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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-09-19 · Heft 38 (19.9.1919) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 38 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
Seite 430 (sequence 10)
Language
German
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—4M,— die-Juden schätzte-^und::ihre igeiftige..Mgenart 'seinemi Staotznutzharzu macheuwußte.Er'verwandtesiewik'jsnenIsaak/ dev' zum KaDe«. Harutz al - RuschD. -ging, r-tzantzlöhrckich, wirr in/ unserem Schwank, zu allevhandi politischen:Diensten^/. Da aber:: dSr Krieg.ausschtieUich den -freien Kranken zustand,: galt der Jude, der vom Wafsenhandwerk ausgeschlossen-blieb, kcast des, Kapitulars von 803 als: unfrei oderdoch-NVenigstensgemindert frei, womit die lange, düstere Geschichte-Cder /AüMck-/ setzlmg und'Demütigung in:/Deutschland: begann,'k/'Iedenfälls sah die Zeib Karls des' Großen-die ersteimposante, noch ziem«.' lich unbeschränkte EntsaltlmggMischLn IsntornehflrergeiMsund? jüdischer GeldwirtschüftimAbendlande, -und etwas vön' diesem' selbstherrlickön, seiner sicheren .Lebensgefühl/d^/Judender ersten'Karolingerzeit-haftet an unserem Schivaick, freie übrigens einen später oft wiederkommenden Typ. repräsentiert,: den Typ des Schwmlkes vom Pfiffigen-Scharlatan/>der durch die inittelalterliche Literatur- Europas ge>ht. Meist Handelt. es-sich dabei um sehr amüsanten,-wenn-auch höchst frivolen Schwindel mit kirchlichen Reliquien/der offenbar schr floriert'haben muß und im wundergläubigen Mittelalter Pfiffigen Gesellen immer wieder den Beutel gefüllt hat/ dis sich da bereicherten nach dem nicht sehr schönen, doch probaten Grundsatz: Mufidus vult deci'pi. Eine Art Reliquie ist ja doch wohl düs Mäüslein auch, das' unser verschmitzter jüdischer Handelsmann als //echt Palästinisch" dem Bischof anhängt. So preist bei Boccaccio iDecamerone VI/ 10) Bruder Cipolla seinen Gläubigen eine Feder an, die angeblich aus dem Flügel des. Engels Gabriel herrührt, und als ihm Spaßvögel diese Feder entwenden und ihm einige. Kohlen in das Kästchen schütten, redet er sich schlau damit aus, das seien, die Kohlen vom Rost des Heiligen Laurentius. (Hierzu G. Gröber. ’ „lieber die Quellen von Boccaccios Decqmerone", Straßburg 1913), 49-—50.) : Auch in Deutschland sind solche Schwänke verbreitet gewesen. Im 12. Jahrhundert finden.-wir sie bei dem Kölner Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach. Reuchlrn schreibt 1497 -in schönen Heidelberger Tagen im glänzend imitierten Stil des Terenz seinen „Sergius vel Capitis caput", eine geistvolle Verhöhnung des ignoranten Mönchtums ' und des Reliquienunwesens/ wo' ein Scharlatan einen wundertätigen Schädel anpreist, der darob von allen inbrünstig-geküßt wird, bis man erfährt, daß es der Schädel eines dummen/ lasterhaften ■' Mönchs gewesen sei. - Jakob Frey erzählt in seiner „Gartengesellschaft" (1866) von einem Eselbein als Reliquie, die auch ähnlich im „Pfaffen Amis" vorkommt, und von falschen Reliquien" des Sankt Ehriftophürus, "Mit denen : ein Vettelmönch die Leute betrügt/ bis er von -einem Kundigeneines Besseren belehr 5 wird. Tie hübsche' Geschichte, wie ' - einer Adams' Weisheitszahn, als er drei Fahre ält' Wars HernMzeigt, ist auch bekannt und viel'belacht. "In '-diese Reihen ist Notkers Scherz also einzureihen, und er führt ihn als sein ältester Protagonist. DireNe Näckwirknngübte, söweit ich sehen kann, Notker keine, weilseine höchsk reizvollen KärlEeschichkM/die' man mit Nievküis AnekdötM vom Alten Fritz uM Änderen An-ekdotenfammlungen über große Männer vergleichen kann, nur daß -sie viel liebevoller und aNnrütigeL erzählt -sind, "Fragment geblieben sind und takenlös itz der St. Galler Klosterbücherei verschimmelten, bis matz sie örst ink-M Hrhrhündiert abschrieb. In besten traten sie auch