Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1919)
- Date
- 1919-09-24
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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überzeugt, daß Awrum es stets gesagt hatteaus Bensamins! Augen schaue kein Gutes heraus. ... 7. .! „Ja, ja," bestätigten mehrere Stimmen, „Awrum hat einen scharfen Blick, er hafs immer gesagt, -daß in diesem stillen Gewässer recht viel Schmutz ist." „Habt ihr gesehen, wie er aus dem Bilde ausstcht?" fragte einer. „Wie ein Goi," erwiderte ein anderer. „Wie ein Kanonikus," verbesserte der erste. Ein junger Mann mit fettglänzendem Gesicht machte sich nochmals an das Betpult heran, um das Gedicht zu lesen. „Seht euch mir den Baruch an!" sagte das dünne Männchen. „Hat nichts Besseres zu tun, als diesen Dreck zum zweitenmal zu lesen!" Das settglänzende Gesicht winde rot, Lächelte verschmitzt und zwinkerte lüstern mit dem einen Auge.! „Du," wandte sich der junge Mann an Feiwisch Narr, indem er ihm mit dem Ellenbogen einen leisen Rippenstoß versetzte, „hast du es gelesen?? Da stehen nicht wenig Gemeinheiten darin." „Ich hab's gelesen," erwiderte Feiwisch. „Er spricht von Brüsten, direkt von Brüsten spricht er," sagte der junge Mann, und das Wasser lief ihm im Munde zusammen. „So eine Gemeinheit!" schrie das dünne Männchen. „Seit unser Bethaus steht," sagte Menachein, „ist in diesen heiligen Räumen von Brüsten nicht gesprochen worden." Jetzt aber gefiel sich der rothaarige Awrum in der Rolle des Verteidigers. „Nu, das wäre noch nicht das schlimmste. Im Hohenliede stehen ja and) solche Sachen geschrieben, und das Hohelied ist heiliger denn heilig." lFortj. folgt.) Solch hgschans 5880 (1919). ir sehen hente gehen ein schicksalsreiches Jahr, Ein andres mm erstehen, ernst, wie es keines war. Noch sind verhüllt die Lose, die es den Menschen reicht, Nun es dem Zeitenschoße, dem finsteren, entsteigt. Es kommt herangeschritten durch Herbstesnacht und Braus Und steht in unsrer Mitten im hehren Gotteshaus. Kein Ohr hat es vernommen, kein Auge es geseh'n, Doch jeder fühlt beklommen des Schicksals Schwingen weh'n. Der S ch o f a r läßt erbeben die Seelerl bis zum Grund, Wir sehen unser Le-ben vorüberzich'n jetzund. Ta gibt es böse Taten und wenig Lieb und Treu, Biel gift'gen Hasses Saaten und Sünde, immer neu. Unseliges Erinnern, wenn das Gericht erscheint Und bange aus dem Innern Verzweiflung schluchzt und weint. Doch heiliges Erinnern, wenn es zu Gott uns führt. Wenn es im sündigen Innern vergess'ne Saiten rührt. Da möchte mancher wenden durch Buße noch den Fluch, Denn heut wird sich vollenden des Ewigen Richterspruch. Man möcht' im Staub vergehen, man fühlt sich, ach! so klein, Möcht um Vergebung flehen in Not und Herzenspein. Man möcht in heißem Sehnen, in Reue, Buße, Schmerz Sich Trost verlangend lehnen still an das Vaterherz. Du Herr, der du uns richtest, der du die Herzen kennst, Der unfern Streit du schlichtest, dich rrnsern Vater nennst, O laß uns nicht versinken, bleib unsrer Buß' nicht fern. Laß unsrer Nacht erblinken der Gnade milden Stern! Straf' nicht mit Geiselhieben, zeig' uns Erbarmen, Huld, Sühn' nicht an unfern Lieben, was einzig unsre Schuld! Und seh'n wir heute gehen dies schicksalsvolle Jahr, Ein neues uns erstehen, ernst, wie es keines war. Dein Licht, Herr, wird uns bleiben im dunkeln Tal der Pein, O möchtest du rrns schreiben doch heut zum Leben ein! Berlin-Steglitz. Jenny B e r g nt a n n. An die Iudknhsller. risch auf! — Es brach ein Morgen an! Nun gilt es Neues schaffen. Legt ab den Hab, den Lug und Wahn; -- : laßt rosten ihre Waffen. Gönnt euren Herzen hetl'ge Rast, am Guten sich zu üben, daß ihr die Brüder nicht mehr haßt; nun lernt sie endlich lieben. Denn wo der Haß den Samen streut, kann Zwietracht nur gedeihen; und wenn ein Gott «uns Frieden beut wird ihn der Haß entweihen. Drum laßt nicht ein den bösen Gast, der stets das Glück Vertrieben. Ihr habet lang genug gehaßt; nun lernet endlich lieben. Erhebt euch, wer noch stolz und frei, mit flammenden Gebärden und schüttelt ab die Tyrannei des Hasses hier auf Erden. Längst ist es Zeit, daß ihr's erfaßt, wohin er euch getrieben: Ihr habt zu eig'ner Schmach gehaßt: nun lernet endlich lieben! Euch klag' ich an, euch ganz allein, ihr Hasser hier im Lande. Ihr triebt uns in den Kamps hinein, triebt uns in Not >und Schande. Nun wird von euch, was ihr vollbracht, ins Schuldbuch uns geschrieben; und über Deutschland kommt die Nacht. — Wann lernt ihr endlich lieben? Du, deutsches Volk, wenn Deutschlands Ehr' geschmäht wird in den Gassen, ist dein die Schuld — du hast das Heer der Hasser walten lassen. Wenn du darob in Schmerz erblaßt, sei's dir ins Herz geschrieben: Du hast zu laug, zu lang gehaßt: nun lerne endlich lieben! G e l s e n k i r ch e n. T. Kap. Sprrchlaal. , G e e h r te Re d a kt.i o n! . . In - Nr. 35 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" wetden Die ,,Lügen des Antisemitismus" punktweise treffend widerlegt unddaranf hingewiesen, baß die Lüge von derjüdischen Absta-mmülig des' Lord Northcliffe (Alfred Harmsworth) auch in dem ’ vorn Kriegspresseamt her ausgegebenen halbamtlichen ,,Handbuch der - Auslandspreffe", allerdings mit einem Fragezeichen versehen, enthalten 4ft. Weit bedauerlicher ist, daß eine in hoher amtlicher Stell ung-befindliche Persönlichkeit, welche in der Lage gewesen wäre, sich richtig 'zu informieren, dieselbe Unwahrheit behauptet. Es ist dies der Staatssekretär v. Iagow in seinem Buche: „Ursachen und Ausbruchdes Weltkrieges".- Auf S. 9 heißt es:; . . : . „Lord Northcliffe (früher Mr. Harmsworth), Sohn eitles rassischjüdischen Mannes namens Stern, der aus Rußland nach Irland-aUs- .. gewandert war.". . ' - , >; '•> - ry Ich darf voraus setzen, daß .der Autordkyanf 'äufmLrHüln . gemacht, den Irrtum - - welcher, wie bekannt, -ans einer? Verwechselung mit Lord Wandsworth (Sir? Sydney Stern) beucht --- -in einer Neuauflage odersonst bei passender-Gelegenheit loyaleOvei.se^berichtigen wird.. : - Ergebenst - -1 -> $ Baden b. W ic n 10. Septeulber 1919. c M. P. ©??.-