Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wanderung itlvct den schönen Bortrag der gesanglichen Darbietungen seitens der schumchsinnigeu Kinder gesellte sich noch die Freude, als. auch hebräische traute Weisen an. Das Ohr. der Gäste klangen, die ganz besonders die. Herzen der .Anwesenden, rührten. (Liner- Besichtigung sämtlicher Räume und Einrichtungen der Anstalt, die überall den Beifall der Besucher fanden, ging eine solche der Ausstellung von Schülerarbeiten voran, die die höchste Bewunderung der Besucher hervorriefen.. Zinn Schluß wurde auch noch das Anstaltsfeld, das von den Zöglingen bestellt wird, einer Besichtigung unterzogen. Hochbefriedigt verabschiedeten sich die Gäste gegen Abend mit dem Bewußtsein, ein Werk reinster Menschenliebe besichtigt zu haben. Das im Geiste einer einzigen großen Haushaltung geleitet wird und für Die Insassen und deren Angehörige Segen und Hoffnung bedeutet. Köpenick b. Berlin, 2. September. Der Jüdische Sportverein „DielKa-lneraden (Köpenick), der am 26. Juni d. I. begründet worden ist, hielt nur 27. August im Kaiserhof, Köpenick, seine erste Mitgliederversaunn'lung ab, die sehr stark besucht war. Die Israelitische Bereinigung zu Karlshorst und die Synagogengemeinde Köpenick hatten Vertreter entsandt, um dem jungen Verein, der der erste Zugendverein an diesem Orte ist, ihr Interesse zu beweisen. Als Gast war Herr Prediger Frank (Köpenick) anwesend. Die Versa uimUtitKj, die von Herrn Harry Großmann geleitet wurde, begann ,m'i>t einem Referat des stuck, jur. Martin Sobo,tge r, des 1. Vorsitzenden .der Berliner „Kameraden", über die jüdische Jugendbewegung. Ter Redner zeigte der Bersammln,ng, daß die Aufgaben, die sie zu erfüllen haben, von so großer Wichtigkeit seien, daß sie ihr Ganzes an die Ausführung setzen müssen. Boran stellte er die Vertiefung in jüdisches Wissen und in die Kenntnisse der jüdischen Lehre. Nur durch ein Bekenntnis zum .Religionjudentum ist dem Verein, der auf religiös neutraler Grundlage unter entschiedener Ablehnung des Nationaljudentums steht, sein Weg gelviesen. Es ist ein Kampf um Deutschtum und Judentum, den der Verein a.u'f sein Panier geschrieben hat. — Herr Dipl.-Ing. Herz vom Zentraloerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach daun über den Antisemitismus und seine Bekämpfung. Alle Kräfte müssen zusammengesaßt werden, um die Seuche, die uns um unsere Existenz und Gleichberechtigung zu bringen droht, niederzuhalten. Er forderte zur Gründung einer Organisation oder Kampfspende auf, um den Gegner wirksam bekämpfen zu können.--Nachdem Fräulein Wolfs (Köpenick) einen Bericht über die bisherige Arbeib gegeben hatte, wurden die Vertrauensleute entlastet und der Vorstand wieder gewählt. —- Zum Schluß fand noch eit* geselliges Zusammenjcm in den gastlichen Räumen statt. er. Danzig, 29. August. Der I ü d i s ch e T u r n - und Sportve r e i n B a r K o ch b a , der im Jahre 1913 begründet wurde, konnte feine durch den Krieg unterbrochene Arbeit wieder aufnehmen. Gegenwärtig zählt die Mannerabteilung wieder 60 Mitglieder, einer neubegründeten Damenabteilung gehören bereits 30 Frauen imd Mädchen an. Die Vereinsarbeit besteht in Turnen; die erforderlichen Räume filid vom Magistrat unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.. In den Monalen Juni und Juli ruhte der Durnbetrieb, dafür fand man sich in Zoppot am Straiide zusammen. Die Sportabteilung hielt sich im Sommer gut. 'Neben einer noch ziemlich schwachen Leichtnihletik-Ncaiinschaft zählt die Abteilung zwei gute Fußballmannschaften. Ben sportlicheii Wettkämpfen hat der Turnverein bereits recht erfreuliche Resultate erzielt, so bei einem Viannschastslausen, bei dem der Verein den sechsten Platz erhielt, und bei anderen Gelegenheiten. Ter Verein erfreut sich in Sport- und Turnkreisen allgemeinen Ansehens. Ter Wan der bet rieb wird regelmäßig gepflegt. Alle 14 Tage werden gemeinsame Wanderungen in die Umgebung Danzigs gemacht, Wald, :o«er und Berge besucht. Ter jüdischen Erziehung der Vereinsmitglieder dienen v ier zehn-t ägli che Bereinsabende, an denen ein Referat über eine jüdische Frage gehalten wird und die Vereinsc.U'gelegenheiien erörtert werden. er. Kattowitz, 29. August. Ti-e Au s b i ld ung j üdtsche r junger Leute zu Handwerkern ist durch die rührige Berlilier Zentralivohlsahrtsstelle der deutschen Zuden hier mit gutem Erfolg propagiert worden. Hier befindet sich ein Stamm jüdischer Handiverker der verschiedensten Berussarten, wodurch die Möglichkeit zur Ausbildung geeigneter junger Leute zu einer größeren Anzahl von Berufen gegeben ist. Tie Gemeinde und die