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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-09-12 · Heft 37 (12.9.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 37 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 f> Hin*. Der Beginn ist am 13. Oktober. — Die U. S. P. D. veranstaltete Massenkundgebungen gegen Pogromhetze, Militarismus und Kouterrevolntion, die von großen Mengen Berliner Einwohner besucht waren. Es wurde in scharfer Weise gegen die antisemitische Hetze protestiert und am Schlüsse der Veranstaltungen in allen Versammlungen eine Resolution angenommen, die das Treiben der Antisemiten auf das schärfste verurteilt. Stadtrat a. D. Gimk i e tu i e z in Berlin-Wilmersdorf ist in Anerkennung seiner Verdienste um das Note Kreuz zu dessen Ehrenmitglied ernannt worden. Am 24. August beging das Ehepaar H a m el. Berlin, Gitschiner Straße 81, das schöne He st der Goldenen Hochzeit. Während des Vormittags erschienen in der Wohnung zahlreiche Gratulanten, unter anderen eine Deputation des Militärvereins ,Deutsches Vaterland". Der Erste Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. D o n i g , feierte den Jubilar als alten Veteranen, treuen Kameraden und Mitbegründer des Vereins. Der Zweite Vorsitzende, Herr Roth stein, beglückwünschte das Jubelpaar und überreichte eine Spende des Vereins. Am Nachmittag fand in der Svnagoae in der Lindenstraße die Einsegnung durch Rabbiner Dr. W a r i ck> a u e r statt. Herr H a m e t hat 28 Jahre im Dienste des Auswärtigen Amtes gestanden. - Aus Königsberg i. Pr. wird uns geschrieben: Die Geschäftsstelle des Volksrates Ostmark veröffentlicht folgende E r - klär u n g: ,,Es ging uns ein Flugblatt zu, das in den letzten Taaen am hiesigen Platze verteilt worden ist und sich gegen die iüdischen Staatsbüraer wendet. Das Flugblatt trägt die Überschrift: „11. Flugblatt Deutscher Volksrat (3. Auflage)" und ist in Leipzig gedruckt. Wir nehmen Veranlassung, ausdrücklich darauf binznweisen. daß wir weder mit dem sogenannten Volksrat in Leipzig noch mit Flugblättern dieser Art irgend etwas zu tun haben. Für uns gilt nach wie vor als oberster Grundsatz: alle; Deutschen ohne Nöck siebt auf ihren Glauben, ihre Partei und ihren Stand zusammenzuübließen." Die Spnagogenaemeinde Posen erhebt, um den Jehlbetrag in ihrem Haushalt für das Steuersahr 1918 decken m können, einen Zuschlag von 4 5 v. H. zur staatlichen Einkommensteuer. Obgleich die Ans- * gabetitel vielfach nickst unbeträchtlich aestieaen sind, hofft die Gemeindeverloaltung mit diesem unverändert gebliebenen Zuschlag ausntkommen. Alls Bromberg wird berichtet: Zu einer Abschiedsfeier für den von Bromberg scheidend "n Nabbiner Dr. Walter., der nach 28sähriaer Täti-akeit on der hienaen Jüdischen Geilleinde nach Kassel berufen wurde. Tuitti'n sich am Sonntag zahlreiche Mitglieder der Gemeinde sonne Vertreter der hiesigen höheren Schulen, an denen der Scheid''nde Neliaionsnnterricht erteilt hatte, in der Allla der Hilldelltnlrg-Oberrealsch'llte vereinigt. Jnstizrat Baerloald überreichte beiu Scheidenden linter Hervorbebnna feiner Verdunste irm die Gemeinde ein von dieser gestiftetes Abschiedsg.eschenk. Dr. I. E o h ll sprach mt Namen der Gemeiiiderepräsentamen, Lehrer Herzberg für die Beamten der Jüdischen Gemeinde. Gpmnanatdirektvr Dr. L i nt n n namens der höheren Lehranstalten. Herr M a r k n s int Nanten der iüdisch'n Vereine und ein Schüler für seine Mitschüler im Neligionsnllterricht. Dr. Walter erwiderte mit herzlichen Worten dee Abschieds und des Dankes. Mit einem Orgelsviel falld die Feier ihren Abschluß. Am 31. Allglist starb in Breslau Iran Ella Ja bi an, geborene Baroll, Witwe des Waiseuhallsdirektvr^ Nabbiner Lev Fabian. Die antifemitl-sche Lokalpresse in Halle a. d. S. erregte sich über das Vorgehen einer iüdischen Studentenverbindung, deren Mitglieder von einem bärtigen bekannten Bllchhändler die Eutsermlna antisenlitischer Schriften alls denl Schaufeuster forderten. Da dieser Wunsch in barscher Jo rin abgelehnt wurde, entzogen die südlichen Kommilitonen deln betreffenden Bllchhändler ihre Kundschaft. Null wettern die Antisemiten über ..das gemeine und ehrlose Vorgehen des akadelnischen Nachwuchses .JudaauD". Wir begrilßeu die Selbsthilfe der jüdischen Studentell mld lvünschten. daß sich die jüdischen Kolnlllititonen an dem Vorgehen der jüdischen Studenten in Halle ein Muster nähmen. -- In Dortmund verstarb im 73. Lebensjahre der Großkaufmann Isidor Golds ch in i d t, Gründer und Vorsitzender der Dortmunder Getreidebörse. — Z u m B -r irat d e s R e i ch s k v m m i s s a r s f ü r Westfalen wurde der