Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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liberaler Jugendvereine, zu Händen des Herrn Alfred Berger, Breslau 7, Hoefchenstraße 61. M. Hamburg, 5. September. Im Logenheimfand kürzlich eine Versammlung der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde unter Leitung des Vorsitzenden Herrn I. F. L u r i-a statt. Es stand eine Reihe von Anträgen auf der Tagesordnung, die aus der Mitte der Gemeindemitglieder und auch vom Vorstand im Laufe der letzten Monate infolge der Neuordnupa aller Verhältnisse gestellt waren. Die Anträge betrafen insbesondere eine Aendernug der Statuten im Sinne der Demokratisierung und die Einführung des Franenwahlreckts. ferner Verleaung der Svnaaoae. v'elcke sieb, jetzt in der Neustadt, in der Markusstraße befindet, in die Grindelgegend vor dem Dammtnr und die Neuordnung des Gottesdienst."? nu Sinne einer ^oitgunäsien Modernisiernna. Trotz lebhafter Anssvracke kam e^ nicbt IN festen N."sebli"'sse^. Die s-'üutlicken Untreue wurden Knuunisjionen uie einaebenden Vrüsnna überwiesen. Eine endaültiae Bescklußsassnna wll in einer demnächst' neu ei nzu berufenden Gemeindeveriammbung er'folaen. — Miru^eu. 5. Sev'te,uber. In der Nackt nun Donnerstag n'nrde •'MT Dtndent am Niktualienn?arkt dabei scklnras-ckt. wie e^ tteine Zettel mit gedruckten ansrei-enden Ausfällen aeaen das i"dent'»nl o-nklebte. Der Dtildeut wurde einen?! Sckntzmann überder ckn ^rnr Voli-eidirektion brachte. Dein iungeu Manne nnn-den vnetz -ahlreube derartige Zettel abaenomn^en. Der barmie sn'te Z ettel l^t folgenden Inhalt: „Erprest! Verton en sohrkarte dritter Klasse Münclen - Ieruinleru. 6,00 Mark. Hin naeb Iern- 'alem. a'ber nickt >mebr -nrück!" Au'f einem anderen Zettel, mit der fetten Aus'ckrift „Nassenschände", lverden die deutschen Mädchen anfgewrdert, sich vor den Inden zu hüten. Wieder ein anderer wendet sich an die „Genossen." mit folgender Mitteilung: ..Frankfurt'L'v Juden schrieben am den arcßkapitatiftiscken iüdi seien Zentralverein: Tie Massen strömen der U. S. V. zu. Es ist unbedinat notlvendig, die'e harter Mi kaufen, damit wir Juden durck diese Partei unsere Partei erreichen." Der Leigefügte Kommentar schließt mit der Aufforderung „Hinaus!" Der aufreizendste Zettel wendet sich ebenfalls an die „Genossen" und endet gleichfalls mit der Aufforderung.: „Dar'U'mhinaus!" Later neu Pfahl. Das Wort „Laternenpfahl" ist wie eine Unterschrift darunteraesetzt. Gegen den Studenten, der die Nacht im Polize tarnest vedbrachite, wird Strafanzeige erstattet. b. W. Haigerloch (Hohenzollern), 5. September. Freitag abend, den 29. August, svrach im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur Herr Professor Roth heim-er vom Lessing-Gymnasium in Mannheim, zurzeit hier in der Sommerfrische, über: „Heidnische und abergläubische Bräuche im Judentum." Zu diesen rechnete er unter anderem' das Kapores-- und das Taschlichmachen. Er geißelte! vor allem die Unsitte, die noch so vielfach auf dem Lande herrscht, daß! man das Opferhuhn selbst ißt, ohne dessen Wert andie Armen zu verteilen. Ferner gehörten hierher noch die Sitte, den Kindern Amulette anzuhängen, verschiedene Gebräuche, die man auf dem Friedhof beobachten kann, und noch mehrere andere. Er bezeichnete all diese Bräuche, die so zäh geübt werden, als Schlacken, die sich an die reine, heilige Gotteslehre des Judentums augesetzt haben. Reicher Beifall lohnte den Redner. er. Frankfurt a. M., 5. September. Die Agudas-Jisroel- Jllgendarbeit hat in der letzten Zeit Fortschritte gemacht. Tie Bestrebung , die Organisation durch Errichtung von Bezirksfekretariaten auszubauen, ist zunächst in Hessen zur Durchführung gelangt, wo das erste derartige Sekretariat in Fulda begründet wurde. Damit ist die Organisationsarbeit in ein neues Stadium eingetreten, das besonders für die Außenarbeit der Agndas-J^isroel-J^.gendg^1^ppen eine günstige Perspektive eröffnet. Von der Erwägung ausgehend, daß die Jugendor ganisaiion in erster Reihe Erziehungsarbeit leisten soll, wird beabsichtigt, die Einrichtung von Kindergärten vorzubereiten. Aus diesem Grunde wurde hier ein M u st e r - K i n d erwarten eröffnet, dessen Aufgabe es ist, vorbildliche Arbeit im Kindergarten zu leisten und zweitens junge Mädchen, die bereits ihre theoretische Ausbildung im Seminar bekommen haben, in besonderen Seminarkursen in