Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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fr v- Berlin, 9. September. Die B o r s ch u l e de r I s r a c - litischen 8 i) 11 o (] o d c n g c in e i n b e A daß - Ii s r o e l. die erst am 1. Mai eröffnet wurde, hat einen andauernden, überaus starken Zuwachs von Schülern und Schülerinnen aufzuweisen. Der Schülerbesuch der untersten Klaffe ist bereits auf die höchste zulässige Zahl angewachsen, so daß die Schulleitung nicht in der Lage ist, die noch fortgesetzt eingehenden Nenau Meldungen zu berücksichtigen. Außerdem aber macht sich jetzt schon das Bedürfnis nach Errichtung einer Herbstanfängerklasse geltend, da zahlreiche Eltern ihre Kinder, die jetzt schulreif werden, Won jetzt anstatt erst im Frühjahr 1920 einschulen möchten. Ilm diesen Wünschen Rechnung zu tragen, ist beschlossen worden, der bereits bestehenden dritten und zweiten Borschulklasfe noch eine dritte A n f ä n a e r k l a s s e anzngliederu, in welche zum Herbst Kinder mich zurückgelegtem sechsten Lebensjahr ausgenommen werden sollen, falls genügend Anmeldungen eingehen. Diese neuzuerösfnende Klaffe erhält einen Unterricht nach besonderem Plan, durch den ermöglicht werden soll, daß die Zöaliiwe das Zwischeujahrspenfnm der 3. und 2. Vorschulklasse in 1'/> Jab re erledigen und demnach zum April 1921 das Ziel der 1. Vorschulklasse erreichen werden. fr.**fr Berlin. 9. September. D r I ü d i s cb e N a t i o n a l f a n d s. der im Jahre 1901 gegründet wurde und dessen Zweck es ist. Grund und Boden in Palästina zu erwerben und ihn jüdischen Ansiedlern in Erbpacht zu übergeben, findet beim Judentum der aanzen Welt innrer größeres Verständnis und intensivere Nnterstützuna. Die für ihn aenuchneten Spenden betragen bereits für das erste Halbjahr 1919 2 531 398 Francs, während noch das ganze Jahr 1918 2 243187 Francs ergab. Die Spenden verteilen sich nach der Höhe der Beträge auf die folgenden Länder: Rußland 059 219 Rubel. Nordamerika 03 780 Dollar, England 13 028 Pfund Sterling, Deutschland 004 929 M-^rk. Voten 504 745 Mark. Südafrika 5704.7.0 Pfund Sterling, Kanada 3771 Dollar, Rumänien 150 000 Lei und 2408 Mark, Argentinien 25 087 Pesos. Südslawische Länder 222 244 Kronen, Tschecbo- Slowakei 222 843 Kronen. Belaien 22 014 Francs und 4448 Gulden, Galizien 131 090 Kronen, Deutsch-Oesterreich 140 241 Kronen, Holland 13 482 Gulden. Schweiz 21 803 Franken, Frankreich 21142 Francs, Palästina 43 577 Piaster. Weißrußland 23 142 Mark. Schweden 0087 Kronen, Griechenland 10 879 Francs und 292 013 Lei. China 400 Lei, Dänemark 2401 Kronen und 50 Mark. Aeavpten 105.5 Pfund Sterling. Rorwegen 2550 Kronen. Litauen 0740 Mark. Tunis 2208 Tranes, Australien 09.5 Pfund Sterlina, Spanien 20.12 Pfund Sterling und Marokko 50 Francs. — Trotzdem das Eraebnis von rund 2% Millionen Tranes ganz ansehnlich ist. so entspricht es doch nicht dem voll der R'ationalfolldsverwaltung für das laufende Jahr veranschlagten Rettoerfordernis von 10 Millionen Tranes pro Jahr, was nun Teil darauf zu rückzuführen ist, daß in den östlichen Ländern die Propagairda und die systematische Saliunelarbeit größtenteils noch immer lahmaeleat sind. Gerade jetzt aber bedarf der Natioualsonds größerer Geldmittel als je vorher. — Immer näher rückt der Zeitpunkt heran, wo der Nationalfonds unmittelbar vor die Erfüllung seiner großen Aufgaben gestellt sein wird. Es gelangen schon jetzt fast täglich an ihn alls den verschiedenen Ländern Ansuchen um Ileberlassung von Erbpachtboden für ländliche und auch städtische Siedlungen. Er lvird den Anforderungen nur dann entsprechen können, wenn seine Freunde tn der ganzen Welt alles daransetzen, um seine jetzigen Einnahmen zu vervielfachen. Posen, 5. September. In der Nacht vom 22./20. August verschied der 3teprä'eutantenvorsteher der Posener Jüdischen Gemeinde, Stadtältester Jakob Schleyer. Stadtrat a. D. Die Beisctzung saud am 28. August unter nngewvhnlich starker Beteiligung vom Trauerhawe aus statt. Unter dem Gefolge befanden sich neben dem Vorstand und den Repräsentanten der Gemeinde der fetzige Oberbürgermeister, der frühere Bürgermeister, alle früheren deutschen sowie drei polnische Stadträte und die deutsche Sta'dtverordnetenfraktiom. Die Feier fand im Freien statt, da die Leichenhalle die Zahl der Teilnehmer nicht zu fassen vermocht hätte. Ein. Onarteck, bestehend ans den Oberkantoren und den Ehordirigeuten der liberalen und der orthodoxen Synagoge, trug zwei hebräische und ein deutsches Lied vor. Die eigentliche Trauerrede hielt Gettieinderabbiner Pros. Tr. Bloch. Er rühmte die Einsicht, Herzensgute