Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1919)
- Date
- 1919-09-24
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
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441. Glauben und Dchstß MMichW Dirke. jtnfceS diese, nur auf Geschchack und Mittlers. MiMhKWUt hinleichn. , Einen eklatanten Beweis,, hierfür. liefern die .Bücher Hiob. und. Jonas. über Me; sich Goethe in der »Rezension von Lavaters Predigten", also vernehmen läßt: „Im. Buche HioH ist unfehlbar der Satz: „Gottes Fürsehung ist unergründlich, aber Hoch iurmep, durch den Ausgang groß und. bewunderungswürdig". die offenbare; Hauptabsicht des Verfassers, so . wie ich glaube,- daß im Buche Jonas der Zweck war,... zu zeigen» daßffich Gottes.Fürsehuyg ' auch auf die Heiden erstreckp," . Und gegen .Schluß seines; Lebens äußert er.fich^ gegen Eckermayn: „Mag.die geistige; Kultur,immer fortschreiten, mögen die, Natrirwissenschaften in! immer breiterer Ausdehnung und Tiefe wachsen und der mensch- ' liche Geist .sich, erweitern-. wie er will, über die Hoheit und sittliche Kultur der Bibel wird er nicht hinauskommen." . Die . Begebenheiten. die - Lehren, die Symbole die Gleichnisse,. alles in dem .Buche -der Bücher . hatte sich . tief Hei - ihm -. eingedrückt., und ■> erwies sich auf die eine oder, andere Art wirksam. Wirksam zunächst. indem es ihn zu dichterischem Schaffen anregte. Die Stoffe seiner ersten größeren Poetischen Versuche waren aul? der biblischen Quelle geschöpft: die scharf umriffenen Gestalten von Joseph, Ruth. Isabel, Belsazar, haben den Sechzehnjährigen zu dichterischen Versuchen angespornt, die freilich, wie der Jüngling altklug seiner Schwester schreibt, ihre Jugendsünden .nicht anders als durch Feuer büßen konnten. 1775 übersetzte er das Hohelied Salomonis, „die herrlichste Sammlung Liebeslieder, die Gott erschaffen hat", „das Zarteste und Unnachahmlichste, was uns vom Ausdruck leidenschaftlich anmutiger Liebe zugekommen". Im 5. Akte des „Egmont" zittern Klänge aus dem Hohenliede nach; „Faust" beginnt. >vie schon aus dem Hiob-Motive im Himmelsprolog erhellt, und endet und ist besonders im ersten Teile durchwoben mit biblischen Gedanken und Bildern. Das Vorbild und Gegenbild des Helden ist Moses, der die Herrlichkeit der Gottheit unmittelbar, nicht bloß im Spiegel oder in der Hülle des Gleichnisses, des Symbols schaut, ohne Schranken in das Göttliche eindringt, es als vertrauter Freund Gottes von Angesicht zu Angesicht erlebt. In Goethes Briefen, in seiner Prosaerzählung wie in den Liedern finden sich fort und fort, ungesucht, aus der unmittelbaren Seelenstimmung hervorbrechend, biblische Erinnerungen. Ob er scherzt oder über Schweres nachsinnt, in fröhlicher und leidvoller Stimmung, immer schwebt, wie der'Geist über dem Chaos, ein Bibelspruch als buchstäbliches Zitat oder als leiser Anklang an biblische Gedanken,- Wer . den. Morten des -Dichters, niM . als Fremdlinge sondern aMiHausgenosseiin s.eiyepk GMeKeHen. Die Bibel'- benutzte 1: er-: - nach Eckermann -. aus; jedem Ständpunkttr^MiT-- Wtteliü'MhM nheiNskL-ZdeM .-tznd hehre. Ideen-. - - aper - «auch ( uyheMge - Geschichten und recht rWtztzWiM. -,-;PrM»p..z weltkluge Sprüche:er^ schätzte sie alsn Jde-glisd;ier nutzt sie aber , auch , als Heälist: profan7.und Heilig sind ihm denn, Wechsetbegriffe.. ebenso wie Dämonisches und Göttliches, Nichts nur für das religiöse Gebiet., sondern iür alle Gebiete des Menschenlebens und der Wltpr^y.ung st/t Hm'Mb/Äkbel Quelle uüd ZdüWüder Mährheit: darum läßt er ihre 2födrtte, büchstäblrch od?r verändert und'umgedeutet, in alltn Lägeü und FrägeN auklsttgeu'—; als' Stützen' oder als ParalleleU seiner eigenen'Gedanken. SAM1 w-isfenschäMiche 5-biMsche 'Pr-obleind beschäftigen unfeiM Dichter.'- So MWe et iü 'Straßburg' der theologischen FakMät'ÄZ-DMordiffMatiön ÄNdÄMtWstzchmigÄ>er>chie Tafeln' WofiO'ein: ' 1.797.?