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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-22 · Heft 34 (22.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 34 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Oesterreichs, die ja auch auf der Tagung vertreten waren, zur deutschen Studentenschaft gehören sollen. Aber der Herr Berichterstatter, der, nebenbei bemerkt, auch Vorsitzender des Deutschvölkischen Student-e.nm rvandes ist, deutete diesen Paragraphen so, daß damit aus-gedrückt werden soll, daß. nur Studenten deutscher Rasse zur deurschen Studentenschaft gehören. Daß damit an nichts .anderes als an das Hinauswerfen der jüdischen Studenten gedacht, ist, leuchtet jedem ein. Außerdem hatte der Deutschvolkische Studentenverband in dieser Dersammluug Flugblätter verteilt, in denen zur Bohkottierung jüdischer Professoreni aufgefordert wird. Doch das nur nebenbei. Die sozialistische Studentengruppe, die jüdischen und alle anderen rechtlich denkenden Studenten versuchten mm rom Studentenausschuß eine Erklärung darüber zu erlangen, wie sich, der Ausschuß zu dem ersten Paragraphen der Perfassung stellt. Der aber weigerte sich, einen Beschluß zu fassen, und beschloß, eine allgemeine Abstlmmung darüber herbeizuführen, ob die jüdischen Studenten zur deutschen Studentenschaft gehören. Es ist unerhört, daß über diese für jeden rechtlich.denkenden Menschen undistutierbare Frage eine allgemeine Abstimmung erst herbeigesührt werden m.uß. Aber die antiseuli tische Ströniung in der Hamburger Studentenschaft ist derart stark — gehören doch fast alle großen Korporationen dem Deutschvölkischen Eludentenverbano an ., daß es für alle anderen nicht antisemitischen Studenten von großer Wichtigkeit für. ihre weitere Tätigkeit in der Studentenschaft ist, zu erfahren, wie die Mehrheit über diese Indenfrage denkt. Diese Abstimmung soll zu Beginn des nächsten Semesters, Anfang Oktober, stattfinden. Ta aber die sozialistischen, und jüdischen Studenten es für unbedingt nötig erachten, daß diese Frage wenigstens noch in diesem. Semester besprochen würde, hatten sie Unterschriften gesammelt, die vom Studentenausschuß eine Vollversalllmlilug -der Hamburger Studentenschaft verlangten. Geschäftsordnungsmäßig kann ein Zehntel aller Studenten die Einberufuug einer Bollveriammtung verlangen. Tie Unterschriftenliste umfaßte mehr als ein Zehntel der Studenten, und so wäre also der Ausschuß verpflichtet, die Vollversammlung einzuberufen. Aber er dachte gar nicht daran, was kümmern den Aiisschuß auch sestgelegte Rechte, sondern erklärte, daß es zu spät dazu 'wäre, obwohl das Semester erst am 15. August schließt. Es bleibt ja nun nichts anderes übrig, als den Beginn des neuen Semesters abzilwarten. Ta wird sich ja dann entscheiden, ob die Hamburger Studentenschaft in ihrer Mehrheit antisemitisch ist, lind daraus wird sich ja dann alles Weitere ergeben. Unterdessen hat Gör nagen, der Borort der deutschen Ltudeurenschaf.t, um Entscheidung gebeten, sich dahin geäußert, daß inner „Deutschen" selbstverständlich alle Deutschen ohne Unterschied des G l a u b e n s b e t e n n L n i s s e s zu verstehen sind. Ter Studentenausschuß gibt das bekannt und erklärt, daß damit die Frage für ihn erledigt ist. 'Aber eine Schande ist es doch und ein bedauerliches Merkmal für den Geist, der die heutige Studentenschaft beseelt, daß solche Dinge überhaupt diskutiert iverden. er. Elberfeld, 15. Anglist. In der Stadtverordnetenversainmlung uiachte ein antisemitischer Stadtverordneter bei der Erörterung von Anträgen über die Frage: Freier Handel oder Zivangsivirtschaftl scharfe Ausfälle gegen das Judentum. Er wiirde aus der Versaminlung heraus wiederholt stürmisch unterbrochen, ulid mehrere •)i£ju<n der einten traten ihm energisch entgegen. Es ivurde dabei de.u Bedauern Ausdruck gegeben, daß durch derartige Auseinandersetzungen das Niveau der Verhandlungen gewaltig herabgedrüttt würde. Um eine Wiederholung derartiger Vorgänge zu vermeiden, beschloß die Versammlung einstimmig, daß in Zukunst eine Behandlung der antisenritischen Fragen vor: allen Parteien untermeiben müsse. Ängsrn. r. Budapest, 15. August. Tie antisemitische Bewegung, die sofort nach dem Sturz der Rätedittatur eingesetzt har, ist noch immer nicht abgeslaut. Die Bewegung, die mit der gewalttätigen Entfernung der Iudeli. aus den Ntinisterien und hauptstädtischen vuiiiteni begonnen hat, sich dann aus die Hochschulen svrlpslanzte, ziir Infultierung der jüdischen Hörer und Professoren führte, um sieh schließlich in argen Straßenexzessen, in häufigen Ueberlällen