und Pflichttreue des Entschlafenen, der vorbildlich in feinem äußeren wie in feinem Innenleben war. Seine tadellose Lebensführung und die peinlich gewissenhafte Ausführung -der ihm anvertrauten Ausgaben brachten ihn allmählich an die Spitze von staatlichen, städtischen und Gern e indeeinr ichtu ngen. Gemei n'derabbin'er Dr. $ r e iw a n n pries die großen Verdienste des Verstorbenen um di>e Gemeinde und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Männer wie er sich finden mögen zur Aufrechterhattung des bisher so regen Posener Gemeindelebens. Rabbiner Dr. Stein thal schilderte den Verstorbenen! als Vorkämpfer des liberalen Judentums, als Freund der Beamten und als Vater der Armen. Fabri-kdirektor S. Victor widmete dem dahingeschiedenen Exprästdenten einen ergreifenden Nachruf im Namen der Amicitia-Loge U. O. B. B. — Sonntag, den 31. August, veranstaltete die Gemeinde in der Synagoge 6 (Brüdergemeinde) eine weihevolle Tranerfeier. Sie wurde eingeleitet durch ein Orgelpralndinm, dem Ehorgesang folgte. Hieraus bestieg Rabbiner Dr. S te i.n th.nl zur Gedenkrede die Kanzel. Indem er den Heimgegangenen als vorbildlichen Vertreter des Judentums schilderte, mahnte er zur Nachfolge in seinen Wegen. Gemeinderabbiner Prof. Tr. Bloch leitete in einem stimmungsvollen Gebet zu dom El-mole-rachamim hin, das veil offener Lade, vom Oberkantor Lilienthal vorgetragen, den Höhepunkt der Feier bildete. 6. Breslau, 5. September. Der I ü d i s ch - l v b e t a l e I it g e n dv e r e i n zu Breslau berichtet: Unsere Tätigkeit haben wir in diesem Jahre bis tief in den Juli hinein fortgesetzt. Nach der von uns berichteten wohl gelungenen P'nrimfeier beteiligten' wir nlns an einer Versamimlung der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum i n Deu tschland, in der die Herren Pros. Dr. W o hl a n e r und Rabbiner Dr. S ä n g e r referierten über: ,,Jüdische Gegeuwartsun.d Zukunstssragen -unter besonderer Berücksichtigung der hiesigen Gemeindeverhältnisse". Sowohl die Referenten als auch die Diskussionsredner waren sich darin einig, daß die kommende Neuorganisation der jüdischen Gemeinden auf demokratischer Grundlage aufgebant sein mü-sse und daß jede Richtung ihre Wün-sche erfüllt bekäme, soweit es die gegebenen Verhältnisse gestatten. Am 12. Juni sprach Herr Gemeinderabbiner Dr. B. Keller man n (Berlin) vor einer trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit gntbesuchten Versammlung über: „Die Zukunftskrast des religiös^lilbe raten Jzidentnms". In warmen Worten wies der Vortragende darauf hin, daß weder Orthodoxie noch Nationalfudentum der hohen Mission des Judentums, eine manschen- und völkerverbindende Gemeinschaft zu sein, gerecht würde und wie das liberale Judentum, ausgehend von den Lehren unserer Propheten, den Kern zur Menschheitsreligion in sich trüge. Eine große Anzahl der Erschiienenen nahm Veranlassung, sich unserer Vereinigung anzluschließen. Ein anderes Bild kulturhistorischen Inhalts entrollte Herr cand. jur. L ö b in petnonr Vortrag: „Rechtliche und soziale Stellung der deutschen Juden vor der Emanzipation". In unseren Ntitgliederversammlungen wurden Tendenzvorträge abgehalten mit den Themen: „Der jüdische Liberalismus als 3teligionsa.nffass.nng und Bewegung", „Zweck und Ziele der jüdisch-liberaleu Jugendbewegung" und „Strömungen in der jüdischen Jugendbewegung". Eine weitere Atitgliedervers-a'MiM'lin-ng war der Besprechung des Ergebnisses der Vorstandssitzungen der Arbeitsgemeillschaft jüdisch-liberaler Jngendvcreine und der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland gewidmet. In der letzten 3Nitgliede'rversammlnng referierte der Repräsentant Herr Albert B i -e l s> cho w s k y über: „Die Abänderung der Statuten der Synagogengemeinde zu Breslau". An das sehr wertvolle Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in der allgemein dem Bedauern Ausdruck gegeben wurde, daß durch das Judengesetz von 1847 eine durchgreifende Satzungsänderung von den Repräsentanten nid;t vorgenommen werden konnte, wodurch besonders die Kriegsteilnehmer itn-b die Jugend beeinträchtigt werden, ihren Willen knndzugeben. Es wurde beschlossen, den Borstand zu beauftragen, in dieser 3tichtnng geeignet Schritte zu unternehmen. So haben wir in der verflossenen Periode dem Judentum und der jüdischen Jugend zu nutzen gesucht, aber noch ist die Zahl derer, die außerhalb unserer Bestrebungen stchen, recht groß, und an diese ergeht unser Ruf, mitznarbe-ten an der Entwicklung des deutschen Judentums. Jede Auskunft erteilt bereilwilligst das Sekretariat der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-