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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-09-24 · Heft 39 (24.9.1919) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 39 (24.9.1919)
Date
1919-09-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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fcfyccffoittü Nr. 1309. „Für die jüdische Lehrerhilfskasse". Wir hoffen auf eine allseitige reichliche Beteiligung. Der Hilf Sausschutz des Lehrerverbandes: Waisenhausdirektor Peritz (Königsberg Pr.), Lehrer und Kantor I. B. Levy (Frauksurt a. M.), Hauptlehrer Preschurger (Creglingen), Prediger Falkeuberg (Landeshut). Hanptlehrer Waldbott (Speyer). Kantor und Lehrer Bellak (Zittau), Oberkantor Zivi (Elberfeld), Vertreter des Kantorenverbandes. 6t'. Bromberg, 19. September. Das erfolgreiche Wirken des Pvfeuer I üdi scheu Bolksrates, dem sich jetzt sämtliche Gemeinden der Pro. vinz Posen angeschlossen haben, hat weite jüdische Kreise des NetzedistriktZ und Westpreußens, Gebiete, die bekanntlich unter dem Namen Pomerellen nach dem Friedeilsvertrag an Polen fallen werden, veranlaßt, der Frage der Begründung jüdischer Volksräte für dieses Gebiet ebenfalls näher zu treten. Es hat eine Reihe voll Konferenzen stattgefunden, und das Ergebnis lvnr die Einsetzung provisorischer Bolktzräte, die in Verbindung mit dem Jüdischen Volksrat in Posen im gegebenen Augenblick ähnliche Arbeiten zu leisten berufen seill werden wie der Posener Volksrat. Ein Komitee, bestehend aus den Herren Sanitätsrat Eohn (Bromberg), Rechtsanwalt Mi che l so u (Bromberg) und Kaufmann R u p p i n (Bromberg), hat es übernornmen, die Vorarbeiten zu leisten. Zunächst ist eine eingehende informatorische Tätigkeit über die Arbeit in Posen, insbesondere aus organisatorischem, politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet, ill Aussicht genommen. Es steht zu erwarten, daß diese Voltsräte. tute es auch in der Provinz Posen der Fall ist, die Berteunng aller jüdischen Interessen übernehmen. Es ist dies um so nötiger, als gerade im Netzedistrikt und in Westpreußen eine starke jüdischpolitische Tätigkeit nötig sein wird, damit den Juden, besonders in den kleinen Gemeinden, der llötige Schutz und Rückhalt gewährt wird. Ter Provisor tfcfie Volks rat wird seine Arbeiten mit einem Vortrag des Vorsitzenden des Posener Jüdischen Bolksrates, Rechtsanwalt Dr. K o l l e n j ch c r , deinnächst aufnehmen. 2/D Hamburg, 19. September. Am 14. d. M. beging Herr S. P locki. der frühere Leiter des hiesigen Jüdischen Knaben-Waisenillstitllts, in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Zahlreiche Blumenspenden und Geschenke sowie Deputationen vieler Wohltätigteitsvereine sagten dem Jubilar Dank und Anerkennung für seine eifrige und erfolgreiche Tätigkeit zum Wohle der Allgemeinheit. Mit den vielen Verehrern und Freunden des Gefeierten vereinigen wir uns in dem herzlichen Wunsch, daß dem Jubilar noch viele gesunde Lebensjahre beschieden sein nwgen. Id Detmold, 19. September. Am 4. September feierte der Vorsteher unserer jüdischen Gemeinde, Herr Samuel Neu garten, in törperlicher und geistiger Frische seinen siebzigjährigen Geburtstag, umgeben von seiner engeren und weiteren Familie und nnt.r Anteilnahme der gesamten Bevölkerung unseres Ortes, so daß die Familienzu einer Volksfeier auswuchs. Es war herzerquickend zu sehen, wie Kreise aller Konfessionen in vorbildlicher Eintracht sich zusammenfanden, um den greisen Jubilar zu feiern — ein in dieser an Verhetzungen gegen uns Juden so reichen Zeit erfreuliches Bild. Sv hatte sich denn der Gesangverein Hansa mit dem Vorstand an der Spitze eingefunden, um ihren Mitbegründer und ihr Vorstandsmitglied durch ein Ständchen, Ansprachen, Ueberreichung eines Ehrendiploms nsw. zu ehren. Insbesondere muß hervorgehoben werden, das; der Kriegerverein, dessen Vorstand der Jubilar seit 40 Jahren ist. zu Ehren des Vorstandes am 7. September ein Kriegerfest veranstaltete. Zu demselben waren auch die katholischen und evangelischen Geistlichen, auch der Vertreter des Kreiskriegerverbandes, Herr Major Walt e r, und noch andere Persönlichkeiten erschienen. Nachdem Herr Major Walter in kurzen, markigen Worten. Herrn Neugartet! seine Anerkennung als den besten, kameradschaftlichsten, rührigsten und interessiertesten Kameraden ausdrückte, nahm der katholische Pfarrer, Herr Thiele, als Festredner das Wort. Er pries den Gefeierten als einen großen Wohltäter aller Konfessionen, als einen prächtigen Mitbürger, als den tdeu seiner jüdischen Religion anhängenden, aufrichtigen Mann und nicht zuletzt als den tüchtigen Vorsitzenden des Kriegervereins und schloß mit Di'm Wunsche ans ein Wachsen, Blühen und Gedeihen des Vereins, in der Hoffnung, daß er noch lange den alten, bewährten