Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1919)
- Date
- 1919-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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63. Jahrgang. Nr. 39. Berlin, 34. September 101$ Xtilagr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentum-". HorrkspondmHkU und Ilachrichtrn. jSrutkchlanll. £. M. Berlin, 22. September. Der seit mehr als 25 Jahren bestehende „I s r n e.l-.i t i s ch e. V o l k s k i n d e r g a r t e n und Kinderhort" hat dank der opferwilligen Hilfe, seiner Mitglieder trotz der wesentlichen Erhöhung aller Ausgaben die schweren Kriegslahre hindurch seine Tätigkeit uneingeschränkt fortführen können. Der Verein unterhält im Zentrum des Berliner jüdischen Viertels eine Tagesheimstätte für 150 jüdische Kinder im. Alter von 3 bis 14 Jahren. 45 Kinder sind in den beiden Kindergärten, 105 Zöglinge in den drei bestehenden Hartabteilungen untergebracht. Die Leitung der Abteilung liegt in den Händen von vier Fachkräften, denen ehrenamtliche Hilfskräfte zur Seite stehen. .Der Unterricht in den Hortklassen umfaßt die üblichen Lehr- und Unterhaltungsgegenstänee. Da der gut bewährte Kochunterricht während der Kr:egsze:t ausfaUen mugte, beschäftigten sich die Kinder mit verschiedenen häuslichen Arbeiten. Die kleineren wuschen und bügelten ihre Puppenwasche, die größeren Knaben und Mädchen halfen in der Küche Kartoffel schalen, Gemüse putzen, Abwaschen und Abtrocrnen. Regelmäßige Waloausslüge und große Wanderungen an schulfreien Tagen ' uno m den großen Ferien dienten der körperlichen Kräftigung der .Zöglinge. Das Abendheim füb ehemalige Zöglinge wuroe auch im letzten Jahre fortgesührt. Mehrmals veranstaltete Elternabende verliefen sehr harmonisch, wozu die Abendheimtinder durch musikalische Ausführungen beitrugen. Die Hortbibliothek wurde von den Kindern fleißig benutzt; sie enthält jetzt 303 Bande, von Bilderbüchern bis zu den lehrreichen großen Werken. Jedes Kind holte sich einmal wöchentlich ein Buch, außerdem fanden gemeinsame Lesestiinden statt. Die Hortsparkasse der Kinder vergrößert sich dauernd, fast jedes Kind hat sein eigenes Sparkassenbuch. Eine eigene Hauskapelle besteht aus fünf- und ftchsJuhrlgen Kindern. Ehanuta und Purim wurden mit desonderen Veranstaltungen festlich begangen. An den Mittagsspeisungen nahmen 115 Kinoer teil, von denen 65 die Gebühr von 0,15 Mark entrichteten; an der Abendmahlzeit, die 0,05 Mart kostet, nahmen alle Kinder teil. Die erfreuliche Entwicklung der Anstalt stellt der Veretnsleitung das Zeugnis aus, daß sie mooerne Jugendpflege zu leisten versteht. LLL Berlin, 22. September. Der Verein Kneseth Israel hat für seme Dalmud-Dyora-Schute ein eigenes Grundstuct in der Linienstraße 19 ermorden. Das starke Anwachsen der Schülerzahl in den letzten Jahren zwang den Verein fortgesetzt zur Vergrößerung seiner Räume. Hierzu tommt die große Zahl oftMdischer Flüchtlinge, die ihre Kinder größtenteils der Dalmud-Dhora-Schule