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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-09-19 · Heft 38 (19.9.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 38 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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83. ^abrgang. Nr. 38 Berlin, IS. September ISIS Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrrspandkn?rn und Mchrichtm. Srutschlsnd. E. M. Berlin, 16. September. Die gynäkolog isch-geburtshilsliche Station des Krankenhauses, die im Jahre 1914 eröffnet wurde, hat sich sehr befriedigend entwickelt. Die Inanspruchnahme durch Wöchnerinnen und kranke Frauen überstieg die Leistungsfähigkeit der Abteilung ganz bedeutend, so daß trotz restloser Ausnutzung aller Mög-! i chkeiten auch nicht annähern d a lle Hi lfe suchen den Frauen a usgenom'- inen werden konnten. Besonders sckMer machte sich der Platzmangel auf der Entbindungsstation fühlbar, die mit 148 Entbindungen im Jahre 1916/17 bei nur zehn Betten stark überlastet war. Die so nötige Anschaffung einiger Reservebetten wurde durch eine Stiftung von 1000 Mark erleichtert. Es wurden fünf Betten in der sogenannten septischen Abteilung aufgestellt. Die Zahl der Entbindungen betrug 1917/18 231. — Auf der gynäkologischen Abteilung wurden 1916/17 zirka 200 Operationen ausgeführt; die Gesamtzahl der Aufnahmen betrug 259, im Jahre 1917/18 264. Die beiden Hebammen sowie die in der Station beschäftigten Mischen Schwestern haben sich bestens bewährt. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Säuglingspflege gewidmet. T'.e jungen Mütter wurden ausnahmslos angehalten, ihre Kinder selbst zu stillen, und haben diese Pflicht auch fast stets erfüllen können. Nur bei völliger Unmöglichkeit wurde künstliche Ernährung durchgeführt, worin bk Mütter wie die Lehrschwestern gründlich ausgebildet wurden. Eine Vergrößerung der Abteilung ist in Aussicht genommen; sie soll erfolgen, sobald wieder normale Verhältnisse eingetrelen sind. # Berlin, 16. September. Auf eine Eingabe der Berliner Genu inderäbbiner hat der Gemeindevorstan'd beschlossen, regelmäßig zwei Vertreter, der Rabbiner, ein Mitglied ded konservativen Richtung und einen liberalen Rabbiner, zu allen Verhandlungen des Gemeindevorstandes, welche Kultus- und Unterrichtsangelegenh e i t e n betressen, zuzuziehen. Diese beiden Vertreter müssen von 'amtlichen Rabbinern gewählt werden. Die Versammlung der Rabbiner hat beschlossen, die Herren Dr. Weiße und Dr. Loewentha'l sowie als Vertreter die Herren Rabbiner Dr. B lumenl h a l und Tr. P e t u ch o w s k i abzuordnen. CA) Berlin, 16. September. Am 10. d. M., am ersten Jahr« zeitstage nach dem verstorbenen Rabbiner Dr. Adolf Rosenzweig, fand auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee die Enthüllung des Grabsteines statt, den die Jüdische Gemeinde ihrem verdienstvollen Lehrer in der Ehrenreihe gewidmet hat. Eine schlichte Feier vereinigte aus diesem Anlaß die Familie 'des Heimgegangenen mit einigen Freunden und Vertretern des Gemeindevorstandes. 3fr&$fr Berlin, 16. September. Damit die Fürsorge für die Wöchnerinnen und stillenden Frauen, die durch zahlreiche Kriegsverordnungen geregelt worden war,, keine Unterbrechung erleide, hat die Nationalversammlung, einem Antrag von Zentrum und Sozialdemokratie folgend, ein Gesetz angenommen, das die Mutterschastsiürsorge bis zur Neuregelung der Reichsversicherungsordnung gewährleisten soll. Das Gesetz entscheidet den Streit mm eine selbständige Mutterschaftsversicherung oder Anschluß an die Krankenversicherung zugunsten der letzteren. Die Leistungen, die das neue Gesetz den Wöchnerinnen und stillenden Frauen zubilligt, werden, soweit es sich um Versicherte und versicherungspflichtige Angehörige vvn Versicherten handelt, von den Krankenkassen aus eigenen Mitteln bestritten. Zu diesem Zwecke dürfen sie die Kassenbeiträge bis zu 10 Prozent des Durchschnittslohns erhöhen. Für Minderbemittelte, nicht Versicherte, werden den Krankenkassen, denen die Durchführung übertragen ist, die Kosten vom Reich zurückerstattet. Die Leistungen der Wochensürsorge stehen den Mitgliedern einer Krankenkasse, wenn ihre Mitgliedschaft bei irgendeiner Krankenkasse innerhalb des letzten Jahres vor der Niederkunft sechs Monate betrug, zu, ferner versicherungsfreien Familienmitgliedern von Versicherten, die mit diesen in häuslicher Gemeinschaft leben, und Wöchnerinnen, die nicht unter diese Gruppen fallen, wenn ihr und ihres Ehemannes Einkommen zusammen 2500 Mark (bei Ledigen 1500 