Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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auf ihr f echzi g j ä h r i g e s Be st e h e n zurückblicken, und sie kann es mit Genugtuung und Stolz tun, denn die Entwicklung der^Stiftung hat sich andauernd in aufsteigender' Linie bewegt. Sie berechtigt' auch für die Zukunft zu den besten Hoffnungen, wenn der Stiftung das bisher bewiesene Wohlwollen erhalten bleibt, das sich besonders in Vermächtnissen zum Zwecke der Abhaltung von Fahrzeiten und Seelengedächtnisfeiern und sonstigen Zuwendungen bekundet. Dadurch wird es hoffentlich mit der Zeit möglich, werden, die vollständige Verpflegung der Insassen durchzuführen, . wozu die Mittel der Stiftung bis jetzt nicht ausreichen. Das -Kuratorium der Stiftung ist zurzeit in folgender Weise zusammengesetzt: 1. Sanitätsrat Dr. Scherbe l, Vorsitzender und Anstaltsarzt; 2. Rechtsanwalt und Notar Tr. I a c o b s o h n , stellvertretender. Vorsitzender; 3. Karl K r e t s ch m e r , 1. Schriftführer; 4. Berthold. Nürn b erg, Kontrolleur; 5. Emil Adam, Schatzmeister; 6. Georg Eise n st ä d t, 2. Schriftführer. Möge die Stiftung in hoffentlich lange dauernden: Frieden ihre Wirksamkeit entfalten und weiier ansbauen können! w'. Oldenburg i. Gr.^ 22. August. Der in Bad K i s f i n g e n erfolgt e. Tod d e s L a u d e s r a b b i n> e r s Dr. Mannheimer hat unsere Gemeinde in tiefe Trauer versetzt. Der Verstorbene, der ein Alter von 55 Jahren erreichte, hat mehr als ein Viertoljahrhundert in unserer Gemeinde gewirkt. Dr. Mannheimer, ein geborener Hesse, empfing seine lalmudische Ausbildung auf der Jeschiba des Rabbiners Dr. Breuer zu Papa in Ungarn und studierte an den Universitäten zu Wien und Berlin, wo er am Hildes h e i m e r s ch e n Rabbiners e m i n a r die rabbinisck)eAutvrisation erwarb. Rach Beendigung seines Studiums wurde er als Stiftsrabbiner nach K ar l s r u h e, dann als Rabbiner nach L a u e n b u r g in Pommern, von dort 1891 als Landesrabbiner nach O l d e n b u r g berufen. Dr. M a n n h e i m e r entfaltete eine eifrige Wirksamkeit. Als Kanzelredner von großer Beredsamkeit und als. Organisator der jüdischen Schulverhältnisse im Großherzogtum hat Mannheimer seine ganze Kraft zur Entfaltung des jüdischen Lebens in Oldenburg eingesetzt. Es ist nicht zum wenigsten das Verdienst des Heimgegangenen, daß die Hauptstadt Oldenburg ihre Synagoge zeitgemäß erweiterte, eine neues Schulhaus, ein Gemeindehaus lind eine Mikwa errichtete. Die Organisation der Indischen Waisenfürsorge in unserem Lande ist ebenfalls auf Mannheimers Initiative zurückzuführeu. Neben seiner amtlichen Wirksamkeit hat der Heimgegangene sich auch auf jüdischliterarischem. Gebiete vielfach betätigt. Seine Arbeiten, „Die Kosnwgonie bei .den jüdisch-arabischen Philosophen des Mittelalters", „Psychologische Betrachtungen" und über den „Begräbnisluxus"' fanden gebührende Anerkennung. Als Vortragsredner erfreute sich Dr. Mannheimer. großer Beliebtheit. Vor drei Jahren konnte der Verstorbene sein fünsundzwanzigjühriges Amtsjubilaum begehen, zu dem ihm reiche Ehren zuteil wurden. Die hiesige Gemeinde und die' jüdischen Gemeinden unseres Landes stehen in