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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-09-05 · Heft 36 (5.9.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 36 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, S. September ISIS Jahrgang. Nr. 36 Der Gemeindebote. Brllsgr zur „Allgemeinen Leitung des Judentums". korrrspondrnHkn und Nachrichten LkutWsnL. 2<V Berlin, 2. September. An bk jüdischen Gemeinden und Organisationen Deutschlands erging in diesen Tagen die Aufforderung des Verbandes der Deutschen Juden zur Benennung von Delegierten zur Hauptversammlung. Der Verband schreibt: „Am Sonntag, den 30. November d.J., wird in Berlin die VI. öffentliche H a up tve r s a minl u n g des Verbandes der Deutschen Juden tagen. Zwischen ihr und der letzten Hauptversammlung — in Hamburg 1913 — liegt statt des satzungsmäßigen Zwischenraumes die Spanne von sechs Jahren, liegt der Krieg, .der sie bedingte, liegt die Politische Umwälzung und der Jriedensschluß, der Deutschland weite Landesteile und in ihnen viele Gemeinden nimmt, mit denen uns tausend Fäden geistiger Beziehung noch .verknüpfen. Um so wichtiger ist, um so fester sei der ireiwillige Zusammenschluß derjenigen, die deutsch geblie'ben sind und bleiben wollen. Ernster als je heischen die Forderungen der wcum Zeit von der deutschen Judenheit zum Besten des Judentums wie zum Besten des Vaterlandes tatkräftige Einigkeit. Ihr sei die Hauptversammlung des Verbandes der Deutsckjen Juden Kennzeichen und Bürgschaft! ..." Die Tagesordnung der Hauptversammlung, die sich in diesem Jahr voraussichtlich nicht auf die regelmäßigen Vorträge beschränken dürfte, wird nach Beschlußfassung im Ausschuß des Verbandes bekanntgegeben werden, ebenso der Versa M'lülungsr.aum, der noch nicht gewählt ist. — Die erste Hauptversammlung in Berlin tagte 1905 in der Gesellschaft der Freunde, die vierte 1911 in Krolls Opernhaus. A—n. Berlin, 2. September. Einen erfreulichen Schritt s o - z I a l £ x G e m e i ndepol i t i k ha t der Vorstan d der Berliner Jüdischen Gemeinde getan, der besonders von der jüdischen Jugend, aber .auch vielen Ettern freudig begrüßt werden' wird. In richtiger Ertenntnis der gegenwärtigen Strömung, die viele ^unge Leute veranlaßt, sich ländlichen Berufen zuzuwenden, hat die jüdiische Gemeindeverwaltung veranlaßt, oein „Verein zur Forderung der Bodenkultur unter den d e u t s ch e n I u d e n" (Bodenkulturverein) eine Zuwendung, von 3000 Mart zu machen. Außerdem beschloß der Gemeindevorstand, denr Bodenkulturverein für oie von diesem geplante G a r t n e r e i l e h r a n st a l t von deui gaiedhossareal in Weißenjee 10 bis 12 Morgen zur zettweijen Benutzung zu überlasten. Um nun dieses höchst zeitgemäße Institut seinerjeits nach Kräften zu fördern, hat der D e u t i ch - I s r ae l r - l i s che Ge me i ndebu nd beschlossen, einen Teil seiner Gebäude von oer seitherigen Ardeiterrolonie behuss Unterbringung der Zöglinge zu überlasten. Durch das Zufammenlvirten der genannten norperichaften, der Großgemelnde Berlin, des Dentsch-Jsraeu ti scheu v-emeindebunides und des Bodenkulrnrvereins,' wi-rd voraussichtlich cm großes soziales Werk geschaffen, das unsere heutige nur auzulvlchr zur Fahnenflucht geneigte Jugend wieder fester an uns terren irnro. Wird erst einmal die jetzt Heranwachsende jüdische Jugend iMi-e, da>ß die Jüdische Gemeinoe sich auch für das foziale und wirtschaftliche Wohl seiner jüngeren Mitglieder durch unuicttelbare Zufammenarbett mit Vereinen, die derartige Ziele verfotsolgeu, interessiert, so wird diese Jugend tamu mehr cur Fatznens nicht denken. Der Bodentulturverein gedenkt noch tit diesem Jahre oie geplante Gardnereilehranstatt -in Weißenisee zu eröffnen-. Bei dieser Gelegenheit sei die Frage erlaubt, ob denn nicht auch für unsere indische -weibliche Jugeno eine ähnliche Lehranstalt gegründet lverden könntet Hat doch unsere Gemeinde in Marienselde zirka 200 Atorgen Friedhosslano, das hoffentlich noch viele Jahre nicht venutzt zu werden braucht. Könnte dieses Land nicht zunächst für die Levendeu nutzbar genmcht werdend ü. M. Berlin, 2. September. Dem Beispiel der Jüdischen Gemeinde in F r a n k j u r t a. M. folgend, hat auch die hiesige Jüdische o-emeinde eine S a m me l v o r m u n ds cha f t für jüdische Mündel eingerichtet. Die Tätigkeit des B e r u s s v o r mu nd es gegenüber ueiu einzelnen Mündel unterscheidet sich nicht von der des Einzelvoruinndes an sich, doch stehen dem Berufsvormund durch seine Stellung in einer Organisation