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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-03 · Heft 40 (3.10.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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408,30 Mark, Unterrichtsmittel und Schulgeld 977,61 Mark. Die Mitglieder der Direktion sind die Herren Professor Dr. Bloch, Vorsitzender; Israel F r i e d l a e n d e r, stellvertretender Vorsitzender; I s a a c C o b l i n e r, Sally H a m b urger, David P e l t e s o h n, Bankdirektor Salo S m o s z e w s k i, Hermann Mollheim und Bankdirektor Dr. Wilhelm Wolfs. — Ehrendamen Fanny Bern h a r d, -Frau Geheimrat 'Jenny Herz, Jeanette Hertz, Fanny Oelsner, Clara Rosenberg. — Osnabrüek, 28. September. Dr. S t r e s e m a n n , der bekannte Führer der Deutschen Volkspar tei, hat in -einer hier abgehaltenen Versammlung interessante Ausführungen über die Judenfrage gemacht und hat dabei sowohl persönlich wie im Namen' seiner Partei 'den Antisemitismus energisch abgelehnt. Dr. S t r e s e m a n n führte aus: ,>Jn unserem Volke ist eine -gewisse Mißstimmung vorhanden wegen der Mitarbeit der Juden bei den -bolschewistischen Unruhen in Rußland, Ungarn und München; man macht sie -dafür verantwortlich, daß die Ehrlichkeit im Handel einem Schieberunwesen Platz gemacht hat; man weist weiter darauf hin, daß viele Kreise des Judentums sich, in auslösender Literatur betätigen. Wer fragen wir uns: Wenn wir es einzelnen Teilen des Judentums zum Vorwurf machen, können lvir da behaupten, 'daß das eine speziell jüdische Eigenheit sei? Wir haben ein Bestechungsunwesen auch an solchen Stellen, wo ein Einfluß des Judentums nicht vorhanden' ist. Dieser Einfluß hat im dritten und vierten Kriegsjahre eingesetzt; er verteilt sich auf, Gesellschaftsschichten, von denen man es nicht zu erwarten hätte. Das kosmopolitische Denken sehen sie auch gerade bei deutschen Ideologen. Die Neigung zu Anarchismus und Bolschewismus finden sie auch in der deutschen Künstlerschaft ausgebreitet, die mit der Judenschast nichts zu tun. hat. Die Juden haben in sich selbst heftige Kämpfe der verschiedenen Richtungen, die sich leidenschaftlich befehden. Aus allen den Gründen schließe ich das eine, daß sich unser Kampf gegen die Zersetzungserscheinungen, gegen das Schieber- und Wuchertum in seiner Gesamtheit richten muß, insbesondere hinstchtli-ch der zersetzenden Literatur. Den grundsätzlichen Antisemitismus in seiner einseitigen Stellung der Schuldsrage und seine Auswüchse kann eine liberale Partei nicht vertreten." — Kassel, 2 8. September. D i e I u d e n h -e tz e -i n der H m -- gebung unserer Stadt beginnt traurige Früchte zu tragen. So kam es jüngst in Wichenhausen zu Ausschreitungen, die zu einer mit scharfen Gegenmaßnahmen drohenden Bekanntmachung des stellvertretenden Landrats Eschftruht führten. Auch hier in Kassel selbst werden Flugblätter ganz geheimnisvoller Art verbreitet, die sich an das. deutsche Gemüt deutscher Väter, Mütter, Brüder und Schwestern wenden und in geradezu raffinierter und ausgeklügelter Weise versuchen das ganz natürliche Gefühl der deutschen Kindesliebe aufzustacheln zu allerschlimmster Blutgier gegen eine andere Rasse, der man die gemeinsten Verbrechen unterschiebt, ohne den Beweis dafür anzutreten. In verschlossenen- Briefen werden die Flugblätter liier in Kassel an die Familien geschickt. In einer sozialistischen Versammlung, die vor einigen Tagen als Protest gegen die -antisemitischen Umtriebe veranstaltet wurde, stellte der Parteisekretär Lüp schütz fest, daß die Kasseler Plünderungen nur einer antisemitischen Hetze zu verdanken sind. Den Anfang machten einige fremde, hierher gekommene Burschen, die die Scheiben einschlugen. Arbeiter und unaufgeklärte Frauen haben dann geraubt und geplündert. Die Versammlung nahm eine energische Resolution gegen die Pogromhetzer einstimmig an. or. Frankfurt a. M., 28. September. Die Kommission zur Beratung eines neuen Gesetzes zur Regelung der Angelegenheiten der Israelitischen Gemeinde hat beschlossen, -in das neue G-emeindestatut eine Bestimmung aufzunehmen, nach welcher die dienstältesten Rabbiner sowohl der konservativen als der liberalen Richtung zu allen denjenigen Beratungen des Vorstandes zugezogen werden sollen, in loelchen Fragen des Ritus, des Kultus, des Rellgionsunterrichts und der Anstellung von Shnagogenbeamten behandelt werden. Der Komin ission lag noch ein weiterer Antrag vor, welcher forderte, die beiden dienstältesten Rabbiner zu allen Sitzungen des Gemeindevorstandes hinzuzuziehen. Dieser Antrag wurde schon in erster Lesung mit Stimmengleichheit abgelehnt. