Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- Seite 420 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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zu, mit ihnen auf acht Tage Nach Interlaken zu gehen. Ich entschloß unch . . . Wir reisten also am 13. ab . . . Wir verlebten in Jnterlaken die folgenden nenn Tage zusammen sehr gemütlich. Herr Lazarus las uns öfters vor, abends saßen wir noch immer aus ihrem Balkon. Mit Lazarus besuchte ich eine Familie v. Rapport, die sich eine entzückende Billa am Nagen gebaut hat. Da sahen wir die Jungfrau im herrlichsten Alpenglühen." Aus einem Briefe van Professor Lazarus an Clara nach dem Tode ihrer Tochter Julie: „Berlin, 25. August. 1872. , . . Ihnen, teure Freundin, steht glücklicherweise als Helferin, einzig in ihrer Art, die herrliche Kunst zur Leite, die es Ihnen gestattet, auch schweigend die innerste Sehnsucht nach Trost in ergreifenden Tönen auszilhauchen. Ich begreife es wohl, daß Ihre Kinder -- wie uns Ihr lieber Ferdinand erzählte -- meinten, sie hätten Sie nie so wunderbar spielen hören als in den jüngsten Konzerten zu Wien. Ich bin überzeugt, daß dies auf keinerlei Täuschung beruht. Aber es ist unsäglich rührend, Sie am Klavier zu denken, wie Sie gleichsam mit Ihrem Herzblut die Meisterwerke beleben, um hörende Seelen mit den Tönen zu erheben und zu. erquicken . . ." Im Februar 1874 schreibt Clara: „(Lin Theaterstück „Mein Leopold" machte viel Glück; Lazarnsens luden uns ein, mit ihnen es ,\n sehen. Blich sprach es nicht jo sehr an, ich fand wenig Witz darin und doch nur eine schwache Kopie von Raimunds „Verschwender" . . ." Aus einem Briese von Professor Lazarus an Clara: „Nizza, 13. November 1881. . . . Nächstens werden Die den dritten Band „Leben der Seele" erhalten, dessen zweite Abhandlung über „Vermischung der Künste" das Kapitel über Musik ausführlich behandelt. Wollen Sie einen günstigen Blick hineinwerfen, dann werden Sie sofort auch in Ihrem Gemüt erkennen, wie oft und wie sehr herzlich ich Ihrer während der Fassung dieser Gedanken gedacht habe. Wahrlich nicht bloß, weil Sie den Namen Schumann oft genug darin, finden, der zu den seltenen musikalischen Genies gehört, die auch in philosophischer Denkart ihre Kunst erfassen; sondern und vor allem, weil zu den besten Musikstunden, die meine Seele erfüllt lind ergriffen haben, diejenigen gehören, die ich dem Genius der Kunst verdanke, der in Ihrem Spiele waltet. Zu dem Liebsten, was ich mir vorstellen kann, würde ich zählen, wenn ich Ihnen daraus vorlesen und Sie fragen könnte, ob Sie meinem Suchen und Ringen nach Klarheit über das, was uns unbewußt, erhebt und hinreißt, Ihre Zustimmung geben ..." Am 12. Februar 1886 schreibt Clara: „Ich habe in dieser Zeit mal angesangen, alte Briefe zu lesen. Da habe ich denn viele Briefe von Lazarnsens aus alter Zeit in die Hände bekommen und die innigste Freude namentlich an denen von ihm empfunden. Sie haben mich wahrhaft gerührt. Ich habe an Lazarnsens treue Freunde gehabt und fühle drückend den Einfluß der Verhältnisse, die einen so oft mit alten Freunden äußerlich auseinander bringen. Es genügt aber dann doch ein leiser Anstoß, einen fühlen zu lassen, daß innerlich das alte Freundschaftsgefühl und, wie hier, die alte Dankbarkeit lebt, und dann spricht man es auch gern aus, ich wenigstens!"-^) Am 30. Januar 1889 schreibt sie anläßlich eines Konzertaufenthalts in Berlin: „. . . Abschied bei Laznrusens ... . Immer sind diese beiden Freunde aufmerksam und herzlich . . . für ihn habe ich eine herzliche Verehrung." Am 22. Dezember 1890 schreibt Professor Engelmann ans Utrecht an Clara Schumann: . . Es war uns eine wahre Freude, Fräulein Eilunschütz kennenzulernen. Wie selten begegnet man einem so außerordentlichen und dabei so wohlgepflegten Talent. Und wie wohltuend berührt die frische, frohe, kindliche -Natürlichkeit ihres Wesens. Das Konzert hat sie sehr schön gespielt und bei Musikern wie beim großen Publikum einen wirklichen Erfolg davongetragen. Das I-rnoU-Konzert spielte sie technisch tadellos, mit großer Ruhe und bewundernswerter Kraft und in einer edlen Auffassung, die deutlich genug aus die reine Quelle hinwies, an der sie geschöpft. Sie