wehrloser Juden auf den Straßen Lust zu machen, dauert noch immer an. Allerdings sind die antisemitischen Hetzer von der Straße verschwunden, da ihr Treiben auf der Straße unmöglich gemacht wurde. Sie setzen nun ihre Tätigkeit an den Hochschulen und in den Aemtern um so eifriger fort; so sah sich der Rektor der Technischen Hochschule gezwungen, zu verkünden, daß, wenn die Ruhe und Ordnung an der Hochschule nicht hergestellt lverden könne, er die Vorlesungen bis aus weiteres sistieren müsse. Hierauf begab sich ein aus 24 Mitgliedern bestehendes Komitee zum Rektor, erklärte ihm die Ausrechterhaltung der Ordnung zu garantieren, wenn die Juden die Vorlesungen nicht weiter besuchen. Ter Rektor ging hierauf ein und forderte die jüdischen Hörer, etwa 60 Prozent aller Hörer, auf, den Vorlesungen einstweilen fernzubleiben. Hieraus beschlossen nun auch die jüdischen Professoren dieser Hochschule, keine Vorlesungen abzuhalten. Dieselben Entschlüsse faßten die jüdischen Professoren an der medizinischen Fakultät, die von ihren christlichen Hörern beschimpft wurden. Kolm. z. Warschau, im August. Die Konstitntionskonunission des Polnischen Landtages befaßte sich eingehend mit der Frage der territorialen Autonomie für Ostgalizien. Dabei hatte der Abgeordnete Grün bäum Gelegenheit, den jüdischen Standpunkt in dieser Frage auseinanderzusetzen. Er erklärte: Die Frage betreffs Ostgaliziens muß erwogen werden. Mögen noch Zweifel darüber bestehen, ob die Ukrainer ein Volk sind oder bloß ein ethnographisches Element, das sich den Russen oder Polen assimilieren wird, zugegeben muß jedoch iverden, daß speziell während des Krieges die nationalen Unterschiede zun schon den Ukrainern und den Polen und Russen sich verschärft haben. Alle Projekte, die den politischen Motiven der ukrainischen Bewegung nicht Rechnung tragen., können dazu führen, daß Galizien zur Stätte steter Unruhen wird. Einer der Redner sagte Abg. Grünbaum sprach von der Notwendigkeit der Einführung von nationalen Katastern in Ostgalizien und bemerkte dabei, daß die Juden, vor die Wahl zwischen einem polnischen und einem ukrainischen Kataster gestellt, für den polnischen sich entscheiden würden. Bezüglich eines j ü d i s ch e n Katasters meinte dieser Redner, daß er nicht annehme, daß eine solche Forderung gestellt lverden könnte. Ich dagegen kann nicht annehmen, daß ein derartiges Postulat nicht anerkannt würde. Eine solche Fragestellung an die Juden, wie sie jener Redner will, könnte die Juden in Zukunft nur zur Beschwerdeführung vor dem internationalen Forum veranlaßen. Woher die Sicherheit, daß die Inden sich für den polnischen Kataster entscheiden werden? Bor diese Wahl gestellt, lverden die Juden in Ostgälizien rechnen müssen nicht nur mit dem, was ist, sondern auch mit dem was sein loird. In den letzten polnischukrainischen Kämpfen waren die Juden neutral, es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß sie in Hinkunst namentlich im Hinblick ans die Politik der polnischen rechten Parteien, zu den Ukrainern hinneigen und für den ukrainischen Kataster sich enlschej.den werden. Alls einen Zwischenruf des Abg. Lutoslawski, daß ihm dies sehr lieb wäre, fuhr Grünbaum fort: Ich würde mit dies nicht wünschen. Ich erachte es daher auch für den Fall der Einführung von Katastern für nötig, einen eigenen jüdischen Kataster zu schassen. Es ist das grundsätzliche Merkmal der Politik der rechten Parteien gegenüber den Iudeli, daß sie die Juden bewußt in das gegnerische Lager drängen und sie dann -- der Polenfeindlichkeit beschuldigen. Diese Arbeit gereicht zuur Schaden des polnischen Staates und ich als polnischer Bürger lnöchte nicht, daß die Juden neuerdings in eine solche Zwangslage hineingedrängt werden lind sich nicht für den ukrainischen Kataster entscheiden. Die Juden in Ostgälizien lverden ihren eigenen Weg gehen und werden sich von niemandem als Werkzeug der Unterdrückung mißbrauchen lassen. — Die Rede Grünbaums wurde voll den Kommissionsmitgliedern aufmerksam angehört. Palästina. ### Jerusalem. Das askenasische Iüdifche Eouncil hat im Namen der Jerusalemer Iudenschast durch den 'lateinischen Patriarchen in Jerusalem. Monsignore Filippo Camasse einen Brief an den Papst gesandt, in welchem sie an ihn appellieren, seinen Elnslnß aus die katholischen Völker in. Polen .und Litauen zw gebrauchen, um oen Judenmassakern ein Ende zu machen. Folgendes ist der ^ext des Briefes: „Da m Polen und Litauen Blut in Strömen vergossen rvird, sehen wir uns veranlaßt, im Namen der Heiligen ^tadt Ierusalenr,

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