-regte ihn; die ' voll Friedrich-August Wülf an< -Homka: i igeöKle > Kritik? *ra,; feine ,.alten' Pgpiere, und -SttMenMev'digBibel wiederMrzunehmeA und;tzinen,WUch° .historischen NuffMDW-sches WtzkMtzd-«M-dM. ZtMutenünd^ .Feldherrntalent Mosiß sowix, über ,den ,Zug der Kinder Israel, durch dre-Müste. abMHsWd dessen' Dauer er aus kaum Mssi.IHK gegtnüMx-den Vierzig der- Madition berechnete. Treffend' bemerkt Konrad Bürdach in sesner m dtp „Sitzungsberichten der tzreußifchep Akademie der Wissenschaften"'' er- "i^PÄenylützdMoses^ '(Berlin'IN2) ' Aber diesen, MosesfÄussätz:' „Die Persönliche Bedeutung desselben für Gvethes inntre, für seine künstlerifch-memschliche Entwichung kann mau kaum hoch genug schätzen.'' Einerleis ob 'und' wie weit er durch seine konkrete und lebendige Äuffassüüg des Schauplatzes, der Primitiven Zustände, namentlich der Zeit von Diofis' Exil, Me historische Mdelkritik-befruchtet, sid aus dem unsvlide fUNdterttzn Univcrsalismus der -Herderschen ' Bergltichungsteüdenz 'in die Enge einer philologischen, die nationale Einzeleristenz und Einheit Israels betonenden Betrachtung gezogen und so einen notwendigen Durchgangs- Punkt für die Entwickelung der Forschung geschaffen hat. FÄr ihn selbst'reiste hier ein köstlicher Ertrag." Sonst wäre es sä auch nicht zu begreifen, daß er später zweimal die'Voraussetzungen. Wege und Resultate des im Jahre 1797 unvollendet zürückgelegten Aufsatzes mit' stärkstem Nachdruck in einem großen Züsamm'enhäng an die Oesfentlichkeit gebracht hat: 18N und 1814 in „Dichtung und Wahrheit" bei der Darstellung der Frankfurter urtb Straßburger Werdejahre und 1819 tn den „Noten und Abhandlungen zum besseren Verstäud- Ms des Westöstlichen Divan". Jedenfalls aber vermochte kein noch so berechtigter Zweifel an der absoluten Wahrheit der Ueberlieferung seinen Glauben an. den eigentlichen Grund- und Urwert der Heiligen Schrift zu erschüttern. Der eigentliche Mittelpunkt des Moses-Aufsatzes ist die Charakteristik des Schöpfers der national-israelitischen Kultur. Für sie trifft, wie Burdach sinnig sagt, das schöne Wort aus „Dichtung und Wahrheit" über das ansdieseStudien verwendete „Gemüt"- zu: sie ist „aus Glauben und Schauen entsprungene Ueberzeugung". , Scharf spricht Goethe das Ziel seines .„Moses" in der'Umarbeitung für die Noten zum „Divan" aus: „Hätten wir uns so vieler nutzloser Nationen entledigt, so würde sogleich der.große Heerführer gegen das, was wir ihm zu erinnern gehabt, in seinern ganzen Worte wieder hergestellt. Auch würde die Art. wie-in diesen.Büchern. Gott, erscheint, uns nicht mehr so drückend sein.als bisher,-wo er sich durchaus grauenvoll und - schrecklich erzeigst da schön im Buche Jvüia und der Richter, sogar auch weiterhin ein., reineres patriarchalisches Wesen wieder hervortritt und der Gott Abrahams nach wie vor, den . Seinen .freundlich erscheint."-, Hier erklingt in vollen Tonen dev Grundgedanke - der-,Phautasmagorie des „Westöstlichen Mvap": der Glaube, an die Reinheit de^ Patriarchenalters, an die ihr «igene Humanitätsreligion.: Und, sich.wieder zu Moses' :Eharaster wendend, sagt;de^ Dichter-des. „Divans": „Nicht die 7 LalMte<,.-Richst-dgs Geschick-. zu; Kiesemt oder ' .jenem . machen .. eigentlich.- den Mann, 'der Tat.': die-. Persönlichkeit ist's, von der in -solchen.' Fällen alles abhängt. - Der Charakter ruht auf der PeLsönljchkeist:; nicht ansden, DalenteUTalente - können - sich gesellt-sich -nicht zu ihnen; denn - chm ist alles entbehrlich, aufzer er selbst. Und so gestehen wir ,.Hettl^aßfMsMeWrsöMchkeit. Hosis., von dem ersten Meuchel- . .>n0'rd , au,. .dWch alle Grausamkeiten durch, bis zum Ver- - schwinden., ein. höchst bedeutendes und würdiges Bild gibt von . rinem Manhe, der durch seine N atur zum Gr ö ßte n -gotrieben ist." d, v;; : v. Indem, sich her Altmeister von Jugend auf in die Bibel. ... Heren, girpßpr.D?il. .»mit erhöhter -Gesinnung», enthusiastisch sge-! .schrieben ist--and dem Felde.der Dichtkunst angehört", ein- JnhaD-.durchdrVMc;N: HWst. geschieht,