und rüstigen Vorsitzenden haben möge. — Frankfurt a. M., 19. September. Die hier erscheinende „Fackel" schreibt: Die Vorgänge am Schiller-Denkmal anläßlich der Rede des Schriftstellers Karl Waßmann gegen die unheimlich zunehmende antisemitische' Bewegung gaben doch sehr zum Denken Anlaß. Wie die Arbeitermassen durch eine rührige Minderheit, welche dem Kapital den Krieg bis -astifs. Messer erklärt hat, von Tag zu Tag wilder aufgepeitscht werden,werden^die Leute des Mittelstandes und dcr kleinen 'Beamtenkreise^gegen'''die Juden gehetzt, obgleich dieselben nicht mehr und nicht weniger^ gestohlen, gewuchert und betrogen haben wie die Staatsbürger anderen Glaubens. Diese unumstößliche Wahrheit wurde schon tausende Male verkündet uno sogar von Leuten gepredigt, die keineswegs philosemitisch angehaucht sind. Mit an diesem unleugbaren Zunehmen der antisemitischen Stimmung auch in unserer sonst so toleranten Stadt ist die Gerecht tigkeitspflege schuld. Hütte sie die Wucherer,'Schieber und Schleichhauowr aber Konfessionen weniger mit Glacehandschuhenängefaßt und der ganz berechtigten Volksstimyrung -durch schwere Freiheitsanstatt lächerlich geringer Geldstrafen mehr Rechnung getragen, so wären alle Kreise der Bevölkerung zufrieden gewesen und eine Stimmung gegen die Juden würde nicht ausgekommen sein. Ohne die Verfehlungen der Juden auch nur im geringsten beschönigen zu wollen, möchte ich aber doch darauf Hinweisen, daß gerade Hi2v in Frankfurt, lvie die in den Zeitungen veröffentlichten SanMeMsten aufweisen, die Juden während des Krieges in wahrhaft vorbildlicher Weise wohltätig gewesen sind. Sie haben Millionen gegeben. Und diese Geber waren nicht etwa jüdische Kriegsgewinnler, sondern in der Hauptsache jüdische Mitbürger, die am Kriege gar nichts verdienten. Die jüdischen Kriegsgewinnler gaben so wenig wie bte christlichen. Das ist halt die Eigentümlichkeit solcher Leute. Seien wir doch gerecht und bürden wir unseren politischen, militärischen und finanziellen Zusammenbruch nicht allein den Juden aust Wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes. Wenn sich'Der Haß gegen die Juden hier in Frankfurt verdichtete, so ist — das soll auch nicht verschwiegen werden - der Umstand mit daran schuld, daß die israelitischen Kriegsgewinnler und ihre Familien ihren Reichtum zu heftig zur Schau trugen und noch tragen, ostentativ in den vornehmsten Restaurants und den feinsten Kaffeehäusern sitzen und mit brillantenüberladenen Fingern die Speisen mit dem Messer zum Munde führen. Die christlichen reich gewordenen Wucherer waren schlauer und blieben mehr im Hintergründe. Sie wollten den Leuten die Mäuler nicht aufreißen. So absurd das Suchen nach dem Schuldigen des Weltkrieges, so aussichtslos ist das Suchen nach den: Schuldigen unseres Zusammenbruchs. Wie an dem ersteren fast alle beteiligten Völker die Schuld tragen, so tragen an dem letzteren so ziemlich alle Deutschen die Schuld. Jeder, der sich ein Pfund Butter hintenherum besorgte, hat an der Gesamtheit, hat am Siege gefrevelt. Wollen wir uns doch alle dies gefälligst vor Augen halten. Jude und Christ. Christ und Jude. Löhmrn. 2-2 Prag, 18. September. In den letzten Tagen hat unsere Gemeinde zwei schwere Verluste erlitten. Vor kurzem starb der bekannte Großindustrielle Dr. Isidor Petschek, Präsident des Verwaltungsrates der Brüxer Kohlengesellschast und Mitglied der Kultusgemeinde- Repräsentanz. Tann folgte ihm nach der Großindustrielle Max Ritter von K a h l e r , Präsident der Börsenkammer, Präsident des Verwaltungsrates der Böhmischen Unionbank, Rittergutsbesitzer und Mitglied der Kultusgemeinde-Repräsentanz. Beiden bewährten Stützen der jüdischen Gemeinde rühmte der Rabbiner Prof. Dr. Schwarz nach, daß sie mit den Gaben ihres scharfen Geistes und mit den Vorzügen ihres starken Willens zur Verherrlichung des jüdischen Namens beigetragen haben, und daß sie sich der Pflichten des Besitzes immer und insbesondere in unserer harten Zeit bewußt waren. Möge es uns nie an Männern fehlen, die mit ihrer Charaktertüchtigkeit und Lebensweisheit auch unseren Gegnern Achtung abzuringen imstande sind! Den hochangesehenen trauernden Familien wendet sich die all-, gemeine Teilnahme zu. In den reichen Stiftungen und fürstlichen Spenden der Hinterbliebenen werden die Namen der Heimgegangenen ewig fortleben. Ihr Andenken sei gesegnet! Lkutsch-Lestei reich. z. Wien, 18. September. Tie österreichische Regierung verordneke durch eine öffentliche Kundgebung, daß die 130 000 Kriegsflüchtlinge (meistenteils Juden aus den Ostprovi-nzen der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie) bis zum 20. September Deutsch- Oesterreich verlassen müssen. Diejenigen Flüchtlinge, die diesen

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