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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-09-05 · Heft 36 (5.9.1919) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 36 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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das; es notwendig wäre, eine besondere Kommission dorthin zu entsenden, um die jüdische Frage zu untersuchen. Diese Ueberzeugung des Präsidenten wurde von der polnischen Regierung bekräftigt, indenl Herr Paderewski eine Untersuchungskommission forderte, die seststellen soll, ob die über die Vorgänge in Polen verbreiteten Nachrichten auf Wahrheit beruhen. Auch der amerikanische Gesandte Gibson forderte eine derartige Kommission und umschrieb in allgemeinen Umrissen deren Aufgaben und Ziele. Es ist erforderlich, das; die Kommission alles untersuche, was das Verhältnis zwischen Juden und Polen berühre — dies würde natürlich die Notivendigkeit einer Untersuchung der Pogrome und Ausschreitungen ergeben, die in Polen stattgefunden haben - , ferner den wirtschaftlichen Boykott und alle anderen Arten der Jlldenverfolgung. Die wahrheitsgemäße Erforschung all dieser Dinge sei jedoch nicht Selbstzweck, sondern verfolge vielmehr als Ziel die Aufdeckung der Ursachen der Pogrome und das Finden von wirksamen Heilmitteln gegen diese Ausschreitungen. Wie Ihnen bekannt ist, ist Präsident Wilson bereit, allen Elementen Polens Hilfe angedeihen zu lassen, ohne Unterschied zwischen Juden und Polen. Ich hege die Ueberzeugung, daß die Maßnahmen, die behufs Besserung der jüdischen Lage in Polen ergriffen werden, auch für die sonstige Bevölkerung von Vorteil sein würden und, umgekehrt, daß alles, was für Polen geschieht, auch den Juden znm Nutzen gereichen wird. Ich bin sicher, daß die Mitglieder Ihrer Kommission vom besten Willen beseelt sind, frei von jeder Parteilichkeit der Wahrheit auf die Spur Zu kommen und Mittel zur Verbesserung der Lage ausfindig zu machen. Ich erhoffe von Ihrer Mission die besten Resultate. Ihr Freund Lansing." K. f. d. O. * Palästina als Roftstoffgebret. Die Handelsbeilage der „Times" besprach kürzlich die wirtschaftlichen Aussichten Palästinas. Nach eingehender Behandlung -der noch vorhandenen landwirtschaftlichen Möglichkeiten wird auf die im Lande befindlichen organischen und mineralischen Rohstoffe hingewiesen. Das Land erzeuge bedeutende Mengen feinsten Olivenöls, das außer zu Speisezwecken auch für den Erport und zur Fabrikation vorzüglicher Waschseifen Verwendung findet. Der berühmte australische Eukalyptus gedeiht in Palästina vorzüglich. Der Maulbeerbaum ist dort ebenso wie in Syrien heimisch und ermöglicht eine ausgedehnte Seidenkultur. Zuckerrohr und Baumwolle können in den subtropischen Jordanniederungen stark vermehrt werden, wenn auch die große Nähe Aegyptens mit seinen ausgedehnten Baumwoll- und Znckerrvhrplantagen eine solche Kultur in Palästina etwas benachteiligen müßte. Alle diese Reichtümer sind noch starker Vermehrung und Verfeinerung fähig und bieten für die Gründung entsprechender Industrien aussichtsreiche Möglichkeiten. Was den Mineralreichtum Palästinas anbetrisft, so ist die geologische und namentlich mineralogische Struktur des Heiligen Landes noch eine Ziemliche terra incognita. Immerhin soll daran erinnert werden, daß Palästina einst eine stark ausgebaute eigene Metallindustrie besaß und daß auch heute dem Touristen fast überall Schwefel-, Gips- und Ouarztager begegnen, auch Alabaster ist nicht selten. Ausgedehnte Schichten von Pottasche, verschiedene Brom- .und Jodzusannnensetzungen sind neben Petroteulnquellen an den Abhängen des Toten Meeres vorhanden. Die Asphaltmassen im Judäischen Gebirge und mu Toten Meere ermöglichen in der Zukunft eine einträgliche Industrie. Auch Phosphatadern und Basaltsteine kommen in bedeutenden Mengen vor. Der Basaltstein, der heute nur als Baustein gebraucht wird, kann auch zu industriellen Zwecken verwendet werden, da er bis zu 20 Prozent reines Eisen enthält. Daneben kommen auch der Wasserreichtum und das starke Gefälle der Wasserläufe in Betracht, die zu Kraft- und Beleuchtungszwecken für das ganze Land verwertet werden könnten. Alles in allem kann gesagt werden, daß Palästina unter der kommenden modernen Verwaltung eine förmliche wirtschaftliche Revolution durchzumachen berufen ist, die ihm in einigen Jahren ermöglichen