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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-09-24 · Heft 39 (24.9.1919) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 39 (24.9.1919)
Date
1919-09-24
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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439 Ausgabe, das Handwerk unter unseren Glaubensgenossen zu verbreiten? und nimmtzü diesem Zwecke würdige und bedürftige Knaben Lus allen Teilen Deutschlands unentgeltlich aus, gewährt ihnen während der Lehrzeit Wohnlmg, Nahrung und Kleidung, sorgt für geeignete Lehrstellen und bildet sie zu sittlich und wirtschaftlich vollwertigen Menschen heran. Der Verein „Lchrlingsheim Pankow", der die Anstalt unterhält, erfüllt hiernach einen doppelten Zweck: er übt Humanität mnd erfüllt" eine hohe Kulturmission, denn, wie bekannt, mußte der größte Teil der jüdischen Bevölkerung jahrhundertelang seinen Erwerb im Kleinhandel suchen, weil den Juden von Gesetzes wegen alle übrigen Berufe verschlossen waren. Die Tatsache, die alles erklärt, übersehen unsere Feinde in ihrer Gehässigkeit, wenn sie uns den Vorwurf Machen, daß wir aus Arbeitsscheu Berufe meiden, deren Ausübung vorzugsweise mit körperlicher Tätigkeit verbunden ist. Sobald die einschränkenden Bestimmungen nach den Befreiungskriegen fielen, setzten sofort die Bestrebungen ein, die Berufsarten, die im alten Israel heimisch waren und in hohem Ansehen standen, wie Ackerbau und Handwerk, neu zu beleben. 1813 am,.; ' - j.i Das Lehrlingshenn in Berlin-pankow. gründeten weitblickende Männer unter dem Vorsitze von Joseph Mendelssohn, eines Sohnes des unsterblichen Moses Mendelssohn, die „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate", welche heute noch besteht und Handwerkslehrlinge unterstützt, indem sie sie mit Kleidung und Werkzeug versorgt. Aber einsichtige Männer aus,der genannten Gesellschaft erkannten, daß diese Art der Fürsorge ungenügend sei, und machten im Jahre 1890 den Versuch, in Mietsräumen die von ihr unterstützten Lehrlinge nnterzubringen und der Aufsicht eines Pädagogen . zu unterstellen. Dieser Versuch gelang so glänzend, daß die dauernde.Fortführung der Einrichtung beschlossen wurde. Aus diesem Grunde konstittlierte sich im Jahre 1896 der Verein^ „Lehrlinasheim Pankow-"- der zu Pankow, Ptü-Hlenstraße 24, ein besonderes Gebäude (s. Bild) errichtete,: das allen Anforderungen der: modernen Hygiene entspricht. Ein großer Garten, in dem der Spie'l- und- Turnplatz der -Zöglinge sich befindet,, verleiht dem Hause ein freundliches Gepräge. Ein zu gottesdienstlichen Zwecken hergerichteter und hübsch ausgestatteter Betsaal vereint die Zöglinge an den Freitagabenden zu gemeinsamem Gebot wie auch sonst an Ruhe- und Festtagen zu religiösen Uebungen. Dse erfolgreiche Tätigkeit des Vereins mögen folgende Angaben beweisen. Nach vollendeter Gehilfenprüsüng wurden disher lbO Zöglingeentlafsen. Diese verteilen sich auf die einzelnen- Handwerke wie folgt: 20- Schneider, /■;*• ■ 14 Schlosser, je 13 Tischler und Schriftsetzer, r' ■ lvaschraum des Lehrlingsheims. je i l Tapezierer, je 9. Maler und Feinmechaniker, je 8 Klempner und Glaser, je 7 Uhrmacher und Elektromechaniker, je 6 Schriftmaler itnb Zahntechniker, 5 Gürtler, je 4 Buchbinder, Lithographen, Goldschmiede und Maschinenbauer, je 3 Gärtner, Maurer und Kürschner, je 2 Bildhauer, Drechsler, Galanteriearbeiter, Lederarbeiter und Zimmerer, je 1 Chemigraph, Mützenmacher, Optiker, Rohrleger, Schirmmacher, Schuhmacher, Stukkateur, Taschenuhrgehäusemachcr und Zeichner Ein großer Teil hat die Meisterprüfung abgelegt, sich selbständig gemacht und sich eine geachtete und auskömmliche Eristeriz geschaffen. Als treue Söhne des Vaterlandes haben sie im Kriege gekämpfk, 15 haben ihr junges Leben auf dem Felde der Ehre gelassen. Eine Gedenktafel in der Aula wird ihr Andenken ehren! Leider wird der so segensreich wirkende Verein von schwerer Sorge bedrückt. Durch die herrschende Teuerung sind die Ausgaben gewaltig gestiegen, während die Einnahmen gesunken sind. Zur Fortführung des Werkes sind erhebliche Mittel notwendig, und wendet sich der Verein daher mit der dringenden Bitte an die Oefsentlichkeit, durch Zuwendung von Stiftungen und Legaten') die segensreichen Bestrebungen zu fördern und durch Beitritt zu dem Verein seinen Bestand zu sichern. Die glrarlitilchthrologilche Lehranstalt in Wm Bon Dr. Max Lteif (Raußnitz). Y*rm\ beging auch das jüngste V* unter ten Rabbinerseminaren, die Israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien, das silberne Jubiläum seines Bestandes. - An einem trüben, regenfeuchten Oktobermorgen nicht gerade das ideälste Festwetter — vollzog sich die Eröffnung der Anstalt mit einer schlichten, Prunklosen Feier, zu welcher sich nur die kleine Schar der zunächst Interessierten: Lehrkörper, Hörerschaft, sowie auch einige Kuratoren eingefunden hatten. Die breite; .große Oefsentlichkeit hatte diesem für die Geschichte jüdischen Geisteslebens immerhin bedeutungsvollen Momente wenig Beachtung geschenkt und wußte es auch lange hernach nicht nach voller Gebühr zu würdigen, daß endlich auch in Wien der jüdischen Wissenschaft die langentbehrte Heimstätte geschaffen worden, deren vorzüglichste Bestimmung ') Meldungen an Herrn Georg Lechmann, Berlin W 10, Bend- ' lerstrahe 8; V '

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