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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-29 · Heft 35 (29.8.1919) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 35 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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391 Neue Eisenbahnen in Palästina. Der Hohe britische Kommiss ionsrat in Konstantinopel hat einen Bericht über die von den britischen Behörden in Palästina geleistete Arbeit veröffentlicht. Mehr als 500 Kilometer neuer Eisenbahnstreckensind vollendet worden. Expreßzüge, mit jedem Komfort ansgestattet, Verkehren Mischen Haifa und Kairo. Mit der Wiederausforstung der Jerusalem umgebenden Hügel und des Berges. Karmel ist begonnen worden. Die Einberufung eines konstituierenden Parlaments wird in Kürze von den Behörden angeordnet werden. # Nordan iilxr den Reazionismns. Lallt „Jewish Times" ist Max Nordall mit der jetzigen Leitung und .Politik der zionistischen Bewegung nicht einverstanden. In einem von Granada in Spanien vom 12. Juli d. I. datierten Brief an einen seiner Pariser freunde drückt Nordau u. a. seine Unzufriedenheit wie folgt aus: „Man berichtet mir, daß junge Allhänger des Neozionismus in London sich öffentlich brüsten, es sei ihrlen gelungen, Herzt von der Belvegllng zu beseitigen. Es ist dies feine Uebertreibung; sie haben Herzt nicht nlir beseitigt, sondern ihn einfach Vertrieben. Diejenigen, die sich ihre eigene Autorität als Advokaten und Führer des jüdischen Volkes proklamierten, sind alte Bekannte aus Charkow her, lind ihre Anlläng.r haben ständig gegen Herzt Krieg bis aufs Btllt geführt. Die jetzt dominierenden Ideell sind dieselben, die Herzt stets mit größter Entrüstung und heiligem Zorn bekämpft hat, lvozil ihn seine Sorge lim die Zukunft des jüdischen Volkes berechtigte. Es ist dies die mystische Eselei Omn geistigen Zentrum der jüdischen Kultur in Jerusalem lmd die Narretei von langsamer und vvrsichtigc-'r Eindringung in Palästina, um im Laufe von 50 Jahren dort Hnnderttausende von jüdischen Kolonisten anzllsiedeln. Wer hellte Herzt lobt lind sich gleichzeitig nicht mit seiner letztenEuergie demStrom entgegenstellt, der den Zionismus in eineRichtung führt, welche direkt antagonistisch zlir Richtung Herz Isaac Spier (Bocholt i. w.), der Senior der jüdischen Lehrer Deutschlands, beging am 11. April d.I. feinen 90. Geburtstag. (Siehe „Gemeindebote" 1919, Nr. 15, Seite 3 unter G. G. Bocholt i. W.) zl ist, der ist fürwahr unaufrichtig." Achad Haam über den jüdischen Staat. Achad Haa m hat an die amerikanisch-jüdische Presse ein Schrei bell gerichtet, in welchem er sie davor warnt, ans Sensationslust die Volks-Phantasie durch übertriebene Meldungen über die- Verwirklichung des zionistischen Programms zu entfachen. Sie bringt, sagt er, dlrrch ihre Berichte- -das Volk zum Glauben, daß in Kürze . in einigen Tagen, Wochen ober Monaten -— Palästina unser sein wird, ein richtiger jüdischer Staat, in welchem Hunderttau seil de von Jndeil, die ihren Leiden entrinnen wollen, unter.ihrer nationalen Fahne Rettung und Ruhe finden werden. Es scheint, daß niemand sich der große Gefahr bewußt -wird, die -dies für die Massen in Gälnth wie auch für unsere nationale Arbeit in Palästina bildet. Wenn ich auch überzeugt bin, daß die an der Macht Seienden ihre gegebenen Versprechen erfüllen werden, s.o dürften dennoch Jahrzehnte vergehen, bis wir mit Recht einen -tatsächlichen „Jüdischen Staat" werden fordern können. Im Verlaus dieser Uebe-rgangszeit, bis wir die Mehrheit im Lande erringen, müssen unsere wichtigsten Eigenschaften Fleiß und Geduld sein. Mit offenen Augen lind ruhig ein Sinn müssen wir den vor uns sich austürmenden Berg besteigen, mit genauen und abgemessenen Schritten, mit unaufhörlichem Fleiß llnd Gedlild, ohne Rücksicht auf Tage und Jahre. Mit bloßen Träumen richtet man ein Volk nicht wieder a-uf. Achad Haam schließt mit der Bemerkung, wenn man alich die Höchst zahl, der Palästina-Emigranten derzeit mtt Sicherheit nicht bestimmen könne, glaube er doch nicht, daß bei dem 511 erwartenden Emigration sstrom alls den östlichen Ländern alle Emigranten Lebensunterhalt in Palästina lverden finden können, lieber die eventuellen Folgen wolle — . er lieber nicht sprechen. „Wollen lvir hoffen, das; rms der Gott Zions v 0 r diese m schrecklichen Unglücke bewahren werde." Orgsnilatmn, lge?irk8gkmelndkn, Kejchsluüknlteukr." Vorschläge von Rabbiner Dr. N e u f e l d (Briefen)... Ausführungen in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juli über die Sorgen der Kul'tusbenmten in der Ostmark sind wohl all denen aus dem Herzen gesprochen, die jetzt in den zu Polen kommenden Gebieten als jüdische Beamte wirken und damit rechnen müssen, daß ihre Städte von Juden entvölkert weiDen und schließlich auch für den Kultusbenmten keine Existenzmöglichkeit mehr vorhanden ist. Der Verfasser des erwähnten Aufsatzes hat leider seinen Namen verschwiegen nnb sich dadurch dem Tank, den er sich ehrlich verdient hat, 'entzogen. Man kann ihm wohl am besten danken, wenn man seinen Anregungen folgt: nicht nur die in schwerer Sorge lebenden Ostmärker, sondern die ganze deutsche Judenhe-it wurde reichen Nutzen daraus ziehen. Er lveist den Großgemeinden und den großen Organisationen die schöne Aufgabe zu, helfend einzugreifen, denen eine Existenz zu schaffen, die ihre bisherige im Osten verlieren. Sicherlich werden die Großgemeinden zu ihrem Teil an diesem großen Werke Mitarbeiten, zumal gerade sie den größten Teil der oft recht steuevkräftigen ostdeutschen Juden in sich aufnehmen lverden und daher dein eigenen, stetig wachsenden Bedürfnis entsprechend die Zahl ihrer Rabbiner, Lehrer, Kantoren usw. vermehren können. Mehr aber Hoch werden die großen Proviuziakorg,anis,ationen eingreisen können. Organisation, dieses Schlagwort unserer Zeit — seit Jahrzehnten haben wir es ersehnt, erkämpft, weil es auch uns Macht bedeutet, und noch immer haben wir es nicht errungen. Vielleicht *) Wir veröffentlichen diesen Artikel als beachtenswerten Beitrag zur Diskussion über die die jüdische Oeffentlichkeit feit längerer Zeit beschäftigende Org-anisationsfrage, ohne' daß ' lvir mit den An-?- führ ungen des Verfassers -ganz übereinstimmen'. Die R e d a k t v0 n.

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