wird, auf dem Weltmarkt eine nicht unangesehene Stellung einzunehmen und sowohl als Produzent wie als Abnehmer für Westeuropa und Vorderasien in Betracht zu kommen. Der Pariser Korrespondent des „Judiszen Folk" berichtet aus sicherer Quelle, daß die Frage der Mandate im Orient, die jetzt vor einer speziellen Kommission behandelt wird, sich folgendermaßen verhält: Frankreich betont, daß, nachdem man jetzt kein Plebiszit in diesen unruhigen Provinzen mwrdnen könne und anderseits Amerika die französisch-englische Abmachung von 1&16 nicht anerkennen will, man vorderhand sich an ein anderes Prinzip halten soll. Diese Gebiete sollen vorerst durch das Militär derjenigen Großmacht, die dort die größten Interessen hat, besetzt werden. Damit kann natürlich nur Frankreich gemeint sein, da sich der größte Teil der türkischen Anleihen in seinem Besitze befindet. Anderseits denkt man, daß Amerika, falls es das Mandat über Armenien annchmen wurde, auch in der türkischen Frage ein großes Wort mitzusprechen haben wird. Sonst wird diese Frage hauptsächlich zwischen Eng' land und Frankreich erledigt werden. Antizionistifche Maßnahmen der Araber. Während ein großer Teil der arabischen Bevölkerung der jüdischen Kolonisation Palästinas aufrichtige Sympathien 'entgegenbringt, wird von einer kleinen, aber einflußreichen Clique gegen die jüdische Einwanderung gehetzt. Diese Araber zeigen eine große Rührigkeit. Sie haben Maßnahmen, getroffen, um einen -etwaigen Landkauf durch Juden nach Möglichkeit zu erschweren, und Gesellschaften begründet, deren Mitglieder sich verpflichtet haben, Grund und Boden nicht an Inden zu verkaufen. Sonderbarerweise ermutigen die englischen Behörden die arabischen Unternehmungen durch Gewährung von Krediten an die arabischen Bauern, während die jüdischen Unternehmungen in jeder Weise gehemmt und eingeengt werden. Divide et impera war zu alten Zeiten die höchste Weisheit englischer Staatskunst. . ' * Juden in Korea. Mr. Kwanhong Lee, Mitglied der koreanischen Friedensdelegation in Paris, teilte dem Vertreter der „Indischen Preßzentrale Zürich" über die Juden in Korea folgendes mit: In Korea selbst leben nicht sehr vi>cle Juden. Immerhin besteht in der Hauptstadt Söoul seit langem eine jüdische Kolonie, deren Mitglieder jedoch sowohl in Sprache als auch der Kleidung nach völlig den Koreanern assimiliert sind. Sie haben sogar den koreanischen Typus angenommen, so daß man auf der Straße einen Juden von einem Koreaner gar nicht unterscheiden kann. Das einzige Erkennungszeichen für die Juden bildet ihr Name. Im Koreanischen oder im Chinesischen gibt es nur einsilbige Namen. Wenn nun einer Su.nron (— Simon) heißt, so weiß man, daß er ein Jude ist. Man hat den Grund der völligen Assimilation der koreanischen Inden damit zu erklären gesucht, daß. die koreanisch-chinesische Kultur der jüdischen durch ihren Rationalismus sehr nahe stehe. Die Juden Koreas beschäftigen sich ausschließlich mit dem Handel und werden als äußerst tüchtige Geschäftsleute geschätzt. Ein wesentlicher Teil der kaufmännischen Mittelklasse in Korea besteht aus Juden, bk völlige Gleichberechtigllng genießen. Die Inden nehmen auch den ihnen gebührenden Anteil am Staatsdienst, es gibt jüdische Soldaten und Offiziere, Richter, Aerzte, Lehrer und Staatsbeamte. Es wird überhaupt kein Unterschied zwischen Koreanern und Juden gemacht, und der Antisemitismus ist den Koreanern vollständig fremd. Die Koreaner, die selbst unter der Fremdherrschaft der Japaner zu leiden Haben und sich nach Selbständigkeit sehnen, wünschen den; jüdischen Volk aufrichtig die Verwirklichung seiner nationalen Bestrebungen. Von der Eristenz von Juden ln Korea war bisher nichts bekannt. Es dürfte sich hier um eine ganz geringe Anzahl handeln, die vielleicht aus Nordchina eingewandert ist. Die Nachricht ist mit Vorsicht aufzunohmen. Lin ernttes Wort in rrntter Leit on ernlte Milche Männer und ffrsnen. Bon S i d o nie Werne r. ie schmerzvollen Vorgänge dieses Krieges verlangen, daß der Lebenstüchtige seine soziale Gesinnung in die Tat umsetze, dem Schwächeren abgebe von dem, was das Schicksal ihm an Kultur und Besitz zuerteilt hat. Die Revolution brachte Befreiung, und Anerkennung des Menschlichen, Erlösung von Vorurteilen, Aufhebung aller Unterschiede, sie wollte „die soziale Idee" sieghaft durchsetzen.

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