Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 423 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Schule^ .zw.sein. Der . Deutsch-Jsraelittsche GemeinVebUnd . Hat / es deshalb . natürlich für '' feine Pflicht ‘ gehalten,' gllO za tun. was zu dem . Ziele führen chünt^ . deti /qus ihrem, bisherigen . Wirkungskreise vertriebene^ Beämtey zu. neuer Tätigkeit zu vebhelsen. Er hat. sich zunächst in Mein Rundschreiben au sämtliche Delegierte , des Hundes, mit der Bitte gewandt, helfend mitzuwirken, um Hie jüdischen Lehrer, die als Opfer ihrer deutschen Gesinnung, ihre. Krotstelle verloren haben, iiy Kommnnaldienst /unterzubringen,, ebensv nach Möglichkeit dafür einzutreten, dqß Mäbbrner und Kultusbeamte, dieum nicht unter die Fremdherschaft zu geraten, ihre Heimat verlassen haben, bei der Besetzung frei 'werdender Stellen in . den Gemeinden berücksichtigt werden. . Er hat sich ferner, da bekanntermaßen jüdische Lehrer weit wehr als ihre christlichen Kollegen aus Schwierigkeiten bei der Erlangung von Stellen stoßen, an den Ätimster für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung mit einer Eingabe, in der folgendes ausgeführt wird, gewandt: „Von allen Seiten dringt zu uns der Hilferuf jüdischer Lehrer, die dein traurigen Schicksal entgegensehen, Polen einverleibt zu werden, und der Deutsch-Israelitische Gemeindebund sieht sich vor die allerschwerste seiner Ausgaben gestellt, die er seit den fünszig Jahren seines Bestehens zu erfüllen bemüht war, den Unglücklichen, die teils jetzt schon von den polnischen Behörden vertrieben, teils gewaltsam zurückgehalten werden, um spater Heimat und Amt zu verlieren, hilfreich zur Seite zu stehen. Wenn auch die Notlage nicht bloß die jüdischen Behrer trifft, so ist sie doch unter diesen vesonoers schwer, ja verzweifelt, da sie die doppelten Opfer ihres Deutschtums und ihres Bekenntnisses sind. Wahrend bereits Hunderte von Lehrern christlichen Bekenntnisses aus den abzutretenden Gebieten anderswo untergebracht find, ist es der hier unter der Leitung des Mitgliedes der preußischen Landesversammlung Herrn Ruszczynski bestehenden „FürsvvgesteUe" trotz aller wohlwollenden Bemühungen nicht gelungen, auch nur einen einzigen jüdischen Lehrer in Stellung zu bringen. Es ist uns bekannt, daß diese „Fürsorgestelle" an das Ministerium stlr Wissenschaft, Kunst und Volksbildung das Ersuchen gerichtet hat, ut Gropgemeinden die nötige Anzahl von Lehrämtern für jüdische Lehrer bereitzustellen. Nun hat der Magistrat zu Berlin die Gerestmigung zur' Anstellung von 15 jüdischen Lehrern bei dem Proeinzialschutkollegium nachgesucht. Trotzdem ist das Gesuch eines Lehrers, der bisher au der Simultanschule in Posen angestellt war und der drohenoen Internierung durch die Flucht glücklich entgangen ist, mit dem Bemerken abgelehnl worden, daß für jüdische rchrer leine Stelle frei ist. Ebenso abschlägig wurde er von den Magistraten Berlin-Wilmersdorf und Berlin-L-chöneberg beschieden. Nach unseren Ermittelungen würden 18 Lehrkräfte (12 männliche und 6 " weibliche) aus den abzutretenden Gebieten für anderweitige Unterbringung in Frage kommen, und das ju bewirten durste bei gutem Willen der zuständigen Bet)erden; mcht schwer fallen.' Wir bitten daher das hohe Ministerium, seinen Mnpust tndieser Michtung sowohl: m Grotz-Berlin als auch in anderen Teilen des preußischen Staates, namentlich in den Städten, ivo größere jüdische Gemeinden sich bejinden und die Gelegenheit zur Verwendung der jüdischen Uh rer im Religionsunterricht gegeben ist, geltend zu machen///)//-^./^ /) Ästf/diese Eingabe ist nachstehender Bescheid eingegangen: „Die üllkerrichlsverwattung ist bestrebt, für die in den Ostgebieten stellenlos gewordenen jüdischen Lehrer und.Lehrerinnen in der gleichen ''.Weife Di sorgen wie für die übrigen Lehrkräfte. Daß es unmöglich ist) alle zit versorgenden Lehrkräste-s ö s o r t in passenden neuen Stellen untechübringen, ist durch die Gesamttage der Verhältnisse bedingt und trifft in gleicher Weise christliche wie jüdische Lehrpersonen. Bis zur Unterbringüng in anderen