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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-03 · Heft 40 (3.10.1919) · p. Seite 448

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 448 (sequence 4)
Language
German
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*-448 um Gewalttätigkeiten hintanzuhalten. Die Versammlung selbst sowie ein sich daran anschließender Demonstrationszug verliefen vollkommen vrchig. O Pogrome irr Ungarn. Wien, 19. September. Die Blätter melden aus -Steinamanger: Am 19. September kam es in Tapolcza und Diszel zu Ausschreitungen gegen die Juden. In Tapolcza nnurben drei Personen getötet und 30 schwer verwundet sowie 80 Geschäfte ausgeplündert. Der amtlich fest-gestellte Schaden .beläuft sich auf 40 Millionen Kronen. In Diszek wurden sämtliche Juden ermordet sowie auch zwei Lehrer, die für Juden gehalten wurden. Es folgten organisierte Plünderungen. Das zur Aufrechterhaltung der Ordnung nach Diszel -befohlene Militär nahm an den Ausschreitungen teil. Bisher wurden 92 Personen verhaftet, darunter auch die beiden Kommandanten des dortigen Detachements. Die jüdische Bevölkerung wurde aus das grausamste massakriert. Ein 14jähriges Mädchen wurde vergewaltigt. Zwei Mädchen stürzten sich, um der SclKndung zu entgehen, in einen Brunnen. * Dem „Berliner Tageblatt" «vom 24. September entnehmen wir folgende Meldung: Pogrome in Lodz. G c a e n I u d e n iv n -d Deut s ch e. — 38 0 0 0 d c u t s ch e A r b eiter brotlos. Täglich melden sich auf der Geschäftsstelle des Fürsorgevereins für deutsche Rückwanderer in Berlin deutsche Arbeiter aus Lodz und berichten, daß die Polen alle Deutschen herauswerfen, sie sollten „nach Berlin gehen". Juden und Deutsche werden in gleicher Wege verfolgt, um Donnerstag, dem 18. i>. M., soll es in den Straßen von Lodz zu regelrechten Pogromen gegen Juden und Deutsche gekommen sein. Man riß Juden ans den Eisenbahnzügen heraus und schnitt ihnen die Bürte ab, wobei man zugleich Hautstücke mit abriß. Ein Augenzeuge sah, wie man die armen Opfer auch durch Stiche in den Kopf mit Taschenmessern ermordete. Kein Deutscher findet mehr Arbeit in Lodz, 38 000 deutsche Arbeiter sind brotlos. Die Deutschen dürfen sich nicht mehr aufs Land wagen, um etwas einzukaufen; schon viele sind von den polnischen Bauern totgeschlagen worden. Als Grund für diese Vorkommnisse wird die Wut der Polen über die Pariser Verhandlungen bezüglich des Schlitzes der Minderheiten in Polen angegeben. Die Flucht deutscher Arbeiter aus Lodz lrach dem schon so überfüllten Berlin hat so zugenommen, daß wöchentlich zwei Transportzüge von Posen über Ben tischen nach Berlin gehen, die fast nur von solchen Flüchtlingen ungefüllt sind. * Pogrom in Wolhynien. Der „Moment" veröffentlicht einen Bericht aus Korez über einen Pogrom, der in SwihiLsZwilka) bei Rowgorod-Wolynsk stattgefunden und zehn Tage lang gedauert hat. Die am Abrutsch liegende Stadt lag int Gebiet der Kriegshandlungen. In ihr stand eine bedeutende bolschewistische Armee. Am 20. August verbreitete sich das Gerücht, daß die Pulen auf denr Anmarsch, begriffen sind. Die Bolschewik! begannen sich nun aus das andere Ufer des Flusses zurückznziehen. Die Räumung ging ruhig vor sich und niemandenl von der Zivilbevölke- 'rung wurde etwas getan. Nachdem die Armee auf die andere Seite 1 des Flusses übergegangeu .war, begannen einzelne Gruppen von Soldaten auf Kähnen zurückzufahren und sich aus die Bevölkerung zu werfen. Diese lvar ohne Schutz, und dieser Umstand wurde von den ausgehungerten und verwilderten Banden bolschewistischer Marodeure nusgenutzt, die sich zusammen mit dem örklickten christlichen Gesindel auf die jüdische Bevölkerung warfen. In den ersten Tagen begnügten sie sich mit Räubereien und vergossen kein Bllit. Sie gingen von Hans zu Haus und nahmen alles mit sich, was sie fanden, beispielsweise Kissen und Bettdecken, Küchengeschirr, Wäsche, Kleidung usw., so daß nach dem Besuch der Banden die Häuser leer waren. Auf das Rauben allein beschränkten sie sich aber nicht. Am 25. August begannen sie bereits, die Juden zu morden. Jeden Tag wurden die Verfolgungen innner größer. Die Juden von Zwilka, die vor