ganz andere Hilfsmöglichkeiten zu Gebote als diesem. Um die fiersvnlichen Beziehungen zu den Mündeln, Müttern und Pflegestellen aufrechtzuerhalten, bedarf derBerufsvormund einer größeren Zahl von Wegerinnen und Pflegern. Ehrenamtlich sind bei der Sammelvormundschaft 14 Pflegerinnen und 9 Pfleger tätig. Neben ihnen wirkt seit dem 1. August 1917 eine Bernfspflegerin in besoldeter Stellung. Mit ihrer Einstellung haben die Gemeindebehörden eine Hauptforderung moderner Jugendpflege erfüllt, weil erst jetzt neben dem Besuch von Kliniken, Krankenhäusern irsw. im Interesse werdender Mütter die Kontrolle der Mündel ohne Rücksicht auf die weiten Entfernungen innerhalb Groß-Berlins planmäßig vorgenommen werden kann. So hat die Berufspflegerin von April bis September 1918 im ganzen 1003 Besuche erledigt. Die dauernde Kontrolle der Mündel und Pflegeftellen findet ihre Ergänzung durch ärztliche Sprechstunden. Bon den 471 beaufsichtigten unehelichen Mündeln starben 64, d. h. 14,9 Prozent, davon im ersten Lebensjahre 27, d. h. 6 Prozent, während die Säuglingssterblichkeit im Jahre 1913 in Berlin 13,7 Prozent betrug. In den verflossenen fünf Jahren wurden die Angelegenheiten von 668 Mündeln behandelt. Bon ihnen waren 508 unehelich. Es schieden aus: 42 eheliche und 237 uneheliche — 279, so daß am 30. März 1918 ein Bestand von 118 ehelichen und 271 uuehelichen — 389 vorhanden war. Unter den Ausscheidungsgründeu sind zu erwähnen: Tod 66, Adoption 4, Legitimation (durch nachfolgenden Eheschluß der unehelichen Eltern) 89, Volljährigkeit 16. D:e bisherige Entwicklung der. Berliner jüdischen Sauimelvormnndschast ist mit Ausnahme der ersten zehn Atonale während des Krieges vor sich gegangen. Die vorstehenden Zahlen, die wir einem interessanten Berichte des Sammelvormundes Rechtsanwalt Dr. Lamm im „Gemein deblatt" entnehmen, beiveifen, daß die neue Institution gute Arbeit leistet und einem wirtlichen Bedürfnis entspricht. Menfchenötonomie, der Schutz der Jugendlichen, ist eine der wichtigsten 'Ausgaben unserer Gemeinschaft im neuen Deutschland. J. D. Beelitz, 2. September. Am 21. v. M. haben die vier Berliner Logen der I s r a e l i t i s ch e n E r z i e h u.n g s a n st a l t f ü r g eist ig zur ü ct geb l i ebe n e Ki ude r i n B ee l i tz (Mark) einen Besuch abgestattet. Die trotz der Ungunst des Wetters stattliche Zahl der Besucher wurde bei ihrem Eintritt in die 'Anstall vom 'Ansialtschor mit BegrüßurigSgesang empfangen. Während der Kaffee eingenommen ivnvde, begrüßle Herr Direktor Bein namens der Anstatt die erschienenen Gäste und machte sie besonders mit Zweck und Ziel! der 'Anstalt bekannt. In feinen weiteren Ausführungen wies Herr Direktor Bein darauf hin, daß aber noch manches schöne Ziel seiner Erledigung harre, um nach seinen Ideen das gesamte Gebier der Schwachstnntgensürsorge ausznbauen. Er jührte aus, daß sich an das bestehende Schülerheim ein Lehrlingsheim oder eine Arbeitslehrtolonie systematisch anschließen müsse. mm> au diese ein Dauerheim, da die Erfahrung gelehrt habe, daß ein gewisser Prozentsatz der Zöglinge nicht die Fähigkeit erreiche, ein sewstündiges Leien zu führen, und dadurch einer sachgemäßen, dauernden Beaufsichtigung und Pflege bedürfe, und dieses könne eben nur in einem Dauer he im geschehen, in welchem die Insassen, ihren Fähigkeiten und ihren Kräften entsprechend, noch nützliche Arbeiten zu verrichten imstande sind. Die Gäste, die mit großer Ansmertsamreit den Ausführungen >des Herrn Direktors Bein folgten, dankten in warmen Worten für die interessante Darlegung. Herr Dr. Artur Kahn bedauerte in seiner Erwiderung gar sehr, daß nicht durch öftere und zahlreichere Besuche an solchen „Stätten des Ernstes" Gelegenheit genommen wird, das Interesse auch für die Schwachen und Hilflosen in weitere Kreise zu tragen. Herr Hermann A b r a h a m, der bekannte Vorsitzende des Berliner Vereins für Kindervolksküchen, glaubte es nicht allein bei beredten Worten bewenden lassen zu dürfen, sondern ließ diesen die Tat folgen. Herr Direktor Bein tonnte alsbald die Zeichnung einer beträchtlichen Summe verlesen, die Herr Abraham, auf einem Zettel rue der geschrieben, als Grundstock für das neu zu errichtende Lehrlingsheim spendete. Dem schönen Beispiel, das rnit lautem Bravo begrüßt lvurde, folgten weitere Zeichnungen, jo daß diese sehr bald eine stattliche Summe ergaben. Während die Gäste noch beim Kaffee saßen, wurden sie durch Gesänge des Schülerchors .unterhalten. Zur

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