Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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dem Litze der mm]Cit Gerechtigkeit, uns an Ihre Heiligkeit, das religiöse Haupt und Träger üoh jo vielen Millionen Btenswen, zu lvenden, mit der Bitte um Mitgefühl und Erbarmeil, daß Sie geruhen, Ihren ganzen lnächtigen Einfluß teil Sie über zahlreiche Böller haben, ei nznsetzen im Tieuste inen sch liel>er, von Gott geschaffener Wesen und alles zu veranlassen, was in Ihrer großen geistlichen Beacht liegt, bantit Den schlechten, Haridlungen gelvisser Völker ein Ziel gesetzt ivird, dereil Taten dem religiösen Geist ivi der sprechen, und die leidenden Löhne Israels .unter Ihren mitleidsvollen Schutz nehmen. Möge das Erbarmendes Himmels auf unsere leidenden Brülder von Israel herniedersteigen, und möge Eure Heiligkeit, die sicherlich die geistige Verkommenheit gewisser Bölter bedauert und das Morden und die Leiden von Tausenden von Seelen beklagt, alles, was möglich ist, tun, um den Söhnen Israels in diesen Ländern Hilfe zu bringen und sie von der ihnen drohenden Gefahr zu retten." Von MH und JFtrn. — Tie Dozenten an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Tr. Eduard Baneth und Tr. I. El bogen sind zu Professoren ernannt worden. - Ein neuer Ministerialerlaß stellt gegenüber der Ansicht, die Prüfung in der Religion sei .auch für solche Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten wieder eingeführt, d»-e nicht am Religionsunterricht teilnahmen, ausdrücklich fest, daß kein Schüler eine Prüfling in Religion abzulegen hat, der nicht .am Religionsunterricht teilgenommen hat, falls er nicht eine Prüfung in diesem Jache für sich beantragt. — Tie in Rr. 32 gebrachte Notiz, daß Lehrer Hopp aus Posen bei der Berliner Aidaß Iisroel Anstellung gefunden habe, beruht ans Inem Irrtum. Bon den in der Stadt Posen verdrängten jüdischen Lehrern ist noch 'einer versorgt lvorden. Ans der Provinz Pvien sind bish'r erst zlvei jüdische Lehrer angestellt lvorden, und zivar die Herren Sinais o h n itnö Spield o ch , beide bei der Adaß Iisroel in Berlin. Bei der gesetzlichen Regelung der Verhältnisse der im Osten 'frei lverdenden Beamten findet die Frage der jüdischen Lehrer mit ihre Erledigung. - Ter Berliner Komponist Paul Ertel ließ in einem Festkonzert zu Düsseldorf durch das Rheinische Streichqartett unter Leitung des Hofkollzertmeisters Julian Gumpert sein neuestes Oplis „Hebraikon", Streichquartett über hebräische Melodien, erstmalig zur Anssührnng bringen und hatte einen starken Erfolg zu verzeichnen. - Einen tiefem pfnu den cn Nachruf lvidmet der Vorskaud und das Reprüsentantcnkollegiuni der Synagogengenleinde Benthen ihrem am 10. d. Bl. verstorbenen Kantor itnb Kultnsbeaulten Herrn W. A. L ö b in der „Beuthener Zeitung". Der Heimgegangene hat in 22jähriger treuer lilld g elvi sie nhaster Pslichtersüllullg seiueul Amte obgelegen lind sich wegen scines bescheidenen llnd lauteren Wesens allgemeiner Achtulig und Wertschätzung erfreut. Seine berlifliche Treue und biedere Lebensführung sichern ihm ein dauerndes Andenken. Bei dem imposanten Leichenbegängnis gab Herr Oberrabbiner Tr. Kopfstein in tiefergreifender Rede ein Lebensbild des Berstorbenen. Am 0. d. Bl. feierte in seltener Rüstigkeit der Rabbi na ts a sie sior Abraham Mngdan in Breslau seinen 70. Geburtstag. Herr Bkngdan erfreut sich in lveiken. Kreisen seiner Gemeinde großer Wertschätzung, die auch in zahlreichen Glücklvün sehen zum Ansdruck tarn. - - Bankier Felix L a ndsb e r g e r in Glogau überwies der dortigen Synagogengenleinde 20 000 Mart, deren Zinsen zur Unterstützung jüdischer Studierender dienen sollen. — Aus Lissa i. P. wird uns geschrieben.: Ter einzige Lehrer der hiesigen j-üdischeu Schule, Herr E oha, hat wegen der politischen Berhältnisie sein P-eusionsgefuch bei der Regierung zu Bromberg eiugereicht. Es ist bewilligt lvorden. Er verzieht zum 1. Oktober d. I. nach Berlin. Hoffentlich bleibt die hiesige jüdische Schule bestehen. - - Rabbiner Tr. Walter in Bromberg ist zum Land- und Lrtsrabbiner von Ko siet gewählt worden. Ter Borstand der Synagogengemeinde Halle a. d. S. ist dem Ersuchen, das die Rep räfenta n tenverfam mlung einmütig .an ihn gestellt hat, einstimmig beigetreten. Danach lvird ohne' Aenderung des Gemeindestatuts der Rabbiner zu sämtlichen Vorstandssitzungen mit beratender Stimme zngezogen und zusämtlichen Reprüsentantensitznngen eingeladen, wo er das Recht erhält, wie ein Vorstandsmitglied jederzeit das Wort zu ergreifen. — Zurzeit wird in Köln auf Veranlassung der englischen