ihrer Spitze Lord Rothschild und Lord Swaybhling, die englische Judenheit zur Schaffung eines Fonds von 10OO 000 Pfund Sterling aufzusordern, der den Namen „Krregsgedächtnisfonds der britischen Juden" führen und dazu dienen soll, die jüdische Erziehung und die jüdische Wissenschaft in England zrr fördern, sowie ferner die Lage der Rabbiner' zu verbessern. — Aus Jaffa wird dem „Judiszea Folk" berichtet, daß die Kolonisten Oon Baron Rothschild in Paris eine Verständigung erhalten hätten, über ihre vernichteten Wohnsitze sich keine Sorgen zri machen, da diese wieder ausgebar.lt würden.. Ueber die Bedmgungen, unter denen die Hilfe Rothschilds angenommen werden soll, herrscherr zwischen den Kolonisten noch Meinungsverschiederrh eiten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.