tiefer Trauer an der Bahre dieses trefflichen Mannes. M. Hamburgs 22. August. Unsere Gemeinde hat den Tod eines hervorragenden Mitgliedes zu beklagen. Herr R ud ö l f L ev y, der Mitbegründer lind langjährige Vorsteher der Neuen Dannntor-^ynagoge, ist nach längerem Leiden im 72. Jahre aus dem Leben geschieden. Als Rudolf Levy im Kislew 1917 unter Teilnahme weiterer Kreise seinen 70.' Geburtstag beging, da wurden seine Verdienste, um die Hamburger Gemeinde, namentlich aber fein fegen-' volles Wirken um die Ausgestaltung des Gottesdienstes in der' Neuen Dammtor-Synagoge auch in diesen: Blatte eingehend gewürdigt.. Der Verlust dieses Mannes, der sich in allen Kreisen unserer Vaterstadt hoher Ächtung und Wertschätzung erfreute, hinterläßt eine schwer ausfüllbare Lücke. Zur Trauerfeier, die im Sterbe-- hause (Grindelhof) stattsand, hatte sich eine große Anzahl Leidtragender eingefunden. Außer dem Schwager Herrn Kommerzienrut Belg.ard ans Grandenz, der trotz aller Schwierigkeiten mit seiner Familie nach hier gekommen war, hatten sich viele auswärtige Verwandte und zahlreiche Freunde eingesunden. Unter den Erschienenen bemerkte man weiter Herrn Gemeindevorsteher Jos. L i p P n: a nn, Mitglieder des Repräsentantenkollegiums, den gesamten Vorstand, die Repräsentanten und die Beamten der Neuen Dammtor-Synagoge. Nach dem Bortrag von Trauerweifen durch den Synagogenchor hielt Herr Rabbiner Tr. L e i m d ö r s e r die Gedenkrede. Anknüpfend an die Worte aus Iesaias Kap. 54, Vers 17: „Dir ist das Erbe der Diener des Ewigen und ihr Verdienst vor mir" schilderte er. den Lebensweg des Verblichenen, der als echter Sohn des Stammes Lewi vor dem Ewigen stand, um für den Dienst des Allerhöchsten zu wirken. Der Verblichene, hat für. die würdige Ausgestaltung des Gottesdienstes nach alter Tradition geradezu vorbildlich gewirkt. Weit über die Hamburger Gemeinde gilt der Gottesdienst unseres Gotteshauses als vorbildlich; fein.Hinscheiden bedeutet einen unersetzlichen Verlust. Aber nach dem Ausspruch des.Propheten ist ja das Erbe der Diener Gottes, daß .ihr Werk, ihr Verdienst vor dem Ewigen sortleben wird. Was der Verblichene für die Ausgestaltung des Gottesdienstes gewirkt hat, das wird sortleberi für alle Zeiten. Mit Trostesworten an die Gattin, die ihm 46 Jahre treu zur Seite gestanden, sein Wirken für die Allgemeinheit stets unterstützte, schloß der Geistliche seinen ergreifenden Nachruf. Hieraus sprach der Vorsitzende der Neuen Dammtor-Synagoge, Herr M. Frünkel, dem treuen Mitarbeiter herzliche Worte des Abschiedes. Der Vorstand kann {einen Tank dem Verblichenen nur dadurch bekunden, daß er hier gelobt, in seinem Sinne weiter zu arbeiten. Sein Andenken wird für alle Zeiten in Ehren gehalten werden. Hierauf fand die Ueberführung nach dem Israelitischen Friedhöf in Ohlsdorf stark; nach dem Gebet und Segen des Rabbiners wurden die irdischen Ueberreste des vortrefflichen Mannes deni Schoße der Erde übergeben. L Elberfeld, 22. August. Am 22. bzw. 24. vorigen Monats veranstaltete der Jüdische Wohlsahrtsverband Elberfeld-Barmen seine ersten Gemeindeabende, von denen gemäß den Satzungen der eine in Elberfeld, der andere in Barmen stattfand. Die