Stellen' genießen die letzteren die Bdr-teile des- StLätsministerialbeschlusses vom 26. Juli W I. (veröfs'Wtticht im „Reichsanzeiger" vom 28. Juli d. I., Nr, 162) ebenso wie die-- christlichen Leh-rkräste, welche. sich,in derselben Lage bejinden." J - - Gleichzeitig hat derrDeutsch-Jsraelitische Gemeindehund dem - BrälldeübAvgtschMProvinzialschulkollegiumeine entsprechende Eingabe Unter Hinweis auf den Antrag des Magistrats, die Anstellung von 15 jüdischen Lehrern zu genehmigen, eingereicht, auf die folgende Antwort eingegangen ist: „Auf das Schreiben vom.22. August d. I. (I. A. IV. Nr. 6585/19) erwidern wir ergebenst, daß die Städtische Schuldeputation Berlin, die wir zu Ihrem Anträge gehört haben, uns mitgeteilt hat, daß für die jetzteventuell neu zu eröffnenden 15 jüdischen Lehrstellen geeignete Bewerber und Bewerberinnen tn der Person von jüdischen Lehrkräften/ die sich im hiesigen Botksschutdienst bereits bewährt haben, in genügender Anzahl vorhanden sind. Hiernach wird sich eine Ansetzung der. aus den Ostgebieten vertriebenen jüdischen Lehrer in Berlin nicht ermöglichen tasten. Für ihre Unterbringung kommt die Fürsorgestelle für Lehrer, Lindenstraße 14, in Frage: dorthin waren die beteiligten Lehrer zu weisen." Indem der Deutsch-Israelitische Gemeindebund von den bisher getanenen Schritten und ihren Ergebnissen Kenntnis gibt, spricht er die Bitte aus, daß alle diejenigen, die Grund zu haoen glauben/daß sie ihres Bekenntnisses wegen zurückgesetzt werden, sich an ihn wenden. Von seiner Seite soll alles geschehen, um sie vor solchen Benachteiligungen zu schützen. Rundschreiben des Nabbinerverbanvcs in Deutschland. Der Rabbinerverband in Deutschland hat an alle Gemeinden, welche Rabbiner anstellen, das nachfolgende Rundschreiben gerichtet: „Durch die traurige Wendung, die in den Geschicken unseres deutschen Vaterlandes eingetreten ist, ist auch die Stellung zahlreicher Rabbiner in den'Landesteilen, die nach den Frieoensvedmgungen von Deutschland losgelöst werden sollen, ernstlich bedroht. Eine nicht geringe Anzahl der in diesen Lanoesimeu gelegenen Gemeinden wird durch den Fortzug der steuerkräjtigen Mitglieder überhaupt nicht mehr tn der Lage sein, einen Rabbiner hatten zn tonnen; andere werden tri ihrer Steuertrast |o geschwächt werden, daß sre ihren Ravonler nicht in der bisherigen Weise werden besolden können. Planchen Rabbinern' wird auch das Verbleiben in ihrem Amte unmöglich gemacht werden, weil sie durch ihre deutsch-patriotische Hattung während der Kriegszeit ihre Stellung der neuen Regierung gegenüber gefährdet haben. Wir richten deshalb an die verehrlichen Vorstände der Synagogengerneinden in Deutschland die dringende Bitte, bei der Wledervesetzung der in chnen zur Erledigung gelangenden Rabbinerstellen diese ohne ihre Schuld in ihrer Existenz bedrohten Rabbiner in erster Reihe berücksichtigen zu wollen. Wir betrachten das als eine Ehrenpflicht der Gemeinden, der -sie sich, wie wir zuversichtlich hoffen, nicht entziehen werden. Der Geschästssührende Vorstand des Rabbinerverbandes in Deutschland. Guttmann (Breslau), Nobel (Frankfurt a. Bl.), Seligmaun «Frankfurt a. Bk.), Blumenthal (Berlin), Rosenthal (Köln), Kopfstein (Beuchen O.-S.). * Von der Direktion der Israelitischen Gartenbauschule ' Ahlem (früher Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem b. Hannover) erhalten wir folgende Zuschrift: Nachstehend geben wir von einem Abkommen Kenntnis, dasunsere Anstalt mit dem Vorsitzenden des Deutschen Kriegerbundes, Generaloberst v. Heeringen, abgeschlossen hat, nute*. Annahme, da,h dasselbe von Interesse für die jüdische Oeffentlichkeit sein wird. Der Deutsche Kriegerbund gibt diese Abmachung in seinem Verbandsörgan, der „Krieger-Zeitung", wie folgt bekannt: „Die Israelitische Gartenbauschule Ahlem, früher Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem, hat sich bereit erklärt, einige Plätze für die Waisen von Kriegervereinsmitgliedern gegen eine be° stimmte Jahresentschadigung zur Verfügung zu stellen. Dadurch sind wir in die Lage versetzt, nunmehr auch Kinder