Besatzungsbehörde eine Schrift vertrieben, betitelt „Ter Antisemitismus in Deu.tschl.anid", gedruckt in London bei William Elowes and Sons. — Herr Philipp M a r cus, der seit vielen Jahren ehren-amtlich als Schatzmeister der Synagogengemeinde Köln fungiert, beging in seltener körperlicher und geistiger Frische seinen achtzigsten Geburtstag. — Tie letzte Sitzung des Arbeiterrates in Frantfvn a. M. nahm gegen die Iudenhetze Stellung, die i.i den gegenrevolutronären Kreisen betrieben wird. Der Referent wies darauf hin, daß die Iudenhetze der Reaktion nur Äs Deckmantel für ihre Bestrebungen dient, .gegen die Republik vorzugehen. Tie Versammlung sprach sich auf das schärfste gegen die antisemitische Machenschaft. aus. -- R-abbiner Tr. Weilt, bisher in Buxweiler, ist zum Oberrabbiner von Kvlmar und des Departements Rhein gewählt lvorden. — In der Schweiz ist bekanntlich seit geraumer Zeit das Schächten als angebliche Tierquälerei verboten. Diese Maßnahme war für die Tauer dos Kriegszustandes, rh> die Juden Fleisch nicht in genügender Menge vom Anstande beziehen konnten, für Luzern und Lausanne aufgehoben worden. Eine Eingabe des Zentralvorstandes der deutsch-schlveizerifchen Tierschutzvereine, diese Erlaubnis wieder zu entziehen, wurde vom Iustizdepartement abschlägig beschieden. Man will damit warten, bis Schächtifleisch in genügendem Umfange vorn Ausland wieder eingeführt werden kann. Ein Gesuch von jüdischer Seite, bis zu diesem Zeitpunkt das Schächten auch in Baselstadt zuzutasien, wurde abgetehnt. — Rabbiner Alfred Levy, Großrabbiner von Frankreich, ist am 22. Juli, 79 Jahre alt, verschieden. Er amtierte seit 1908 und war vorher Oberrabbiner von Paris. — Rabbiner Dr. M. Friediger (Oderberg) ist zum Oberrabbiner der jüdischen Gemei'N'de in Kopenhagen gelvählt lvorden. — Am 8. d. M. feierte Rabbiner Tr. Hermann Handl in Eibenschitz seinen 80. Geburtstag. Mögen dem Jubilar, der seit 37 Jahren in der genannten Gemeinde wirkt und sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, noch viele Jahre ungetrübter Gesundheit und rüstigen Schaffens beschieden sein. -- In der Bukowina lverden die Juden von den rumänischen Okkupationstrupp-en gezwungen, Kriegsdienste zu leisten, obgleich sie im Kampfe zloi-schen- Ukrainern und Ru-mänen ihre Reutraliät. ProtlamierH haben. Tie in der Butowina ausgehobenen jüdischen Soldaten werden in den Kämpfen verwandt, die von den rumänischen n.nd Polnischen Truppen in Ostga-lizien gegen die Ukrainer geführt lverden. Jeder Protest gegen, dieses völkerrechtswidrige Borgehen der rlunän-ischen Behörden wird auf Grund des Kriegsrechkes ilnwrdrückt. „The Narion" vom 18. Juli führt aus: Wenn die Polen auf die gute Meinung irgendeines Aden schon in England Wert logen, so ist es absolut notwenidig, daß sie den Iudenmassakers ein Ende machen. Erst dann, wenn lvir von einer gerechtcn Bestrafung der Schuldigen an den letzten Pogromen in Paten etwas gehört haben, können loir mit mehr Ueberzeugung für die Wünsche der Polen auf Kredit für. die Lieferung der Rohmaterialien, die sie benötigen, eintreten. —- Tie „Westminster Gazette" berichtct von einem bolschewistischen Radiotelegraurm, daß das Svwjetkommisiariat ein Dekret erlassen habe, loonach die hebräische Sprache in keiner Schule mehr gelehrt lverden dürfe, weit sie tot sei und vom jüdischen Bolke nicht .mehr benutzt, werde. (Die Bestätigung dieser und ähnlicher Nachrichten bleibt abzulvarten. Tie Red.) Aus Wilna, wird gemeldet: Ter Alagistrat der Stadt Wilna hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, drei Witnaer Gassen nach den jüdischen Gelehrten Rabbi Eli ja hu G a o n, S ch r r n s ch u n und F i n n zu benennen. — Aus Warschau lvird berichtet: Gräfin Krasinski teilte dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Warschau, Herrn Rund st ein, mit, daß sie zum Zeichen des Protestes gegen die Pogrome eines ihrer Häuser der Jüdischen Gemeinde schmken lvvlle. Die Indische Genteinde hat besch!offl.n, dieses Gechenk in11 Tank anzunehmen. — Tie Jüdische Pressen träte (Zürich) meldet: Rabbi Stephan Wise (Relv B'ork) hat dem Nationatkolnitee der amerikanischen Arbeiter- Partei seine Dienste zwecks Einigung mit der Stahlmduskrie äuget ragen. Samuel Gompers hat das Angebot von Rabbi Wise atzeptiert. - Ter Mitbesitzer einer hebräischen Druckerei in New Bort, Herr Ehaim Grnschkin, har eine Blaschine erfunden, aus der man hebräische Lettern mit Punktierung setzen kann. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max F a h r n l ä n d e r , Neukölln. Druck itnb Verlag von Rudolf Masse.