fozialistisckie Stadtverordnete Stern borg in Beckum ernannt, der bisher die israelitische Privatschule in Beckum leitete. Die Israelitische Gemeinde in Alsbach feierte vor kurzem das 150jährige Bestehenihres Gotteshauses. Die Jestrede hielb Rabbiner Dr. M e r x aus Darmstadt. — Ans Wildungen wird geschrieben: Der „Deutsche Schutz- und Trntzbund" hat auch in unserem Badeort feine Propaganda aufgenommen. An der Hellenen-Ou-elle und Georg-Bictor-Quelle waren >die berüchtigten Hetzaufrufe angeschlagen, vor denen sich jüdische und christliche Kurgäste versammelten, wobei es zu sehr scharfen Auseinandersetzungen kam. Die jüdischen Kurgäste verlangten von der Badeverwaltung die Entfernung der Heßblätter, die von -der Verwaltung trotz des stürmischen Protestes der anwesenden Anti sein iten angeorbnet wurde. — Dr. A. Freimann, Bibliothekar an der Stadtbibliothek in Frankfurt a. M., ist der Titel Professor verliehen worden. Professor Freimann ist Herausgeber der „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" und Mitglied des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde. — Aus Zürich wird geschrieben: „Die Not, die in so vielen jüdischen Kreisen herrscht, stellt immer neue Anforderungen an die Schweizer Judenheit, und trotzdem besteht die berocht late Hoffnung, daß auch neue von ihr erfüllt lverden. Diesmal handelt es sich um jüdische Studenten aus Wien. Es ist bekannt, daß eine Schweizer Hilfsaktion zugunsten Wiener Studenten einaeleitet wurde. Unter diesen hilfsbedürftigen jüdischen Studenten befindet sich auch eine Anzahl Juden, für die nur von Juden gesorgt werden kann. Zwei Aufrufe in dieser Nummer weisen darauf hiw. die wir der Berücksichtiaung der Lestr empfehlen." Bros. Dr. Arthur N o se n,zwo i a , Rabbiner der Israelitischen Kultusaemeinde in Aussig, wurde zum Nabbiner in Stuttgart aewäblt. -- In Prag fanden am 5. d. M. große antidentscho und antifemitifcke Demonstrationen statt, an denen sich auch tschechische Legionäre beteiliaten. Eine Abordnung der Demonstranten überbrackste dem Präsidenten Malarvk eine Entschließ'Una. Wiener Blätter veröffentlichen Meldnnaen über geaen Deutsche nnd Inden gerichtete Unruhen in Brünn, wobei in Mt Straßen die deutschen Jirmentaseln nnd Straßenschilder herabaerisstn nnd Zertrümmert wurden. An den Ausschreitungen waren auch Damen der besseren Gesellschaft beteiligt. — Wie wir bereits aemekdet haben, lvnrden in vielen Städten Polens di" Stadtratswablen für einen Samstaa ansaeschrieben. Nach dem Landtagsklub beim Jüdifchen Nationatrat für Polen hat fetzt auch der Abgeordnete Nabbiner Ha Ipern in dieser Anaelegeubeit beim Minister das Innern interveniert und die Verschiebung der ansaeschriebenen Wahlen gefordert. Der Minister entsprach dem Wunsche fc-pv jüdischen Abgeordneten und verfügte telegraphisch die Berlegnna der Wahlen ans einen anderen Tag. - Jnfolae sortloährender Erhöhung der Wobnnngspreise in Jaffa haben die dortigen Mieter zu ihrem Schutze einen Mieterverein gegründet. Laut neuesten Nachrichten hat die Okkupationsbehörde ein Mieterfchutzaesetz erlassen, wonach jede weitere Steigerung der Wohnungspreife verboten wird. — Die Nachrichten über die Judenpogronle in der Ukraine haben -bei den amerikanischen Inden ungeheure Aufreanna bervorgernfen. Tn in Amerika viele aus der Ukraine stammende Juden wohnen, deren Familie in und Verwandte noch in der Ukraine sieb befinden, so wird das Staats'devartement mit Fragen über das Los ihrer noch in der Ukraine sich befindlichen Verwandten überschüttet. Die amerikanischen Inden bereuen große Manifestationen vor. uni gegen die Petljura seitens der Alliierten geleistete Hilfe zu Protestieren. -- Wie amerikanische Flugblätter melden, hat ein nordamerikanisches Konsortium die durch den Krieg unterbrochenen Arbeiten zur Erschließung, der Erdölvorkommnisse in Palästina wieder aufgenommen. Ter Leiter der Prod-uktionsabteilung der Prairie Oil and Gas Eie. hat-die Leitung der betreffenden Arbeiten übernommen und ist bereits nach Palästina abgereist. Am 1. September fand in New Pork eine Konferenz der Vertreter, aller Institutionen, die sich während des Krieges mit der Rettungsaktion für die jüdischen Kriegsopfer in Osteuropa und Palästina besaßt haben, statt. Außer den Vertretern der amerikanischen Institutionen waren auch die Vertreter ähnlicher europäischer Institutionen eingeladen. Die Konferenz behandelte auch die Frage der Organisierung von Hilfe für die jetzigen philanthropischen Institutionen in der kritischen Nachkriegszeit. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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