Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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bame der Israelitischen Waisentnabenansta-lt zu Posen mit Eifer und Wohlwollen gewirkt und die seltenen Eigenschaften ihres Geistes und Gemütes,- ihre geistige Regsamkeit und ihre vielseitige Erfahrung in allen Angelegenheiten des häuslichen Lebens bereitwilligst in den Menst der' guten Sache gestellt. — Frau Dorothea N e u m a r k geb. Jaeobi starb im 80. Lebensjahre. Die Tahingeschiedene war eine wahrhaft jüdische Frau, die sich durch Frömmigkeit und Wohltätigkeit rühmend hervortat. — Ferner starb Frau Bianca Lewy geborene Abraham, 50 Jahre alt. Die Verstorbene war im wahren Sinne eine echt jüdische Frau. Fromm und tugendhaft wie selten eine. er. ©logtiit, 12. September. Eine wenig bekannte Kablinettsorder Friedrichs des Großen, 'die sich mit den religiösen und bürgerlichen Verhältnissen in unserer Gemeinde beschäftigt, dürfte die Leser dieses Blattes interessieren. Rach der Besetzung G l ogaus durch preußische Truppen' erbat der Kommandant, Oberst v. Schwerin, Anweisungen für die Behandlung der hiesigen Judenschast. Friedrich II. erließ hierauf eine Kabinettsorder, die ein Bild seiner Toleranz gibt, die er allerdings den Juden gegenüber nur selten bewiesen hat. Die Order lautet:-„Mein lieber Obrister von Schwerin, sein Bericht ist bey uns vorgekommen, welches wir aber nicht besohlen haben uns zu berichten, als wird Euch zu den andern mahl anbefohlen: Erstlich, was das Viehschlachten mibetrisft, Ihnen solches zu Ihrer Nothdurft gegen ErleLung der. gewöhnlichen Jniposken erlaubet, und danebst fr-ehstehen solle, das nach den Sätzen ihrer Religion nicht gerathene Fleisch der bZarnison oder den armen Leuten vor einen etwas geringern Preiß, als die Taxe ist, zu verkaufen, so wie solches überall in meinen Landen, üblich ist, und mit denen Judenschast gehalten. wird Als 2) soll denen Juden nicht verwehret werden, die benötigten Victualien und Fische gleich denen Christen zu allen Zeiten einzutäufen. 3) Wann die Judenschast zu Glogau zu denen Kayserlichen Zeiten gegen Bezahlung derer in ihrer Vorstellung eingeführten 200 Mark von der Einquartierung srey gewesen ist, so soll es gleichfalls noch zur Zeit dabey verbleiben und ihr deshalb nichts neuerliches migemuchet werden und seinen langweiligen Bericht -dafür hätte sein Auditeur das Pappier und Tinte erspahren bönnen. Ich befehle demnach, daß ihr Euch hiernach in allen Stücken stricte achten, sowohl das erstere a'M das andere und Lein Punct zu weichen und keine Neuerung weder selbst machen noch gestatten sollet, bis ich nach bevor geschehener Untersuchung selbstens ein -anderes befehlen werde. Ich bin pp. im Lager bey Strehlen den 28. July 1741. gez. Fridrich." J.Z. Aus Pommern, 12. September. Ter Ehrenvorsitzende und 'Leiner des „Vereins israelitischer Lehrer Pommerns", Herr Lion Wolfs (Tempelburg, Pommern), feiert am 24, September sein s ü n s z i g j ä h r i g e s Amtsjubilän.m. Ter in weiten Kreisen auch als Schriftsteller bekannte Jubilar ist im verwegensten Sinne des Wortes ein „Selfmademan", denn er selbst bekennt in seinen „Lebenserinnerungen", die in einigen Wochen bei Gustav Engel (Leipzig) erscheinen, daß er, fast ein Analphabet, in seinem 24. Jahre als wandernder Handwerksgeselle auf dem Hunsrück in einer Zwerggemeinde die Stelle als Kantor angenommen. . Seit September 1869 hat er -rastlos an sich gearbeitet und ist nicht allein ein fähiger Lehrer und, wie der Prospekt des Verlegers lautet, ein begeisterter Verkünder des Gotteswortes, ein energischer und markanter Verteidiger seines Glaubens und geistvoller Schriftsteller, sondern ein Mor6 lemaurim. geworden! — Fünfzig Werke: Händ- und Lehrbücher, Predigtsammlungen, Kulturbilder und Humoresken sind aus seiner Feder geflossen und haben Verbreitung in allen Ländern gefunden, wo die deutsche Sprache bei unseren Brüdern verstanden wird. Daß er in allen Provinzen, wo er gewirkt, mit Antisermten und ihren Organen gekämpft, dürfte bei den Lesern, der jüdischen Zeitungen bekannt sein. In seinem 75. Lebensjahre vollendete er seine oben erwähnten Lebenserinnerungen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch eine lange Reihe von Jahren zu wirken und, sich geistigen und körperlichen Wohlseins zu erfreuen zum Segen seiner Familie, seiner Freunde und seiner Gemeinde, bis das Mer ihm Ruhe gebietet. M. Homburg, 12. September. (Sitzu ng d es. R ep r ä s e n - tanlentollegiums.) Der Gemeindevorstand-teilt mit, daß er die vom Vorstand und Rep r äsen tan te nkolleg in in