anvertrauen, so d-atz das bisherige Schullokal den gesteigerten Ansprüchen bei weitem nicht mehr entsprach. In.dem neuen Herme wird außer den Talmud- Dhora-Klassen auch ein Bethamidväsch, ein Bibliothek- und Lesesaal und ein hebräischer Kindergärten eingerichtet werden. Der Verein . -Ho-fftabereitsM. Ltn-igen:^Mocyen^das" -neue' Haus seiner Bestimmung -Mrgeben: zu können-.. -'' :• 22.September. In W i l n a hat die Be- . .Hörde.Mp- Ehrung..jüdischer Gelehrter -die Straßennamen E l i j a h - Gcho n^ Ztra ße / S^rafchunstraße usw. .eingeführt. Hierbei erinnert man sich vielleicht; daß bald nach Ausbruch , des -tWoltkrieges:i: >ie:- Munizipalverwaltung in P a r i s die R -u e M e-y e r bee xweil . sie den. Namen - eines d e u t sch jüdischen Komponisten. trug, in irgendeinen anderenöbsturen Straßennamen umtaufen ließ; an dem Namen der R u e H a l e vy (die so nach dem Flamen des Komponisten der „Jüdin" Heißt) hat man sich eben- . sowenig . vergriffen wie an der . Ru e Rot hj ch i ld (obwohl die Mo-t-h1'ch.i.l-ds'-doch:.äüch'--:'eigerrtliich-Deu tf ch ju de n sind). Eine B le ich rö d e r str aße gibt es in dem Vorort Pankow bei Berlin;! -ebenso - HM dieser Ort die nach dem Men de l 4t änken - h'a-u s e' (das seinen Namen' nach dem berühmten jüdischen Profefsor Me tt d e l trägt) hittfützreude'schöne Gartenstväße Alen d4 l str a ß e ^-Jw-B-e-rPr'tt^felvst-'tz'M es-außer-' der Meyer be e r - st r a ß e auch eine M sn de l s s o h n st r a ß e. Rodende rgsttaß e usw. b-K ö-N'i g sberg r:; Pr. hat 'Nach dem jüdischen Professor W. Simon einen schönen Schmuckplatz Wrr l t e r - Sim o n -P l atz benannt, und eine, andere Universitätsstadt, das in der B u k o w i n a belegene Ezernowitz, besitzt . einen T he.o d.o r-H er z l - Platz. # Berlin, 22. September. Privatdozent Tr. Eugen T ä u b l e r, der das Gesamtarchiv der deutschen Juden seit seiner Begründung leitet, ist von seinem Amte zurückgetreten. Dr.Tä,übler, der als vorzüglicher Historiker gilt, machte 1906 nach einer'Dienstzeir am Geheimen Staatsarchiv in Berlin das archivalische Staatsera men und übernahm dann die Leitung des Gesamtarchivs der deutschen Juden, wurde 1910 an die Lehranstalt für dieWi Mn schüft des Judentums für das Fach der jüdisch-hellenischen Geschichte und Literaturgeschichte berufen, an der er 1912 den LudwigePhitippson- Lehrstuhl für jüdische Geschichte übernahm. Im Jahre 1913 habilitierte. er sich, unter Ausgabe dieses Lehrstuhls, an der. Berliner llniversitnt für das Fach der alten Geschichte. Außer Abhandlungen aus'dem Gebiete der alten Geschichte, die in Zeitschriften erschienen, gab er fünf Bünde der „Mitteilungen des Gefalntarchivs 'der deutschen Juden" heraus, und (1913) das Bull) „Imperium Komaniim“, Studien zur Entwicklungsgesllsichte des römischen Reichs. Bon dem jungen Gelehrten dürfen auf seinem Spezialgebiete, der Geschichte des klassischen Altertums, wertvolle Beitrüge zur Geschichte des Judentums erwartet werden. 