Schreck den Kopf verloren hatten, verbargen sich in den Kellern und auf den Böden. Aber die verwilderten und blutdürstigen Uebeltäter fanden sie auch dort 'und nwrdet-en sie erbarmungslos hin. Am 28. August endlich näherten sich die Polen der Stadt. Nun zündeten die Banden von der Roten Armee die Stadt an allen Ecken an, und im Verlauf einiger Stunden blieb von ihr nur ein Haufen Asche übrig. Nach Aeu Her ungen der Einwohner von Zwilka, die in dem in der Nähe liegenden. Städtchen Korez angekommen sind, sind bei dem Pogrom in der Stadt mehr als tausend Inden umgekommen. Die 25 000 Einwohner der Stadt haben sich auf die unrliegenden Städte zerstreut. Der größte Teil von ihnen, 15 000, sind nach Korez gezogen. Dort wurde ihnen die erste Hilfe geleistet, und die zahllosen Verwundeten fanden hier Pflege. Morgenthaus Zuversicht. Vor seiner Abreise aus Polen hatte Botschafter Morgen thau in Warschau eine längere Unterhaltung mit dem Reichstagsabgeordneben Rabbiner Halpern, der zu diesem Zwecke von Lodz herbeigerufen wurde. Botschafter Movgienchau legte ihm die Gründe dar, derentwegen er noch vor seiner Abreise mit ihm eine Konferenz haben wollte, und machte ihn mit. dem Plane seiner weiteren Tätigkeit in der polnischen Frage bekannt. Abgeordneter Halpern bemerkte hierauf, daß es sehr wichtig wäre, wenn Morgenthau vor seiner Abreise seinen großen Einfluß ausüben würde, daß zukünftig Ausschreitungen gegen die Juden unmöglich seien. Seit der Ankunft Morgenthaus hätten sich die Ausschreitungen bedeutend vermindert, hätten aber nicht aufgehört, besonders in beit Grenzgebieten und in der Nähe der Front. Hieraus erklärte Morgenthau, daß mit seiner Abreise seine Tätige feit und sein Wirken nicht aushöre. Er werde weiter mit den offiziellen Organisationen des polnischen Staates in Verbindung stehen und weiter dahin wirken, daß die offiziellen Beziehungen zu den Juden sich bessern. Die Regierung werde in den nächsten Tagen eine Erklärung über ihr Verhältnis zu den Juden abgeben. Dies werde hoffentlich bessere Beziehungen zwischen beiden Teilen der Bevölkerung schaffen. Im allgemeinen gab Morgenthau in seinem Gespräch der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Lage der Juden in Polen sich künftig besser gestalten werde. *- Memorandum der rumänischen Juden. Das Komitee zum Schutz der Juden in Rumänien hat kürzlich der Friedenskonferenz folgendes Bäernorandum über die rumänische Judenfrage vorgelegt. Rumänien hat immer Mittel gesunden, um der Erteilung politischer und bürgerlicher Rechte an die Juden auszuweichen. Dieser Staat hat die jüdische Bevölkerung systematisch von dem Zutritt zu der ihnen logisch und natürlicherweise zustehenden Einbürgerung ferngehalten. Diese Politik der Täuschung (tromperie), die die rumänische Oligarchie hartnäckig verfolgt 'hat, ist es, die alle Vorurteile, alles Mißtrauen rechtfertigt. Und aus diesem Grunde verlangt das Komitee, daß die Friedenskonferenz in den Friedensvertrag die keiner Zweideutigkeit und keiner böswilligen Interpretation seitens der rumänischen regierenden Persönlichkeiten unterliegende Verpflichtung förmlich aufnimmt, das Problem der Juden in Rumänien zu einer endgültigen Lösung zu bringen. Die Ueberwachung durch den Völkerbund soll eine Garantie für die ehrliche und vollständige Ausführung dieser Verpflichtung sein. Das Komitee für den Schutz der Juden in Rumänien hat vorgeschlagen, folgenden Entwurf in den Vertrag aufzunehmen: 1. Es werden zu Recht und en bloc als rumänische Bürger erkärt, und ohne jede Verpflichtung zu irgendwelchen Förmlichkeiten oder zur Beibringung von Beweisen: alle Juden, Männer mW Frauen, die auf rumänischem Territorium geboren sind oder dasselbe bewohnen, ausgenommen diejenigen, die am 14. bis 26. August 1916 in den Registern oer ausländischen Konsulate eingetragen waren. Das gleiche Recht steht denjenigen Juden zu, die nach diesem Datum der fremden Reichsangehörigkeit entsagt haben. Die Erbringung des Gegenbeweises obliegt der rumänischen Regierung. Ebenfalls werden alle Juden zu rumänischen Bürgern erklärt, die aus denjenigen Ländern stammen, von denen Rumänien Teile

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