Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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405 lieferung erhalten und erklingt noch heute in den Gotteshäusern Israels, wo die Stphira Jozroth gebetet werden. Feinsinger erfreute sich in Wilna infolge seiner hervorragenden Leistungen der größten Beliebtheit, und er galt als eine Autorität in der Kantorenwelt. Leider sollte dieser glänzende Stern am jüdisch-kantoralen Himmel bald erlöschen. Bei einem Besuche, den er seinem Bruder in Wilosen machte, folgte er der Aufforderung des dortigen Rabbiners, der gerade Jahrzeit hatte, auf dem Friedhofe El mole rachamim vorzutragen. Hierbei zog er sich eine Erkältung zu, an deren Folgen er im Jüdischen Krackkenhanse zu Berlin am 19. Mai 1872 starb. Er wurde in Berlin auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee bestattet, und der hiesige Kantor Abraham Goldberg errichtete, unter Beihilfe von Freunden und Kollegen, seinem verehrten Lehrer und Meister Jehoschua Feinsinger .'einen Grabstein, der folgende Inschrift trägt: so. Diese Nation, dieses „Kolk aus alter Zeit" (Jes. Xlll. 7), welches „sich höherer Oinlly -erinnert" und betrachtet die Sachen der Vortchlt (Jes. Llls 18), „weiß nichts, noch kann es verstehen" (Psalm 30, V, J.5), daß Du durch Deine Thora (Lehre) Licht geworfen Höst übe* ihre Thora (Gesetz) und daß die Augen der Hebräer, öevM sstame „blind"st bedeutet, wenn I man einen Bilchstaben steväwdMt (Jes. XIII. 18), jetzt sehen! können „aus ihrer Dunkelheit urtb Finsternis" (Jes. XXIX. 18). Deswegen stand ich auf gNh schrieb dieses Buch „Toledoth Adam", die GMe-riationeö ver Menschheit (Gen. 6.1), um den Kindern meints Volkes, dem Samen Jakobs, die Thora zu lehren, die Du gegeben H/P Erbe für alle Völker der Erde. Und ich fuhr fort zu vollbringen ein wundersames Werk unter dem Bvlke, wirklich £'!-« merkwürdiges Werk und ein Wunder (Jes. XXIX. 14)« ich sie befähigte, jetzt in der Thora von Moses. unserem tzehwr, „klar, und indem ich den Sinn gebe" Mehemia VII. 8), zu lesen das, D"2 nbw “12: “ip1 V'X nbnnbi a&b rron t» b'swö'i rnr:» nna DD-nsai stVN rin LNp2 nnt»b nair nirx w’mn tjd VV1N' irma “iV:rn"L mrSx ”n ifia p n"rr x' x dyo nas: bxi p”s>b äbnn n’a’X'j’n Sarwin, Vltjudentum und fljtrs Testament. AnIshlich^Lrnst tzoerkels Udlkbrn. 0bwvhl Darwin in Deutschland einen so hervorragenden Ergänzer, Jünger und — Verballhorner seiner Lehre gefunden, wie Ernst Haeckel — he out darwined me, er überdarw'nte mich, sagt er von ihm —, hat jener den deutschen Gelehrten und seinen „Haeckelianismus" in seiner Selbstbiographie merkwürdigerweise gar nicht erwähnt, ihn oft in seinen Briefen sein ironisiert, was das große Kind Haeckel gar nicht merkte. Um so interessanter ist, daß -dafür Darwin sagt, seine Lehren hätten sogar einen Uebersetzer ins Hebräische gefunden, der seinen „Ursprung der Arten" und sonstige Theorien im Alten Testament und Talmud vorgezeichnet gefunden habe. Es war dies ein gewisser Naphtali Halevy im fernen Radom, über den und sein Darwin gewidmetes Buch „Toledoth Adam" ich