Mark) zuzüglich 250 Mark für jedes Kind unter 15 Jahren jährlich nicht übersteigt. Den Selbstversicherten werden Entbindungskosten in Höhe von 50 Mark, ein Wochengeld in Höhe des Krankengeldes für acht Wochen, eine Beihilfe für Behandlung von Schwangerschaftsbes'chwerden bis zu 10 Mark und ein Stillgeld in Höhe des halben Krankengeldes bis zu zwölf Wochen gewährt. Das Stillgeld kann auch länger als zwölf Wochen gewährt werden. Statt des Betrages für die Entbindungskosten und die Beihilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden können die Krankenkassen freie Behandlung durch Arzt und Hebamme und Arzneimittel gewähren. Diese letztgenannten Leistungen sind für die versicherungssreien Angehörigen von Versicherten und die sogenannten MinderDemittelten die gleichen. Die versicherungssreien Angehörigen erhalten aber nur die Hälfte des Krankengeldes der Versicherten als Wochengeld und die Minderbemittelten nur 1,50 Mark täglich und beide Gruppen 75 Pfennig Stillgeld täglich. Alle dem Gesetz entgegenstehenden Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung werden ausgehoben. E. M. Berlin, 16. September. I o sie p h L e w i n s k i, der Nestor der Berliner Musikkritiker, beging am 12. d. M. seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar ist 1839 zu P r o ß n i tz in Mähren geboren. In jungen Jahren kam er nach W i e n, wo er sich der Musik widinete. Bei einem Engagement im Krollschen Etablissement lernte ihn in den sechziger Jahren. Kaiser Wilhelm I. kennen und veranlaßte ihn, als Domsänger an den damals wegen. seiner künstlerischen Leistungen berühmten Domchor zu gehen. Neben feiner künstlerischen Wirksamkeit betätigte, sich Lewinski auch musikpädagogisch und musikkritisch. Der Jubilar erfreut sich nicht nur bei. seinen Berussgenossen, sondern auch im künstlerischen und gesellschaftlichen Leben der Reichshauptstadt eines großen Ansehens.. Der greise Jubilar ist Mitglied des Chores der Synagoge in der Lindenstraße. Zur Feier feines Geburtstages hatten sich die Mitglieder des Chores der Synagoge Lindenstraße, dem der Jubilar seit langen Jahren angehört, vor Beginn des Gottesdienstes zu einer schlichten. Feier vereinigt. Das Mitglied des Chores Herr Lichten stein hob in einer Ansprache die Verdienste Lewinskis um die Förderung des Berliner Musiklebens hervor. Der Jubilar dankte in sichtlicher Bewegung für diese Ehrung. Unter den zahlreich eingelaufenen Glückwünschen befanden sich auch solche des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde und des Vorstandes der. Synagoge Lindenstraße. — Kattowitz, 12. September. Die a n t i sie m i t i s che P r op a - ganda gegen unsere jüdischen Mitbürger wird augenblicklich mit Nachdruck in Oberschlesien betrieben. Zahl reiche Flugschristen werden verstreut, die durch sinnlose Verhetzung das bewirken sollen, was Vernunft als unsinnig erklärt. Daß man gerade in Oberschlesien von deutscher Seite eine derartige Propaganda betreibt, erhöht nur die Lachlust von Kennern hiesiger Verhältnisse, wenn man nämlich bedenkt, wofür die polnischen Blätter die jüdischen Oberschlesier halten: sie stehen nämlich in dem Ruf, Propaganda für das Deutschtum zu betreiben. Die Verfasser dieser Flugblätter halten die Judenhetze für wichtiger als die ganze Zukunft Oberschlesiens, dessen Verlust ihnen gleichgültig zu sein scheint. Dazu bekennen sich die Verfasser noch zum Verbände für den „Schutz des Deutschtums" und fordern zu. Beiträgen für den Reichshammerbund aus. W. Posen, 12. September. In letzterer Zeit find hier und im Umkreise Personen von Bedeutung gestorben: Der Großkaufmann Rudolf Peter sdorsf verschied im Alter von 50 Jahren. Ter Entschlafene war bekanntlich der Gründer des großen Modewarenhauses Hierselbst, das er mit kaufmännischem Scharfblick und geschäftsmännischer Umsicht zu einem der größten des Ostens entwickelte. In Königsberg i. Pr. und in Breslau schuf er Zweiggeschäfte seines Riesenunternehmens. Anläßlich seiner silbernen Hochzeitssei er, die er 1917 beging, stiftete er für die. Stadt Posen eine bedeutende Summe zu wohltätigen Zwecken für eine Stiftung, die seinen Namen trägt. . Aber auch sonst wird das Andenken dieses tüchtigen Mannes und bewährten Kaufmanns in der Stadt Posen fortleben, dem sie es zu verdanken hat, daß ihr Kaufmannsstand sich in der Welt der größten Hochachtung und Wertschätzung erfreut. — Frau Kommerzienrat Jda Wolfs geborene Briske verschied im. 75. Lebensjahre. Fast 30 Jahre lang, hat sie als Ehren-

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