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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-03 · Heft 40 (3.10.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Detmold: Zahnärzte (Aus tun ft erteilt Nie. Nosenthgl), Krefelds für Klempner, Schlosser. Eröfflumg eines guten toscheren^ Sstefsehauses durch tüchtige Fachleute erwünscht. Freiftadt Dauzig (Danzig und Umgegend): für Geschäftsleute und Handwerker. Auskunft durch Verband der Westpreußischen Synagogengemeinden Danzig, Straußgasse 11. Hameln i. W.: Handwerker aller Art und Geschäftsleute, Wohlhabende, die sich mit bescheidenen Mitteln zur Ruhe fetzen wollen. Dierdorf, Bez. Koblenz: Leistungsfähige Uhrmacher, Buchbinder, Schuhmacher, Schneider lind Klempner. Auskunft durch Lehrer A. Ginsberg (Dierdorf). Burgknndstadt: Schnitt-, Modennd Konfektionsgeschäft, Handwerker verschiedener Art. Bayreuth: für Fabriken, Boden und Gleisanschluß vorhanden. Spandau: für orthodoxe Familien durch Gründling einer sauberen, fachmännisch geleiteten Speisewirtschaft, ebenso für Bekleidungshandwerker. Dhhernjlrrt i. Schief, (gesunde Lage): reelle Gewerbetreibende und Handwerker. Bei allen Niederlasfnngsmöglichkeiten ist vorab zu bemerken, daß überall die gleiche Wohnungsnot herrscht und vor einer beabsichtigten Niederlassung die Wohnungsfrage gesichert sein muß. In allen Fällen, in denen kein Auskunftgeber genannt ist, wollen sich Reflektanten erst an den D. I. G. B. wenden. Die Leser dieser Notiz werden gebeten, dem Gemeindebund, Berlin W 35, Steglitzer Straße 9, weitere Meldungen von freien Stellen oder Nftederlasfungsmöglichkeiten.zugehen zu lassen. 2/D Berlin, 30. September. Die Alt e r v e r sorg n n g s - a n st a l t d e r I ü d i s ch e n G e m e i n d e z n B e r l i n besteht am 2. Oktober d. I. neunzig Jahre, und mit hoher Befriedigung kann sie aut den abgelausenen Zeitraum zurückblicken. Eine glänzende EntwKkelnng bezeichnet ihre Laufbahn. Wenige Personen hatten sich im Jahre 1328 zusammengetan. um eine Wohltütigkeitsanstalt, die loürdigen und bedürftigen Alten dienen sollte, zu begründen. Der Gedanke fiel auf fruchtbaren Boden. Aus unscheinbarem Anfänge louchs eine mächtige, ja die bedeutendste Institution der Gemeinde, deren Aufbau lind Erhaltung bis in die ersten Kriegsjahre hinein fast ausschließlich durch Stiftungen und Geschenke bewirkt nwrden ist. Mit acht Insassen wurde das Stammhaus in der Großen Hamburger Straße eröffnet, unb heute finden mehr als 300 Männer und Frauen in den ihr gehörenden drei Häusern ihr sorgenfreies Dasein bis an das Lebensende. Wohl wäre es am Platze gewesen, dieses seltene Jubiläilln zu feiern. Es ist indessen hellte nicht die Zeit für Festesstimni'Ungen. Nur Weiterarbeiten entspricht denl Ernste der Stunde. Die Aufgaben der Verwaltung sind schwieriger als jemals zuvor. Stellte der furchtbare Krieg hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Betriebe fast unlösbare Anforderungen, so ist jetzt die viel größere Not der Ansturm der Hilfesuchenden um Aufnahme in die Anstalten, dem alis Mangel an Platz nicht entsprochen werden kann. Schon seit vielen Jahren besteht der Plan zur Errichtung einer vierten Anstalt, und ohne Dazwischenknnft des Krieges wäre er längst zur Ausführung gelangt. Heute ist die Verwirklichung ungleich schwieriger. Trotzdem darf der Gedanke nicht eher zur Ruhe kommen, bis er zur Tat lvird, denn es gilt denen zu Helsen, die müde am Lebensz abend angelangt sind und nicht wissen, wo sie ihr Haupt hinlegen sollen. ### Berlin, 30. September. Der Neue jüdische Gemeindeverein zu Berlin hat am 13. Augllst an den Herrn Minister des Innern ein Gesuch gerichtet, dahingehend, den Kriegsteitlrehmern das Wahlrecht zu den jüdischen Gemeindewahlen dadurch zu erhalten, daß er der bisher in den Gemeinden geübten Praxis entgegen anordnet, daß eine Stllndnng der Stenern durch die Gemeinde möglich sei. Bisher lvnrde die dreijährige ununterbrochene Steuerleistnng verlangt. Wurde sie unterbrochen, so verloren die Steuerzahler ihr Wahlrecht. Da durch den Krieg unzählige Kriegsteilnehmer an der fortlaufenden Steuerentrichtung verhindert waren, auch zahlreiche wirtschaftliche Existenzen so niedergebrochen waren, daß die regelmäßige Steuerzahlung nicht erfolgte, bedeutet dies für alle davon Betroffenen den Verlust des Wahlrechts. Der Minister des Innern hat sich der in dein Gesuch des Neuen jüdischen Gemeindevereins vorgetragenen Anschauung angeschlossen. Durch den Herrn Polizeipräsidenten von Berlin ist dem Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee, die Mitteilung zugegangen, daß die Gemeindevorstände die Stundung der Beträge v o r n e h m e n können und daß alle diejenigen Zensiten der Jüdischen Gemeinde, denen die Beträge gestundet sind, denen