die Spezialarbeit des j ü d i s ch e u K indergartens einzuführen. Auf diese Weise soll ein Stamm dadurch ein bereits wiederholt hervorgetretencs Bedürfnis befriedigen zu können. Die Eröffnung der Seminarkurse wird in einigen Monaten erfolgen. — Frankfurt am Main, 5. September. Am Sonntag, den 31. August 1919, hatten sich die Delegierten der Hessischen und Hessen-Nassauischen Jugendvereine des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands in der Frankfurt-Loge zu Frankfurt am Main zu einer Versammlung vereinigt, in der 'die Gründung eines Landesverbandes in dieser Gegend beschlossen werden sollte. Wieder einmal zeigte sich ans dieser Tagung-, ein wie starker Wille zu jüdischer Arbeit in den Reihen der jüdischen Jugend lebt und wie fest die Jugend um das Banner der neutralen Jugendbewegung geschart ist. Infolgedessen wurde die Gründung des Landesverbandes, dessen alleiniger Zweck es ist, die Organisationen der Jugendbewegung in jenen Gegenden straffer zuumfassen, beschlossen. Außer geschäftlichen Fragen wurden die wichtigsten Probleme behandelt, die heute im Mittelp.unkte des jüdischen Interesses stehen. Die „Aufgaben der Jugendvereine in den Landgemeinden" behandelte in eindrucksvoller Weife Herr Svangenthal aus Sipangeuberg. Herr Ist Kahn (Frankfurt a. M.) erörterte die Notwendigkeit der Schaffung einer zielibewnßten Wanderorganiisation Die großen ethischen Probleine der Jugendbewegung, die religiöse .und sittliche Erziehung legte Herr Dr. Löffler (Frankfurt a. M.) in der ihm gewohnten, zu- Herzen gehenden eindringlichen! Weise dar. Herr Dr. Kurt Alexander (Berlin) berichtete über die antisemitischen Gefahren der Gegenwart und wies.auf die dringend erforderliche Betätigung der Jugend im Abwehr kani-pf hin. Besondere Zustimmung fanden die Ausfuhr ringen des Herrn Dr. Alfred Apfel (Berlin), der als B erbandsvorsitzen'der die Wünsche rmd Hofsnungeu der Verbandsleiinng für die Arbeit der Jugend zum. Ausdruck brachte. — Der jüdischen Arbeit in Süddeutschland ist dnrch die Schaffimg des Landesverbandes ein neuer und kräftiger Stützpunkt gegeben, worden. L2 Wiesbaden, 5. September. Die Israelitische Knltnsgenieinde in Wiesbaden feierte am 24. v. M. das 50jährige Bestehen ihrer Hauptsynagoge am Michelsberg. Das herrliche Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einem Ehorvortrag aus „Psalm 24" und der „Elias-Arie" von Felix Mendelssohn- Bartholdh hielt Herr Stadt- und Bezirksräbbiner Dr. L a z a r u s die Festpredigt. Im Eingang seiner Rede schilderte er in beredten Worten die Einweihungsseierlichlkeiten vor 50 Jahren und begann mit denselben Worten des damaligen Rabbiners Dr. Michael Süßkind: „Diese Pforte führt zu Gott, seine Verehrer kehren da ein" (Psalm 118,20). Er gedachte des Rabb. Dr. A. Geiger (1832--1838), der sich schon vor 50 Jahren für die Verbesserung des Kultus, Einführung des modernen Religionsunterrichts, Einführung regelmäßiger Predigten und der Konfirmation einsetzte, ferner des lauge Jahre segensreich' in der Genreirwe wirkenden Rabbiners Dr. M. Silberstein und endlich des bis im vorigen Jahre amtierenden Dr. Adolf Kober. Dem genialen Baumeister der Synagoge Herrn Oberbaurat Hofstnann, allen Kantoren, Lehrern, Beamten und Vorstehern der Gemeinde galt dann der Dank, daß sie dazu beigetragen, die Israelitische Kultusgemeinde zu ihrer jetzigen Blüte zu bringen. In geisckollen und packenden Worten verbreitete sich Herr Rabbiner Dr. Lazarus dann über das eigentliche Thema feiner Festrede: „Bedeutung und Berechtigung des jüdischen Gotteshauses". Es folgte dann ein 4stimmiger Frauenchor aus „Psalin 23" von Franz Schubert und der Vortrag eines Musikepos für Soli und Chor mit Orgel- und Harfenbegleitung „Von Tenlpel zu Teuchel" von Otto Wernicke (Text von dein derzeitigen Oberkantor der Gemeinde Abr. Nutzbamn). Der Synagogen- Gesangver'ein, der schon 1869 am Tage der Einweihung und am Tage nachher in -einem Konzert in Auwesellheit des Königs Wilhelm I. fein hohes Können zeigte, :nachte sich auch jetzt durch den musterhaften und künstlerischen Vortrag vorgenannter Chöre ganz besonders verdient. Ron Ash und Fern. — Der preußische Ministerpräsident Paul Hirsch wird in dem nächsten Zlvischensemester an der Berliner Universität «eine Reihe von Vorträgen halten über kommunalpolitische Probleme. Lechs Stunden sind dafür in Aussicht genommen, und zwar Dienstag abends um