hätten gewiß ihre Freude daran gehabt! — Jedenfalls dürfen Sie sich dieser Schülerin herzlich freuen, die denn auch kein Ge- 6) In einein Briese, den sie am Tage darauf an Frau Lazarus richtete. heimnis daraus macht, daß sie es Ihnen vor allem zu danken Hai, wenn etwas Ordentliches aus ihr wird." — Am 30. Januar 1894 schreibt Clara: ,pörief von Ilona Eibenschütz, die mir viele Kritiken sendet über die neuen Stücke von Brahms, die sie neulich im Populär in London gespielt hat." Und am 6. Juli schreibt sie von Jnterlaken an Dr. Wilkinson in London: „Wie sehr hat mich alles in Ihrem Briefe interessiert! Ilona Eibenschütz muß nach allem, was ich hörte und von Ihnen bestätigt fand, große Fortschritte gemacht haben! Ihre Gesundheit (Nerven) macht mir aber auch Sorge — es fehlt ihr ein verständiger Vater zur Seite, so wie ich das Glück hatte, ihn zu besitzen, der über ihre Gesundheit wachte, sorgte, daß. sie tüchtig spazierenginge, nie in späte Gesellschaften Einladungen annähme, nie zu viel hintereinander übte, nie am Nachmittag vor einem Abendkonzert anderes täte, als ruhete, kurz, der sie bewachte." — Mit dieser mütterlichen Fürsorge um eine Lieblingsschülerin schließen die Auszeichnungen der edlen Frau über ihre Beziehungen zu Inden. Allen Freunden und Freundinnen der Tonkunst sei das Lietzmannsche Werk, das einev wertvollen Beitrag zu deren Geschichte lvie zur Zeitgeschichte durch länger als ein halbes Jahrhundert bildet, warm empfohlen. B r e s l a n. R e g i n a N e i ß e r. Lüchrrrmlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Zur Iuden'frage. Bon Karl Marx. Her-ausgegeben und eingeleitet von Stefan G r v ß m a n n. 1.—5. Tausend. Ernst Rowohlt, Verlag, Berlin 1919. Denkschrift über Irland. Dem, Syndikalköngreß und der Internnationalen Arbeiter- und Sozialistenkonferenz in Bern 1919 von der Abordnung der Arbeiterpartei vorgelegk. Bern, 10. Februar 1919. Randbemerkungen (1914—1917) von Georg H e r m a n n. Egon Fleischetu. Co., Berlin 1919. Die Kaktowitzer. Konferenz 1884. Protokolle. Her aus-gegeben und eingeleitet von Tr. N. M. Gelbert. M. Hickl, Verlag, Wien-Brünn. Bkvnatsfchrift für Geschichte und Wissenschast des Judentums. Festnummer zum 70. Geburtstag M.. B ra u n s (9. Juli 1919). Im Aufträge der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschast des Judentums herausgegeben von I. Elbogen und A. Frei mann. April/Juni 1919. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung. Der Siedler. Eine deutsche Halbmonatsschrift. .Schriftleiter Dr. H. H. Zisseler. 2. Jahrgang, 1919/20. Heft 1—2. Juli. Oskar Laube, Verlag, Dresden. Der Neue Merkur. Monatshefte. Herausgeber L. Frisch und W. Hänfenst ein. 3. Jahrgang. Juni 1919. Verlag „Der Nene Ni er kur", München. Jüdische Zeitfragen, Nr. 1. Dr. Nathan Birnbaum: Vor dem Wandersturm 1919 (5679). Verlag L. Sänger, Frankfurt a. Alain. Jakob Finger mann: Die Flucht aus Jerusaleuu Novellen. 1919. R. Löwit, Verlag, Berlin und Wien. Antiquariatsverzeichnis Nr. 78: Neuerwerbungen. Oskar Rauthe, Berlin-Friedenau, Handjerystraße 72. An die Menschheit. Felix Cgo-Brodsky: Tie Namenlosen. H. Rosenberg, Berlin W 9. 1919. Dr. M. Poppelauers Volkskalender für Israeliten auf das Jahr 5680 (1920). Mit literarischen Notizen und einem Gedenkblatt versehen. 60. Jahrgang. Verlag von M. Poppelauer, Buchhandlung, Berlin C 2, Neue Friedrichstraße 59. Zetten und Völker. Monatshefte für Volkswirtschaskslehre, Staatsbürgerkunde, Geschichte und Geographie. 16. Jahrgang. 'Heft 1. Frankhsche Verlagshandlung, Stuttgart. Judentum und Christentum. Von Rabbiner Dr. Max Dieneinan n. Zweite Auflage. Preis 2,50 Mark und 10 Prozent Teuerungs- Zuschlag. Verlag I. Kaufftnann, Frankfurt a. M., 1919.. Die jüdischen Wanderb ew'egrrngen in 'der neuesten Zeit (1880 bis 1914). Von Dr. Wlad. Kap l u n - K og a n. Bonn er. Rh. 1919. A. Marcus u. E. Webers Verlag (Dr. Albert Ahn). Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft judisck>liberaler Jugend- Vereine Deutschlands. Nr. 2. August 1919. Jahrgang 1. Die Pintim für Rosch Haschana. Uebersetzt und erläutert voll Dr. Joseph Breuer. Verlag von Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M. 1919. Preis, eleg. gebunden, 15,— M.