gleichgeachtet sind, die während der letzten drei Jahre ihre Stenern regelmäßig. bezahlt haben. Sache der Vorstände der Jüdischen Gemeinde ist es nun, den Intentionen des Ministers. entsprechende Maßnahmen zu treffen. ft. M. Berlin, 30. September. Det Neue b r i t i s ch e Gesandte in Berlin, Sir H o r a c e Nu mb o ld, stammt Mterlicherseits von einer angesehenen jüdischen Familie Preußens. ah^Die Nachricht von Heiner Ernennung weckt altpreußische ErinnetQügen, die auf den ersten Edelmann und Freiherrn jüdischen Glaubens in Preußen Zurückgehen. Baron Ferdinand M o r i.tz L e vch^D e l - mar, geboren 1782 zu Eharlottenburg, hatte am 13. April IW von König Friedrich Wilhelm III. den preußischen Erbadel und. wenige Wochen später auch die freiherrliche Würde „in Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste" erhalten. Er war seit., 1832 vermählt mit Emily Rumbold, einer Tochter des englischen Staatsmannes George Rmnbold. Der neue Gesandte ist der Nesse, der Freifrau v. Delmar. Der erste und einzige Freiherr v. Delmar, Ferdinand, war ein Sohn des Charlottenburger Schutzjuden Moses S a l .o - m o n L e v h. ft. J. Posen, 28. September. Hier fand am 13. d. M. in der Synagoge der Brüdergemeinde die Einsegnung von sechs jungen Mädchen, statt. Mit dieser Feier, nahm Herr Dr. Steinthal, der 2 X' Jahre als Rabbiner und Leiter der Neligionsschule der Brüdergemeinde tätig war, Abschied von seiner Gemeinde. Er wies in begeisterten Worten auf die Wahrheiten der jüdischen Religion und die Treue der Baker zu dem angestammten Glauben hin und ermahnte zum Schluß, seine Schülerinnen, gleich diesen treu zu bleiben ihren Vorsätzen, treu der jüdischen Lehre, die den Vergleich mit anderen nicht zu scheuen brauche, und in ihren Wegen zu wandeln, auf daß dereinst sich ihre Ideale erfüllen mögen, daß Friede herrsche auf Erden, Eintracht unter den Menschen, Liebe und Gerechtigkeit unter den Völkern. Nachdem, die jungen Mädchen das Glaubensbekenntnis abgelegt und jedes einen selbstgewählten Spruch vorgctrag.cn hatte, schloß Herr Tr. Steinthal mit dein Priestersegen die erhebende Feier. — An dem darauf folgenden Sonntag fand.in der Religionsschule die Abschiedsfeier für Herrn Tr. Steinthal statt, an welcher außer den Schülern Vertreter der Gemeinde.sowie Freunde des Rabbiners teilnahmen. Nach einleitendem Chorgefang richtete Herr Justizrat Dr. Kämpfer im Namen der Gemeindekommission warme Worte des Dankes an den Scheidenden, der es verstanden hatte, in der kurzen Zeit seiner Po-fener Tätigkeit die Jugend für den Glauben urtb die Geschichte des Judentums zu begeistern. Darauf überbrachte eine Schülerin in Form eines sinnigen Gedichtes den Tank und die Wünsche der Schüler. Herr Lehrer S a n d er widmete im Namen der Neligionsschule dem Leiter warme Worte des Dankes für seine aufopfernde Tätigkeit und überreichte zur Erinnerung ein Bild des Posener Rathauses. Tief bewegt dankte Herr Dr. Steinthal für alle die Zeichen der Liebe und ermahnte die Kinder, weiter zu streben und in ihrem Eifer nicht zu erlahmen. Nach Absingen des Adon olam schloß die schöne -eindrucksvolle Feier, die allen Anwesenden dauernd in Erinnerung bleiben wird. MV. Posen, 28. September. Von den Zöglingen der Israelitischen! Waisenknabenanstalt ist, wie wir dem Jahresbericht entnehmen, einer, der zum Militärdienst eingezvgen wurde, im Laufe des Jahres ausgeschieden. Dafür wurden vier Knaben neu ausgenommen. Am Schlüsse des Jahres zählte die Anstalt 22 Zöglinge, von denen 18 die Schule besuchen und vier in der Berufsausbildung stehen. 21 erhielten im Hause volle Verpflegung. Der Gesundheitszustand war auch im abgelaufenen Jahre ein guter. In den Sommerferien wurde wieder der größte ioii bn Knaben beurlaubt; t-eils wurden sie zu Verwandten aufs Land geschickt, teils hatten sie in Erholungsstätten Ausnahme gesundcn, so drei Knaben int Kurhofpital in Kolberg. Alle kehrten körperlich gestärkt und geistig erfrischt zurück. Gegen Schluß des Jahres hat die Direktion durch den Tod des Herrn Geheimen Justizrats I. Holzmann ein eifriges und erfolgreiches Mitglied verloren. Aus der Reihe der ehemaligen Zöglinge fielen im vergangenen Jahre im Felde drei zu den schönsten Hoffnungen berechtigende Jünglinge. Damit ist die Zahl der ehemaligen Zöglinge, welche im Kampfe für das Vaterland gefallen sind, auf zehn gestiegen. Die Einnahmen waren: Schenkungen und Vermächtnisse 24 070,56 Mark, Beiträg.'! 3181,50 Mark, Spenden und Sammelbüchsen 8213,14 Mark, Schenkungen und letztwillige Verfügungen 12 300 Mark, mit sonstigen Einnahmen -im ganzen 48 256.20 Mark. Die Mnndverpflegung betrug 17 697,05 Mark, Bekleidung und Wäsche 880,50 Mark, Krankenpflege und Krankenversicherung

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