hiesigen größeren jüdischen Organisationen haben sich bereit erklärt, einen ständigen Zuschuß zu den Unterhaltungskosten von Handwerkslehrliugen, die aus der Fremde dorthin Zur Ausbildung kommen, zu leisten, und die Zentralivohlfahrtsstelle wird auf Antrag 'unserer Gemeinde, sobald es die VerhäLtnW gestatten, alle Körperschaften, welche für eine Mitarbeit lmd für eine finanzielle Förderung auf diesem Gebiet in Frage kommen, in einer Konferenz vereinigen und versuchen, dem Wunsche der Gemeinde Rechnung zu tragen. Aehnliche Versuche -werden auch in anderen Gegenden unternommen. ML Hamburg, 29. August. Trotz der Beisetzung durch R-oichstruppen nimmt die Unsicherheit in unserer Stadt stets noch zu. Einem entsetzlichen Verbrechen ist ein Mitglied unserer Gemeinde zum Opfer gefallen. Der Kaufmann Siegfried Frankel, der in der Altstadt mit Hopfen,sack ein Garderobengefchäst betrieb, wurde i«n feinem Laden ermordet. Der Tat dringend verdächtig sind zwei Männer., die Militäranzug trugen und bei dem Ermordeten kurz vorher Einkäufe gemacht hatten. Ein größerer Geldbetrag fiel den Mördern in die Hand. Die Erntordung des. Herrn Frankel hat in der ganzen Stadt, namentlich aber, innerhalb unserer Gemeinde, große Erregung verursacht. Die Bestattung fand von der. Halle des Israelitischen Friedhofs m Ohlsdorf, aus statt. Außer dem Bruder, der von Rostock herbeigeeilt war, den Verwandten und Freunden hatte sich eine ganze Anzahl Gemeindemitglieder eingefunden. Als Vertreter des. Vorstandes der Deittsch-Fsraebitrschen' Gemeinde hielt Herr Syndikus Tr. N. M. Nathan dem Verblichenen eine tiefempfundene Gedenkrede. An knüpfend an das Bibel wort aus- Deuterono-mium, Kapitel 21, Vers 8, gab er der Trauer und dem Schmerz Ausdruck über das so sähe Hmscheiden des Glaubensbruders, dessen Andenken in der Gemeinde stets in Ehren gehalten werden wird. Nachdem der geistliche Beamte der Neuen Beerdigungs-Gesellschaft Herr Ignaz Mandl em ergreifendes Gebet für das Seelenheil des Verblichenen gesprochen, fand die Beisetzung statt. Mit Gebet und Segen hatte die Trauerfeier ihr Ende erreicht. — Oldenburg, 29. August. Die Beisetzung unseres verewigten Landrabbiners Dr. Mannheimer fand am Montag voriger Woche statt und zeigte, welchen Ansehens und welcher Wertschätzung der Verstorbene nicht nur in den jüdischen Kreisen von Stadt und Land und über die Laudesgrenzen hinaus, sondern auch in allen Schichten und Konfessionender Stadt sich zu erfreuen hatte. In der gedrängt vollen Synagoge war der Sarg aufgestellt. Unter den Anwesenden waren Vertreter der Staats- und Stadlbehördl: sowie der evangelischen und der katholischen Geistlichen. Zunächst gedacyle Herr Rabbiner Dr. Rosenak aus Bremen in seiner Trauerrede mit. i vor men Worten des Entschlafenen und zeichnete ihn in seinen trefflichen Eigenschaften als Menschen, Rabbiner und Beamten, als Menschen von ausgezeichneten Gaben und hoher Geistesbildung, der seine Kraft unermüdlich in den Dienst aller geistigen, kulturellen und sozialen Bestrebungen stellte. Ihm schloß sich Herr Lehrer Beruhe im aus Varel an, der die große Herzensgüte, die selbstlose Hilfsbereitschaft des Verklärten hervorhob und ihn im Auftrag des Vereins der jüdischen Lehrer der Rabbinatsbezirke Emden-O ldenburg- B re men in seiner Beden timg für Schulen und Lehrer schilderte, dabei besonders hervorhebend, daß der verewigte Landrabbiner stets der. treue Freund und Berater der Lehrer gewesen sei. Die kantoralen Funktionen hatte HerrOberkantor G -r o ß -aus Ha,mbu'rg überu-omimen. Hierauf folgte die Ueberführung der Leiche nach dein Friedhof, wo am Grabe die Herren Landrabbiner Dr- Hoffmann (Emden) und Landrabbiner Dr. Lewinsky (Hildesheim) den Verstorbenen als festen, zielbewußten Charakter, als einen Mann von großem, organisatorischem Talent und als treuesten Freund feierten, einen Mann voll sonnigen Humors, mit edlem Herzen und glühender Liebe zum Vaterlande. Hieraus sprach Herr Zacharias (Bremen) im Aufträge der dortigen Kaiser-Friedrich-Loge. Dann folgte das Schlußgebet des Herrn Rabbiner Dr. Rosenak. und «bald wölbte sich der Grabhügel über das, was an Dr. Mannheimer sterblich war. Ehre seinem Andenken! — Bremen, 29. August. Die „Weserzeitung" empfiehlt in einem Aufsatz über die Entwöhnung von Tabakgenuß als Musterbeispiel für die erforderliche Willensstärke die Energie der frommen Juden, die am Sabbat nicht rauchen dürfen, und erzählt, daß fromme Judenwenn sie noch so starke Gewohnheitsraucher sind und nicht von der Zigarre lassen können, am Freitagabend 'bei- Beginn der Feierweihe jede Lust am Rauchen verlieren und dadurch oft erst