2L Königsberg i. Pe., 19. September. Der Hilfsa u s s ch u ß d e s Lehr er Verbandes berichtet über die UnterstützungStarigkeit in den Verwaltungsfahren 1017/13 und 1918/19. 1. Kassenbericht pro 19 l 7/18. Einnahmen: 1. Saldo 1. April. 191/ 3^>3t»l,^u, Beiträge 3 oio,9l, 3. Zinsen 984,35 Mart; Ausgaben: 1. Unterstützungen 10 357, 2. BerwaltungStosteu 953,2^, 3. Bestand 31. Marz 1918 30 645,53 Niark. Im Berichtsjahre wurden an 46 Parteien Unterstützungen ausgegeben, und zwar 12 einmaltge in Betragen von 100 bis 2o0 Ntarr und 36 lausenoe rn Monatsveiträgen von 15 bis 40 Mark. In zwei Fällen wurden lausend Unterstützt auch mit einmaligen Beihltfen bedacht. Int 'ganzen erhielten: 11 Parteien 1 bis 100 Alark, 14. Parteien 100 vls 200 Mark, 8 Parteien 200 bis 300 Mark, 9 Parteien 300 bis 400 Mark, 4 Parteien 400 bis 500 Adark. 11. Kassenbericht pro 1918 /19. E t n n a h m e n : 1. Ueöertrag 36 645,53, 2. Beiträge: Gemeinden 5106, Vereine 2480, Lehrer 4973,10, einzelne Personen 24 606,55, 3. Zinsen 1453,65 Mark; Au s g a ven . 1. Unterstützungen 27 345, 2. Brullsachen und Porti 7705,12, 3. Sonstige Verwaltung 751,91, 4. Bestand 31. Marz 1919 39 442,80 Mark. In diesem Verwattungsjahre wurden an 103 Parteien Unterstützungen verabfolgt, und zwar 72 einmaltge m Beträgen von. 100 bis 500 Älkark. 37 laufende rn. Monatsraten von 15 bis 40 Mark. Einige Unterstützte erhielten einmalige größere -und laufende Beihilfen. Die cinmaligen Unterstützungen betrugen: in 3 Fällen 1 bis 100 Mark, in 19 Fallen 100 bis 200 Mark, in 49 Fällen 200 bis 300 Mark, in 1 Fall 500 Alark. Jnsgefamt. erhielten 7 Parteien 1 bis .1.(10..Akark, 7 Parteien 100.bis 200 Mack, 11 Parteien 200 bis 300 Plart, 10 Parteien 300 bis .400 Plark, 2, Parteien 400 bis . 500 Mart. Die Gehalter der unterstützten Beamten betrtlgen in einigen Fällen unter 1000Mark, in. wenigen über 3000 Ntark. Berücksichtigt wurden neben dem Gehalt auch Kinderzähl und besondere Notlage aus Krankheit öder Kri-egsverhältniffeu. Der zu Beginn des Jahres vorhandene Iknterstützurigsfönbs wird dürch die während des Jahres äüsgegebeneri Unterstützungen aufgebraucht sein. Da der Notstand bei der - Masse der jüdischen Lehrer und Kantoren weiter, anhült und infolge der anhaltenden Teuerung noch gestiegen ist, sicht sich der Hilssausschuß genötigt, zu r Be s chaff u n g .d e r Hüls s ge lde r fü r - d a tz k o rn m e n d e I a h r eine neue Sammlung bei dm jüdischen Gemeinden, Vereinen und bei der weiteren: jüdischen, OesfentlichLe-jt., in diesen Dagen zu veranstalten.. Wer unseren jüdisch eu. Bell m t e n lv o h l w i l l u n d unsere m I u..d e n t u m e i n i h,n e u l e i st u n $ß s ä h t g e Hel s e r e r h it l t e n rn ö ch t e., dp r ste.u e r e st'a'ch sei n e n K rü f te n r e i ch l i ch'/ z/u r /' nP/u,e n Hrl f"^'f.dtn'm^llsi'g für ünser e jüdischen Geftneiftd ebe am ton''hei. Beiträge sind zu} fenben ’• a'n p’x e Äe'st't s ch e Esfek'ten'- "u n d 'Wechse lba n k, Fr ankfur t' ä.' Ä!./ Post-