Weiteres nicht erfahren konnte; es fand sich nach Darwins Tod auch nicht mehr in seiner Bibliothek vor, da er es als Zeichen seines hohen Interesses der Cambridger Universität geschenkt hatte, deren Bibliothekar Henry Bradslaw ihm dessen Inhalt sowie nachfolgenden hebräisch geschriebenen Widmungsbrief übersetzte: Dem Herrn, dem Fürsten, „der aufgestellt ist als ein Wahrzeichen vor allem Volke" (Jes. XI. IO), dem Erforscher der Entstehung des Lebens, dem „lichten Sohne des Morgens" (Jes. XIX. 12) Charles Darwin, 'der lang leben möge. „Vom Anfgang der Sonne und vom Westen" (Jes. XIV C) wissen alle Völker von der Thora (Lehre), welche von Dir ausgegangen ist, „als ein Licht für das Volk" (Jes. XI. 4), und die Nationen „hören und sagen", es ist Wahrheit (Jes. Xlla). Aber mit der „Menge meines Volkes" (Jes. X. 16) Jakob, „dem Erwählten meiner Absichten" (Deut. XXX. 11,9) ist es nicht was Dm gespendet hast in deinen Thorvth (LehsthftcherN), daß deine Ansicht keineswegs abseits geht (Nom. fS. 12, 191) von der Ohorg Gottes. So werden sie Deinen 3ßam% in höchsten Ehren halten und gleichzeitig .-den Gott von Israel verherrlichet" (Jes- XXIX. 23). „%en Anblick all dieses" (Jes. XXIX. 11) fbstst D« sehen, o Fürst der Wahrheit, in tstseiy itzuch. das von «mir ausqeht (Geck. XXXII. und was immer Dein hoher Btrstanö daran nnszusetzen finden wird. dä „gehe daran, es zu schreiben ans eine und bemerke es in ein Brich lJes/XXX. 8) und erlaube mir, mein Werk zu ckknennen mit Deinem Namen, welcher verherrlicht wird und gewaltig verehrt von Deigr'ü Knechte. ^gphtali Halevy, d. h. der Levite, geschchebtz^, hier in der Stadt Radom in der Proyjuz Polen, im Monate Nissam, im 636, A. -O. 1876. Achwjn wird in derselben liebenswürdiq-hvrrischen Art diesen merkwürdigen Brief bsanti»vrt^t hhhfN wie seinerzeit den Bischöfen seiner eigenen Hochkirch?. pie (hm mit der Behauptung ein Vergnügen machen wollten, vast schon in der Genesis eine proadamitische ästest und Menschenrasse angedeutet sei. was übrigens auch Mrd BtstgN als Anhänger von Lamarck und Erasmus D<4ch,in in d>'r Djpel finden wollte. Darwin war dies um so gstichgültichr, o(s kr sich schon als Jüngling aus seiner Weltreise äußerte, Müsse denjenigen geradezu als geistig ungesupD (insanch erklären, der mehr im Alten Testament suche aB estwa in V*1 gsten Büchern der Inder, und daß er schon aus diesem Grstigde die Geselligkeit von Christus bestreiten müsse, weil die^r fidj immer auf dieses Buch berufe. Trotzdem hat Darwin ^ft stzit Zweifeln ringenden Gemütern mitgeteilt, das; sich seich MstchiMgslehre mit der Adam-und- Eva-Lchre vereinigen lasst, da es ihm wahrscheinlich dünke, daß eine Art nur ,Mter gMisstn Umständen an einem gewissen Ort entstehen könne, hfi tx sich aber dabet stets wunderte, daß man nicht die We/stn des Bissens und Glaubens streng gesondert halst, wird ev stbez. die gewiß reichlichen Sophismen der „Toledoth Adam" des guten Naphtali Halevy sehr gelacht haben. Wien, tt August \<)A „N. W. I." st Die Hestscr nxrd/n , die Blinden genannt. Die Redaktion.