Sitzung wurde in Elberfeld durch, die erste Vorsitzende, Frau- El. Samuel, in Varmen durch den zweiten Vorsitzenden, Herrn Sanitätsrak Dr. Ollendorf, eröffnet. Frau Samuel betonte in ihren Einführungswyrten die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der bestehenden Organisationen, um alle für das eigene Ziel segenisreich arbeitenden' Kräfte für gewisse Probleme geschlossener und nachhaltiger sich anSwirken zil lassen. Es gäbe eben Probleme, die sollten und wollten nicht von einzelnen getragen fein; an ihnen müßte die Gesamtheit sich beteiligen und sich innerlich mitbeteiligt und mitverantwortlich fühlen. Aus diesen Gedanken heraus erklärten sich nach den schlveren Tagen der Revolution die jüdischen Gemeinden Elberfeld und Barmen' solvie fast alle Einrichtungen und Vereine bereit, sich zum Woylfahrtsverbande zusannuenzuschließen. Aus den: folgenden Tätigkeitsbericht der Geschästsführeriu, Fräulein Bonwitt, war ersichtlich, daß in der kürzen Zeit seines Bestehens schon mancherlei seitens des Verbandes geschaffen worden ist. Aus dem Bericht sei folgendes hervorgehoben: Dem Verband gehören bereits außer den beiden Gemeinden Elberfeld-Barmen 16 Vereine an. Auch Einzelpersonen können als Stifter oder Förderer beitreten. Die Geschäftsstelle befindet sich jetzt im Gemeindehause Elberfeld, Genügsamkeitsstraße 7. Tie Sprechstunden sind Montags bis Freitags von 9 bis 12 Uhr vor-. mittags. Ter Verband ist der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Inden in Berlin angeschlossen. Zweck des Verbandes ist, kürz zujammengefaßt, jegliche Hilfeleistung vorbeugender und verhütender Art. Eine Hauptaufgabe ist die A r be i t s v e r m i tte l u n g und im Zusammenhang damit die gerade in jetziger Zeit so wichtige Bern f s b e r a t u n g. Es wurden der männliche Arbeitsnachweis der Loge und die weibliche Stellenvermittelung des jüdischen. Frauenbundes übernommen und ausgebaut, mit deren Organisationen der Verband ebenso wie mit der Hauptstelle für Berufsberatung der Juden in Verbindung steht. In Anbetracht der augenblicklich so großen Schwierigkeiten aus den, erwähnten Gebieten sind die bis jetzt, erzielten Erfolge um so erfreulicher. Die Berufsberatung sucht der Verband durch Veranstaltung von Eltern- und Schülerabenden zu fördern und den Interessenten näher zu bringen. . An dem bereits stattgefundenen Abend sprach die damalige Sekretärin, Fräulein Po me ra nz, über „Die Berufswahl unserer Jugend".. Ue.ber die körperliche Eignung zu den verschiedenen Berufen wird Herr Sanitätsrat Dr. Levi im September referieren. Infolge der.mit dem Elberfelder städtischen Arbeitsnachweis^ gepflogenen Verhandlungen ist zn erwarten, daß die konfessionelle Weiterarbeit auch nach Schaffung der vom Reich vorgesehenen Berufsämter und.Provinzialberufsämter möglich sein wird. Das gleiche ist von Barmen zu erhoffen. Durch Hergabe und Vermittelung von Darlehen konnten in lnehreren Füllen Existenzen wieder aufgerichtet bzw. zu einer solchen verholfen werden. Ferner gelang es, für einige Personen ihre Angelegenheiten mit Behörden zu regeln. Ueberhaupt wird die Vertretung der jüdischen Wohlfahrtsarbeit den Behörden wie den öffentlichen