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß diese Forderung, die bei der Beratung der späteren Lesungen wieder ausgenommen wurde, noch zum Beschluß erhoben werden wirdda sich weite Kreise unserer Gemeinde für diesen Antrag ausgesprochen haben. Auch der freisinnige Verein für jüdisches Gemeindeleben hat in einer zahlreich besuchten Versammlung diesen Antrag beraten tind mit allen gegen eine Stimme beschlossen, beim Gemeindevorstand und 'der Versassungskommission die Zuziehung der Rabbiner zu allen Sitzungen des Gemeindevorstandes zu befürworten. Lohmen. z. Pr«K, 24. September. Ueber den Antisemitismus in der tschechoslowakischen Armee bringt die hier erscheinende „Selbstwehr" folgende beachtenswerte Ausführungen: Die antisemitische Propaganda gewisser Parteien, welche in der Zivilbevölkerung so viel Verheerungen anrichtet, und die nicht nur -geeignet ist, das Ansehen des j-nngen Staates in -der Welt zu verunglimpfen, sondern auch seine ruhige wirtschaftliche Entwicklung zu gefährden, hat nun auch im tschechoslowakischen Heere Fuß gefaßt. Immer wieder -erhalten lvir Briese und Berichte, die kaum glaublich klingen würden, wenn sie uns nicht leider von so vertrauenswürdiger Seite zukämen. Sogar höhere Offiziere beteiligen sich an «dieser Propaganda. Ein Offizier, dessen Name uns bekannt ist, ließ einen verhafteten Juden drei Tage ohne jegliche Nahrung und ohne Wasser, da dieser sich weigerte, nicht rituell zubeveitete Kost zu essen/ . Derselbe Offizier, unter dessen Kommando ein jüdischer Fähnrich und ein Einjähriger stehen, äußerte sich über die Juden, sie seien ein gefährliches Element; Pogrome gegen sie seien eine Naturnotwendigkeit, da sie sich zu stark vermehren. Diese Aeußernngen geschahen öffentlich vor allen Offizieren, oft auch im Beisein der Mannschaft. Als der Fähnrich, oftmals auf diese Weise von seinem Vorgesetzten be-leidigt, ein Gesuch ans Ministerium der 'nationalen Verteidigung überreichte, in welchem er alle Jl-us sch reit ungen gegen Juden, die ihm bekannt waren, -anführte und -um seine Entlassung aus dem Heere bat, wollte der betreffende Offizier das Gesuch nicht übernehmen und erklärte: „Das ist wieder so ein Judengeschäst, die Juden sind überhaupt ein gefährliches Element. — -Ihr beide seid auch von dem jüdischen Gesindel." Erst als der Fähnrich unbedingt daraus bestand, leitete er das Gesuch weiter. — Man staunt über dieses sittliche Niveau eines Menschen, der Hunderte von Untergebenen sühren soll, und der, selbst wenn er wirklich subjektiv an alles glauben würde, was er gegen die Juden vorbringt, nicht einmal weiß, daß -man einen jeden Menschen nur für sich selbst verantwortlich machen darf. Ist das der Weg, eine Armee zu erziehen, die nicht eine Horde von Wilden sein soll, sondern ein diszipliniertes Instrument in der Hand des Führers? Ist das vielleicht der Geist, m dem amerikanische, englische und französische Soldaten, die ja unserem Heere als Muster dienen sollen, erzogen werden? Es ist nicht nur ein sittliches, nicht nur ein politisches, sondern einfach schon ein militärisches Erfordernis, daß solche Schädlinge der tschechischen Armee beseitigt werden. Es liegt im. Jntereße der Würde und der Brauchbarkeit des tschechischen Militärs, wenn solche Vorfälle sofort zur Kenntnis der höchsten militärischen Behörden gebracht werden, |o wie es in diesem Falle, von dem wir hier berichtet haben, geschehen Ist. Koten. z. Krakau, 24. September.- Am. 7. -d. M. fand m Krakau eine große Protestversa.umlung gegen die schrecklichen Judeuversolgungeu in der Ukraine statt. Nachdem die Abgeordneten Grün bäum und Rabbiner Thon Reden gehalten hatten-, wurde folgende Entjchließlrn-g. angenommen: Die am 7. September »in Krakau versammelte Menge erhebt der ganzen zivilisierten Welt gegenüber feierlichen Protest gegendie schrecklichen Verfolgungen unschuldiger Juden, die in der Ukraine stattgesunden' haben und noch weiter stattfinden. Die Versammlung fordert von der zivisierten Welt, daß diese nicht die Verfolgungen zulasten soll, welche sich die unmenschliche „Horde" und militärische Abteilungen, die von Offizieren, der ukrainischen Armee angeführt werden, mit kaltem 'Blut den schutzlosen Jiiden gegenüber erlauben. Diese Ereignisse können nur mit den Verfolgungen unter Chmieln-icki und Gonta verglichen werden. Sie stellen für -ewige Zeit e einen Schandfleck auf die menschliche Ehre dar. Dieser kann liur dann abgewaschen 'werden, wenn diejenigen bestraft werden, die unschuldig Blut vergossen haben. Deswegenfordert die Versammlung die Friedenskonserenz auf, eine Untersuchung, durchzusühren und die Anführer und Veranstalter der Verfolgungen zu strenger V-erant-

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