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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-03 · Heft 40 (3.10.1919) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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456 Laß ein Wunder neu geschehen, Daß die Welt den Kampf vergißt; Laß wie Spreu im Sturm verwehen Vorurteil und Streit und List. Liegt's jedoch in deinem Willen, Daß nicht enden soll der Streit, Mag es sich an uns erfüllen: Judas Kraft wächst mit dem Leid. Ohne Zittern, ohne Zagen Wollen wir den Kampf bestehn Und in trotz'gem, kühnem Wagen Jedem Feind ins Auge sehn. Wie in tiefster Not der Ahnen Du für sie geführt den Krieg, Segne, Gott, auch unsere Fahnen; __ Gib dem Menschenrecht den Sieg. Herr des Friedens, ruf aus Erden Deinen Tag der Sühnung aus. Laß versöhnt die Völker werden Und versöhne jedes Haus. G c l s e n k i r ch c n. S. K a tz, I8uhr. llerbarmer, betend knien wir nieder: Heiliger, verwirf die Sünder nicht: Vater, deine Kinder kehren wieder, Geh nicht mit uns in dein Strafgericht. . Rein vor dir, wo gibt es eine Tugend? Wo ein Herz, das nie die Treue bricht? Leicht betört, vergißt dich oft die Jugend, Und der Greis noch Hafts begriffen nicht. Hier Gelegenheit, dort süße Worte, Den Verführer in der eignen Brust — Kämpft der Mensch, so schwach: des Todes Pforte Oeffnet schmeichelnd ihm die böse Lust. Ach, es winkt in mancherlei Gestalten, Lockend winkt Versuchung hier und dort, Und gleich wie mit feindlichen Gewalten Ziehfts zur Tiefe oft den Menschen fort. Wachen - Beten sind die einigen Waffen, Daß wir ohne Reu durchs Leben gehn. Daß wir unsre Seligkeit uns schaffen Und im schweren Kamps als Sieger steh'n. Aber sicher wähnt sich auf der Höhe, Wer im Herzen fromme Unschuld trägt. Und indem er wähnet, daß er stehe, Fällt er tief — die dunkle Stunde schlägt. Eine offne Grube ist die Sünde, Ihre Freuden werden Angst und Not, Gift ist ihr Genuß: es fällt die Binde: ^Vor^den Augen steht der ew'ge Tod. Dennoch siegt das sündige Verlangen, Und der Richter schweigt: ums schwache Herz Winden leise sich der Sünde Schlangen, Und die Lust gebiert den langen Schmerz. Und ob Herz und Welt uns nicht verklagen, Sind vor dir, o Heiliger, wir rein? Können wir aus Herzensgrund wohl fragen: Wer kann einer Sünde nur mich zeihn? Ach, uns alle hält noch Wahn umfangen, Und wir alle haben oft gefehlt: Und wie manche Sünde ward begangen. Die das stolze Herz sich selbst verhchlt! Darum, Allerbarmer, knien wir nieder. Heiliger, verwirf die Sünder nicht: Vater, deine Kinder kehren wieder. Geh nicht mit uns in dein Strafgericht. Ewiger, erbarme dich aufs neue. Laß uns freudig deinem Throne nahn: Unsre Tränen, unsre tiefe Reue Nimm als Kindesopfer gnädig an. Hilf uns selbst das ew'ge Heil erwerben. Stärke uns durch deinen Geist im Streit, Und laß uns einst voll der Tugend sterben: Unser Teil ist jene Seligkeit. E. B. Litkrsrilmk Kilttilungm. — W i r h e i ß e n! f r o m m fein! Festvortrag über das Wesen des Bne-Brith-Hrdens, gehalten vom Rechtsanwalt Dr. Gumbel (Hei-lbronn). Verlag der Herder-Loge. Die Herder-Loge tat gut daran, daß sie diese feinsinnige und glanzvolle Meisterleistung nicht der flüchtigen Stunde geopfert hat, sondern i durch den Druck festhielt. Ohne aufdringliche Beredsamkeit wird in geistreicher Auslegung des Goetheschen „Erlkönigs" das Wesen der Frömmigkeit analysiert. Nicht nur Verstandes-, sondern auch Willens¬ und Gemütskraft gehören zur Gesundheit der Seele, deren Leben in der Religion ihre feinste Blüte und edelste Frucht zeitigt. Das ist nach unserem Redner das Wesen des Ordens, daß sich Männer hier zusammenfinden, die sich nicht aufblähen mit ihrem Wissen, sondern die eine heilige Scheu empfinden vor dem Unerforschlichen. Zum Wesen des Bne-Brith-Ordens gehört vor allem tiefinnerlich gläubiges Judentum. Möchte dies kraftvolle Bekenntnis allerorten Nachhall finden. B. * — Binjamin Segel: „Am Tage des Gerichtes". Berlin, Nibelungen-Dertag. 1918. Man wird diese kleine Erzählung nicht ohne das Gefühl tiefer Rührung aus der Hand legen können. Schildert sie doch die Wirkung des Versöhnungstages aus einen Mann, der schon vor Monaten ein Unrecht an einem Mitmenschen begangen hatte, das er nun unter dem innerlichen Druck, den die Gebete unseres heiligsten Festtages auf ihn ausüben, wieder gutzumachen sucht. Gewiß, der Faden der Erzählung ist schlicht und einfach, aber mit um so größerer Gewalt sprechen die unvergleichlichen Gebete zu uns, durch die die Umstiunuuug in der Seele des Helden vollzogen wird. Wenn irgendwo jemand in der Treue zum Glauben der Väter zu wanken beginnt, dann gebe man ihm dieses Büchlein in die Hand; er wird aus ihm erkennen, mit welcher Reinheit der Gedanke der Versöhnung ohne Mittelsperson in der jüdischen Lehre ausgeprägt ist, nur durch die Kraft des Gebetes, des zu sich selbst zurückkehrenden Menschen. Vor allem aber gebe man dieses Buch der Heranwachsenden Jugend. D r. Willy E v h n. Sprrchlasl. In unseren „Mitteilungen" Nr. 90 vorn IM 1919 ist im Aufsatz „Zeitgemäße Verbesserung der Gemeindestatuten" zu 4 vorgeschlagen: Ter Rabbiner, und in denjenigen Gemeinden, wo ein solcher nicht vorhanden ist, der Prediger oder Lehrer, ist ohne weiteres Mitglied des Gemeindevorstandes. Sind mehrere Rabbiner oder Lehrer vorhanden, so gehört der Ranghöchste oder Dienstälteste dem Vor stände an. Dieser Vorschlag mag für eine künftige Gesetzgebung beachtenswert sein. Nach dem geltenden Recht, insbesondere nach 8 41 des Gesetzes vom 23. Juli 1847, ist er jedoch, wie wir zur Vermeidung von Mißverständnissen ausdrücklich bemerken, nicht zulässig, da sämtliche Mitglieder des Vorstandes zu wählen sind und es geborene Mitglieder des Vorstandes nicht gibt. Wir bitten unsere Bundesgenossen, hiervon Kenntnis zu nehmen. Berlin, den 24. Septemiber 1919. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeinde b und es.

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