übereinstimmend genehmigten Verfassungsänderungen in zweiter Lesung -abermals 2 -—- genehmigt hat,und^beantrag.t die erneute Aüstrmwung der Repräsenta-nren zu diesen. Hieraus wurden in-drftter -LesüngvleberMtz v o n u n s m i t g ete i l t e n V -e r s a f f u n g s a n d e nt n g e n end g ü-l't i g g e n e h m i g t. Der Gemeinidevorständ - teilt weiter mit, daß feit -dem Jahre 1917 iw der Gemeinde ü-. a. nachstehende Stiftungen errichtet worden sind: Herr Jakob F l ö r s h e i m Hä t zum- Andenken seiner in Frankreich gefallenen Söhne eine Gottlieb- und-Max-Flörshei'M--Stiftu'Nig mi-t' oivem-^Strftürvgsk-ccha-tal: -vbn-'je '5000 Mark errichtet.' Herr M. I. Fvanck hat züm Andenken seiner gefallenen Söhne eine Walther-und-Richard-Frattck-Stipendien- Stiftung errichtet. Das Stiftungskapital beträgt 20 000- Mark. Herr Ludwig Machiason hat anläßlich des 100. Geburtstages" seines verstorbenen Vaters eine Stiftungmit einem Kapital von 4000 Mark zugunsten des Krankenhauses und anderer Gemeindeinstitute errichtet. Zum Andenken an seinen gefallenen Sohn hat Herr A lfre d M a t h i a s o n eine Aiathias-Joachim-Ma thiäson-jr. - Stijtung errichtet. Die Zinsen des Stiftungskapitals von 4000 Nlark sollen alljährlich einem gemeindeangehörigen Kriegsbejchäd-igtLn ausgezahlt lverden. Frau Julie K a l l m e s hat dem Gemeindevoritand 50 000 Mark zur Begründung einer Stiftung überwiesen. Ueber die Zwecke der Stiftung soll noch Näheres bestimmt werden; bis zur Errichtung der Stiftung sollen die Zinsen zum Kapital geschlagen werden. Ter verstor-vene Herr Herrmann Rüben hat der Gemeinde ein Kapital von 75 000 Mark zur Begründung einer Abraham-und-Lene-Ruben-Stijtung, für NtietunLerjtützungen vermacht. Die Zinsen sollen in Beträgen von 400, 500 ,uno t>00 Ntart zur Verteilung gelangen. Ferner haben die Testamentsvollstrecter des verfrordenen Julius K r o n h e i m e r der Gemeinde ein ät-apital von >5 000 Ntark überwiefen, deren Zinsgenuß einer namhaft gemachten Persönlichkeit vis zu deren Ao leben zlr steht. Älsoann f-oll der genannte Betrag der bereits bei der v)emeinde de petzen den Kro-nhetmer-Stisiung angegliedert werden. Es wiiroen dann dem zrollegium -die Avrecynungen der Gememoeoer Depofitentafse milo-er Stiftungen zur E-enetzmigung vorgeregt, xu weiteren Beratungen oetrasen Anträge des Getr.euloevoriiano-es auf Bewilligung von Teuerungszulagen für oir Veauilen oes Wohlfatzrtswelens oer Gemeinde, ^c-ach Erleotgung lvi ^agesoronung trat geheime Sitzung ent. — «eevav i^. Eeptenwer. Der l r a n o a u 11 ] i' ui i t i s - m u s, ote tn dwpm ^omlner an der ^corviee am ftärlstell ausgeü-aureBerllil-er Exporrpfranze, hat auch hier Bzurzetn grqchlageu. Hier weireil yauptiaapich rearrivnare Bavegafto, wie ein Blict auf den Strand veiveqc, ioo fast nur >chwarz-weltz-rote Fahnen ivetzen. Bor einigen Lagen pflanzte ein neu htnzugewnunener Bavegafr an feineui Zelte eitle fchlvarz-rot-goldene Fayne aus. <zwei Tage darauf mußte der Ausrufer des Ortes — der Äkann mit der großen Schelle — folgendes mittellen: Seit einigen Tagen t]t es unangenehm ausgefallen, dag vor eineur Strandzelt ote fchwarz-rot-goldene Fahne, weht. 'Wir ersuchen, diefe Errungenschaft der Neuzeit baldtgst zu entfernen. Mehrere Badegäste von Juist. Am selben' Tage las ich an einer Anzeigenkafel für lokale AlitteiLUngen folgenden Mschlag: Ihr Jü^en, geht nach Norderney, laßt uns Juist und Borkum frei!' Wir förderiu Juist den Deutschen! — Es ist ehrenvoll für die. Fahne der Dellischen Republik, daß die reaktionäre Gesellschaft, die M apj Juift versammeltvon ihr nichts wissen will. . Weniger^^ ehrenvoll . jst^es. Mr die .schwarz-weiß-roten Farben, daß sie nur noch in. antisemitischer Gesellschaft flattern können. . , , , - . - -. er. Göttirkgen, 12. September. Die Deutsche ' StudÄtten s-chaft hat in Würzbürg eine Tagung abgetzakten, - aus der eine Verfassung für die Stubentenschaft beraten wurde/ 'Der erste Paragraph der Satzungen bestimmt, daß alle' Studenten deutscher Abstammung mit deutscher Mütterspräche zur /deutschen Studentenschaft gehören. Diese Definition sollte von 'den zählrercheu antisemitischen Elementen ,in der Ttudentenschäft „zu. ^inerHd^^ machung Per.jüdischen Studenten gernacht wexdech'.chpem-Ms^'''Bestimmung dahin ausgelegt wird, daß nur Studenten deutscher'Rasse zur deutschen Studentenschaft -gehören. Da in Würzburg die Universität G ö t t i n g e n zum Vorort der Deutschen 'Studbüt^nschast bestimmt worden ist, wurde der - bisherige c StüdentenEsschüßwon verschiedenen Seiten um eine Auslegung dieses Paragraphen ersucht.