da nicht itzs wirkliche Leben der Zeit ein. da das nnnuttelbare'Interefle.atz dein großen Erzähler und dem noch größeren 'Kaiser schön längst erlgschen/ war. und erst der Romantik und der modernen, Wissenschaft ist ihr Wert vollauf zum Btzwußtseiu gekqmrney>- pzch Notker konnte-nunmehr -eine Mar späte., doch um.; so Mählichere Ür°:. ständ feiern und mit ihm der Schwank vopnInhW und -Mner - MnjsmLns LilkbesUrL. - (tl:-Forts,)'" MoM« von S ainirel Meisels. '- ' ' : ^2 enjamin trat ein.. Der Photograph kam. ihm. freundlich; lächelnd entgegen, fragte, womit er dienen könne, und . machte, eine dankbare Verbeugung, als er. auf, seine stereotype ' Frage die -erhoffte Antwort erhielt. Dann lud er Benjamin -ein, \ aus dem Stuhl vor der Hinterwand Platz zu nehmen. Ben- - jamin. hatte einmal ein Bildnis Ludwig Jakobowfkis geschev; ein nachdenNiches Gesicht, das mit verklärter Miene in einem - Buche las. So und nicht anders wollte Benjamin photographiert werden. Der Photograph sagte bloß: „Wie Sie wünschen", und kroch unter das grüne Tuch, das über dem - Apparat hing. Er schob dann den Aparat bald nach vorn, bald nach hinten, rückte Benjamin mehrmals den Kops zurecht, hantierte an den Gardinen herum, um das Licht zu regulieren, und kroch wieder unter das grüne Tuch über dem - Apparat. Bald kam er wieder zum Vorschein und ermahnte Benjamin, sich ganz ruhig zu verhalten. Nach wenigen Augenblicken machte der Photograph eine untertänige Verbeugung; die Aufnahme war fertig. Der Photograph versprach, in acht Tagen -die Bilder zu liefern, und erbat sich die Adresse, an die er sie durch die Post zustellen könnte. Benjamin dankte und erklärte, er wolle sich nach acht Tagen die Bilder selbst abholen. Als er nach dem Rinqplatz zurückkehrte, fand er den Schlitten an der bezeichn-eten -Stelle. Pawel saß auf dem Bock, die Pelzmütze in die Stirn gedrückt, genau in derselben Positur, wie er ihn zurückgelasten hatte. Kaum hatte Benjamin -auf dem braunlackierten Sitz Platz genommen, da rührte sich auch schon Pawel, griff nach der Peitsche, zog die Pferde an und fuhr, in raschem Trab und unter Schellengeläut, den Weg zurück ins Dorf. Und mm kamen für Benjamin Tage voll iieberhafter Erregung. Es war aber nicht -die Ungeduld, eine Woche lang auf das Bild warten zu müssen, die ihn in eine fieberhafte Erregung versetzte, nein, damit hatte es seine Bewandtnis. Benjamin ging mit schönen Gedanken schwanger, mit tönenden Gefühlen, und er mühte sich redlich, die schönen Gedanken und tönenden Gefühle zu Kangvollen Rhythmen und farbensatten Bildern zu formen. er arbeitete nämlich an einem Gedicht. Böller Hingebung.widmete er sich dieser Arbeit, .und-sie war für ihn -schwer--und hart:- Zum erstenmal in seinem Leben fühlte er die Geburtsschmerzen des geistig Schaffenden. Er-walvoller Unruhe. Stundenlang schleuderte er im Zimmer aus ' und ab, zimmerte. Verse, baute Strophen, zählte Silben und / luchte, nach,klangreinen Reimen.- Besonders in den späten; Abendstunden.- wenn die Eltern schliefen, durchkostete er alle > Wehen und Wonnen der Schöpferstunde. Da saß er cm seinem . Tisch„- schrieb, strich durch, und schrieb Meder,/prüfte, das- Z-eit- - maß der Rhythmen und horchte auf den Wohlklang des-Reimes. : Das wiederholte sich einige Tage und einige Nächte, bis - er. eines Abends /hinter .ein -schöngeformtes, in wohlgeordnete i Zeilen gegliedertes-, Schriftstück einen .ziemlich; dicken Punkt | setzte und zufrieden lächelte. Das Gedicht war fertig,,, : J Nach acht Tagen fuhr Benjamin abermals nach dem bej nachbyrten Städtchen. Die Eltern wußten, nicht,wasMgentlich! -diese-Fahrten Pt bedeuten hätten., „Er fährt ausiLangeweile",! sagte der Vater, „zum Vergnügen", sagte die,Mutter, und beide. i waren sich; darscher einig, daß dies« Fahrten zwecklos seien.. 1

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